LG G4s im Test: Leider an der falschen Stelle gespart

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LG G4s: In jeder Hinsicht kleiner als das LG G4.
LG G4s: In jeder Hinsicht kleiner als das LG G4.(© 2015 CURVED)

Es hätte das perfekte Smartphone für mich sein können: das LG G4s. Allerdings hat LG einen unnötigen Fehler begangen. Der Test.

Das Positive vorab: Mir persönlich gefällt das 6,2 Millimeter kürzere und 3,5 Millimeter schmalere Gehäuse des LG G4s besser als das des großen Bruders. Für meine Hände hat es die perfekte Größe. Mit dem LG G4 komme ich zwar auch noch zurecht, aber es ist doch irgendwie ein klein wenig zu groß für meinen Geschmack. Das "kleine" Smartphone kann ich fast vollständig mit einer Hand bedienen, beim Top-Modell muss ich deutlich häufiger die zweite Hand zur Hilfe nehmen.

Warme Farben auf dem Display

Das auf 5,2 Zoll verkleinerte Display des G4s hat zwar "nur" eine Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln, steht in meinen Augen aber in Sachen Detailgenauigkeit und Schärfe dem Quad-HD-Display des G4 mit 2560 x 1440 Pixeln in nichts nach. Das IPS-Display weist eine hohe Blickwinkelstabilität auf, sodass man seinen Inhalt auch bei schrägen Blickwinkeln gut erkennt. Allerdings bleiben auch hier die typischen Spiegelungen nicht aus.

Der Bildschirm des G4s leuchtet hell genug und ist auch im Freien noch gut zu erkennen - außer bei direkter Sonneneinstrahlung. Für sich genommen bietet das Display schöne, kräftige Farben, die aber im direkten Vergleich mit dem G4 etwas wärmer erscheinen.

Ein Drittel langsamer

Im Antutu-Benchmark erreicht das LG G4s mit seinem Snapdragon 615 und 1,5 Gigabyte Arbeitsspeicher rund 30.000 Punkte. Zum Vergleich: Das G4 schafft mit drei Gigabyte RAM und dem als Ersatz für den Snapdragon 810 dienenden Snapdragon 808 über 45.000 Punkte - mit nur sechs statt acht Rechenkernen.

Trotzdem ist das G4s im Alltag nicht langsam. Android Lollipop und die UX 4.0 Benutzeroberfläche laufen flüssig. Bei keiner App musste ich übermäßig lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Einschränkungen habe ich nur bei grafisch anspruchsvollen Spielen wahrgenommen. So lief zum Beispiel Asphalt 8 nur noch mit mittlerer Grafikqualität und nicht mehr auf der höchsten Stufe ruckelfrei. Das G4s liegt insgesamt deutlich hinter den Top-Modellen, ist aber für die alltägliche Nutzung schnell und stark genug.

Der Akku hat zwar im Vergleich zum LG G4 ebenfalls an Kapazität eingebüßt, verfügt aber immer noch über 2300 Milliamperestunden. Nach dem Bluboo X550 bin ich zwar nicht mehr so von der Laufzeit des G4 so begeistert, wie Amir es bei seinem Test war, kann aber berichten, dass das G4s ähnlich lange durchhält wie sein großes Gegenstück. Man kommt bei dauerhafter, aber nicht übermäßiger Smartphone-Nutzung mit dem Akku gut über den Tag - nur zu langes Zocken von Spielen lässt die Batterie schon vor dem Abend leer gehen. Solltet Ihr Euer Smartphone regelmäßig an die Kapazitätsgrenze führen, dann dürfte es Euch freuen, dass Ihr den Akku beim G4s auswechseln könnt.

Kamera mit durchschnittlicher Leistung

Die Auflösung der Kamera hat LG beim G4s auf acht Megapixel - fünf Megapixel bei der Frontkamera - reduziert. Die Bildqualität hängt bekanntlich nicht nur von der Kameraauflösung ab und LG bewirbt das "kleine" Smartphone lautstark mit einem Farbspektrum-Sensor, der die "exakten RGB- und Infrarot-Werte von Objekten und Umgebungslicht" ermitteln und so für eine "naturgetreuere Farbwiedergabe" sorgen soll.

An der farblichen Wiedergabe auf den Aufnahmen des G4s gibt es dann auch wenig auszusetzen. Die könnten zwar noch ein wenig kräftiger sein, sind aber grundsätzlich in Ordnung und wirken nicht unnatürlich. Betrachtet man allerdings die Detailgenauigkeit der Aufnahmen, liefert die Kamera nur eine durchschnittliche Bildqualität und liegt weit hinter der überragenden Darstellungsqualität des G4 zurück. Das wird nicht nur tagsüber an Details deutlich, sondern auch nachts bei der gesamten Aufnahme.

Die Testfotos könnt Ihr Euch in Originalauflösung in unserer Dropbox anschauen und herunterladen.

Viel zu wenig Speicher

Bis hierhin hätte ich noch mit dem G4s auskommen können. Design und Handling sind in meinen Augen top, die Hardware völlig ausreichend und auch mit der nur durchschnittlichen Akku-Laufzeit und Bildqualität hätte ich auskommen können.

Allerdings hat LG sich entschieden den internen Speicher des G4 für das G4s nicht nur zu halbieren - 16 Gigabyte wären durchaus brauchbar gewesen - sondern auf acht Gigabyte zu verkleinern. Und dann stehen direkt nach dem Einschalten des Smartphones nur noch 2,3 Gigabyte für Nutzerdaten zur Verfügung. Das ist viel zu wenig. Zumal sich die vorinstallierten Google Apps nur deaktivieren, aber nicht komplett deinstallieren lassen. Die vorinstallierten Apps von LG kann ich dagegen entfernen, gewinne so aber nur etwa 80 Megabyte Speicherplatz hinzu. Android verlangt wiederum nach mindestens 500 Megabyte - gerne auch einige 100 Megabyte mehr - freien Speicherplatz, um App-Updates installieren zu können.

Bis heute bereue ich es, beim Nexus 4 die 8-Gigabyte-Version und nicht die 16-Gigabyte-Version gewählt zu haben, um 50 Euro zu sparen. Viel zu oft hat sich der Speicher als zu klein erwiesen - und dass, obwohl ich nicht mehr gebrauchte Apps und überflüssige Daten lösche und beim Nexus mehr freien Speicher als Nutzer zur Verfügung hatte als es beim G4s der Fall ist. Zwar kann ich den Speicher des G4s mit einer microSD-Karte erweitern, aber dahin lassen sich längst nicht so viele Daten auslagern, wie ich auf dem Smartphone mit mir herum trage.

Zu viel gekürzt?

Das LG G4s ist in meinen Augen gut gestartet, bricht sich allerdings am Ende an einem entscheidenden Detail das Genick. Einige Kürzungen im Vergleich zum G4 finde ich sogar positiv, andere stören nicht oder lassen sich aushalten. Aber der zu kleine Speicher dürfte nicht nur für mich ausschlaggebend dafür sein, dass G4s links liegen zu lassen - was vor allem angesichts der Abmessungen und des handlichen Gehäuses schade ist.

Preislich liegt das LG G4s mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 349 Euro im gleichen Bereich wie das LG G3, das zwar wiederum ein klein wenig größer, aber immer noch kompakter als das G4 ist, und technisch trotz seines Alters immer noch besser ausgestattet ist als das G4s - und vor allem 32 Gigabyte internen Speicher bietet.

Am Ende reicht es für das LG G4s zwar zu einer passablen Gesamtnote, von der aber alle, die Wert auf einen ausreichend großen Speicher legen, direkt noch einmal drei Punkte abziehen sollten.


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