Honor 8 im Test: das wahre Huawei P9 Lite

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Das Honor 8 in Sapphire Blue kann sich sehen lassen.
Das Honor 8 in Sapphire Blue kann sich sehen lassen.(© 2016 CURVED)

Das Honor 8 hat eine Dual-Kamera wie das Huawei P9 und den Chip aus dem Huawei Mate 8. Aber ist das neue Vorzeigemodell der Huawei-Tochter auch so gut wie deren Top-Smartphones? Der Test.

Von wegen Apple oder iPhone: Die Huawei-Tochter Honor will die Marke für junge, coole Menschen sein, die ihre Zeit hauptsächlich online verbringen. Deshalb haben sich die Chinesen auch keinen geringeren als David Beckhams Sohn Brooklyn als Markenbotschafter fürs neue Honor 8 an Bord geholt. Ein Angehöriger berichtet gegenüber The Sun, die Wahl sei auf Beckham Junior gefallen, weil er jung sei, sich gut präsentiert und ein Vorbild für Kinder seine Alters sei. Na, dann! Der Bekanntheitsgrad, auch durch Brooklyns Follower in diversen Social Netzworks, ist also schon einmal gegeben. Kann aber auch das Smartphone überzeugen?

Technisch gesehen ist das Honor 8 eine Mischung aus den Huawei-Top-Smartphones Huawei P9 und dem Huawei Mate 8. Optisch haben sich die Designer aber von der Konzernmutter (und den Vorgängern) gelöst. Das bedeutet: Schluss mit der Alu-Rückseite. Stattdessen setzt der Hersteller auf Glas. Genauer gesagt: auf 15 Lagen aus Glas. Das sieht sehr schick aus, bringt aber auch ein paar Nachteile mit sich: Zum einen zieht die Oberfläche Fingerabdrücke geradezu magisch an. Dazu ist die Glashülle so glatt, dass das Smartphone im Test gleich mehrfach vom Tisch oder Regal gefallen ist, wenn die Unterlage nicht plan war. Immerhin hat das Gerät alle Stürze unbeschadet überstanden.

Dual-Kamera, aber ohne Monochrom-Modus

Ansonsten gefällt das Design. Zwischen Glasrückseite und Display befindet sich ein Rahmen aus Aluminium. Dadurch fühlt sich das Honor 8 sehr hochwertig an. Die Bedientasten auf der rechten Seite lassen sich dank des gebürsteten Aluminiums am Einschalter und der glatten Lautstärkewippe blind auseinanderhalten. Unten sieht das Smartphone dann doch sehr nach einem iPhone 6s aus. Links sitzt der Kopfhöreranschluss, in der Mitte der Typ-C-Port und rechts daneben der Lautsprecher. Auf der Oberseite gibt es neben einem Mikrofon einen Infrarotsensor. In Verbindung mit der "Smart Control"-App sollt Ihr so in der Lage sein, über 230.000 Entertainment-Geräte fernzusteuern.

Das auffälligste Merkmal sind die beiden Kameralinsen. Denn wie das P9 bietet auch das Honor 8 eine Dual-Kamera. Von Leica als Partner ist, wahrscheinlich aus Kostengründen, nicht mehr die Rede. Die beiden Linsen lösen aber wie die Gegenstücke im P9 jeweils mit 12 Megapixeln auf. Eine kommt mit Farb- die andere mit einem Schwarzweiß-Sensor. Anders als beim P9 unterstützt das Honor 8 aber keine direkten Monochrom-Aufnahmen. Für Schwarzweißbilder müsst Ihr einen Filter benutzen.

Der Aufnahmemodus für die manuell verstellbare Tiefenschärfe ist dem Honor 8 aber erhalten geblieben. Das bedeutet: Wenn Ihr mit dem Smartphone Objekte in einem Abstand von ungefähr zwei Metern fotografiert, könnt Ihr anschließend einen Bereich auf dem Foto auswählen, der nachträglich scharfgestellt werden soll. Wie beim P9 habt Ihr auch hier die Möglichkeit, im Nachhinein die Blenden anzupassen. Wie beim “großen” Bruder sind Blenden von f/0.95 bis f/16 möglich. Seid Ihr mit der Bearbeitung fertig, könnt Ihr die Ergebnisse direkt über soziale Netzwerke teilen.

Fingerabdrucksensor mit Sonderfunktionen

Im Test haben die Kameras Objekte und Personen im Großen und Ganzen zuverlässig erkannt. Hin und wieder wurden aber auch ein paar Unschärfen an Stellen erzeugt, an denen sie nichts zu suchen hatten. Das Problem ist vom P9 bekannt und zeigt, dass die Technik noch nicht zu 100 Prozent ausgereift ist. Ansonsten liefern die Knipsen bei Tageslicht aber ähnlich gute Aufnahmen wie das Huawei P9. Das bedeutet: hohe Detailgenauigkeit und ein guter Kontrast. Wer noch mehr herausholen möchte, kann den Profi-Modus in der App nutzen. Damit könnt Ihr ISO-Wert und Co. manuell einstellen. Für die angesprochene Zielgruppe dürfte allerdings die Frontkamera für Selfies auf Facebook, Instagram, Snapchat und Co. wichtiger sein. Auch hier stimmen Detailgenauigkeit und Schärfe.

Das zweite Highlight neben der Dual-Kamera ist der Fingerabdrucksensor. Er soll das Smartphone laut Hersteller innerhalb von 0,4 Sekunden entsperren. Ob der Wert stimmt, ließ sich im Test nicht überprüfen. Dafür arbeitete der Sensor zu schnell. Es genügte das einmalige Tippen darauf, um das Smartphone zu entsperren. Darüber hinaus dient der Sensor auch als Bedienknopf. In den Einstellungen könnt Ihr den sogenannten Smart Key zum Beispiel so einstellen, dass er bei einmaligem Drücken die Kamera-App öffnet, bei zweimaligen Drücken den Browser und bei einem langen Druck die Google-App. Als Home-Button fungiert er dagegen leider nicht. Das ist ein Umstand, an den ich mich erstmal gewöhnen musste.

Die restliche Ausstattung ist in der oberen Mittelklasse angesiedelt: Das 5,2 Zoll große Display löst, wie beim P9, mit Full-HD auf, bietet aber einen guten Kontrast, stabile Blickwinkel und lebensechte Farben: Filme, Serien und Spiele sehen auf dem Honor 8 gut aus. Einzig für Virtual Reality taugt der Bildschirm nicht. Im Inneren taktet der Kirin 950, der auch im Huawei Mate 8 steckt. Zusammen mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher bringt er genug Leistung für aktuelle Spiele und einwandfreies Arbeitstempo. Im AnTuTu erreicht das Honor 8 runde 95.000 Punkte. Das ist mittlerweile kein Spitzenwert mehr, lässt aber zum Beispiel das deutlich teurere Sony Xperia X (rund 72.100 Punkte) alt aussehen.

Der Kirin 950 spart Strom

Dazu kommt, dass der Chip wie im Huawei Mate 8 stromsparend arbeitet. So bietet auch das Honor 8 bei gemäßigter Nutzung eine Laufzeit von im Schnitt eineinhalb Tagen. Das OnePlus 3 mit gleich großem Akku hält nicht so lange durch. Dazu kommt, dass der 3000-mAh-Akku dank Schnellladefunktion flott wieder gefüllt ist. Komplett leer braucht er nur zehn Minuten an der Steckdose, um wieder auf 17 Prozent zu kommen. Das reicht für ein paar Stunden Betrieb. Und der Speicher? In Deutschland wird es das Honor 8 mit 32 oder 64 Gigabyte Speicher geben. Braucht Ihr mehr, könnt Ihr per microSD-Karte bis zu 128 Gigabyte nachrüsten.

Beim Betriebssystem setzen die Chinesen trotz des bereits verfügbaren Anrdoid 7.0 Nougat auf die vorherige Version Android 6.0 Marshmallow. Das liegt daran, dass das Smartphone in China und den USA bereits vorgestellt wurde. Über das System legt Honor wie gewohnt die EMUI, hier in der Version 4.1. Mir persönlich gefällt die Oberfläche überhaupt nicht. Mit einem alternativen Launcher ist dieser Makel aber schnell behoben. Nervig bleibt die vorinstallierte Bloatware, unter anderem eine Hotel-App und zahlreichen Gameloft-Spiele. Immerhin könnt Ihr die unnötigen Anwendungen ohne Probleme entfernen.

Für die Zukunft verspricht Honor, das Smartphone zwei Jahre lang mit Updates zu versorgen. Wann es Android Nougat für das Honor 8 geben wird, ist aber noch nicht bekannt. Zumindest beim Honor 7 hat es aber sieben Monate gedauert, bis das Update von Lollipop auf Marshmallow verfügbar war. Kleiner Hoffnungsschimmer: Eine Nougat-Beta für das P9 wurde vor einigen Wochen gesichtet. Und so groß ist der Unterschied zwischen den beiden Smartphones ja nicht.

Fazit: das wahre P9 Lite

Gute Kameras, ausreichend Leistung und ein schickes Design: Mit dieser Mischung dürfte das Smartphone viele Abnehmer finden. Mit einem Preis von 399 Euro für die 32-Gigabyte-Versio kostet es auch 170 Euro weniger als das Vorbild Huawei P9. Verzichten müsst Ihr dafür nur auf den Monochrom-Modus der Kamera und den etwas schnelleren "Kirin 955"-Chip. Mitbewerber im Preissegment wie das OnePlus 3 oder ZTE Axon 7 versprechen zwar mehr Leistung oder mehr Pixel. Ihnen fehlt allerdings ein Alleinstellungsmerkmal wie die Dual-Kamera.


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