Archos Drone im Test: Was taugt der 100-Euro-Quadcopter? [mit Video]

Hersteller Archos hat einen Quadcopter mit Kamera und 6-Achsen-Gyroskop für nur 99 Euro auf den Markt gebracht. Kann so billig überhaupt ein sinnvolles Flugobjekt herauskommen? Wir machen den Test.

Schick sieht sie aus, die kleine Drohne in Dunkelgrau und Grün. Die grünen Rotoren sind besonders praktisch, da wir damit schnell erkennen wo vorne und hinten ist – auch wenn sie sich auf ihrer maximalen Höhe von 50 Metern über uns befindet.

Selbst zusammenbauen

Am Anfang müsst Ihr bei der Drohne mit dem mitgelieferten Schraubendreher erstmal selbst ans Werk gehen. Mindestens die Standfüße müssen dran, doch das gestaltet sich als echte Fummelarbeit. Die Schrauben sind winzig und die Füße beim Drehen eigentlich im Weg. Möchtet Ihr zudem die Rotorenschützer beim Fliegen an der Drohne haben, werden diese auch verschraubt und nicht wie bei so ziemlich allen anderen Flugobjekten gesteckt.

Insgesamt versprüht die Archos Drohne einen Selbstbau-Charme. Überall verlaufen Drähte offen, Ihr könnt teilweise in die Drohne hineinschauen. Ins Akkufach stopfen wir die Kabel irgendwie hinein, damit die Klappe noch schließt.

Der Akku (500 mAh) selbst hat keine angebauten Kontakte, wie Ihr das von Smartphones oder anderen Drohnen kennt. Hier hängt ein kleines Kabel aus dem Akku, das Ihr mit einem anderen Kabel an der Drohne verbinden müsst. Zum Aufladen wird dieses an einen USB-Adapter angeschlossen und in einen Netzstecker gesteckt. Das Laden dauert etwa 70 Minuten, die Flugzeit liegt mit Rotorenschutz bei etwa sechs bis sieben Minuten. Ohne die Schützer könnt Ihr etwa eineinhalb Minuten mehr rausholen.

Leicht und billig

Gespart werden musste bei der Archos-Drohne an allen Ecken und Enden. So ist die Drohne selbst zwar sehr leicht, aber das liegt hauptsächlich am billigen Plastik aus dem sie gefertigt wurde. Auch der Controller fühlt sich nicht wertig an. Die Joysticks fallen hier besonders negativ auf, weil sie keinen wirklichen Grip haben. Euer Smartphone kann in einen Halter am Controller eingesteckt werden. Dieser hat auch einen Sichtschutz, um das Sonnenlicht ein bisschen abzufangen. Doch leider könnt Ihr den nur verwenden, wenn Ihr ein kleines Smartphone habt.

Außerdem sollte der Powerknopf nicht in der Mitte sein. Wir haben es mit einem OnePlus Two getestet und mussten das Smartphone so weit zur Seite schieben, damit der Powerknopf nicht durch die Halterung gedrückt wird, dass die eine Seite des Sichtschutzes dann mitten auf dem Display war.

Positiv erwähnen möchte ich allerdings die sehr starken, stabilen Rotorenblätter, die sich ohne Probleme austauschen lassen. Ein Ersatzset mit vier Blättern liegen der Drohne beim Kauf bereits bei.

Fliegt schnell davon

Was mich dann doch etwas überrascht hat, war wie viel Spaß das Fliegen mit der Archos-Drohne macht. Ja, sie ist sehr billig verarbeitet und durch ihr Leichtgewicht von 135 Gramm steht sie alles andere als stabil in der Luft, sobald ein Mini-Windstoß geht. Aber im Großen und Ganzen ist der Multicopter schnell unterwegs und reagiert gut auf die Steuerung per Controller. Laut Hersteller erreicht er eine Spitzengeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Nachteil: Selbst mit den Trimming-Reglern macht die Drohne gern das, was sie will, wenn Ihr nicht dagegen steuert. Egal welche Kombination wir ausprobiert haben, sie ist immer von alleine abgedriftet, auch wenn wir uns nicht bewegt haben.

Gesteuert wird die Drohne entweder mit dem Controller oder mit der Smartphone-App für Android oder iOS. Es gibt vorprogrammierte Flugmodi, die Ihr auswählen könnt: Mit einem kommt Ihr auf eine höhere Geschwindigkeit, mit einem anderen dreht sich die Drohne um 360 Grad in die gewünschte Richtung. Ihr könnt das Smartphone auch in einen VR-Modus schicken, falls Ihr ein solches Headset habt und dann versuchen in FPV (First Person View) zu fliegen.

Kamera als nettes Beiwerk

Bei einer 100-Euro-Drohne kann man eigentlich davon ausgehen, dass mit der eingebauten Kamera nicht gerade Hollywood-Aufnahmen entstehen werden. Und das ist hier auch der Fall. Wollt Ihr allerdings einfach mal einen Blick auf die Welt von oben werfen, reicht die Qualität aus. Ich würde das Bild ähnlich wie bei einer Überwachungskamera beschreiben. Denn die 1-Megapixel-Kamera macht Videos in HD-Auflösung (1280 x 720 Pixel) mit 20 Bildern pro Sekunde. Gespeichert werden diese auf einer microSD-Karte. Eine vier Gigabyte Karte liegt der Drohne beim Kauf schon bei.

Ein Testfoto aus der Archos-Drohne(© 2016 CURVED)

Leider lief die Übertragung in unserem Test nicht flüssig. Es gab immer wieder Ruckler oder Aussetzer im Livestream, den wir auf dem Smartphone beobachten konnten. Das hatte teilweise mehr von einem Daumenkino. Auch könnt Ihr die Kamera nicht während des Fluges schwenken, obwohl sich der Winkel von Hand ein kleines bisschen verändern lässt. Doch das größte Problem war, dass die Kamera einfach so plötzlich nicht mehr funktionierte. Unser erster Verdacht war ein lockeres Kabel, doch die sitzen noch alle, wo sie sollen. Leider haben wir kein Bild mehr auf unser Smartphone bekommen oder aufnehmen können, deshalb findet Ihr im Video oben nur eine kurze Aufnahme eines Testflugs.

Fazit: ideal für Fluganfänger

Wer gerade erst lernen möchte, wie man mit einer Drohne umgeht oder überhaupt erstmal ausprobieren möchte, ob das Fliegen Spaß machen kann, bekommt mit dem Archos-Modell ein interessantes Spielzeug zum Ausprobieren. Klar muss man auf qualitative Features bei dem günstigen Preis verzichten, aber wem es mehr auf den Flugspaß als auf gute Videos und Fotos ankommt, kann hier durchaus auf seine Kosten kommen.


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