Wann ihr einen Fitnesstracker braucht – und wann das Smartphone reicht

Fitnesstracker werden immer beliebter. Für wen sie sich wirklich lohnen, erfahrt ihr hier.
Fitnesstracker werden immer beliebter. Für wen sie sich wirklich lohnen, erfahrt ihr hier.(© 2019 Getty Images)

Für wen lohnen sich Fitnesstracker wirklich? Immerhin ist das Smartphone schon voll mit Sensoren, die sich mit den richtigen Apps auch prima für Fitness- und Gesundheitsziele einspannen lassen. Wir erklären euch, wer von welchen Wearables profitiert und wie ihr am besten in das Thema Fitness-Tracking einsteigt.

Nahezu jeder Dritte von uns besitzt inzwischen einen Fitnesstracker oder eine Smartwatch – und das gilt nicht nur für die jüngere Zielgruppe zwischen 18 und 39 Jahren, sondern ebenso für die Best-Ager zwischen 40 und 59 Jahren. Laut einer Statista-Umfrage im Rahmen der TK-Bewegungsstudie 2016 nutzen rund zwei Drittel der Befragten ihre Wearables vorrangig, um Trainingserfolge und ihre Fitness dokumentieren. Fast genauso wichtig ist den Hobbysportlern die Überwachung der Gesundheitsdaten sowie ein zielgerichtetes Training, um die Gesundheit zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. Nur drei Prozent legen Wert auf das Teilen ihrer Fitnessdaten in sozialen Netzwerken. Gerade, wenn es bloß darum geht, Schritte und Trainings zu dokumentieren, reicht aber oft schon ein Smartphone. Wir erklären euch, wie ihr es für diese Zwecke optimal nutzen könnt und wann doch ein Fitnesstracker sinnvoll ist.

Für viele Fitness- und Gesundheitsziele reichen auch Apps: Es muss nicht immer direkt ein Personal Trainer (am Handgelenk) sein.(© 2018 Getty Images/10'000 Hours)

Fitness-Tracking zur Motivation für Dranbleiber

Warum wollen Menschen ihre Fitness dokumentieren? In erster Linie, um sich zu motivieren. Die Erfolge machen sich schließlich nicht über Nacht bemerkbar, sondern dafür braucht es zielgerichtetes Training, die richtige Ernährung und ausreichend Regeneration. Gerade Einsteiger oder alle, die immer wieder ihrem inneren Schweinehund zum Opfer fallen, könnten vom Tracking profitieren. Allerdings ist dazu nicht zwingend ein Wearable erforderlich.

Vielleicht dürft ihr berufsbedingt keinen Schmuck tragen und mögt einfach kein Gebaumel am Handgelenk. Kein Problem, dann braucht ihr nur eine Sport-Tracking-App. Moderne Smartphones haben einen Schrittzähler verbaut: Ab dem iPhone 5s ist dies standardmäßig der Fall. Ihr nutzt ihn mit der Health-App. Für ältere Android-Smartphones ohne dieses Feature könnt ihr einfach eine kostenlose Schrittzähler-App runterladen. Die App oder das Feature im Handy macht sich dann das mikroelektrisch-mechanische System des Smartphones zunutze, kurz MEMS. Dieser moderne Sensor ist genauer als sein Vorgänger, der Gyro-Sensor. MEMS registriert nämlich Bewegungen nach links, rechts sowie nach vorne und kann in Verbindung mit einer Software Schritte von anderen Bewegungen unterscheiden – aber natürlich immer nur, wenn ihr euer Smartphone mit euch herum tragt.

Allerdings werden die Schritt- beziehungsweise Fitnessdaten in den Health- oder Schrittzähler-Apps nicht so umfassend aufbereitet wie mit einer erweiterten Sport-App: Dort könnt ihr eure Sporteinheiten auch manuell nachtragen sowie Kalorienziele verfolgen und behaltet hier langfristig den Überblick. Deswegen möchte wir euch folgende Anwendungen ans Herz legen – die könnt ihr übrigens auch später mit einem Fitnesstracker koppeln, solltet ihr euch doch noch einen zulegen. Wie angekündigt ist aber nicht nur der Sport entscheidend, sondern auch die Ernährung und Erholung. Auch dafür haben wir die passenden Anwendungen:

Endomondo und Strava: Gehen, Joggen, Radeln und Co. aufzeichnen

Die Sportler-Apps Endomondo und Strava nutzen das GPS eures Smartphones, um eure Outdoor-Trainings aufzuzeichnen: So wisst ihr hinterher, wie lange, wie weit und wie schnell ihr unterwegs wart. Die App schätzen auf dieser Basis auch den Kalorienverbrauch eurer Aktivitäten. Audio-Feedbacks zu Distanz und Tempo sollen Nutzer live pushen. Außerdem lassen sich die Tracking-Apps mit Ernährungstrackern koppeln, so dass ihr euer Kalorienkonto stets im Blick behaltet. Wer mag, kann seine Workouts darüber hinaus in sozialen Netzwerken teilen. Beide Anwendungen bieten einen ähnlichen Umfang, wobei Strava eher ambitionierte Sportler anspricht. Beide Apps lassen sich auch mit diversen Wearables koppeln, um die Herzfrequenz für genauere Auswertungen ins Tracking miteinzubeziehen, und bieten erweiterte Features wie Trainingspläne und Co. im kostenpflichtigen Abo.

Die App Endomondo zeichnet Outdoor-Sportarten auf – auch ohne Wearable.(© 2018 CURVED)

Verfügbarkeit: Endomondo ist gratis für Android- und iOS-Phones erhältlich. Strava gibt es ebenfalls als kostenlose Basisversion im Google Play Store und im Apple App Store.

Sleep Better: Schlafphasen und Erholung überwachen

Sleep Better ist eine Schlafanalyse-App von Runtastic, die über Bewegungen auf der Matratze und Umgebungsgeräusche Rückschlüsse auf eure Schlafphasen schließt. Dafür muss das Smartphone oder Tablet nachts neben dem Kopfkissen platziert werden – das funktioniert auch im Flugmodus. Der integrierte Wecker der App verfügt über einen Smart Alarm und soll Nutzer nicht aus dem Tiefschlaf reißen. Mit der App könnt ihr eure Schlafqualität einschätzen und lernen, wie Gewohnheiten diese beeinflussen. Außerdem könnt ihr das Traumtagebuch oder den Mondphasen-Kalender nutzen.

Verfügbarkeit: Die Gratis-Version von Sleep Better ist für iOS und Android erhältlich.

So eine Schlaf-App kann ein guter Anfang sein, wenn ihr euch besser um eure Regeneration kümmern wollt. Im Idealfall werdet ihr gesunde Schlafroutinen entwickeln und erholter sein. Absolute Genauigkeit solltet ihr von den Schlaf-Apps aber nicht erwarten, da sie sich nur auf Bewegungen und Geräusche berufen können. Zuverlässiger sind hier definitiv Activity Tracker mit einem Herzfrequenzsensor.

Es gibt Apps, die neben dem Kopfkissen euren Schlaf inklusive Schnarchen aufzeichnen.(© 2018 Shutterstock / LightField Studio)

Vorteile von Fitnesstrackern: Für diese Zielgruppen sind sie ein Gewinn

Wer aktiver im Alltag werden oder abnehmen möchte, braucht dafür nicht zwingend einen Fitnesstracker. Apps erinnern euch an eure Trainingsziele und daran, eure Ernährung zu tracken oder früher ins Bett zu gehen. Mit Ernährungs- und Fitnessapps oder Web-Rechnern könnt ihr euren Kalorien-Bedarf ermitteln und euch dann ein Kalorien- und Fitnessziel setzen, zum Beispiel: "Ich werde jeden Tag 30 Minuten Sport machen oder dreimal pro Woche eine Stunde und mich auf 1.500 Kalorien am Tag beschränken, die Ausnahme bildet ein Cheat Day pro Woche." Auf diese Weise können Anfänger ganz gute Erfolge erzielen.

Für fortgeschrittene oder ältere Sportler, die ihre Trainingsbelastung überwachen und stetig vorantreiben wollen, sowie Leute die im Beruf körperliche Arbeit leisten, gestaltet sich die Sache allerdings schwieriger: Ihr solltet genau ermitteln, wieviele Kalorien ihr mit euren Aktivitäten verbrennt, damit ihr nicht zu wenig Kalorien aufnehmt. Ansonsten schaltet der Stoffwechsel irgendwann auf Sparflamme und ihr kommt kein Stück weiter. Dabei sind Fitnesstracker zwar auch nicht das Non-Plus-Ultra in Sachen Genauigkeit, aber welche tollen Fitnesserfolge man mit einem Wearable feiern kann, erklärt euch eine Personal Trainerin im nächsten Beitrag. Neben den ambitionierten Sportlern sowie den Aktiven ist die dritte Zielgruppe, die von einem Fitnesstracker profitiert, diejenige, die ihre Gesundheitsdaten aktiv nutzen möchte.

Mit der App Sleep Better von Runtastic bekommt ihr einen Eindruck eurer Nachtruhe.(© 2018 CURVED)

Hier kommen alle Vorteile von Activity Trackern auf einen Blick:

  1. Fitness-Wearables zeichnen nicht nur jeden Schritt und Tritt auf, sondern sie erinnern Nutzer zudem, regelmäßig aufzustehen: Die meisten von uns verbringen viel zu viel Zeit im Sitzen und das damit verbundene Gesundheitsrisiko lässt sich nicht so einfach durch eine Stunde Sport am Abend ausgleichen.
  2. Sie motiveren außerdem, mehr Schritte zu gehen, Fitnessziele zu erreichen, rechtzeitig ins Bett zu gehen und geben weitere Tipps für einen gesunden Lebenstil.
  3. All dies tun sie automatisch: Viele Wearables erkennen sogar Sportarten. Fitbit hat hier derzeit die Nase vorn. Bei den Sport-Apps hingegen muss man immer selbst daran denken, die Aufzeichnung zu starten und zu stoppen.
  4. Fitnesstracker, die über einen Herzfrequenzmesser verfügen, kommen zu viel genaueren Aufzeichnungen als Wearables und Apps, die nur auf Bewegungssensoren Zugriff haben. So könnt ihr eure Belastung, den Kalorienverbrauch und eure Schlafqualität überwachen.
  5. Auch wenn der Bedarf, seine Fitnessdaten über soziale Netzwerke zu teilen, laut der Statista-Umfrage nicht allzu hoch sein mag: Mit einem Fitnesstracker habt ihr die Möglichkeit, euch mit anderen zu messen. Gründet doch mal eine Gruppe unter Kollegen oder Freunden und motiviert euch so gegenseitig mit kleinen Challenges.
  6. Fitnesstracker können Leben retten: Etwa, indem sie Unregelmäßigkeiten im Herz-Kreislauf-System offenbaren oder Nutzern die Möglichkeit bieten, ihre Gesundheitsdaten mit Ärzten zu teilen. Die Apple Watch Series 4 verfügt sogar über eine automatische Notruffunktion, die sich bei einem Sturz aktiviert.

Fazit und Tipps zum Weiterlesen

Die Investition in einen Fitnesstracker lohnt sich definitiv für Technikfans, die vielleicht einen Tritt in den Hintern brauchen, um etwas aktiver zu werden, sowie für Fitnessfans, die langfristig und ehrgeizig Fitness- und Körperziele verfolgen. Lediglich Kraftsportler haben hier noch nicht so umfangreiche Möglichkeiten des zuverlässigen Trackings. Dafür profitieren vor allem Ausdauersportler und ältere Leute und alle, die ihre Gesundheit überwachen möchten. Bevor ihr euch für ein Wearable entscheidet – und die Auswahl ist inzwischen beachtlich – könnt ihr aber auch erstmal mit dem Smartphone und den hier vorgestellten Fitnessapps Vorlieb nehmen. Schaut euch auch gerne mal die Fitness-App eures Betriebssystems an: Google Fit oder Apple Health sind ein prima Einstieg. Für detaillierte Insights braucht es dann aber umfangreichere Sport-Apps oder einen Fitnesstracker.

Das Xiamomi Mi Band 3 ist ein einfaches Fitnessarmband für Einsteiger mit Pulsmesser zum kleinen Preis.(© 2018 CURVED)

Hier noch ein Tipp: Wer die Daten seines Schrittzählers im Rahmen des Bonusprogrammes mit seiner Krankenkasse teilt und an weiteren Gesundheitsmaßnahmen partizipiert, der kann, je nach Kasse, sogar einen Fitnesstracker oder gar eine Apple Watch als Prämie einheimsen. Wer hier leer ausgeht, findet günstige Einsteigergeräte wie das Xiaomi Mi Band 3 für rund 30 Euro. Achtet darauf, dass euer Activity Tracker über einen Herfrequenzsensor verfügt, der ist schon sinnvoll für Alltag und Sport. Auf GPS könnt ihr als Hobbysportler verzichten, da die Geräte das GPS des Handys nutzen. Dann muss das Smartphone beim Sport aber immer mit. Schaut euch vor dem Kauf auch die jeweilige Companion-App eures Wearables an: Entscheidend ist nicht nur die Hardware, sondern auch, wie gut ihr mit der Software zurechtkommt. Wer möglichst viele smarte Features nutzen möchte, ist mit einer Smartwatch bestens beraten – die muss man allerdings täglich aufladen. Wer sich auf das Fitnesstracking beschränkt, kommt mit einer Sportuhr oder einem Fitnessarmband gut aus und genießt hier üblicherweise drei bis 14 Tage Akkulaufzeit.


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