Huawei Mate 20 Pro im Test: Triple-Kamera und Display-Fingerabdrucksensor

Drei Kameras auf der Rückseite, künstliche Intelligenz, Fingerabdrucksensor im Display und Gesichtserkennung: Das Huawei Mate 20 Pro lässt kein aktuelles technisches Merkmal eines Top-Smartphones vermissen. Was die im Alltag bringen, erfahrt ihr in unserem Test.

Wie schon beim P20 Pro verbaut Huawei im Mate 20 Pro drei Kameralinsen auf der Rückseite. Konkret besteht die Triple-Kamera aus einer Weitwinkelkamera mit 40 Megapixeln, einer Ultraweitwinkel-Kamera mit 20 Megapixeln und einer Telekamera mit acht Megapixeln. Zusätzlich kommt wiederum eine künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz, die für besonders schöne Fotos mit nur einem Knopfdruck sorgen soll.

Drei Kameras für das perfekte Foto

Mit den drei Linsen bietet die Kamera des Huawei Mate 20 Pro sogar vier verschiedene Aufnahmewinkel, aber nur in einem davon springt euch die künstliche Intelligenz zur Seite. Neben dem Standard-Winkel stehen ein extremer Weitwinkel sowie ein drei- und ein fünffacher Zoom zur Auswahl. Beeindruckend ist, dass selbst beim fünffachen Zoom nur ein minimaler Qualitätsverlust auftritt. Das sieht deutlich besser aus als jeder Digitalzoom.

Insgesamt überzeugen die Aufnahmen des Mate 20 Pro mit einer hohen Detailgenauigkeit und kräftigen sowie gleichzeitig natürlich wirkenden Farben. Die in den Einstellungen angebotene Master AI braucht man aber nicht zu aktivieren. Sie wählt zwar wie versprochen passende Aufnahmemodi für verschiedene Situationen aus, aber die herkömmliche KI liefert mindestens genauso gute und teilweise sogar bessere Bilder ab.

Ebenso verzichten könnt ihr auf den HDR-Modus, der sich bei Huawei unter "Mehr" befindet und anders als bei den meisten anderen Smartphones nicht in den herkömmlichen Aufnahmemodus integriert ist. Sein Effekt ist gegenüber der KI aber so gering, dass man lieber ihr vertrauen sollte. Sie ist sehr gut und liefert auf einen Knopfdruck quasi perfekte Smartphone-Fotos. Für einen Bokeh-Effekt muss man nur auf "Porträt" wechseln und schon wird der Hintergrund um eine erkannte Person herum schön unscharf. Dabei passieren der Kamera-App auch deutlich weniger Fehler als bei günstigen Smartphones.

Nachts holt die KI noch extrem viel aus den Bildern heraus. Jede Menge Details und gut erkennbare Bilder, wo andere Smartphones nur Dunkelheit ablichten oder nicht mit den hellen Lichtern zurecht kommen.

Viele Megapixel, aber nur eine Kamera auf der Vorderseite

Die Frontkamera des Huawei Mate 20 Pro liefert Fotos mit einer Auflösung von 24 Megapixeln. Die Detailgenauigkeit und Farben sind in Ordnung, aber nicht so gut, wie man angesichts der hohen Auflösung hätte erhoffen können. Da ist noch Verbesserungspotential vorhanden. Auch der AI-HDR-Modus nimmt nur so minimale Veränderungen an der Aufnahme vor, dass man sich fragt, warum der überhaupt vorhanden ist.

Bei Dunkelheit sind die Selfies des Mate 20 Pro in kleiner Ansicht in Ordnung, aber man sollte sich hüten, sie etwas größer anzuschauen. Da schaut man dann sehr schnell auf einen Pixelbrei.

Auch ohne Dual-Kamera und mit nur einer Linse bietet die Frontkamera des Mate 20 Pro einen Porträt-Modus. Der liefert ordentliche Ergebnisse, die man gut vorzeigen kann. Für die Lichter in unscharfen Hintergrund stehen vier Effekte zur Auswahl. In unserem Beispiel erkennt man z.B. in den Bäumen weiße Herzen.

Großes OLED-Display mit Fingerabdrucksensor

Huawei verbaut im Mate 20 Pro ein 6,39 Zoll große OLED-Display, das kräftige Farben und mit 3120 x 1440 Pixeln eine hohe Auflösung bietet. Der Clou ist allerdings der im, beziehungsweise unterhalb des Displays verbaute Fingerabdrucksensor. Mit ihm kann man das Smartphone mit den Fingern auf der Vorderseite entsperren, muss dafür aber keinen breiten Rahmen in Kauf nehmen. So zumindest die Theorie. In der Praxis funktionierte der Sensor noch nicht so zuverlässig und ich brauchte deutlich mehr Versuche zum entsperren als mit einem klassischen Fingerabdrucksensor.

Als deutlich zuverlässiger und schneller beim Entsperren erwies sich die Gesichtserkennung, deren Technik neben der Frontkamera und einem Lautsprecher in der Notch genannten Aussparung am oberen Bildschirmrand untergebracht ist. Huawei sagt, die eigene Technologie sei so sicher wie Face ID von Apple. Allerdings gibt es Zweifel an der versprochenen Sicherheit. So hielt die Technik zwei Bartträger von "AndroidPit" für ein und dieselbe Person.

Die Wölbung an den Seiten des Always-on-Displays preist Huawei als "stromlinienförmige Sinfonie in der Handfläche an". Meine Augen freuen sich allerdings weniger über die abgerundeten Seiten. Da geht optisch immer etwas vom Bild verloren in den Spiegelungen oder ist eben verzerrt. Zudem sind oft Bedienelemente so nah an den Kanten, dass sie sich auf der Rundung nicht mehr vernünftig drücken lassen.

Edles Design und flotte Hardware

Trotz aller Kritik an dem gewölbten Display sieht das Huawei Mate 20 Pro insgesamt edel und schick aus. Vier Farben stehen zur Auswahl, aber nur bei der blauen und grünen Variante verfügt die Rückseite aus Glas über einen besonderen Effekt. Feine Lamellen sorgen für einen besseren Grip in der Hand und präsentieren die Fingerabdrücke auf dem Gehäuse nicht so prominent wie die anderen Farben. Aber auch mit diesem zusätzlichen Grip bleibt das Mate 20 Pro zwar ein Handschmeichler, ist aber immer noch sehr glatt und man fürchtet oft, dass es einem aus der Hand rutscht.

Für die KI im Mate 20 Pro ist der verbaute Chipsatz Kirin 980 zuständig. Die für die künstliche Intelligenz zuständige Einheit soll Huawei zufolge 134 Prozent mehr Leistung als beim Vorgänger Kirin 970 im Huawei Mate 10 Pro haben. Ihm stehen für alle Rechenaufgaben sechs Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung.

Das reicht nicht für den Spitzenplatz bei Benchmark-Ergebnissen, aber für eine Position in der Spitzengruppe. Im Alltag läuft die Nutzeroberfläche flüssig und Apps starten sehr fix. Merkwürdigerweise wählt das grafisch anspruchsvolle Spiel "PUBG Mobile" automatisch die niedrigsten Grafikeinstellungen aus. Dabei sollte die Hardware auch für die beste Qualität ausreichend sein.

Ebenfalls PUBG Mobile demonstriert, dass nicht jede App mit der Notch des Smartphones zurecht kommt, beziehungsweise vom Mate 20 Pro an diese angepasst wird. So verdeckt die Aussparung einen Teil des Spielbildschirms und man hat ein eingeschränktes Sichtfeld und in Menüs nicht immer alle Optionen zur Auswahl.

Andere Smartphones kabellos aufladen

Der Akku des Mate 20 Pro ist dank Schnellladetechnologie nicht nur fix aufgeladen, sondern bringt das Smartphone mit seiner Kapazität von 4200 mAh bei typischer Nutzung problemlos über den Tag. Die Ladezeit verlängert sich allerdings, wenn ihr die Batterie drahtlos aufladet. Der neueste Clou ist allerdings, dass ihr andere Smartphones mit dem Mate 20 Pro drahtlos aufladen könnt. Hierzu müsst ihr nur in den Akku-Einstellungen nur "Umgekehrtes Laden ohne Kabel aktivieren" und das andere Smartphone auf die Rückseite legen. Wird die Funktion nicht mehr genutzt, deaktiviert sie sich nach kurzer Zeit selbst.

Musik und anderen Töne erschallen aus dem Huawei Mate 20 Pro aus Stereo-Lautsprechern nicht nur laut, sondern auch mit einem schönen Klang. Die zwei Lautsprecher setzen sich wie folgt zusammen: Der Ohrhörer und einen zweiten an der Unterseite, der aber nicht zu sehen ist. Deswegen scheint es, als komme der Klang aus dem USB-C-Anschluss.

Android 9 Pie und neue Speicherkarten

Der 128 Gigabyte große Speicher des Mate 20 Pro sollte in der Regel ausreichend sein. Falls nicht, lässt er sich erweitern. Allerdings nicht wie sonst üblich mit einer microSD-Karte, sondern nur mit den Karten im NM-Format von Huawei. Die haben die gleichen Abmessungen wie Nano-SIM-Karten und ihr müsst euch zwischen Dual-SIM oder der Speicherkarte entscheiden.

Als Betriebssystem läuft Android 9 Pie auf dem Mate 20 Pro. Darüber stülpt Huawei seine EMUI-Oberfläche, ebenfalls in der Version 9. hier sorgen kürzere Wege im Menü für eine schnellere Bedienung.

Ebenfalls verbessert hat Huawei Easy Projection. Der Modus ist mit Samsung DeX vergleichbar und bringt eine PC-ähnliche Oberfläche auf große Monitore. Neu ist: Ihr könnt jetzt per MirrorCast kabellos an kompatible Bildschirme übertragen.

Fazit: Die Kamera sticht hervor

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 999 Euro gruppiert sich das Huawei Mate 20 Pro bei den besten Smartphones ein. Da gehört es auch hin. Seine Kamera steht mit der des Huawei P20 Pro ganz oben. Das edle Design mit zu wenig halt und das schön anzusehende Display, bei dem die Notch und die Wölbungen an den Seiten stören können, verhindern allerdings den Sprung ganz oben auf das Treppchen. Die Hardware des Mate 20 Pro lässt keine Wünsche offen, allerdings kann man alte Speicherkarten nicht umziehen, sich aber mit der drahtlosen Ladefunktion als Helfer in der Not beliebt machen. Die Gesichtserkennung und der Fingerabdrucksensor im Display erfüllen noch nicht die Versprechungen, lassen sich aber gegebenenfalls mit Software-Updates nachbessern.

Wer weniger Geld ausgeben will, aber eine ebenfalls hervorragende Kamera haben möchte, sollte sich das P20 Pro anschauen. Sein Preis ist in dem halben Jahr seit erscheinen aktuell auf rund 640 Euro gesunken.

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