Ausprobiert: 4K-Videos auf dem iPhone 6s drehen und schneiden

Das neue iPhone 6s und das iPhone 6s Plus sollen Videos in 4K filmen und schneiden können. Weil wir bei CURVED schon seit einiger Zeit auch Hands-ons mit dem Smartphone drehen, interessiert uns dieses Feature natürlich besonders. Deswegen haben wir uns das neue iPhone geschnappt und ein Video in 4K damit gefilmt.

So praktisch 3D Touch auch ist: Für viele Käufer dürfte der Hauptgrund, bei den neuen iPhones zuzuschlagen, die verbesserte Kamera sein. Statt acht Megapixel wie beim iPhone 6 verfügt die Kamera beim iPhone 6s über 12 Megapixel. Und: Sie kann Videos im hochauflösenden 4K-Format aufzeichnen.

4K ist im Trend

Jeder Hardware-Hersteller, der etwas auf sich hält, versucht derzeit, Geräte mit dem Trendbegriff 4K zu verkaufen. Besonders bei TV-Geräten. Doch da es bislang kaum Inhalte in diesem Format gibt, müssen wir unsere Videos eben selbst hochauflösend drehen. Und hier kommt nun auch das iPhone 6s ins Spiel.

Doch bevor ich das erste Video in 4K aufzeichnen kann, muss ich dieses Format erst umständlich in den Systemeinstellungen (Einstellungen > Foto & Kamera > Video aufnehmen) der Kamera festlegen. Hier erfahre ich auch, dass eine Minute mit 30 Bildern pro Sekunde etwa 375 MB beansprucht. Da frage ich mich, weshalb Apple noch immer Smartphones mit 16 Gigabyte Speicher anbietet, der noch nicht einmal erweiterbar ist.

Filmen wie immer – nur hochauflösender

Ist 4K aktiviert, ist das Filmen eigentlich wie immer. Gefühlt verbraucht das Filmen in 4K mehr Akku-Power. Doch meine Befürchtung, dass das iPhone beim Filmen schnell heiß wird, hat sich nicht bestätigt. Überrascht war ich dann doch von der guten Qualität, mit der das iPhone meine Stimme aufgezeichnet hat. Sind also wenig störende Umgebungsgeräusche zu hören, reicht das Mikrofon in den meisten Fällen sicher aus – sofern man dicht genug davor steht.

Auf das Filmen folgt das Schneiden – und auch hierfür hat Apple die Software am Start. Mit iMovie konnte ich schon auf dem iPhone 6 relativ schnell Videos zusammenfügen und mit verschiedenen Überblendungen und Filtern ein wenig aufpeppen. Dies kann ich nun auch mit hochauflösenden Filmmaterial ganz ohne Ruckler und Wartezeiten  machen – der neue A9 macht's möglich.

Das Problem mit den großen Datenmengen

Und jetzt? Was mache ich mit dem 4K-Filmchen? Auf dem Display des iPhones kann ich mir das Video zwar anschauen, allerdings nicht in 4K-Qualität. Hätte ich einen 4K-Fernseher, würde mir dies erst einmal auch nichts bringen, denn ich kann mein iPhone nicht direkt damit verbinden, um Videos hochauflösend abzuspielen. Auch der Umweg über Apple TV funktioniert nicht: Zwar kann ich Inhalte vom iPhone darüber auf den Fernseher streamen – allerdings kann Apple TV kein 4K.

Also muss ich das Videomaterial auf den Rechner übertragen und dort wiederum auf einen USB-Stick ziehen, bei Youtube hochladen oder auf eine Bluray-Disc brennen. Doch dieses Material zu finden, ist auch nicht unbedingt einfach: Wenn ich Fotos und Videos mit der Apple-Software "Fotos" importiere, muss ich die Original-Dateien im Programm-Ordner der Anwendung suchen. Oder ich importiere die Videos direkt vom iPhone in ein Schnittprogramm.

Übrigens: Wenn unser Kameramann Stefan seine Videos in Full-HD aufzeichnet, dann liegt die Bitrate bei rund 40 Mbit/s. Die variable Bitrate bei 4K-Videos vom iPhone 6s liegt bei rund 50 Mbit/s. Was heißt das also, wenn wiederum 4K-Videos mit "nur" 50 Mbit/s aufgezeichnet werden? Ihr ahnt es schon: Für die viermal so große Bildfläche stehen letzten Endes vergleichsweise weniger Daten zur Verfügung. So ist das 4K-Bild nicht so detailreich wie eine Full-HD-Aufnahme mit einer ähnlich großen Bitrate. Allerdings komprimiert Youtube wiederum 4K-Videos auf 11 bis 20 Mbit/s.

Der Witz ist: Das einzige Apple-Gerät, auf dem 4K-Videos vom iPhone in voller Pracht angezeigt werden können, ist derzeit der 5K iMac. Der ist allerdings nicht gerade günstig.

Fazit: eine Machbarkeitsstudie, mehr nicht

Warum bringt Apple also eine Funktion aufs iPhone, die das Unternehmen selbst sonst kaum unterstützt? Offenbar nur, weil Apple demonstrieren möchte, wie leistungsstark das iPhone 6s ist. 4K ist eine feine Idee, wenn man einen entsprechenden Bildschirm hat. Dieser sollte allerdings so richtig groß sein. Nach meiner Meinung reicht bei einer Bilddiagonalen von 40 Zoll Full-HD völlig aus. Alles darüber hinaus ist derzeit doch nur Marketing.

Auch wenn 4K-Videos im professionellen Einsatz sicher immer wichtiger werden: Wenn man mal ehrlich ist, braucht man als Laie noch kein 4K. Und darüber hinaus ist es auch ziemlich umständlich, damit zu arbeiten. 4K-Dateien sind deutlich größer als "normale" Full-HD-Videodateien, entsprechend benötigt man beim Schnitt auch leistungsstärkere Computer. Man muss sich fragen, ob das Mehr an Bildinformation – die man nicht überall anschauen kann – das deutliche Mehr an Kosten für den Gerätepark derzeit wirklich rechtfertigt. Für mich ist 4K derzeit nur eine Spielerei oder ein Gimmick – mehr nicht.

Aber ich muss zugeben, dass ich schon ziemlich von der theoretischen Möglichkeit begeistert bin, mit dem iPhone 6s Videos im 4K-Format aufzeichnen zu können. Theoretisch deshalb, weil ich in den Einstellungen das Format wieder auf Full-HD gestellt habe – vor allem, um beim Filmen Speicherplatz und Akku zu sparen.


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