Apple Watch Series 3 im Test: die (fast) perfekte Smartwatch [mit Video]

Mit der Series 3 strebt die Apple Watch nach mehr Selbstständigkeit vom iPhone. Im Test zeigt sich: Die Smartwatch ist endlich da angekommen, wo Apple sie immer haben wollte. Fast

Es ist die Uhr, die Apple von Anfang an bauen wollte. Das gab das Unternehmen während der Präsentation der Series 3 im Rahmen der September-Keynote ganz offen zu. Was damit gemeint ist: Mittlerweile ist man in der Lage, die Uhr so zu bauen und mit all den Features auszustatten, die man ursprünglich für sie vorgesehen hatte. Oder wie ich es nach meinem Test formulieren würde: War die Apple Watch bislang zwangsweise ein Addon, kann sie sich nun auch neben iPhone und iPad alleine behaupten.

Look & Feel

Die Hardware: nur echt mit dem roten Punkt

Dabei muss man mit einem Blick aufs Handgelenk die Unterschiede zunächst schon mit der Lupe suchen. Dem Vorgänger schaut die Series 3 zum Verwechseln ähnlich. Nur der rote Punkt auf der Krone signalisiert, dass es sich um ein "Cellular"-Modell mit LTE-Unterstützung handelt. Die WLAN-Ausführung der Series 3 bekommt diesen Punkt nicht. Gute Nachrichten für Watch-Fans der ersten Stunde: Weil sich am Formfaktor nichts verändert hat, passen auch weiterhin alle alten Bänder. Ebenso ist die Uhr weiterhin wasserdicht.

Sein Sortiment hat Apple dennoch ein wenig angepasst: Es gibt nun drei Sport-Aluminiumversionen in Silber, Gold und Spacegrau sowie zwei Edelstahl-Ausführungen in Silber und Schwarz plus zwei Keramikmodelle (Weiß und Grau). Roségold gibt es nicht mehr, das neue Gold strahlt um einiges rötlicher. Mir gefällt's. Doch mit Abstand am besten schaut meiner Meinung nach neben der schlichten spacegrauen Sport-Ausführung die graue Keramik-Edition aus. Wenn sie denn nicht so teuer wär! Ach, und die Sondermodelle von Hermés und Nike haben ebenfalls einen optischen Refresh bekommen.

Alte Armbänder passen weiterhin.(© 2017 CURVED)

Die Software: watchOS 4 läuft rund

Weil die Apple Watch wie kaum ein anderes Apple-Gerät zu mindestens 50 Prozent aus Software besteht, geht es beim Look & Feel der Series 3 auch um die Benutzeroberfläche. Hielt die erste Uhr mit der ersten watchOS-Version gerade mal einen Tag durch und schickte eigentlich nur Benachrichtigung vom iPhone aufs Handgelenk, bescherten stetige Updates der Smartwatch mehr Akkulaufzeit. Mit watchOS 3 verbesserte man die Performance von Apps auf der Watch signifikant  – auch weil sie nun nicht mehr auf dem iPhone laufen mussten, sondern direkt auf dem Gerät installiert werden konnten. Bei watchOS 4 hat man in Cupertino nochmal an der Performanceschraube gedreht. Apps brauchen maximal zwei Sekunden, um vollständig zu laden. Zum Vergleich: Zuvor dauerte es auch schon mal zehn Sekunden, bis eine Drittanbieter-App gestartet war. Auch der Wechsel zurück in den Homescreen läuft nun unmittelbarer und vor allem ohne Ruckeln ab. watchOS 4 fühlt sich insgesamt schlanker und flinker an.

watchOS 4: Das ist neu

Mit dem Update bekommt Siri nun ein eigenes Watchface, das Euch mit den wichtigsten Informationen über den Tag versorgt. Dazu gehören unter anderem Kalendereinträge und Szenen aus Homekit.

Praktisch: Das Watchface passt sich automatisch an Euer Nutzungsverhalten an. Lest Ihr morgens auf dem iPhone gerne News, zeigt die Uhr Euch auch News an. Außerdem gibt es nun ein Kaleidoskop-Watchface. Und: Micky und Minnie Maus bekommen Gesellschaft von Woody, Jessie und Buzz Lightyear aus "Toy Story". Außerdem neu:

  • Die Workout-App verfügt über neue Animationen. Außerdem lassen sich einzelne Workouts einfach kombinieren, etwa für den Einsatz im Fitnessstudio. High Intensity Intervall Training (HIIT) ist als neue Disziplin verfügbar.
  • Die Uhr lässt sich zudem mit Fitness-Geräten, etwa von Technogym und Cybex, koppeln und kann deren Daten in die Health-App einspeisen.
  • Dank eines Altimeters in der Series 3 werden nun zurückgelegte Höhenmeter genauer ermittelt.
  • Eine verbesserte Herzfrequenz-Ansicht zeigt künftig nicht nur den aktuellen Herzschlag an, sondern auch Euren Ruhepuls. Bei Workouts erfasst die Watch auch, wie zügig sich Euer Puls wieder erholt.
  • Das Dock wurde optisch überarbeitet, ebenso die Apple Music-App.

Mehr Performance: Apps starten deutlich schneller

Dass watchOS 4 trotz neuer Features schlanker und schneller wirkt, liegt auch am neuen S3-Chipsatz. Der verfügt nun über zwei Kerne, die laut Apple bis zu 70 Prozent mehr Performance versprechen. Nun werde ich bestimmt keine Rennspiele am Handgelenk zocken. Das Plus an Leistung benötigt die Watch vielmehr dafür, jetzt viele Aufgaben zu übernehmen, die sie zuvor noch aufs iPhone abwälzen konnte. So ist im neuen Entdecker-Watchface standardmäßig eine Komplikation für Apple Maps eingerichtet. Klickt man darauf, lädt die Uhr über die LTE-Verbindung das Kartenmaterial herunter und realisiert in wenigen Sekunden eine Routenführung, ohne auch nur einmal auf das iPhone zugreifen zu müssen. Genauso schnell hat man mit myTaxi einen Fahrer bestellt. Sowas erledigt jedes Smartphone natürlich mit links. Doch wenn man bedenkt, dass all das auf einem Gerät passiert, das kaum größer ist als ein Traubenzucker-Bonbon: schon beeindruckend.

Dank LTE lückenlos nutzbar

Ihre neue Selbstständigkeit verdankt die Series 3 dem LTE-Modul. Die Antenne hat man aus Platzgründen direkt im Display verbaut. Genauer: Sie ist ein Teil des Displays. Dadurch erreicht man auf kleinsten Raum möglichst guten Empfang. Ist das iPhone in der Nähe, nutzt die Uhr die Internetverbindung mit.

Die Einrichtung war dabei denkbar einfach: Sind Uhr und iPhone gekoppelt, scannt man nur noch den QR-Code vom Provider. Fertig. Anschließend heißt es nur: Mobilfunk bereit. Befand ich mich im Test außerhalb der Reichweite, dauerte es ein paar Sekunden, bis die Apple Watch auf die eigene Internetverbindung switchte. Anrufe, Nachrichten aus iMessage, WhatsApp und Co. wurden dann direkt auf die Uhr weitergeleitet. Das klappt übrigens nicht nur, wenn das Smartphone außer Reichweite ist. Sogar wenn es ausgeschaltet ist, könnt Ihr über die Uhr kommunizieren und seid über Eure Telefonnummer erreichbar.

Bei der Sprachqualität scheint Apple nicht zu hoch gestapelt zu haben. Die meiste Zeit konnte mein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung nicht erkennen, ob ich nun über das iPhone oder die Apple Watch telefoniere. Dabei muss die Uhr auch nicht in Knight-Rider-Manier zum Mund geführt werden. Im Auto konnte ich gemütlich durch die Stadt lenken, ohne dass ich meinen Gesprächspartner oder er mich nicht mehr verstand.

Von der LTE-Verbindung verspricht sich Apple aber auch eine verstärkte Nutzung von Apple Music am Handgelenk. Während ich wohl weiterhin vergeblich auf eine Offline-Funktion von Spotify auf der Watch warten werde, hat der Konzern aus Cupertino seine 40 Millionen Tracks starte Song-Bibliothek zum Streaming aufs Handgelenk freigegeben. Allerdings wird diese Funktion erst mit einem Update im Oktober nachgeliefert. Bislang ist es noch nicht möglich, über die LTE-Verbindung Songs zu streamen.

Weiterer Vorteil der LTE-Connection: Weil die Watch nicht mehr die Internetverbindung über das Smartphone tunneln muss, gehen die Anfragen im Schnitt viel zügiger vonstatten.

Hey, Siri!

Bis es soweit ist, kann man sich von Siri unterhalten lassen. Die Sprachassistenz hat nun endlich eine Stimme auf der Uhr und zeigt Ergebnisse nicht nur auf dem Display an. Hat man die Hände voll, genügt ein "Hey, Siri" und die gesprochene Anfrage, um eine gesprochene Antwort zu bekommen. Das funktioniert mit der LTE-Verbindung genauso zügig, wie man es sonst auch von Siri auf dem iPhone kennt. watchOS profitiert zudem davon, dass Apples Ingenieure Siris Sprachausgabe über alle Plattformen hinweg natürlicher gestaltet haben. Es mag ein kleines Upgrade sein, aber belegt es auch: Bis zur Series 3 war Apple mit seiner Uhr nicht da, wo man eigentlich hinwollte. Nun ändert sich das. Mit der LTE-Anbindung und dem stärkeren Chipsatz bringen derlei Aufgaben die Uhr nicht mehr an ihre Leistungsgrenze.

Akkulaufzeit: nicht mehr als beim Vorgänger

Siri mit Sprachausgabe, mehr Performance dank Dualcore-Prozessor, LTE-Anbindung. Wie stark hat sich die Akkulaufzeit verschlechert? Halten wir erst einmal fest: Der Akku hat sich minimal vergrößert, wie iFixit herausfand. Von 273 mAh beim 38mm-Modell auf 279 mAh. Apple verspricht 18 Stunden, die sich folgendermaßen aufteilen: für insgesamt vier Stunden eine Verbindung über LTE und für 14 Stunden eine Bluetooth Verbindung zum iPhone. Darin enthalten: 90 Display-Aktivierungen durch Armheben, 90 Benach­richtigungen, 45 Minuten App-Nutzung und 30 Minuten Training mit Musik von der Apple Watch über Bluetooth. Drei Stunden Sprechdauer seien bei einer Verbindung zum iPhone drin, eine Stunde via LTE nur über die Watch. Darüber hinaus hat Apple weitere Szenarien durchgetestet, deren Ergebnisse sich hier nachlesen lassen. 18 Stunden bedeuten für mich, dass die Uhr am nächsten Vormittag wieder an die Ladestation muss. Das kann ich bestätigen. Klar: Als ich am ersten Testtag besonders viel mit der Uhr telefonierte, musste sie schon nach einem Tag wieder Energie nachtanken. Doch bei durchschnittlicher Nutzung hält die Series 3 so lange durch wie ihr Vorgänger. Gemessen an den neuen Features eine gute Leistung, allerdings hätten viele Watch-Fans auch nichts dagegen einzuwenden, wenn man ein ganzes Wochenende die Uhr nutzen könnte, ohne sie zwischendurch ablegen zu müssen.

Preise und Verfügbarkeit

Die Apple Watch Series 3 (GPS + Cellular) ist in Gold, Silber oder Space Grau Aluminium oder Silber oder Space Black Edelstahl ab 449 Euro erhältlich. Die Series 3 nur mit GPS verkauft Apple mit Aluminiumgehäuse in Gold, Silber oder Space Grau mit einem Sportarmband ab 369 Euro. Die Apple Watch Series 1 mit Aluminiumgehäusen in Silber oder Space Grau hat man auf 269 Euro reduziert. Die Apple Watch Edition in grauer oder weißer Keramik kostet ab 1.399 Euro. Für die Apple Watch Nike+ zahlt Ihr ab 369 Euro aufwärts, für die Apple Watch Hermès mindestens 1.249 Euro.

Fazit: der perfekte Kompromiss

Als Apple die Uhr in Cupertino Mitte September vorstellte, fragte ich mich: Muss ich dann überhaupt noch ein iPhone dabei haben? Nach dem Test steht für mich fest: Ich muss es künftig zumindest seltener mit mir führen. Denn die Series 3 erledigt viele Aufgaben mittlerweile eigenständig. Ein iPhone am Handgelenk ist sie allerdings (noch) nicht. Das will sie aber auch nicht sein. Viel besser steht ihr die Rolle als Assistent. Alles, was Siri auf dem iPhone, iPad oder Mac kann, beherrscht die Künstliche Intelligenz nun auch auf der Uhr. Und noch mehr: Das Siri-Watchface lernt stetig dazu und liefert mir automatisiert passende Inhalte.

Dass die Series 3 dafür nicht mehr auf die Internetverbindung des gekoppelten iPhones angewiesen ist, sorgt bei mir für mehr Gelassenheit. Gerade wenn ich unterwegs und nicht in ein WLAN eingeloggt bin, ist die Uhr plötzlich nicht mehr unbrauchbar, sondern lässt sich auch komplett ohne Verbindung zum iPhone nutzen. Der Effekt: Weil ich mit ihr auch ohne Smartphone immer erreichbar bin, lege ich sie noch seltener ab. Wenn denn nun endlich auch mal Apple Pay nach Deutschland kommen würde, könnte ich auch gleich mein Portemonnaie zu Hause lassen. In den USA ist das schon seit geraumer Zeit möglich und wertet das Gadget nochmal auf. Dass Apple Pay hierzulande noch auf sich warten lässt, ist aber weniger Apple als den Banken und der Bargeldliebe der Deutschen zu verdanken. Dennoch: Dieses Puzzleteil fehlt noch, um das Watch-Erlebnis wirklich perfekt zu machen. Das weiß auch Apple. Weswegen ich mir ziemlich sicher bin, dass es nicht mehr als zu lange dauern wird, bis wir auch hierzulande bargeldlos mit der Uhr bezahlen können.

Bis es soweit ist, halte ich nach meinem Test fest: Dank konsequenter Weiterentwicklung hat Apple mit der Series 3 den sehr guten Kompromiss aus Smartwatch, Fitnesstracker und Mini-Telefon geschaffen. Endlich kann ich meinen Kindheitstraum verwirklichen und wie Michael Knight über meine Uhr telefonieren. Jetzt fehlt nur noch der Tesla, dann könnte ich mein Auto sogar mit ihr herbeirufen...

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