Achtung, Apple! Xiaomi größere Bedrohung als Samsung

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Schmaler Grat zwischen Vorbild und Nachahmung: Xiaomi  ist offenkundig das Apple Chinas
Schmaler Grat zwischen Vorbild und Nachahmung: Xiaomi ist offenkundig das Apple Chinas(© 2014 Apple, Xiaomi, CURVED Montage)

Alles läuft wieder für den Kultkonzern aus Cupertino. Das iPhone bleibt auch im achten Jahr Kassenschlager – das Wachstum zog zuletzt sogar wieder an, während Erzrivale Samsung seinen Zenit überschritten zu haben scheint. Doch trotz des absehbaren Erfolgs des iPhone 6 sollte sich Apple nicht zu sicher sein: In China erwächst mit Xiaomi ein neuer Herausforderer, der Apple das Leben mit seinem gerade mal 250 Euro teuren Highend-Smartphone Mi3 und nun dem ebenso teuren Tablet Mi Pad schwer machen dürfte…

Keine Frage: Auch drei Jahre nach dem Tod von Steve Jobs gibt Apple als mit Abstand wertvollster Konzern der Welt den Takt der Techbranche vor. Zwei Monate noch, dann steht mit dem iPhone 6 die Mutter aller Releases bevor: Dass die achte Generation des Kultsmartphones zum mit Abstand wichtigsten Hightech-Produkt des Jahres werden dürfte, steht bereits heute außer Frage.

Das Momentum hat wieder in Richtung Cupertino gedreht: Samsung scheint die Grenze des Wachstums erreicht zu haben – in der Bilanz seit einigen Quartalen, aber womöglich auch bald zahlenmäßig in den verkauften Stückzahlen. Hat Apple also den Smartphone-Krieg gewonnen?

Xiaomi erobert China im Sturm

Keine Frage: Die letzten Schlachten gingen an Cupertino, das mit dem iPhone 6 vor einem historischen Triumphzug steht. Doch ist Apples Imperium damit auf Sicht der nächsten Jahre ungefährdet? Keineswegs,  wie die Blaupause des Horrorjahrs 2012/13 beweist, in dem Apple mit dem Beharren auf ein kleineres Display erstmals seit 15 Jahren einen Trend verpasste – der Smartphone-Käufer ist bekanntermaßen ein launiges, wechselbereites Wesen.

Auf dem größten Mobilfunkmarkt der Welt ist die Sprunghaftigkeit in diesen Tagen in Reinkultur zu besichtigen. Nicht Samsung mit dem Flaggschiff Galaxy S5, HTC mit seinem One M8 oder Huawei mit seiner Ascend-Serie können in diesen Tagen die größten Zuwächse verzeichnen, sondern ein aufstrebender, lokaler Player, den es im vergangenen Jahrzehnt noch gar nicht gab – Xiaomi.

„Just for Fans“: Chinas Apple elektrisiert die Fanboys

Der erst im April 2010 gegründete Smartphone-Hersteller gilt als „Chinas Apple“. Maßgeblichen Anteil daran hat Gründer und Konzernchef Lei Jun, der das Image als Steve Jobs des chinesischen Riesenreiches nach Kräften pflegt - wie der ikonische Apple-Gründer tritt auch der vierfache Milliardär Jun immer wieder auf Keynotes in Jeans und schwarzem Rollkragen-Pulli auf.  Anders als andere Android-Anbieter schürt Xiaomi wie Apple einen regelrechten Kult um seine Produkte – der Slogan „Just for Fans“  kommt nicht von ungefähr.

Wie der Auftritt, so die Produkte: Xiaomi bemüht sich mit seiner Smartphone-Reihe Mi, aber auch dem gerade gelaunchten Tablet Mi Pad, das aussieht wie ein iPad mini, mit aller Macht die Parallelen zu Cupertino zu präsentieren – das allerdings zu einem Drittel des Preises. Und Juns Rechung geht auf: Das 5 Zoll große Mi3, entwickelt sich immer mehr zum Kassenschlager, wie die vorige Woche vorgelegten Quartalszahlen belegen.

Absätze explodieren um fast 300 Prozent

Um astronomische 287 Prozent zogen die Absätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an – 15 Millionen Smartphones verkaufte Xiaomi zwischen April und Juni bereits – kein anderer Mobilfunkgeräte-Hersteller wächst schneller. Noch frappierender erscheint die Halbjahresbilanz:  26 Millionen Einheiten konnte Xiaomi in den ersten sechs Monaten des Jahres verkaufen – 18,7 Millionen waren es im gesamten Vorjahr.

Und das, obwohl Xiaomi bislang ausschließlich in China präsent ist und dort nach Samsung und Lenovo, aber schon vor Apple nach Marktanteilen den dritten Platz besetzt. Für das Gesamtjahr 2014 prognostiziert Konzernchef Jun bereits einen Verkauf von 60 Millionen Einheiten.

Nach China die Welt: Xiaomi bläst zur Expansion in die BRIC-Märkte

Möglich machen soll die exponentielle Absatz-Explosion die zweite Wachstumsphase: So will Xiaomi in den kommenden Monaten seine Mi-Serie nach und nach in den Emerging Markets etablieren – in Indien, Pakistan, Indonesien und sogar Russland und Brasilien soll der Vertrieb starten. Xiaomi wählt damit den umgekehrten Weg: Aus dem boomenden Heimatmarkt heraus attackieren die Chinesen wie nach einer Blaupause der Globalisierung nun den Rest der Welt.

Für Platzhirsch Apple, aber auch den ähnlich teuren Branchenprimus Samsung wird die Bedrohung damit real, zumal weder das iPhone noch das Galaxy S5 preislich mit Mi3 konkurrieren können. Dabei ist das Xiaomi-Flaggschiff mit seinem 5-Zoll-Display, der 1920 x 1080-Auflösung und der 13 Megapixel-Kamera dem dreimal teureren Kultsmartphone aus Cupertino technisch sogar überlegen.

Kräfteverhältnisse auf dem Smartphone-Markt verschieben sich –Xiaomi künftig dritte Kraft

Die Geschichte droht sich für Apple zu wiederholen: Wie Samsung Anfang des Jahrzehnts steigt nun Xiaomi vermeintlich aus dem Nichts zu einem echten Rivalen auf. Setzt sich das enorme Wachstum, das Lei Jun mit 100 Millionen verkauften Einheiten im kommenden Jahr wohl eher noch konservativ taxiert hat, entsprechend fort, werden die Umsatzeinbußen in Cupertino spürbar werden – vor allem in China, wo Apple zwar dank China Mobile nun über einen weitaus größeren Absatzkanal verfügt, sich aber durch seine Premiumpreispolitik selbst beschränkt.

Samsung, das unlängst ungewohnt defensive Töne von sich gab, dürfte der asiatische Rivale noch ungleich mehr zusetzen, zumal die Flaggschiff–Serie Galaxy ähnlich hochpreisig verkauft wird wie das iPhone, der koreanische Tech-Pionier aber kaum über eine so enge Markenbindung verfügt wie Apple. Die mutmaßliche Absatz-Stagnation im zweiten Quartal dürfte zu einem Gutteil in China Xiaomis Boom geschuldet sein.

Schon 2016-17 Überholung von Apple?

So haben sich die Kräfteverhältnisse auf dem Smartphone-Markt im ersten Halbjahr schneller verschoben, als es noch zu Jahresbeginn aussah. Xiaomi, das von Lei Jun privat geführt wird und angeblich in den kommenden fünf Jahren keine konkreten Börsengangspläne besitzt, ist der neue Herausforderer, der den Platzhirschen Apple und Samsung richtig wehtun kann.

Kann Xiaomi sein exponentielles Wachstum fortschreiben, könnten die Chinesen schon in zwei, drei Jahren stückzahlenmäßig mit über 200 Millionen verkauften Geräten mit Apple gleichziehen. Dass der iKonzern mit einer Gewinnmarge von mehr als 50 Prozent immer noch Traumrenditen einfährt, steht außer Frage. Doch angesichts von nur knapp zweistelligen Wachstumsraten beim iPhone, das sich nun schon im achten Jahr seines Lebenszyklus befindet, ist Xiaomi zumindest ein Herausforderer, der Apples und Samsungs eigene Wachstumsstory beenden könnte.


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