Beats Solo2: Fette Bässe vom Sound-Doktor

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Beats by Dre Solo
Beats by Dre Solo(© 2014 CURVED)

Dr. Dre und seine Beats Kopfhörer sind omnipräsent. Überall sieht man die großen und auffälligen Kopfhörer. In den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Cafe, in den Fitnesszentren und natürlich auch im Fernsehen. Taugen die neuen Beats Solo2 zu mehr als einem reinen Statussymbol, das nur Bässe gut kann?

Kopfhörer von Beats by Dr Dre stehen primär für schickes Design, fetten Klang mit starker Tendenz zu Bässen und natürlich für prominente Produkt-Platzierung. Letzteres führte sogar dazu, dass die FIFA Spielern wie Neymar Junior, Wayne Rooney, Mario Götze und Co das Tragen von Beats Kopfhörern in den WM-Stadien verboten hat. Grund: Sony ist der offizielle WM-Partner und hat dafür viel Geld bezahlt.

Mit der geschickten Platzierung seiner Produkte wurde Beats zu einem der erfolgreichsten Kopfhörer-Anbieter. Beats war so erfolgreich, dass Apple die stolze Summe von 3 Milliarden US-Dollar locker machte um den Audiospezialisten aus Santa Monica zu übernehmen.

Design: typische Beats-Optik

Der neue Solo 2 folgt der abgerundeten Beats-Designsprache, die mit den Beats Studio 2013 eingeführt wurde. Das schnörkellose Design gefällt, auch wenn wir ein Testmuster in der knalligen Farbe Pink erhalten haben. Zum Glück gibt es neben Pink auch noch in Blau, Rot, Grau und den klassischen Weiß und Schwarz. Schade nur, dass Beats alle Solo 2 nur in Hochglanz-Optik anbietet. Eine Matte-Version würde mir persönlich mehr liegen. Wenigsten wurde eine Transporttasche beigelegt, so dass die Hochglanz-Optik beim Transport nicht leidet.

Von der Haptik her haben sich die Solo 2 gegenüber dem Vorgänger verbessert. Es knirscht und knarzt nichts mehr, das austauschbare dicke Kabel mit weicher Gummi-Ummantelung verdreht und verheddert sich nicht. Sehr gut ist auch der abgewinkelte Miniklinken-Anschluss zum Smartphone. Dank dieser wird ein versehentliches Abziehen des Kabels verhindert, da das Kabel in der Jackentasche abknickt. Leider hat Beats eine Arretierung an der Kopfhörerseite des Kabels vergessen. Mit einem Ruck ist das Kabel schnell ab. Im Kabel selbst sind noch eine Drei-Tasten-Fernbedienung samt Mikrofon integriert, so dass der Solo2 auch als Headset für Smartphones genutzt werden kann.

Beats Solo 2 im Hands-On

Tragekomfort: erst angenehm, später Kopfschmerzen

Nach dem Aufsetzen fühlen sich die Beats Solo 2 angenehm und sicher an. Den Druck empfindet man im ersten Moment als angenehm, und die weichen Polster mindern den Druck auf die Ohren ab. Da es sich beim Solo 2 um einen On-Ear-Lopfhörer handelt, werden die Ohren an den Kopf gequetscht. Mir persönlich liegen On-Ear-Kopfhörer nicht, denn die sorgen nach einer gewissen Zeit für Kopfschmerzen. Andererseits sorgt ein höherer Anpressdruck gerade bei aktivieren Trägern dafür, dass der Solo 2 nicht so leicht vom Kopf fliegt. Da gilt also mal wieder die Regel: vor dem Kauf eines Kopfhörers unbedingt im Laden des Vertrauens aufsetzen und ausprobieren, sonst währt die Freude am Neuerwerb nicht lange.

Für einen guten Tragekomfort ist nicht nur ein guter Druck wichtig, sondern auch die Ohrpolster und deren Materialien. Während die Polster an sich bei den Beats Solo 2 gut sind, sorgt das gewählte lederartige Material für einen Satz heißer Ohren. An kalten Wintertagen mag das noch sehr angenehm sein, aber bei warmen Sommer-Temperaturen führt das unweigerlich zu schwitzigen Ohren.

Suchtgefahr Bass

Beim Sound bleibt sich Dr. Dre treu. Wie auch schon bei allen anderen Beats-Kopfhörern legt auch der Solo 2 starken Wert auf mächtigen und druckvollen Bass. Die Bässe sind so omnipräsent wie das Unternehmen selbst. Leider führt diese Betonung von Tiefen dazu, dass leisere und neutralere Stücke verfremdet werden.

Wer jetzt aber glaubt, dass aus dem Solo 2 nur Bumm-Bumm-Bass hervordringt, der hat sich leider geirrt. Mitten und Höhen beherrscht der kleine Beats auch sauber, ohne dass es in den Höhen zischelt. Im Vergleich zu meinen eigenen Sennheiser Momentum vermisse ich bei den Beats aber feine Details und Räumlichkeit. Interessanterweise kann der Beats-Sound aber auch zur Sucht führen. Wenn man länger Musik durch den Beats-Filter in den eigenen Gehörgang jagt, dann will man mehr und vergisst schnell, dass es auch Klänge ohne Bass gibt.

Bass, Bass...wir brauchen Bass!

Durch das geschlossene System sorgen Beats Solo 2 auch dafür, dass Umgebungsgeräusche passiv unterdrückt werden. Man fühlt sich, wenn gerade mal keine Musik läuft, wie in Watte gehüllt. Gleichzeitig sorgt das geschlossene System auch dafür, dass Eure Sitznachbarn in der Strassenbahn nicht zu sehr von der basslastigen Musik mitbekommen.

Test-Fazit

Beats hat beim Solo 2 gegenüber dem Vorgänger, dem Solo HD, an der Klangschraube gedreht, ohne die eigene Sound-DNA zu verwässern. Die Fans der Beats-Kopfhörer bekommen immer noch den gewohnten druckvollen Klang mit der Betonung auf die Bässe. Zusätzlich gibt es aber nun geringere Verfälschung und einen für Beats-Verhältnisse detailreicheren Klang. HiFi-Puristen werden den vorlauten Bass immer noch nicht mögen und einen großen Bogen um die Beats Solo 2 machen.

Mit knapp 200 Euro liegt der Beats Solo 2 in seiner Kategorie schon am oberen Ende. Bei solch einem stolzen Preis ist es verwunderlich, dass Beats den Besitzern ihrer Kopfhörern nicht die Möglichkeit gibt, die Ohrpolster zu wechseln. Gerade sportlich aktivere Nutzer würden sich bestimmt darüber freuen, das eine oder andere Mal die verschwitzten und dreckigen Polster gegen neue zu ersetzen.

Alternative Produkte wie die Sennheiser Momentum On-Ear glänzen mit edleren Materialen und detailverliebten Sound und liegen preislich unter den Beats Solo 2. Wer lieber eine kabellose Übertragen vom Smartphone zum Kopfhörer bevorzugt, der sollte sich die Jabra Revo Wireless anhören. Da Kopfhörer sehr persönliche Gadgets sind, muss ich für meinen Teil sagen, dass die Beats Solo 2 meinen Geschmack nicht treffen. Ich mag lieber Ohr umschliessende (Over-Ear) Kopfhörer, mit denen ich neben druckvollen Beats auch detailreiche Musik geniessen kann.


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