Datenvolumen kontrollieren und sparen: So surft ihr länger mit LTE

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Nachrichten-Apps wie WhatsApp verbrauchen vergleichsweise wenig Datenvolumen.
Nachrichten-Apps wie WhatsApp verbrauchen vergleichsweise wenig Datenvolumen.(© 2018 Shutterstock/GaudiLab)

Am Ende des Datenvolumens ist oft noch so viel Monat übrig. Trotz Flatrate ist häufig irgendwann Schluss mit Highspeed-Internet auf dem Smartphone. Deshalb ist es gut, zu wissen, wie man das Datenvolumen im Blick behält und welche App wie viel davon beansprucht.

Datenvolumen ist auch in Deutschland wichtiger denn je. Mit neuen Anwendungen wie Videoanrufen, immer hochauflösenderen Fotos und Videos und Trends wie Sprachnachrichten steigt der Verbrauch an mobilem Datenvolumen zuletzt jedes Jahr kräftig an. Auch wenn gleichzeitig die Preise pro Gigabyte sinken, ist es sinnvoll, den eigenen Verbrauch im Blick zu behalten und so gegebenenfalls das verfügbare Datenvolumen zu erhöhen.

Verbrauchtes Datenvolumen kontrollieren

Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viel "Internet" ihr im Gegenwert von 1,6 Gigabyte bekommt, haben wir diverse Alltags-Apps über den Tag verteilt genutzt und parallel dazu Google Datally (aktuell nur für Android verfügbar) mitlaufen lassen. Die App misst und protokolliert dabei den Datenverbrauch anderer Anwendungen über den Tag verteilt. So könnt ihr jederzeit nachvollziehen, zu welcher Uhrzeit welche App am meisten Volumen verbraucht hat.

Dazu solltet ihr wissen, dass 1,6 GB noch in etwa dem Verbrauch eines durchschnittlichen Smartphone-Nutzers im Jahr 2017 entsprach. 2020 könnte das im Schnitt benötigte Datenvolumen etwa doppelt so groß ausfallen.

Über "Tageslimit" lässt sich in der App jedenfalls eine Höchstgrenze definieren, auf die das Smartphone pro Tag an Gigabyte oder Megabyte zurückgreifen kann. Ist das Limit erreicht, erinnert euch Google Datally daran, die mobile Datennutzung zu deaktivieren – die App selbst kann das nicht.

In der Übersicht (rechts) liest Datally den Verbrauch einzelner Apps auf. Unter Tageslimit lässt sich festlegen, wie viel Datenvolumen ihr täglich maximal verbrauchen wollt.(© 2018 CURVED)

Alternativ oder zusätzlich könnt ihr den Modus "Schlafenszeit" aktivieren. Dieser hindert Apps in einem von euch festlegten Zeitfenster daran, mobile Daten zu verschwenden.

Darüber hinaus bietet euch Google Datally an, einen Datensparmodus einzurichten mit dem Versprechen, die "Datennutzung um mindestens 34 Prozent zu reduzieren". Ähnlich wie bei dem Chrome-Browser von Google leitet der Datensparmodus die Anfragen aus dem und ins Internet dann zunächst über Google-Server um. Dort werden die Daten komprimiert, bevor sie bei euch auf dem Smartphone landen. Auswirkungen auf die Nutzung oder Darstellung hat das für euch keine – abgesehen davon, dass es euer Volumen schont.

Im System integriert

Sowohl Apples iOS als auch Googles Android verfügen nativ über ähnliche Funktionen in den Einstellungen des jeweiligen Betriebssystems. Allerdings variiert der Umfang vor allem auf Android-Geräten abhängig vom Smartphone-Hersteller.

Mit dem systemeigenen Datensparmodus, der bei beiden Betriebssystemen vorhanden ist, verringert ihr ebenfalls den mobilen Datenverbrauch aller installierten Anwendungen. Apps können dann im Hintergrund nicht mehr selbstständig online gehen, um etwa Nachrichten oder Mails abzurufen. Es sei denn, ihr definiert Ausnahmen für einzelne Anwendungen, zum Beispiel WhatsApp oder eure Mail-App. Auch hier könnt ihr ein generelles oder app-bezogenes Tageslimit festlegen oder einen Hinweis einrichten, die euch kurz vor Erreichen eines bestimmten Kontingents warnt.

Datenverbrauch von Apps checken

Nicht alle Apps verursachen gleich viel Datenverkehr. Logischerweise zieht der Videostreaming-Dienst Netflix mehr Megabyte aus dem Smartphone, als es Spotify tut: Die Datenpakete, die Netflix zwischen Server und Smartphone transportieren muss, sind aufgrund ihrer Bild- und Toninformationen größer als die reinen Sounddaten bei Spotify.

Eine halbe Stunde Streamen kostet bei Netflix im Schnitt rund 200 MB, wobei auch hier die eingestellte Qualität innerhalb der App eine große Rolle spielt. Mit 1600 MB könntet ihr monatlich also vier Stunden mobil netflixen. Spotify hat in der gleichen Zeit nicht mal 20 Megabyte beansprucht. Wohlgemerkt: In beiden Apps war die Streaming-Qualität jeweils auf "niedrig" (Spotify) bzw. "Daten sparen" (Netflix) gestellt.

Das verbrauchen Instagram und Co.

  • Animiertes Gif: 1 Megabyte pro Sekunde
  • Facebook*: 10 Megabyte pro Minute
  • Facebook Messenger*: 0,2 Megabyte pro Minute
  • Firefox Klar: 2 Megabyte pro Minute (getestet auf Spiegel Online)
  • Google Chrome*: 2 bis 3 Megabyte pro Minute (getestet auf Spiegel Online)
  • Google Maps*: 2 bis 3 Megabyte pro Minute
  • Google-Suche: 200 Kilobyte (mehr bei Bilder- und Videosuche)
  • Instagram*: 5 bis 8 Megabyte pro Minute (Bei den Stories steigt der Verbrauch erheblich)
  • WhatsApp*: Textnachricht: 1 Kilobyte; Sprachnachricht: 0,2 Megabyte pro Minute
  • PUBG: 8 bis 10 Megabyte pro Partie
  • Skype: Sprachanruf: 3 Megabyte
  • Tinder: 1,5 bis 2,5 Megabyte pro Minute
  • YouTube*: 5 bis 8 Megabyte pro Minute (abhängig von der Auflösung, bei HD-Wiedergabe können es bis zu 20 Megabyte pro Minute werden)

*Diese Apps verfügen über einen eigenen Sparmodus in den Einstellungen.

Gemessen haben wir den Verbrauch jeweils im normalen Betrieb. Einige Apps bieten aber zusätzlich zum Datensparmodus des Betriebssystems einen eigenen, oft sogenannten "Data Saver", an. Anders als der Sparmodus von Android oder iOS kappt der Data Saver den Datenverkehr nicht vollständig, sodass die einzelnen Apps weiterhin selbstständig online gehen können. Vielmehr reduziert der Data Saver den Datenverkehr während der aktiven Nutzung der App.

Bei Facebook zum Beispiel werden die Bilder in ihrer Größe komprimiert und die automatische Wiedergabe von Videos verhindert. Im Vergleich zeigt sich: Eine Minute durch die Timeline zu scrollen kostet normalerweise gut 10 Megabyte. Ist der Data Saver aktiviert, reduziert sich der Verbrauch auf 2 Megabyte in der gleichen Zeit.

Einige Apps sind sehr datenhungrig. Google Datally sagt euch, welche.(© 2018 CURVED)

Datenvolumen sparen – so geht's

Wechselt, so oft es geht, in WLAN-Netze und schaltet am besten die mobilen Daten aus. Zuhause ist es sinnvoll, das Volumenpaket zu schonen und stattdessen über das private WLAN-Netz zu streamen, surfen und zu spielen. Plant ihr längere Ausfahrten, nutzt die Gelegenheit, zuhause Filme und Serien bei Netflix und Co. offline zu speichern. Gleiches gilt für Spotify und andere Musik-Dienste, sofern ihr bei den Diensten Premium-Nutzer seid.

Seit iOS 9 haben alle iPhones den sogenannten WLAN Assist (WLAN Unterstützung) mit an Bord. Dieser sorgt dafür, dass die Verbindung des Geräts automatisch auf mobile Daten umschaltet, sobald die WLAN-Verbindung zu niedrig ist. Deaktiviert ihn, um sicherzugehen, dass das iPhone zuhause nicht ungewollt euer Datenvolumen aufbraucht.

Deaktiviert automatische Updates eurer Apps. Im Google Play Store und im App Store von Apple habt ihr Option, App-Updates nur über WLAN zuzulassen. Selbst wenn einzelne Apps nur ein paar zusätzliche MB anfragen – in Summe kommen da schnell ein paar Hundert zusammen.

Messenger-Dienste wie WhatsApp, Signal oder Telegram bieten von sich aus an, nur bestimmte Inhalte im mobilen Netz herunterzuladen. Fotos, vor allem aber Videos, automatisch über die Nachrichtendienste abrufen zu lassen, kann schnell für Ebbe auf dem Datenkonto sorgen. In den Einstellungen könnt ihr stattdessen festlegen, dass ihre Medien bei mobiler Datenverbindung lieber manuell herunterladen wollt.

Auch bei Facebook und dem Facebook Messenger lässt sich Datenvolumen einsparen. Unter "Einstellungen und Privatsphäre" der App findet ihr den Reiter "Data Saver". Dieser ist zunächst deaktiviert. Schaltet ihr den Sparmodus ein, reduziert Facebook die Bildgröße und gibt Videos nicht mehr automatisch wieder.

Bei Googles eigenem Browser, Google Chrome, findet ihr unter "Einstellungen" ebenfalls einen Datensparmodus. Dieser nutzt wie Google Datally ein VPN, um von Webseiten gesendete Datenpakete über die Google-Server umzuleiten und dort zunächst komprimieren zu lassen. Das reduziert den Datenverkehr für Webseiten, auf denen ihr mit eurem Smartphone unterwegs seid. Der Datensparmodus ist aktuell nur für Chrome auf Android-Geräten verfügbar.

Der Browser Firefox Klar konzentriert sich auf ablenkungsarmes Surfen. Deshalb blockiert er weitestgehend alle Werbeinblendungen auf Webseiten. Das dient nicht nur dem Lesefluss und der Übersichtlichkeit, es beschleunigt auch den Seitenaufbau und spart kostbare Bytes beim Datenverkehr. Er lässt sich sowohl unter iOS als auch Android kostenlos herunterladen.

Mehrere SIM-Karten nutzen

Ist das Datenvolumen eures Handys häufig schnell aufgebraucht, weil ihr eure mobile Internetverbindung vielleicht auch mit anderen Nutzern oder Geräten wie Laptops teilt, solltet ihr auch eine weitere Option in Betracht ziehen.

Zu eurem Vertrag könnt ihr von eurem Anbieter bestimmt auch mehrere SIM-Karten bekommen. Ihr müsst also nicht mit mehreren Verträgen hantieren und eure Internetverbindung teilen. Stattdessen sprecht euren Mobilfunkanbieter beim nächsten Vertragswechsel einfach nach mehreren SIM-Karten und erklärt ihm, wozu ihr diese verwenden wollt. So findet ihr das optimale Angebot für euch.


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