New Nintendo 2DS XL im Test: Wenn Ihr wirklich zocken wollt [mit Video]

Unerwartet und unvermittelt hatte Nintendo Ende April 2017 den New Nintendo 2DS XL angekündigt. Nachdem der Hersteller mit der Switch bereits einen Hybriden aus stationärer und mobiler Konsole im Markt positioniert hat, stellt sich die Frage: Lohnt 2017 ein klassischer Handheld überhaupt noch?

Die kurze Antwort lautet: Ja. Wir kaufen schließlich auch weiterhin Desktop-PCs und Laptops, obwohl Smartphones und Tablets die meisten Anwendungsszenarien im Alltag längst bewältigen. Handheld-Konsolen sind ihrer Funktion nach inzwischen zwar in die Nische abgerutscht. Doch weil Nintendo diese Nische nahezu für sich alleine beanspruchen kann, ist der "New Nintendo 2DS XL" die erste Wahl.

Denn die mobile Spielekonsole bietet einige Vorteile gegenüber Smartphones und sogar der Nintendo Switch, die eine Neuauflage mehr als rechtfertigen. Zunächst aber der Blick auf das Gerät selbst.

Außen 3D, innen 2D?

Der sperrige Name des New Nintendo 2DS XL setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: aus "New", "2DS" und "XL". Im Grunde handelt es sich bei dem "neuen" 2DS XL im Kern jedoch schlicht um den New Nintendo 3DS XL, nur ohne dessen 3D-Funktion. Heißt: Der 2DS XL verfügt über den gleichen besseren Prozessor, die zusätzlichen Tasten (ZL, ZR und C-Stick) und die um 82 Prozent größeren Bildschirme gegenüber dem klassischen 2DS. Technisch wie optisch hat Nintendo das 3D-Modell kopiert und lediglich um eine Funktion reduziert, die in meinen Augen ohnehin überflüssig war.

Gegenüber dem klassischen 2DS mit seinem flachen Gehäuse hat sich Nintendo beim XL-Ableger zum Glück für die Klapp-Variante entschieden. Dadurch sieht das neue Gerät nicht nur weniger nach Spielzeug aus. Zugeklappt bleiben so auch die beiden Displays besser vor Kratzern geschützt. Zudem ist der 2DS XL im geschlossenen Zustand trotz größerer Bildschirme wesentlicher kompakter als sein Vorgänger, sodass er sich bequem in die Hosentasche stecken lässt. Genau genommen ist der 2DS XL geschlossen nahezu exakt so groß wie das iPhone 7 Plus; lediglich das Scharnier steht seitlich raus.

Obschon der 2DS XL optisch dem 3DS XL nachempfunden ist, hat Nintendo ein paar Veränderungen am Design veranlasst: Die Aussparung für den zu kurz geratenen Stylus und der 3,5-mm-Klinkenanschluss sind an die Unterseite des Gehäuse gewandert. Gleiches gilt leider für die Stereolautsprecher. Diese befinden sich nun ebenfalls in den unteren Ecken, sodass es leicht vorkommen kann, dass sie beim Spielen zugehalten werden. Wesentlich besser gefällt mir da schon die Entscheidung, das Einschubfach für die Spielmodule und die SD-Karte mit einer Klappe zu schützen. Bei dem 3DS XL ragten die Spiele noch offen aus dem Gehäuse. Allerdings ist auch das 2D-Modell nicht wassergeschützt. Selbst im zugeklappten Zustand sollte der Kontakt mit Wasser tunlichst vermieden werden.

Besser als die Switch?

Technisch ist der 2DS XL der Switch klar unterlegen. Allerdings kompensiert der Handheld die fehlende Performance auf anderen Ebenen. Sein kompaktes Design schützt nicht nur die Screens während des Transports, es macht ihn auch um einiges leichter als die Switch. Mit 260 Gramm gegenüber den 400 Gramm einer Switch mit angesteckten JoyCons ist der Handheld auch für längere Spielsessions problemlos geeignet. Zudem fällt das geringe Gewicht auch in der Hosentasche spürbar weniger auf. Die Switch dürfte da schon aufgrund ihrer Abmessungen Schwierigkeiten bekommen.

Der verbaute Akku hält je nach Spieltyp, DS- oder 3DS-Spiel, zwischen drei und bis zu neun Stunden. Die Switch kommt bei Zelda im Handheld-Modus bestenfalls auf vier. Allerdings lässt sich Nintendos große Konsole wenigstens über jedes USB-C-Kabel aufladen. Bei dem 2DS XL halten die Japaner hingegen immer noch an einem proprietären Netzstecker fest. Da lohnt sich die Investition für einen USB-Adapter.

Dass die beiden Screens nur mit jeweils 400 mal 240 Pixeln auflösen, ist angesichts der ohnehin eher leistungsschwachen Hardware kein Problem. Die Spiele sehen auf dem oberen 4,8-Zoll-Bildschirm und dem 4,18-Zoll-Touchscreen trotzdem hübsch und detailliert aus. Der Verzicht auf den 3D-Modus und einen HD-Screen wie bei der Switch kommt letztlich auch der Akkulaufzeit zugute. Ein Problem hat Nintendo allerdings weiterhin ignoriert: Die Bildschirme sind nicht entspiegelt. Jeder Lichtstrahl wird erbarmungslos reflektiert, sodass die Anwendung im Freien nur bedingt möglich ist. Zumal selbst die höchste Helligkeitsstufe immer noch verhältnismäßig dunkel leuchtet.

Fazit

Lohnt es sich 2017 noch einen Handheld zu kaufen? Unbedingt! Nintendo stellt mit dem New Nintendo 2DS XL unter Beweis, dass sie weiterhin an rein mobiles Gaming glauben – und die Switch, ihre eigene Konsole, das nicht vollends erfüllt. Für etwas mehr als 150 Euro bekommt Ihr mit dem 2DS XL nicht nur ein kompromisslos portables Gerät für die Hosentasche. Vielmehr – und das ist entscheidend – eröffnet sich dadurch eine immens große Spielebibliothek, die mehr als sechs Jahre zurückreicht und auch zukünftig noch wächst. Schließlich ist der 2DS XL als jüngstes Mitglied der DS-Familie kompatibel zu fast allen bisher erschienenen DS- und 3DS-Spielen. Darüber hinaus hat Nintendo neue Titel für 2017 angekündigt. Youtube und ein Internetbrowser sind übrigens vorinstalliert – auch das hat der 2DS XL der Switch voraus.

Der New Nintendo 2DS XL ist seit Ende Juli für etwa 150 Euro in den Farben Schwarz-Türkis und Weiß-Orange erhältlich.


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