Bowers & Wilkins PX im Test: So gut kann Noise-Cancelling klingen

Die Bowers & Wilkins PX in Spacegrau
Die Bowers & Wilkins PX in Spacegrau(© 2017 CURVED)

Aktive Geräuschunterdrückung ist ungemein praktisch. Doch seien wir mal ehrlich: Die meisten Kopfhörer mit gutem Noise-Cancelling klingen nicht gut. Die Erwartungen an den PX von Bowers & Wilkins sind deswegen groß. 

Und das nicht nur, weil der Name Bowers & Wilkins seit drei Jahrzehnten für hervorragenden Klang steht. Längst ist der britische Hersteller nicht mehr nur für seine Lautsprecher bekannt, sondern hat sich auch mit seinen P-Kopfhörern einen Namen gemacht. Persönlich habe ich seit Jahren täglich den P3 im Einsatz, der P5 Wireless gilt in der Redaktion (und nicht nur bei uns) als bester Bluetooth-Kopfhörer. Doch im Bereich Noise-Cancelling überließ man bislang Bose mit seinen QuietComforts das Feld. Mittlerweile mischen aber sogar jugendliche Marken wie Beats im NC-Business mit.

Look & Verarbeitung: Premium-Lauscher

Jugendlich, also bunt oder auf optisch aufdringlich, schaut der PX nicht aus. Und das ist auch gut so. Edel bis zum Anschlag, so wirkt er auf mich. Überall cooles Metall, fein verarbeitetes, aber nicht zu weiches Leder und robuste und dennoch schicke Textilapplikationen. All das wirkt nicht nur optisch stimmig, sondern hat auch einen Alltagsnutzen. Während der Kopfbügel innen mit Leder ausgeschlagen ist, schließt er zu beiden Enden mit Metallkappen ab, in deren Innern sich über eine Schiene die Position der Ohrmuscheln stufenlos anpassen lässt. Der Clou: Das Verbindungskabel mit Textilummantelung läuft sichtbar in der Mitte der Schiene und anschließend außen in die beiden Ohrmuscheln. Die Scharniere lassen sich um fast 180 Grad drehen und wirken so solide, dass auch Hammerschläge ihnen nichts anhaben können. Das mattierte Aluminium auf den Außenseiten der Ohrmuscheln erinnert mich an die spacegrauen iPhones und macht Fingerabdrücke unmöglich. Kaum sichtbar am oberen Ende der Ohrmuschelaußenseite haben B&W's Ingenieure jeweils ein paar Dutzend Löcher gestanzt, unter denen Mikrofone die Umgebungsgeräusche aufnehmen.

Als Over-Ear sitzt er PX, oh Wunder, luftig über dem Ohr. Nach innen ist noch so viel Platz, dass sich die Ohren wieder ein bisschen entfalten können. Das sorgt für ein sehr angenehmenes Tragegefühl. Kurzum: Der PX ist unverschämt gut verarbeitet.

Weil es aber nicht der erste Wireless-Kopfhörer von Bowers & Wilkins ist, hätte ich mir ebenso viel Sorgfalt beim Design der Buttons gewünscht. Die Knöpfe für die Laustärke, Play/Pause, Power und die Bluetooth-Verbindung lassen sich nur schwer ertasten, wenn man den PX trägt. Alle fühlen sich gleich an und liegen nah beieinander. Schraffierungen oder ein Material mit mehr Grip wären hilfreich.

Die Software für den passenden Mix

Für das aktive Noise-Cancelling hat sich B&W einige interessante Kniffe überlegt. Essentiell für die Bedienung ist die App "Bowers & Wilkins Headphones". Sie verlangt die Bluetooth-Verbindung zum Kopfhörer. Anschließend könnt Ihr Euch entweder im Hilfe-Bereich alle Kurzbefehle für die Buttons durchlesen oder direkt zu den Noise-Cancelling-Einstellungen springen. Vorweg: In der App lässt sich das NC, in der App "Umgebungsfilter" genannt, auch komplett deaktivieren, um etwa den Akku zu sparen. Nur: Wer will das, wenn er sich einen expliziten NC-Kopfhörer zulegt?

Besonders gut gefallen mir die diversen Szenen, die sich wiederum einzeln konfigurieren lassen. Zur Auswahl stehen Büro (Gespräche und Bürogeräusche werden gedämpft, Diskussionen in der Nähe bleiben hörbar), Stadt (Straßenlärm wird reduziert, bleibt aber wahrnehmbar) und Flug (Motorengeräusche werden ausgeblendet, Kabinengeräusche minimiert). Darüber hinaus, und das fehlt mir bei meinen Bose-Kopfhörer komplett, ist die von "Aus" bis "Verstärkt" justierbare Pass-Trough-Funktion. Dabei werden die Umgebungsgeräusche entweder komplett ausgeblendet, wie im Flieger, oder wahlweise verstärkt. Möglich machen das die verbauten Außenmikrofone. Das kann nützlich sein, wenn Ihr konzentriert arbeiten, aber trotzdem reagieren wollt, wenn Kollegen Euch direkt ansprechen.

Der Klang: dezent

Das funktioniert im Test auch gut. Wohlgemerkt: Diese Funktion macht in erster Linie dann Sinn, wenn Ihr währenddessen Musik hört. Dann mischt der PX den Sound entsprechend ab. Ohne Musik hättet Ihr vielmehr Superohren, die auch kleinste Geräuschquellen "verstärken". Stimmen klingen dann etwas verzerrt, aber sind gut auszumachen. Auf dem Fahrrad wiederum war praktisch, dass ich neben der Musik auch noch genug vom Straßenverkehr mitbekomme. Und egal, in welchem Modus ich die Kopfhörer genutzt habe, hatte ich zudem die Möglichkeit, für jeden Modus das Pass-Through frei einzustellen. Top! Im direkten Vergleich mit meinem Bose QC 25 blockt die US-Marke etwas besser ab. Dafür habe ich bei den B&W's nicht das typische "Unter-Wasser-Gefühl", was nicht immer angenehm ist.

Klangtechnisch hat mich der Bowers & Wilkins PX nicht enttäuscht. Wohlgemerkt: Ich nutze täglich den P3 in der Redaktion und halte den P5 Wireless für einen der besten Kabellosen. Beim PX fiel mir nach dem Shuffling durch meine relativ gut heterogene Playlist auf, dass er sein Potenzial erst aktiviertem Noise-Cancelling entfaltet. Ist das deaktiviert, wirken Höhen stärker betont und dem PX fehlt es ein wenig an Druck in den Tiefen. Bei aktivem NC kommen Bässe besser durch, Höhen klingen dann weniger prominent. Insgesamt tönt der PX dezent. Er will mir nicht mit dröhnenden Bässen den Schädel massieren und mit übermäßigen Höhen die Nackenhaare aufstellen. Es wirkt ganz so, als hätte B&W's Soundingenieure lange darüber diskutiert, wie man den besten Kompromiss zwischen Noise-Cancelling und gutem Klang findet.

Fazit: der perfekte Kompromiss

Und diesen guten Kompromiss hat man in meinen Augen bzw. Ohren gefunden. Der PX klingt besser als die Kopfhörer des NC-Platzhirsch Bose, auch wenn diese noch ein bisschen besser den Schall draußenhalten. Dafür punktet der Neuling nicht nur mit der smarten Pass-Through-Funktion und lässt im Gegensatz zu den Boses auch auf Wunsch bestimmte Geräusche durch. Durch die hochwertigen Materialen schaut er zudem besser aus, bringt aber mit 336 Gramm auch deutlich mehr auf die Waage. Pluspunkte gibt es für mich noch für die praxisnahe und durchdachte Bedienung: So stoppt der PX mit Hilfe eingebauter Sensoren das NC, wenn Ihr ihn abnehmt oder pausiert die Musikwiedergabe, wenn man eine Ohrmuschel anhebt, um kurz mit den Kollegen zu reden. Für dieses überaus stimme Gesamtpaket ruft der Hersteller aber 399 Euro auf und ist damit noch ein bisschen teurer als der Bose QC 35 II für 380 Euro. Wer aber neben NC Wert auch Wert auf guten Klang legt, kommt nun um Bowers & Wilkins nicht mehr herum.

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