Galaxy S23 schluckt ab Werk 60 GB: Wieso der Aufreger unnötig ist

Galaxy S23 Reihe Rückseite
Der Speicher der Galaxy-S23-Reihe umfasst je nach Modell zwischen 128 GB und 1 TB (© 2023 Samsung )

Für die meisten Nutzer ist Bloatware auf dem Handy (vorinstallierte Software von Drittanbietern) ein nerviges Extra beim Handykauf. Samsung hat beim Galaxy S23 ab Werk ebenfalls einige Extra-Apps an Bord. Aber hat der Hersteller dieses Mal endgültig übertrieben? Diverse Tech-Portale berichten von bis zu 60 GB Bloatware. Wir klären auf.

Wenn ihr euch ein neues Samsung-Handy sichert, wisst ihr, dass ein Teil des Speichers ab Werk von Systemdateien und vorinstallierten Programmen belegt ist. Auf dem Galaxy S23 soll es vor Bloatware nur so wimmeln, glaubt man den Berichten von Tech-Portalen wie beispielsweise Ars Technica und Android Authority. Den ursprünglichen Artikeln zufolge sind bei einem Galaxy S23 mit 512 GB vom Start weg satte 60 GB Speicherplatz belegt. Ein derart hoher Wert sorgte im Netz direkt für Wirbel und verunsicherte viele Nutzer und Nutzerinnen. Tatsächlich ist alles halb so wild – und Samsung trifft (fast) keine Schuld. Entsprechend haben die genannten Quellen ihre Artikel bereits überarbeitet. Nachfolgend erklären wir euch, wo der Fehler lag.

60 GB belegter Speicher? Die Erklärung

Kurz gesagt: System und Bloatware verbrauchen nicht wirklich 60 GB Speicher. Samsung hat hier "getrickst" und zeigt einen höheren Verbrauch an, als es tatsächlich der Fall ist – ironischerweise, um euch nicht zu verwirren. Denn: Auch wenn auf der Verpackung 512 GB stehen mag, rechnet das System eigentlich mit knapp 476 GB. Grund dafür ist, dass Hersteller in Werbung und Co. auf den sogenannten Dezimalwert setzen (der höher ausfällt), die Systeme aber meist mit dem Binärwert arbeiten (der nach der Umrechnung niedriger ist).

Wer das nicht weiß, könnte schnell verwirrt sein, wenn sein Galaxy S23 im System plötzlich knapp 476 statt 512 GB anzeigt. Noch einmal klar gesagt: Hier geht kein Speicher verloren, Binär- und Dezimalwert sind quasi nur zwei unterschiedliche Maßeinheiten. Um mögliche Verwirrungen zu umgehen, gibt Samsung die vollen 512 GB Speicher an, obwohl das System eigentlich mit den binären 476 GB arbeitet. Die Differenz zwischen den beiden Angaben hat Samsung einfach "versteckt" auf den Verbrauch des Systems draufgeschlagen. So sind unterm Strich mehr Gigabytes belegt, als in Wirklichkeit vorhanden.

Dass Samsung hier mit einem Umrechnungsausgleich arbeitet, wird mit einem Blick auf die kleinere Speicherausführung deutlich. Unser Galaxy S23 Ultra in der Redaktion hat einen internen Speicher von 256 GB. Hier sind nicht 60 GB, sondern lediglich 41,5 GB vom System belegt.

Ihr wollt etwas tiefer einsteigen? Um das Problem zu verstehen, müssen wir kurz zum Anfang des Computerzeitalters reisen: Computer können nur im Binärsystem (0 und 1) rechnen. Bald stellte man aber fest, dass die binäre Zahl 2 hoch 10 (1024) nahezu der dezimalen Zahl 10 hoch 3 (1000) entspricht. Da unter anderem der Unterschied überschaubar war und sich die runden Zahlen klarer darstellen lassen, sprechen wir seither im Dezimalsystem. Die Bequemlichkeit rächt sich mittlerweile jedoch. Denn über die Jahrzehnte sind die Geräte deutlich leistungsfähiger geworden. Längst bewegen wir uns in Bereichen mit vielen Gigabyte und sogar Terabyte. Das Problem: Wenn wir von 100 GB sprechen, sind tatsächlich nur 93,13 GB (Binärwert) gemeint. Eine Differenz von fast sieben Prozent.

Samsung und die Bloatware

Euer neues Galaxy – ob S23, S23+ oder Galaxy S23 Ultra – ist also nicht so unverschämt mit Bloatware überladen, wie zunächst berichtet. Ganz freizusprechen ist Samsung vom Vorwurf allerdings nicht. Wir haben zwar geklärt, dass nicht die vollen 60 GB One UI 5.1 und Co anzulasten sind. Aber im oben genannten Beispiel sind eben nur rund 35 GB auf die Umrechnungsproblematik zurückzuführen. Wie sich die übrigen 25 GB auf Betriebssystem und Bloatware aufteilen, lässt sich nur schwer ermitteln.

Neben dem Betriebssystem sind auf der S23-Reihe reichlich vorinstallierte Anwendungen drauf, darunter von Partnern wie Google, Microsoft, LinkedIn und Netflix. Für letztere steht Samsung seit Jahren in der Kritik. Nutzer und Nutzerinnen ärgert es, dass sie vom Start weg zunächst vorinstallierte Apps rausschmeißen müssen und einige Anwendungen sogar nicht zu deinstallieren sind. Bei anderen Handys wie dem Google Pixel 7 Pro sieht dies deutlich humaner aus. Fakt ist aber eben auch, dass ihr das Märchen von 60 GB Bloatware auf eurem Galaxy S23 nicht glauben braucht. Ja, es gibt vorinstallierte Apps. Aber unverschämt viel Speicher schlucken diese nicht.

Wie findet ihr das? Stimmt ab!
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