Smartwatch oder Apple Watch am Steuer und auf dem Fahrrad: Was ist erlaubt?

Seid ihr auch schon Smartwatch-Träger? Dann solltet euch auf jeden Fall informieren, inwieweit ihr das geliebte Wearable am Steuern nutzen dürft.
Seid ihr auch schon Smartwatch-Träger? Dann solltet euch auf jeden Fall informieren, inwieweit ihr das geliebte Wearable am Steuern nutzen dürft.(© 2019 getty images/Doable)

"Hey Siri, wo muss ich abbiegen?" Die Apple Watch oder Smartwatches anderer Hersteller sind auch unterwegs im Auto eine echte Hilfe – und eine große Ablenkung. Für viele Nutzer ist auch gar nicht so klar, inwieweit man beispielsweise an der roten Ampel an der Uhr drehen oder wischen darf. Eine Grauzone? Wir haben bei der Polizei nachgefragt.

Laut Prognosen von Statista sollen 2019 über 74 Millionen Smartwatches weltweit verkauft werden – und damit zwanzig Millionen mehr als im Vorjahr. Die Nachfrage steigt also weiterhin und das beliebte Wearable ist selbstverständlich rund um die Uhr dabei und nimmt uns am Handgelenkt nicht nur viele Aufgaben ab, sondern kann auch für Ablenkung sorgen. Das könnte vor allem hinter dem Steuer oder auf dem Fahrrad böse enden. Wir wollten ganz genau wissen, wofür man die Apple Watch und Co. im Straßenverkehr verwenden warf und welche Strafen drohen. Dafür haben wir die Pressestelle der Polizei in Hamburg befragt.

Interview mit der Pressestelle der Polizei Hamburg

CURVED: Es gibt kein gesetzlich geregeltes Verbot für die Smartwatch am Steuer, richtig?

Polizei Hamburg: Eine Smartwatch fällt unter den § 23 (1) StVO. In dem Gesetzestexts des § 23 (1) StVO wird von einem "elektronischen Gerät" gesprochen, "das der Kommunikation, Information oder Organisation dient oder zu dienen bestimmt ist". Geräte im Sinne des Satzes 1 sind auch Geräte der Unterhaltungselektronik oder Geräte zur Ortsbestimmung, insbesondere Mobiltelefone oder Autotelefone, Berührungsbildschirme, tragbare Flachrechner, Navigationsgeräte, Fernseher oder Abspielgeräte mit Videofunktion oder Audiorekorder. Eine Smartwatch ist ein sogenannter Berührungsbildschirm, der verkleinert wurde, um vom Nutzer an Handgelenk getragen zu werden.

CURVED: Darf ich mich also über die Apple Watch oder andere smarte Uhren am Handgelenk navigieren lassen oder telefonieren beziehungsweise Siri oder Google Assistant bemühen, wenn ich hinter dem Steuer sitze oder auf dem Fahrrad fahre?

Polizei Hamburg: Ja, Sie dürfen sich von einer Smartwatch navigieren lassen, aber, wie im Gesetzestext des § 23 StVO geschrieben, weder das Gerät aufnehmen noch halten. Weiterhin ist im § 23 StVO festgehalten, dass das Gerät mit einer Sprachsteuerung und Vorlesefunktion genutzt wird oder zur Bedienung und Nutzung des Gerätes nur eine kurze, den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen angepasste Blickzuwendung zum Gerät bei gleichzeitig entsprechender Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen erfolgt oder erforderlich ist.

CURVED: Ablenkung im Straßenverkehr wird geahndet. Was ist in diesem Zusammenhang erlaubt und was nicht?

Polizei Hamburg: Von Ablenkung im Sinne des § 23 StVO spricht man, wenn der Fahrer eines Fahrzeuges das elektronische Gerät manuell bedient. Eine Bedienung mittels Sprachsteuerung ist nicht damit gemeint.

Anmerkung der Redaktion: Möchte man die Smartwatch oder das Handy händisch bedienen, muss man anhalten und den Motor ausgeschalten. Wer jetzt meint, in einem Elektroauto oder einem Wagen mit Start-Stop-Automatik dürfe man an der Ampel mal eben eine Nachricht tippen, der irrt: "Das fahrzeugseitige automatische Abschalten des Motors im Verbrennungsbetrieb oder das Ruhen des elektrischen Antriebes ist kein Ausschalten des Motors in diesem Sinne." So steht es in der Straßenverkehrsordnung.

Selbst bei Start-Stop-Automatik ist das Spielen an der Uhr an der roten Ampel tabu.(© 2019 getty images/Michael H)

CURVED: Welche Strafen drohen denn bei Verstoß?

Polizei Hamburg: Bei einem Verstoß gegen § 23 StVO handelt es sich um eine sogenannte Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße bedroht ist. Hierbei wird in Radfahrer und in den Kraftfahrzeugführer unterschieden.

Strafen für Radfahrer:

  • Grundtatbestand: 55 Euro.
  • Grundtatbestand mit einer Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer: 75 Euro.
  • Grundtatbestand und Verkehrsunfall: 100 Euro.

Strafen für Führer von Kraftfahrzeugen:

  • Grundtatbestand: 100 Euro und ein Punkt.
  • Grundtatbestand mit einer Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer: 150 Euro und zwei Punkte.
  • Grundtatbestand und Verkehrsunfall: 200 Euro, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot.

CURVED: Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit!

Es geht nicht nur um Bußgelder und Punkte

Liebe CURVED-Leser, bitte denkt daran, dass es nicht nur darum geht, Bußgelder und Punkte in Flensburg zu vermeiden, indem man im Straßenverkehr, egal ob auf zwei oder vier Rädern, die Finger von technischen Geräten lässt. Die Nutzung aller elektronischer Geräte und die damit verbundene Ablenkung im Straßenverkehr kann zu schweren Verkehrsunfällen führen und Leben gefährden.

Selbst wenn es nur ein Blechschaden ist: Seid euch bewusst darüber, dass Nutzern elektronischer Geräte am Steuer grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden kann und viele Kaskoversicherungen dann nicht mehr greifen. In dem Fall kommen einige Versicherungen nur für den Geschädigten auf. Wir wünschen euch allzeit gute Fahrt! Und wenn ihr sowieso lieber mehr in die Pedale treten wollt, lest auch unseren Ratgeber zum Thema: Was man als Radler alles darf und was nicht.

Unter der Krone der Apple Watch Series 4 befindet sich die Notfalltaste.(© 2018 CURVED)

So funktioniert die Notruf-Funktion der Apple Watch Series 4

Keinesfalls wollen wir technische Geräte im Straßenverkehr per se verteufeln. Wer sich nicht ablenken lässt, ist nämlich mit der Apple Watch Series 4 sicherer unterwegs: Dank optimiertem Gyroskop und Bewegungssensor ist sie in der Lage, nach Stürzen auf einen harten Untergrund oder einem Aufprall automatisch einen telefonischen Notruf mit dem Standort abzusetzen und die vorher hinterlegten Notfallkontakte per SMS zu informieren. Dafür muss das iPhone in der Nähe oder die Watch mit dem WLAN verbunden sein.

Was viele Nutzer nicht wissen: Um Fehlalarme zu vermeiden, ist der Sturznotruf nur für Senioren ab 65 Jahren voreingestellt. Jüngere Nutzer müssen die Funktion manuell über die Watch-App auf dem iPhone aktivieren. Dafür sucht ihr einfach unter "Meine Uhr" den Menüpunkt "Notruf SMS". Hier könnt ihr nicht nur die Notfallkontakte in Health bearbeiten, sondern auch die Seitentaste an der Apple Watch für den Notruf sowie die automatische Sturzerkennung aktivieren. Apple informiert die Nutzer an dieser Stelle, dass nicht alle Stürze erkannt werden können und je körperlich aktiver man ist, auch mehr Fehlalarme wahrscheinlich sind. Grund zur Panik gibt es aus unserer Sicht aber nicht, schließlich wird die Notruffunktion nur aktiv, wenn sie einen Sturz registriert und der Nutzer danach regungslos bleibt. Vor dem Anruf fragt die Apple Watch auch nochmal nach, ob alles in Ordnung ist. Erst wenn der Träger der Uhr binnen einer Minute nicht reagiert, ergreift die Watch die Initiative. Außerdem soll die Apple Watch lernfähig sein und Sport und Stürze mit der Zeit besser voneinander unterscheiden.

Wer peinliche Fehlalarme dennoch vermeiden möchte, kann auch einfach nur die eckige Seitentaste der Apple Watch aktivieren. Hält man sie gedrückt, erscheint der Schieberegler "Notruf SOS", über den man dann mit einem Wisch und nach einem Countdown Hilfe rufen kann. Der Ortungsdienst wird dann automatisch aktiviert, auch wenn er vorher ausgeschaltet war.


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