Kommentar: Smartwatch? Nein, danke!

Supergeil !28
Apple Watch
Apple Watch(© 2014 CURVED)

Sie sieht wirklich nicht schlecht aus, die neue Uhr von Apple. Watch, heißt sie schlicht, oder Apple Watch – um ganz genau zu sein. Und vielleicht ist es dieser Name, der sie wirklich besonders macht: reduziert auf das Wesentliche. Der Name soll sagen: "Wir haben die Uhr, die einzig Wahre, neu erfunden!" Schön und gut, man kann sich die Apple Watch tatsächlich um den Arm binden – aber: Ist es wirklich noch eine Uhr?

Technikunternehmen versuchen schon seit ein paar Jahren, uns mit smarter Technik, die wir ums Handgelenk legen sollen, um den Finger zu wickeln. Die Bandbreite reicht von reinen Fitnesstrackern, die unsere Schritte zählen sollen bis hin zu Minicomputern, mit denen ich sogar mailen und telefonieren kann. Dabei ist die Idee wirklich nicht neu, denn schon Comic-Detektiv Dick Tracy sprach mit seiner Uhr. Doch erst jetzt lässt sich komplizierte Technik wirklich so klein herstellen, damit aus einer Uhr eine Smartwatch wird.

Ständige Verbindung

Aber was macht eine Uhr wirklich smart? Offenbar haben alle Unternehmen eine ähnliche Meinung zu dem Thema: Die Uhr soll vibrieren, wenn eine Nachricht kommt. Ich soll bereits am Handgelenk sehen, wer mich anruft – ohne das Telefon aus der Tasche nehmen zu müssen. Und natürlich soll mir eine Uhr das Wetter anzeigen, den Weg finden und dabei helfen, mit Freunden via Facebook oder anderen sozialen Diensten in Kontakt zu bleiben. Wow!

Oder halt, eigentlich überhaupt nicht "Wow". Denn all das kann mein Smartphone schon. Und ohne Smartphone kann ich eine aktuelle Smartwatch nicht wirklich nutzen. Die meisten Uhren brauchen die ständige Bluetooth-Verbindung zum Telefon, und da macht auch die Apple Watch keine Ausnahme. So ist die Uhr lediglich eine Verlängerung oder Fernbedienung des Smartphones. Kein Wunder, schließlich ist in den meisten Uhren kein Platz für eine SIM-Karte. Alle Daten aus dem Netz müssen den Umweg übers Handy machen. Ob Wetterinfo, Facebook oder E-Mails: vibriert die Uhr, kommt das Signal vom Telefon. Und damit das reibungslos klappt, dürfen Uhr und Handy nur ein paar Meter voneinander entfernt sein. Also lässt man das Smartphone am besten immer in der Hosentasche. Wo ist da der Sinn? Das ist so, als würde ich direkt neben dem Musikverstärker sitzen und die Lautstärke dennoch mit einer Fernbedienung regeln.

Aber wofür bräuchte ich dann noch eine smarte Uhr? Um meinen Puls zu messen? Oder um meine Schritte zu zählen? Das leuchtet mir ein, aber so ein Fitness-Coach am Handgelenk wäre mir nicht mehrere hundert Euro wert. Also vielleicht, um das Handy einfach mal in der Tasche zu lassen? Für diesen Luxus muss ich dann dennoch zwei Geräte mit mir herumtragen, die auch beide mit Strom versorgt werden müssen. Und davon brauchen die Gadgets eine Menge: Sowohl Uhr als auch Smartphone müssen wohl jeden Tag an die Steckdose. Mehr noch: So eine smarte Uhr protokolliert noch mehr von mir und meinem Alltag, als es schon mein Smartphone macht. In Verbindung mit Uhr und Handy steht künftig also nicht mehr nur fest, wo ich gerade bin, sondern auch, wie ich mich dabei fühle. Und weiß ich, ob die erfassten in in der Cloud gespeicherten Daten wirklich nur dazu dienen, mir passende Angebote für Apps und Services zu machen? Vielleicht sollte ich das mal Jennifer Lawrence fragen...

Second Screen am Handgelenk

Damit will ich nicht sagen, dass Apple einen schlechten Job gemacht hat. Im Gegenteil: Die Apple Watch sieht tatsächlich mal ganz gut aus. CURVED-Chefredakteur Felix Disselhoff hätte den Prototypen, den er sich in Cupertino angeschaut, am liebsten am Arm behalten. Und dass die Uhr gleich in zwei verschiedenen Größen angeboten wird, ist ein kluger Schachzug, denn nicht jeder Nutzer mag ein großes Wagenrad am Handgelenk tragen. Im Gegensatz zu anderen intelligenten Uhren scheint die Apple Watch tatsächlich einmal auch unter modischen Gesichtspunkten zu funktionieren.

Aber dennoch ist irgendwie witzig, dass die Smartphone-Displays immer größer werden und wir deshalb einen kleinere Bildschirm am Arm tragen sollen, der weniger auffällt. Klar, es ist schön, dass bei einem Essen niemand mehr auf sein Handy schaut – zumal die großen Phablets wohl auch einen großen Teil des Tisches einnehmen würden. Aber dafür geht der Blick dann halt ständig auf die Uhr. Das mag ich schon bei normalen Uhren nicht, es wirkt immer so, als ob der Gesprächspartner gelangweilt ist oder in höchster Eile. Dank Smartwatches wird das nun noch schlimmer.

Aber wahrscheinlich bin ich doch ein wenig altmodisch. Für mich ist eine Uhr lediglich eine Uhr, die Zeitanzeige ist mir smart genug. Alles weitere überlasse ich gerne meinem Smartphone.


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