Huawei P Smart (2020) im Test: Günstig, Google, Plastik

Nicht meins19
Das Huawei P Smart (2020) musste sich uns im Test stellen.
Das Huawei P Smart (2020) musste sich uns im Test stellen.(© 2020 CURVED/Christoph Lübben)

Das Huawei P Smart (2020) ist da! Oder eher: wieder da. Der chinesische Hersteller hat seinen Klassiker aus 2019 etwas aufgemöbelt und erneut ins Rennen geschickt. Ob das besonders günstige Handy mit seinen Neuerungen auch 2020 noch überzeugen kann, verrät unser Test.

Design und Haptik: So fühlt sich ein Handy für 200 Euro an

Beim Auspacken stellt sich der wohl von Huawei direkt gewünschte Effekt ein: Hui schick! Das Handy ist sauber verarbeitet, auf der Vorderseite erwartet mich ein großes Display mit kleiner Notch (Kamera-Aussparung) und minimalen Rändern. Der Hingucker ist aber die Rückseite. Hier gibt's einen Grün-Blau-Farbverlauf in spiegelnder Metallic-Optik. Sieht gut aus! Einzig die Dualkamera steht etwas aus dem Gehäuse hervor; aber das nicht allzu störend.

Sobald ich das Handy in die Hand nehme, ist leider schon viel vom Zauber verflogen. Die schöne Rückseite, die übrigens auch den Rahmen ziert, besteht zu 100 Prozent aus Kunststoff. So wirklich wertig fühlt sich das Huawei P Smart (2020) nicht an. Und das ist auch keine große Überraschung: Denn ich halte hier praktisch ein Huawei P Smart (2019) mit neuem Namen in den Händen, das der Hersteller an einigen Stellen verbessert hat. Das günstige Smartphone ist also ein alter Bekannter – hat dafür aber die Google-Dienste im Gepäck. Die Neuveröffentlichung älterer Modelle erlaubt dem Hersteller nämlich, diese weiterhin zu verwenden.

Klar ist: Ich halte hier ein Handy für um die 200 Euro in den Händen. Und das Plastik erinnert mich daran. Nicht mehr und nicht weniger. Für den Preis habe ich nichts anderes erwartet. Die Überraschung über die hohe Verarbeitungsqualität, wie ich sie beim Auspacken des Xiaomi Redmi Note 9 Pro verspürt habe, fällt somit aus. Ein Nachteil der funkelnden Optik des P Smart (2020): Fingerabdrücke sind die besten Freunde der Rückseite. Schon nach wenigen Minuten Nutzung könnt ihr eigentlich bereits das Mikrofasertuch zücken. Oder nach nur einer Berührung, während ihr ein Shooting für einen Test-Artikel macht.

Was wiederum gelungen ist: Das Handling. Von der Größe her ist das P Smart (2020) in etwa gleichgroß wie mein privates Samsung Galaxy S10 und ein großes Stück kleiner als das oben erwähnte Xiaomi Redmi Note 9 Pro. Das P Smart liegt somit gut und sicher in der Hand und lässt sich auch mit einer Hand wunderbar bedienen.

Display und Technik: Ein Handy für den Alltag, aber keines für Gamer

Der Bildschirm füllt wie eingangs erwähnt nahezu die gesamte Vorderseite und misst 6,21 Zoll in der Diagonale. Es handelt sich um einen LC-Screen, der in Full HD Plus auflöst. Das Display ist scharf genug und besonders im Modus "Lebendig" gibt's auch knackige Farben für die Augen. Das Kontrastverhältnis könnte hingegen besser sein. Allein die feinen Konturen der Huawei-Mail-App sind etwas schwer zu erkennen.

Demn P Smart (2020) mangelt es etwas an Blickwinkelstabilität, Helligkeit und Kontrast. Das stört aber kaum.(© 2020 CURVED/Christoph Lübben)

Als Antrieb dient ein Kirin 710 aus der Mittelklasse. Den kennen wir schon: Auch im P Smart (2019) war dieser bereits verbaut. Während der Snapdragon 720G im etwas teureren Xiaomi Redmi Note 9 Pro mich überzeugte und gefühlt kaum langsamer als einige Flaggschiffe-Chipsätze ist, sieht das beim Kirin 710 etwas anders aus. Die Ladezeiten sind spürbar länger. Schon die Einrichtung verschlang dadurch einige Minuten extra. Selbst Spotify benötigt in der Praxis eine bis zwei Sekunden zum Start. Das ist nicht sonderlich viel, doch gerade im Vergleich mit teureren Modellen ist hier spürbar, dass ein langsamerer Prozessor zum Einsatz kommt.

Nach ein paar Runden "Asphalt 9", "Mario Kart" und "Call of Duty Mobile" verstärkte sich der Eindruck: Im Rennspiel kam es hin und wieder zu Mikrorucklern. Zudem laufen die Spiele auf minimalen Grafikeinstellungen mit verringerter Auflösung, was optisch schon einmal einen Unterschied zu teureren Geräten ausmacht und pixelig wirkt. Zwei der oben genannten Spiele sind auch direkt beim ersten Start während des Ladens abgestürzt. Das uns 2020 mit noch keinem Testgerät passiert. Danach liefen die Titel aber problemlos.

An sich machen die Display-Farben einen guten Eindruck, wenn man nicht direkt ein Handy mit OLED-Screen danebenlegt(© 2020 CURVED/Christoph Lübben)

Auch die 4 GB RAM sind etwas knapp bemessen: Es kann schneller als auf besser ausgestatteten Smartphones passieren, dass Apps im Hintergrund beim Öffnen nachgeladen werden müssen. Versteht mich nicht falsch: Das Smartphone ist nicht langsam und lässt sich gut bedienen. Hier spüre ich den Unterschied zur Leistung von Flaggschiffen nur erstmals sehr deutlich. Wer den direkten Vergleich nicht hat, wird sich vermutlich auch nicht großartig daran stören. Gamer, die 3D-Spiele zocken wollen, sollten dennoch überlegen, ob es nicht mindestens ein Redmi Note 9 Pro werden soll – zumal es ein größeres Display bietet.

Großer Pluspunkt: Ihr bekommt gleich 128 GB internen Speicher. Hier hat Huawei im Vergleich zum 2019-Modell nachgebessert und den Speicherplatz glatt verdoppelt. Mit Blick auf den günstigen Preis ist das sehr gut.

Hier alle technischen Daten im Überblick:

  • Display: 6,621 Zoll LCD, Full HD Plus (2340 x 1080 Pixel)
  • Chipsatz: Kirin 710
  • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
  • Speicherplatz: 128 GB interner Speicher
  • Kamera: Weitwinkel (13 MP), Tiefensensor (2 MP)
  • Frontkamera: Weitwinkel (8 MP)
  • Akku: 3400 mAh
  • Anschlüsse: Kopfhöreranschluss und Micro-USB
  • Betriebssystem: Android 9.0 mit EMUI 9.1 ab Werk
  • Extras: Slot für microSD-Karte, Bluetooth 5.0, Dual-SIM, Fingerabdrucksensor auf der Rückseite, NFC

Kamera im Test: Okay, aber kein Wunder

Zwar vermittelt die Rückseite des Huawei P Smart (2020) auf den ersten Blick den Eindruck einer Triple-Kamera, doch hier hat der Hersteller getrickst. Die "Dritte Linse" ist in Wahrheit der LED-Blitz beziehungsweise die Taschenlampe des Handys. Es bleiben ein Weitwinkelobjektiv für Fotos und eine weitere Linse, die den Bokeh-Effekt bei  Aufnahmen verbessern soll. Also den digitalen Unschärfe-Effekt für den Hintergrund.

Schräg von der Seite aus betrachtet steht die Kamera kaum noch aus dem Gehäuse hervor.(© 2020 CURVED/Christoph Lübben)

Bei Tageslicht: Ein bisschen Matsch, ein bisschen schöne Fotos

Wenn ihr bei strahlender Sonne ein paar Bilder mit dem Huawei P Smart (2020) knipst, gelingen euch in der Regel brauchbare Aufnahmen. Der Autofokus stellt sich schnell ein oder er justiert nach. Und auf den ersten Blick scheint das Ergebnis nicht schlecht zu sein. Zoomen wir jedoch etwas in das Bild hinein, sehen wir, dass einige Details fehlen und die gesamte Aufnahme etwas verwischt und matschig wirkt.

Aber das auch nicht immer: Während wir bei einer Szene gleich mehrfach nacheinander stark verwaschene Elemente hatten, ist das nächste Bild deutlich besser gelungen. Allerdings: Die matschigere Aufnahme hatte Sonne und Schatten mit dabei. Sobald das Licht etwas nachlässt, tut es auch die Fotoqualität.

Mit hohem Dynamikumfang kam das Handy überraschend gut zurecht, teurere Modelle liefern hier natürlich besser Ergebnisse. Zudem möchte ich an dieser Stelle noch einmal über die Farben meckern. Gerade im Vergleich zu teuren Handys wirken diese sehr blass und zum Teil auch falsch. Während mein Galaxy S10 einen grünen Busch in seiner ganzen farblichen Pracht eingefangen hat, sorgte das P Smart (2020) für einen eher gelblichen Farbstich.

Im Schatten: Hier gehen euch Details verloren

Wie sich fehlendes Licht auf die Aufnahmen auswirkt, zeigt das nächste Foto. Ein Plakat, das ich hier im Bürogebäude entdeckt habe. Zunächst habe ich die Aufnahme für gut befunden, doch beim Heranzoomen stellte ich fest, dass viele Elemente verwaschen sind und Konturen (und somit Details) verloren gegangen sind. Ein dünner Farbstrich wechselt sogar zwischendrin die Farbe, obwohl dem in Wirklichkeit nicht so ist.

Zuletzt habe ich noch den Nachtmodus ausprobiert. Ist noch etwas Restlicht vorhanden und haltet ihr still, sorgt das Feature für sichtlich bessere Bilder bei Dunkelheit. Wunder dürft ihr aber nicht erwarten: Ist es nahezu stockduster, kann auch dieser Modus nicht mehr viel retten.

Bokeh: Fast immer saubere Trennung

Zuletzt habe ich noch den Bokeh-Modus ausprobiert. Immerhin bringt das Handy bekanntlich extra eine eigene Linse für das Feature mit. Bei meinen Versuchen hat das Handy den Hintergrund meist zuverlässig vom Vordergrund getrennt. Vereinzelt hat das Ganze nicht komplett geklappt. Aber für die Preisklasse liefert das Handy hier gut ab.

Wer Fotos gerne ausdruckt, sollte jedoch eine Sache wissen: Sobald ihr den Bokeh-Modus aktiviert, verringert sich die Auflösung der Aufnahme. Gleiches gilt übrigens auch, wenn ihr den Nachtmodus verwendet.

Selfies: Viele Details, Probleme mit Kontrasten

Wer Selfies schießen will, sollte zuerst den Beauty-Modus deaktivieren. Dieser war bei mir standardmäßig aktiviert und sorgte daher für ein stark befremdliches Ergebnis. Ein Arbeitskollege sah das Bild und fragte mich, was ich beruflich machen möchte, wenn ich irgendwann mal volljährig bin. Ja. Ohne den Filter hat mich das Handy aber recht ordentlich abgelichtet (und auch meinen leichten Sonnenbrand). Hier kann man über die Details nicht meckern. Wenngleich es etwas an kräftigen Farben fehlt.

Allerdings ist der Hintergrund schnell einmal überbelichtet. Egal welchen Modus ich benutze. Mit großen Helligkeitsunterschieden kommt die Frontkamera demnach nicht so gut zurecht. Ähnliches hat schon Jan bemerkt, als er vor 1,5 Jahren das Huawei P Smart (2019) testete – das ja bekanntlich fast identisch zur neuen Variante ist.

Akku: Mit dem P Smart über den Tag

Das Huawei P Smart (2020) ist mit einem 3400-mAh-Akku ausgestattet. Das liegt in etwa auf dem Niveau ähnlich großer Handys. Mit einer Ladung kommt ihr also gut über den Tag und noch etwas weiter. Wer sich etwas zurücknimmt und Energiesparmodi verwendet, kann das Smartphone auch eine ganze Ecke länger verwenden.

Aufladen könnt ihr das Handy über den Micro-USB-Anschluss. Ein moderner USB-C-Port ist leider nicht vorhanden. Ebenso wie kabelloses Aufladen – in dieser Preisklasse hätte ich aber auch nicht damit gerechnet.

Das P Smart (2020) kommt mit Kopfhöreranschluss und Micro-USB. Letzteres ist nicht mehr zeitgemäß.(© 2020 CURVED/Christoph Lübben)

Betriebssystem: Grüße aus der Vergangenheit

Ein größerer Negativpunkt ist das vorinstallierte Betriebssystem: Hier erwartet euch Android 9 mit EMUI 9.1. Damit ist das P Smart (2020) softwareseitig ein bisschen veraltet: Im Jahr 2019 erschien bereits Android 10, in diesem Jahr erhalten die ersten Smartphones sogar schon Android 11 beziehungsweise EMUI 11. Es ist fraglich, wieso Huawei auf eine verhältnismäßig alte Android-Version aus dem Jahr 2018 zum Marktstart im Jahr 2020 setzt.

Ich habe mich hier bei Huawei über den aktuellen Stand erkundigt: Das Update auf Android 10 ist demnach bereits in der Testphase und dürfte demnächst erscheinen. Ob das Handy auch die Aktualisierung auf Android 11 bekommt, könne man mir allerdings noch nicht sagen. Ich gehe davon aus, dass mir diese Antwort verwehrt blieb, da es bislang noch keine offizielle Liste an Huawei-Geräten gibt, die das Update auf EMUI 11 bekommen.

Powerbutton und Lautstärketasten befinden sich auf der rechten Seite und sind gut erreichbar.(© 2020 CURVED/Christoph Lübben)

Offenbar litt mein Testmodell zudem unter Orientierungsschwierigkeiten. Zwar habe ich Region und Sprache auf Deutschland beziehungsweise Deutsch eingestellt, doch das Huawei P Smart (2020) hat mir automatisch die aktuelle Uhrzeit aus China angezeigt. Das habe ich manuell geändert und dann war das Problem gelöst, dennoch hat es mich zunächst etwas verwundert.

Sonstige Ausstattung: Fingerabdrucksensor, Radio, Klinke und ein matschiger Lautsprecher

Nicht an der Seite, nicht im Display: Das P Smart (2020) besitzt ganz klassisch einen Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. der Lässt sich gut erreichen und funktioniert zuverlässig.  Ich konnte das Handy somit stets sehr schnell entsperren. Gut so!

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite spiegelt leicht und arbeitet zuverlässig.(© 2020 CURVED/Christoph Lübben)

Was nur wenige Smartphones bieten: Das Huawei P Smart (2020) kommt mit einem FM-Radio. Schließt ihr Kopfhörer an, dienen diese als Antenne und ihr könnt ganz normal Radio hören. Und da sind wir auch bei einem wichtigen Punkt: Es ist ein klassischer 3,5-mm-Klinkenanschluss an Bord, der heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. Nutzt ihr diesen, stehen euch auch einige Audio-Optionen und Klangverbesserer zur Auswahl. Mit Bluetooth-Kopfhörern und -Lautsprechern ist das Menü jedoch ausgegraut.

Mit einem rockigen Musik-Video habe ich auch den internen Mono-Lautsprecher des günstigen Smartphones getestet. Und wirklich Spaß hat das nicht gemacht: Sobald die E-Gitarre einsetzte, wurde der Sound sehr matschig und der Song war nicht gut hörbar. Das bekommen andere Handys besser hin.

Fazit zum Test des Huawei P Smart (2020): What you pay is what you get

Das Huawei P Smart (2020) kostet nur 200 Euro – und die Ausstattung entspricht größtenteils genau diesem Wert.(© 2020 CURVED/Christoph Lübben)

Was bekommt ihr also mit dem Huawei P Smart (2020)? Einfach gesagt: Ein Handy für rund 200 Euro. Kamera, Leistung und auch Display bewegen sich exakt in dieser Preisklasse. Wer sparen will, kann hier also zugreifen. Google-Dienste sind nämlich an Bord.

Große Überraschungen bleiben hier jedoch leider aus. Wer wenig Geld ausgeben will, bekommt hiermit ein grundlegend solides Gerät, das funktioniert und eine schicke spiegelnde Rückseite besitzt (wenngleich diese aus Plastik ist). Einzig das alte Android 9 hätte bei einem Handy aus dem Jahr 2020 nicht sein dürfen. Aber hier folgt Huawei zufolge ja bald das Update.

Für mich ist der Komfort bei einem Handy jedoch sehr wichtig. Vor allem, weil es wohl das technische Gerät sein dürfte, das man am Tag am häufigsten verwendet. Und gerade deshalb ein Tipp: Wenn ihr womöglich doch etwas mehr Geld ausgeben wollt, solltet ihr euch unbedingt das Xiaomi Redmi Note 9 Pro (unser Testbericht) oder auch das noch etwas teurere Xiaomi Note 10 Lite (hier geht's zum Test) ansehen. Die beiden Geräte sind nicht nur flotter als das Huawei P Smart (2020), sondern liefern auch bessere Bilder und ein wertigeres Gehäuse.


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