LG V30 im Test: Das perfekte Smartphone für Filmemacher?

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LG V30 mit Dualkamera und Fingerabdrucksensor auf der Rückseite.
LG V30 mit Dualkamera und Fingerabdrucksensor auf der Rückseite.(© 2017 CURVED)

Eine sehr gute Kamera, ein besonderer Audio-Chip und ein besonderer Videomodus: Mit einem Fokus auf Funktionen für Filmemacher soll das das LG V30 die starke Konkurrenz von Samsung, Apple und Huawei mit fast randlosen Displays punkten. Ob das gelingt, klärt der Test.

Die Hauptkamera des LG V30 lässt so viel Licht auf den Bildsensor fallen, wie momentan keine andere Smartphone-Kamera. In der Kamera-App finden Filmemacher einen neuen Aufnahmemodus mit Filtern für typischen Lichtstimmungen verschiedener Filmgenres und einen einen Punktzoom für effektvolle Kamerafahrten. Der Hifi-Chip soll sogar Spotify besser klingen lassen und auch bei der Tonaufnahmen für einen besseren Sound sorgen.

Schönes Display und Tasten-Verwirrung

Schon beim LG G6 hat das Display die Vorderseite dominiert, beim V30 nimmt der Touchscreen jetzt noch mehr Platz ein. LG folgt damit dem Trend zu immer randloseren Displays. Optisch ist das sechs Zoll große OLED-Display im 18:9-Format ein echter Hingucker. 2880 x 1440 Pixel sorgen für ein scharfes Bild und falls Videos bei YouTube oder Netflix in HDR vorliegen, kann man sie auf dem LG V30 mit dem hohen Kontrastumfang sehen. Noch ist die Auswahl aber übersichtlich und wird auch mit der Unterstützung des neuen Formats "Chrome HDR" nur langsam wachsen. Momentan im Alltag deutlich hilfreicher ist die Always-On-Funktion des Bildschirms. So sieht man auf einen Blick nicht nur die Uhrzeit, sondern auch welche App eine neue Benachrichtigung geschickt hat – ohne dass ihr das Display dafür anschalten müsst.

Leider kommt auch das LG V30 nicht ohne Onscreen-Buttons aus. Durch die auf dem Touchscreen eingeblendeten Tasten bekommt das Display deswegen wieder einen größeren Rahmen. Zwar blenden einige Apps sie komplett aus. Mich nervt es bei der Bedienung aber, sie mit einem Wisch vom Rand wieder auf den Bildschirm zurückholen zu müssen. Der Ein- und Ausschaltknopf ist gut zu erreichen, wenn man das Smartphone in der Hand hält. Liegt es dagegen auf dem Tisch, vermisse ich den Knopf an der Seite. Ich kann das Display zwar auch durch doppeltes Antippen aufwecken und wieder abschalten, muss dann aber den Entsperrcode eingeben und zum Sperren auf dem Homescreen zurückkehren, auf dem mindestens eine Kachel freigeblieben sein muss.

Für seine Displaygröße ist das LG V30 vergleichsweise klein geraten. Zum Vergleich: Das HTC U11 mit einem 5,5 Zoll großem Display ist ähnlich groß. Das V30 fühlt sich gut an und liegt angenehm in der Hand. An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Zudem ist das Gehäuse wasserdicht und zudem soll das elegante und eher filigrane Smartphone sehr robust sein. LG hat sich eine Zertifizierung nach US-Militärstandards gesichert, die unter anderem Sturztest umfasst. Die habe ich zwar nicht selber durchgeführt. Aber man darf hoffen, dass nach einem Sturz vielleicht Kratzer zurückbleiben, aber das Gerät weiter funktionsfähig ist und trotz Glas auf der Vorder- und Rückseite nicht sofort splittert.

Die von LG im V30 verbaute Hardware entspricht dem aktuellen Standard von Top-Smartphones. Der Snapdragon 835 und vier Gigabyte Arbeitsspeicher finden sich auch in etlichen anderen Geräten und haben genug Leistung, um nicht nur mit alltäglichen Aufgaben zurechtzukommen, sondern auch Apps für Virtual- und Augmented-Reality zu meistern. Der Akku fällt mit einer Kapazität von 3300 mAh weder besonders klein noch besonders groß aus. Bei typischer Nutzung des Smartphones kommt man mit ihm gut über den Tag. Bei Bedarf kann man dank der Schnellladefunktion zwischendurch in kurzer Zeit vergleichsweise viel Energie nachtanken, wenn eine App am Akku zerrt. Alternativ kann man das V30 drahtlos aufladen, dann allerdings ohne Schnellladefunktion.

Licht, Kamera, Action!

Anders als die meisten anderen Hersteller nutzt LG seine Dualkameras nicht für einen Bokeh-Effekt. Stattdessen hat die zweite Kamera des V30 eine Weitwinkellinse. Sie nimmt Fotos mit einem Blickwinkel von 120 Grad auf. Hat aber nur eine Auflösung von 13 Megapixeln und eine f/1.9-Blende. Die Hauptkamera hat mit 71 Grad zwar einen deutlich kleineren Blickwinkel, aber mit 16 Megapixeln eine höhere Auflösung und mit f/1.6 die momentan lichtstärkste Blende unter den Smartphone-Kameras. Ein Unterschied, der sich nicht nur nachts, sondern auch tagsüber in der Detailgenauigkeit der Bilder bemerkbar macht. Während die Hauptkamera qualitativ eindeutig zu den besten Smartphone-Kameras gehört, bewegt sich die Weitwinkel-Kamera nur im Mittelfeld.

Selfies sollte man mit dem LG V30 ebenfalls nur bei ausreichender Beleuchtung aufnehmen. Die Frontkamera bietet nur eine Auflösung von fünf Megapixeln und ist mit einer f/2.2-Blende nicht besonders lichtstark. Ist es hell genug, sind die Selfies vorzeigbar, aber nicht überragend. Wird es dunkel, sollte man lieber auf die Hauptkamera und die Hilfe eines Freundes für ein Porträtbild zurückgreifen.

Einen besonderen Augenmerk legt LG beim V30 auf die Videoaufnahmen. Mit Cine Video befindet sich ein neuer Modus in der Kamera-App. Mit diesem kann man bei der Videoaufnahmen zwischen 15 Filtern wählen, die  zu Filmgenres wie "Thriller", "Romantische Komödie" oder "Dokumentation" passen sollen. Die Variablen wie Farbtemperatur, Belichtungszeit usw. lassen sich auch in einem manuellen Filmmodus anpassen. Zusätzlich will LG mit Point Zoom für beeindruckende Kamerafahrten sorgen. Man legt einen Punkt fest, anschließend vergrößert die Kamera nicht die Mitte des Bildausschnittes, sondern zieht auf den gewählten Punkt. Der neue Modus sorgt mit wenigen Klicks für eindrucksvolle Effekte bei Videos und auch qualitativ können sich die Filme des V30, die maximal in 4K-Auflösung vorliegen, auch sehen lassen. Am Ende ist es aber nur ein Verkaufsargument, wenn man wirklich viel mit seinem Smartphone filmt und die Aufnahmen nicht am Rechner nachbearbeiten will.

LG stattet das V30 mit einem "32 bit Hifi Quad-DAC" aus. Der Chipsatz soll für eine besonders gute Audioqualität sorgen und ist auch der Grund dafür, dass das Smartphone verlustfreie Formate wie etwa FLAC oder MQA unterstützt. Aber selbst bei Spotify soll er die Klangqualität von 16 auf 24 bit verbessern. Bit hin oder her: Hört man das? Dafür liegen dem V30 exklusive In-Ear-Kopfhörer von Bang & Olufsen bei. Denn mit dem einzelnen Lautsprecher des Smartphones ist dies nicht möglich. Der schafft nicht mal Stereo. Falls ihr bereits hochwertige Kopfhörer besitzt, könnt ihr sie auch mit Klinkenanschluss weiter verwenden. Denn das V30 hat eine 3,5-mm-Buchse.

In einem eigenen Menüpunkt für den DAC-Chip kann man die Balance anpassen sowie zwischen sechs voreingestellten Klangprofilen wählen und mit drei digitalen Filtern die Klangeigenschaften ändern. Deren Auswirkungen hört man deutlich und was mal eine Verbesserung und mal eine Verschlechterung darstellt. Spotify hört sich bei aktiven Hifi-Chip "lauter" und voluminöser an. Dadurch klingt die Musik und der Gesang klarer und raumfüllender.

LG V30 mit extra Optionen für den den Quad-DAC-Chip.(© 2017 CURVED)

Ab Werk liefert LG das V30 mit Android 7.1.2 Nougat aus. Es soll aber als erstes Gerät des Herstellers im ersten Quartal 2018 ein Update auf Android Oreo erhalten. Neben den typischen Apps von Google installiert LG einige eigene Anwendungen. Die sind nicht alle notwendig, aber Bloatware von Drittanbietern ist nicht darunter.

Fazit

Mit dem LG V30 endet das Smartphone-Jahr 2017. Technisch ist es sehr gut ausgestattet, optisch ansprechend geworden und nicht nur ein Smartphone für Filmemacher. Die Bildqualität der Hauptkamera ist hervorragend, die der Weitwinkel- und der Frontkamera allerdings nicht. Die Videoqualität ist ebenfalls sehr gut und der neue Modus sorgt mit wenigen Klicks für eindrucksvolle Effekte. Wer etwas Zeit in die Nachbearbeitung am Rechner investiert, schafft das aber auch mit den meisten anderen Smartphones – aber eben auch nur mit deutlich mehr Zeitaufwand. Mich persönlich überzeugen der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite und die Onscreen-Tasten bei der Bedienung nicht, aber das gilt auch für andere Smartphones mit "randlosen" Displays. Ärgerlich ist, dass Android Oreo nicht ab Werk installiert ist, sondern per Update nachgeliefert wird.

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 899 Euro reiht sich das LG V30 bei den anderen Top-Smartphones ein. Die sind ebenfalls gut ausgestattet, liefern gute Bilder und sind hochwertig verarbeitet. Dem V30 bleiben da nur der Audio-Chipsatz und der Cine-Video-Modus als Alleinstellungsmerkmale, aber die werden nur wenige Nutzer überzeugen.

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