Google I/O 2014: Das neue Normal in Mountain View

ANALYSEUnfassbar !7
Konnte sich nicht aus dem übergroßen Schatten von Google-CEO Larry Page lösen: Android-Chef Sundar Pichai
Konnte sich nicht aus dem übergroßen Schatten von Google-CEO Larry Page lösen: Android-Chef Sundar Pichai(© 2014 Google, CC: Flickr/sam_churchill, CURVED Montage)

Apple und Google werden sich immer ähnlicher. Drei Wochen ist es her, als Apple auf seiner turnusmäßigen Entwicklerkonferenz WWDC nachbesserte und überfällige Lücken in seinem mobilen Betriebssystem schloss, aber auf große Produktankündigungen verzichtete. Bei Google nun ein ähnliches Bild: Verglichen mit den vergangenen Jahren wirkte die I/O-Keynote erstaunlich blass – einen Knaller wie Google Glass gab es am Ende der knapp dreistündigen Konferenz ebenso wenig zu begutachten wie Larry Pages Zukunftsvisionen.

Man kann es eine kleine Enttäuschung nennen. Oder das neue Normal. Fest steht nach der I/O 2014: Auch Google kann nicht jedes Jahr die nächste Mondlandung ausrufen, obwohl CEO Larry Page bekanntlich danach strebt. Doch tatsächlich rief Googles Gründer und CEO gar nichts aus – er ließ sich, anders als in den Vorjahren, in Moscone West auf der Bühne diesmal gar nicht blicken, um Googles Fanboys einmal mehr darauf einzuschwören, warum die Zukunft für den wertvollsten Internetkonzern der Welt nun so besonders strahlend ausfallen wird. Diese Rolle übernahm während der knapp dreistündigen I/O-Keynote gestern immer wieder Android-Chef Sundar Pichai, den der Business Insider schon für den zweitwichtigsten Mann beim nach Apple und ExxonMobil drittwertvollsten Konzern der Welt hält. Allein: Die Rolle des Showmans scheint nicht für den 42-Jährigen gemacht, der seit einer Dekade bei Google arbeitet – gegen den faden Bühnenauftritt Pichais sieht Tim Cook wie ein echter Entertainer aus.

Google konnte nicht mit bahnbrechenden Software-Neuerungen gegen Apple punkten

Keine Frage: Die I/O ist eine Konferenz, bei der es darum geht, die Seele der Google-Gemeinde zu beglücken – die Entwickler. Seiner mobilen Software verlieh der Internetriese dann auch ein geschmeidiges Upgrade – vom Herzstück Android über seinen neuen Wearable-Ableger Android Wear bis hin zum zweiten Angriff aufs Wohnzimmer. Alles sauber exekutiert, aber keinesfalls bahnbrechende Neuerungen, die Apples WWDC vor drei Wochen schon wieder alt aussehen lassen würden.

Obwohl Google mit seinem Mix aus deutlich jüngeren, ethnisch gemischteren Managern in der ersten öffentlichen Einschätzung schnell als dynamischer wahrgenommen werden mag als Apples Führungsteam mittleren Alters, das im Kern seit 15 Jahren die Geschicke Cupertinos bestimmt, vermochte der wertvollste Internetkonzern auf dieser I/O keine Aufbruchsstimmung zu erzeugen.  Es fehlte der Wow-Moment, es fehlte – Larry Page.

Googles großer Bogen um Glass

Es flogen keine Drohnen durch Moscone West, es wurden weder selbstfahrende Autos vor der Kongresshalle noch Heißluftballons am Horizont San Franciscos gesichtet – und irgendeinen Hinweis, wie sich Google das Internet der Dinge mit seinem drei Milliarden teuren Neuerwerb Nest vorstellt – Fehlanzeige.

Besonders frappierend: Zwei Jahre nach der imageträchtigen Erstvorstellung von Google Glass verlor der Internetriese in 160 Minuten nicht einmal ein Wort über seinen lange Zeit als "nächstes großes Ding" gehandelten Moonshot. Wie geht es denn nun weiter mit der teuersten Testbrille der Welt, die sich immer noch im Betastadium befindet? Sundar Pichai nahm die Datenbrille nicht einmal in den Mund – geschweige denn in die Hand.

Vielsagendes Schweigen zu Google+

Und was ist mit einem anderen I/O-Moonshot, dem Höhepunkt der Entwicklerkonferenz vor drei Jahren – Google+? Zur Zukunft des vor drei Jahren noch mit viel Pathos ausgerolltem Social Networks hatte der Internet-Gigant nichts zu sagen. Wer weiß heute schon, ob Google+ nicht als nächstes Wave oder Buzz 2015 in die ewigen Jagdgründe des Webs eingeht?

Nicht einmal die neue Android-Version 5.0 wurde wie in den Vorjahren im Anschluss der I/O ausgerollt, sondern auf eine spätere Veröffentlichung verwiesen. Google beschränkte sich darauf, mikroskopisch zu optimieren, was es softwareseitig im Angebot hat – die Munition für die nächsten Moonshots wurde trocken gehalten. Oder ist sie zunächst verpulvert?

Die Ankündigungen der I/O dürften Fanboys und Geeks zwar zufriedenstellen, werden dem universumsübergreifenden Anspruch Googles aber kaum gerecht. "Es gibt so viele Möglichkeiten, unser Leben durch Technologie besser zu machen", erklärte der von Stimmbandproblemen geplagte Larry Page in seinem bewegenden 2013er I/O-Schlussstatement: "Doch wir kratzen nur an der Oberfläche unserer Möglichkeiten. Wir sind jetzt bei einem Prozent, wahrscheinlich weniger". Nach der I/O 2014 kann man kaum guten Gewissens behaupten, Google wäre bei den zwei Prozent angekommen.


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