Lenovo Phab 2 Plus im Test: Tango auf Sparflamme

Das Lenovo Phab 2 Plus kann einige AR-Effekte.
Das Lenovo Phab 2 Plus kann einige AR-Effekte.(© 2017 CURVED)

Achtung, Verwechslungsgefahr: Das Lenovo Phab 2 Plus hat zwar eine Dualkamera und kann ein bisschen Augmented Reality, ist aber nicht das für Googles AR-Plattform Tango gedachte Phab 2 Pro. Dem sieht das preiswerte Smartphone zum Verwechseln ähnlich. Was das Riesen-Smartphone auf dem Tanzparkett so hinlegt, erfahrt Ihr im Test.

Das Phab im Namen des Phab 2 Plus solltet Ihr als Abkürzung für Phablet wörtlich nehmen. Sein Display ist 6,4 Zoll groß und bietet eine Full-HD-Auflösung. Das reicht noch für ein detailreiches Bild. Doch bei dieser Bildschirmgröße würde sich eine höhere Auflösung absolut anbieten. Während des Tests stellte ich fest, dass nicht alle Apps mit diesen Voraussetzungen zurechtkommen. Asphalt Xtreme zeigte sich sehr pixelig. So schlecht habe ich das Spiel auf noch keinem Smartphone gesehen – weder mit höherer noch mit niedrigerer Auflösung.

Den Tanzpartner mit beiden Händen halten

Das große Display wirkt sich natürlich auch auf die Größe des Gehäuses und die Bedienung des Phab 2 Plus aus. Denn anders als Samsung beim Galaxy S8 Plus mit seinem 6,2 Zoll großen Touchscreen, verpasst Lenovo seinem Phablet keinen schmalen Rand. Das führt zu Abmessungen von 173,9 x 88,3 Millimetern – gegenüber 159,5 x 73,4 Millimeter beim S8 Plus. In der Praxis bedeuten diese Werte, dass Ihr für das Phab 2 Plus nicht nur eine große Tasche braucht, sondern auch zwei Hände zur Bedienung. Man kann es zwar mit einer Hand halten und einen "Floating Shortcut" mit häufig genutzten Bedienelementen einblenden, der die Bedienung mit einer Hand erleichtert. Das klappt in einem engen Rahmen zwar auch ganz gut, aber alleine aufgrund der Gesamtgröße bediene ich das Phab 2 Plus lieber mit zwei Händen.

Das Phab 2 Plus hat eine Dualkamera mit zweimal 13 Megapixeln Auflösung auf seiner Rückseite. Die könnt Ihr einerseits für Fotos mit Tiefenunschärfe und kleine Spielereien mit Augmented Reality nutzen. Sie erreichen nicht den Umfang von Project Tango und laufen auch nicht so flüssig wie zum Beispiel beim Zenfone AR von Asus. Die eingeblendeten Hunde, Katzen, Dinosaurier und Feen erinnern an die AR-Effekte, die Sony seinen Smartphone-Kameras schon länger spendiert.

Den Bokeh-Effekt könnt Ihr nicht vor der Aufnahme beeinflussen, sondern erst nachträglich seine Intensität anpassen und dann auch den Fokuspunkt neu setzen. Nachteil: Das anschließende gespeicherte Bild hat nur eine Auflösung von 1040 x 780 Pixeln. Das ist viel zu klein und besonders ärgerlich, da ohne die Bearbeitung die Tiefenunschärfe nicht gut zu erkennen ist.

Bei der Darstellung der Farben und in Bezug auf die Detailgenauigkeit bewegt sich die Kamera des Lenovo Phab 2 Plus ansonsten im guten Mittelfeld. Starke Kontraste verarbeitet die Kamera ordentlich, aber trotzdem lohnt es sich mit dem HDR-Effekt nachzuhelfen. Weniger überzeugt bin ich von der Bildqualität, wenn es um Panorama- und Nacht-Aufnahmen geht. Erstere sind nicht perfekt zusammengesetzt und lassen bei der Detailgenauigkeit zu wünschen übrig, bei letzteren holt mir die Kamera aus dem zur Verfügung stehenden Licht zu wenig heraus.

Schießt Ihr ein Foto mit AR-Effekt im Vordergrund, ist nur dieser scharf. Der Hintergrund ist unscharf – und zwar keine schöne gewollte Tiefenunschärfe, sondern nur schlecht fokussiert und mit zu wenig Details. Dagegen gut gefallen mir die Selfies der Frontkamera mir einer Auflösung von acht Megapixeln. Vergleichsweise viele Details und schöne Farben – die verschicke ich gerne.

Langsamer Walzer statt Gabber

Startet Ihr die AR-Effekte der Kamera, braucht Ihr einen kleinen Moment Geduld. Die Ladezeit der AR-Kamera ist auffällig lang. Die Ursache hierfür dürfte der verbaute Chipsatz MT8783 von Mediatek sein. Seine acht Rechenkerne sind mit jeweils 1,3 Gigahertz getaktet. Als Grafikchip kommt der Mali-T720 zum Einsatz. Der Arbeitsspeicher des Lenovo Phab 2 Plus ist drei Gigabyte groß. Das ist keine Top-Hardware. Spürt man zwar nicht unbedingt bei der alltäglichen Nutzung des Smartphones, sieht man aber bei den Ergebnissen der Benchmarktests: Rund 38.000 Punkte bei Antutu und 586 sowie 2434 Punkte bei Geekbench reichen momentan nur für den Anfängerkurs in der Tanzschule. Die Nutzeroberfläche bewegt sich zwar flüssig, aber bei aufwändigeren Apps müsst Ihr mit längeren Ladezeiten rechnen.

Als Betriebssystem müsst Ihr Euch allerdings mit Android Marshmallow begnügen. Lenovo liefert das Phab 2 Plus nicht mit Android Nougat aus und hat auch noch keinen Termin für ein Update genannt. Der Akku fällt mit 4050 mAh vergleichsweise groß aus. Er muss aber auch ein großes Display mit Energie versorgen. Dafür verbraucht der Chipsatz nicht so viel Strom. Nutzt Ihr die AR-Kamera, geht das trotzdem stark zulasten der Batterie. Nach maximal drei Stunden geht der Bildschirm aus. Nutzt Ihr die AR-Kamera nicht, sondern das Smartphone im üblichen Rahmen, kommt Ihr mit dem Akku auch über den Tag.

Fazit: großes Display, wenig dahinter

Ich werd das Gefühl nicht los, dass das Lenovo Phab 2 Plus mit seinem großen Display versucht, die schwache Hardware zu kompensieren. Vom Namen her kann man es leicht mit dem genauso großen und besser ausgestattetem Phab 2 Pro verwechseln. Doch wenn es um den AR-Tango geht, kann das Phab 2 Plus nicht mithalten. Dafür ist seine Hardware zu schwach. Die Dualkamera erlaubt zwar AR-Spielereien, überzeugt aber nur bei gutem Licht mit einer durchschnittlichen Bildqualität. Dazu gesellen sich noch all die Nachteile, die ein so großes Display mit sich bringt.

Das Testgerät des Lenovo Phab 2 Plus hat uns freundlicherweise der CECT-Shop zur Verfügung gestellt, bei dem es als Importgerät momentan 200 Euro kostet. Eine unverbindliche Preisempfehlung und einen genauen Verkaufsstart für Deutschland hat Lenovo noch nicht genannt, wird es aber wohl nur direkt über seinen eigenen Online-Shop verkaufen. Dort kostet das Phab 2 Pro für den richtigen AR-Tango 500 Euro.


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