Nextbit Robin im Test: das Cloud-Smartphone

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Das Nextbit Robin
Das Nextbit Robin(© 2016 CURVED)

Das Smartphone Robin von Nextbit kommt mit 100 Gigabyte Speicher – in der Cloud. Nichtgenutzte Apps und ältere Fotos und Videos werden automatisch in den Onlinespeicher ausgelagert, damit wir immer genug Platz auf unserem Handy haben. Wir zeigen Euch in unserem Test die Stärken und Schwächen des eckigen Smartphones.

Ursprünglich begann das Robin als Kickstarter-Kampagne. Der Erfolg schien dem Konzept von Nextbit Recht zu geben, schließlich übertraf das Unternehmen das gesetzte Ziel von 500.000 Dollar um mehr als das Doppelte. Im Februar 2016 wurde das Gerät ausgeliefert und im Juni der Verkaufspreis von 399 Dollar auf 299 Dollar gesenkt.

Zurück zu Ecken und Kanten

Optisch fällt das Robin positiv auf: Es hebt sich von der Masse ab, kommt in Hellblau und Dunkelblau und geht auch mit seiner Form einen anderen Weg als die großen Marken. Statt Metall-Unibody und abgerundeter Ecken setzt Nextbit auf eine gerade und kantige Plastik-Lösung. In einem Livestream war vor Kurzem auch eine rote Version des Robin zu sehen, die aber noch nicht offiziell angekündigt wurde.

Auf der Rückseite seht Ihr eine kleine Wolke unter der LEDs leuchten, wenn Daten in die Cloud geschickt werden. Auch softwareseitig gefällt uns das Design von Robin: Türkisfarbene App-Icons für die Standard-Apps passen in die eigene Oberfläche vom aktuellen Android 6.0.1 Marshmallow.

Leider ist dem Design die Bedienbarkeit zum Opfer gefallen. Die Lautstärke-Tasten an der linken Seite sind kleine, glatte Knubbel, die sich einfach nicht gut erfühlen und drücken lassen. Auch der eingelassene Fingerabdruckscanner auf der rechten Seite lässt sich nicht gut ertasten. Oft mussten wir hinschauen, wenn wir das Smartphone entsperren wollten. Nach einer Weile kann man sich aber daran gewöhnen.

Das Smartphone ist leicht, kann aber aufgrund seines 5,2-Zoll-IPS-Bildschirms, der in Full HD mit 1920 x 1080 Pixel auflöst, nicht mehr so richtig bequem nur mit einer Hand bedient werden. Vor Kratzern geschützt wird das helle, blickwinkelstabile Display durch Gorilla Glass 4. Leider ist der Bildschirm durch einen schwarzen Rahmen abgegrenzt. Das stört das sonst so helle Design ein wenig. Geschmackssache sind auch die erhältlichen Hüllen. Die knallbunten Plastikschalen mit Löchern zum Dranstecken wären jetzt nicht unbedingt mein Fall.

Längere Reaktionszeit

Unter der Haube steckt Qualcomms sechskerniger Snapdragon 808, der jeweils mit bis zu zwei Gigahertz takten kann und unter anderem auch im LG G4 steckt. Unterstützt wird er von drei Gigabyte Arbeitsspeicher. Das reicht, damit auch rechenintensive Games kaum ruckeln. Bei "Hearthstone" waren zum Beispiel die Animationen zwischen den Kämpfen nicht flüssig, das Spiel an sich lief aber problemlos.

In unseren Benchmark-Tests erreichte das Robin bei AnTuTu im Schnitt 72.205 Punkte. Damit liegt es vor dem Samsung Galaxy S6 aber weit hinter den aktuellen Top-Smartphones. Bei 3D Mark kam das Smartphone von Nextbit im Schnitt auf 1163 Punkte und bei Geekbench 3 erreichte es im Single-Core 1257 Punkte und im Multi-Core 3562 Punkte.

Ab und an gibt es langsame Reaktionszeiten auf dem Robin. Ich klicke auf etwas und der Befehl wird verzögert ausgeführt. Besonders beim Öffnen der App-Liste ist das aufgefallen. Auch dauert das Starten einer App manchmal länger.

Fingerabdrucksensor an der Seite

Der Fingerabdrucksensor liegt nicht, wie etwa beim Samsung Galaxy S7, auf der Home-Taste oder auf der Rückseite, wie beim LG G5. Nextbit packt ihn direkt auf den Power-Knopf. Eine gute Idee, da der Daumen intuitiv auf der Taste liegt, wenn Ihr das Telefon in die Hand nehmt. Ihr müsst allerdings die Power-Taste drücken, damit Euer Finger erkannt wird. Das funktioniert zumindest beim Daumen in der rechten Hand schnell und fehlerfrei. Wenn wir es aber in die linke Hand nehmen und beispielsweise mit dem Zeigefinger entsperren wollten, hat es nie funktioniert.

Nextbit Robin(© 2016 CURVED)

Auf der Vorderseite befinden sich zwei Lautsprecher, die für besonders tollen Stereo-Sound sorgen sollen. Tun sie aber nicht. Es klingt durch die Mini-Membranen immer noch wie ein Handy-Lautsprecher. Musikliebhaber sollten lieber zu Kopfhörern greifen.

Beim Akku scheint Nextbit ein bisschen sparen zu müssen. Hier wurde ein nicht austauschbarer Akku mit 2.680 mAh und der Schnellladetechnik Quick Charge 2.0 eingebaut. Der bringt Euch zwar über den Tag, aber nur, wenn Ihr nicht allzu viel zockt oder Videos streamt. Nextbit hat schon versprochen, dass das Robin im vierten Quartal 2016 auch das neue Android 7.0 Nougat erhalten wird - mit Verbesserungen für die Akku-Laufzeit. Aufgeladen wird dieser über einen USB-Typ-C-Stecker. Doch im Gegensatz zu den OnePlus-Geräten hat Nextbit hier auch einen USB 3.0-Anschluss verbaut. Ein zum Design passendes, türkises USB-Kabel liegt bei. Der Netzstecker mit Quick Charge muss extra gekauft werden.

Fotos und Videos

Die 13-Megapixel-Kamera mit dem zweifarbigen Blitz geht in Ordnung für das Mittelklasse-Smartphone. Wenn wir heranzoomen und ein Auge auf die Details werfen, erkennen wir jedoch auch bei gutem Licht Artefakte und schwammige Pixel. Die Farben werden aber recht natürlich dargestellt. Bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Bilder aber sehr verrauscht. Die Frontkamera bietet fünf Megapixel und eignet sich gut für spontane Selfies und Videotelefonie.

Negativ aufgefallen ist uns, dass das Handy sehr heiß wird, wenn wir Videos machen. Schon nach fünf Minuten Aufnahme konnten wir es kaum noch anfassen.

"Der Speicher ist nie voll"

Das Konzept des Robin: Habe niemals zu wenig Speicher! Intern sind 32 Gigabyte verbaut, dazu gibt es 100 Gigabyte Speicherplatz in der hauseigenen Cloud. Apps, die Ihr länger nicht verwendet habt oder ältere Fotos werden automatisch in den Online-Speicher ausgelagert, wenn das Smartphone am Strom angeschlossen ist und eine WLAN-Verbindung besteht. Die Fotos bleiben in niedriger Qualität auf dem Robin erhalten. Die Auflösung reicht, um die Bilder an Freunde zu verschicken oder auf sozialen Netzwerken zu teilen. Apps, die sich gerade nicht auf dem Smartphone befinden, werden als graue App-Icons angezeigt.

Mit einem Klick könnt Ihr die große Auflösung der Fotos oder Apps, die Ihr wieder verwenden wollt, jederzeit auch aus der Cloud herunterladen. Gleichzeitig ist das Auslagern in die Datenwolke ein Backup. Wiederhergestellte Apps funktionieren nämlich genauso, wie Ihr sie eingerichtet hattet – inklusive Logins oder Speicherständen bei Spielen. Während des Backups leuchten auf der Rückseite des Smartphones LEDs neben der Wolke. Da das Handy aber selten auf dem Display liegt, werdet Ihr diese Benachrichtigungsanzeige wohl kaum wahrnehmen. Wollt Ihr verhindern, dass das Robin bestimmte Apps in die Cloud schickt, könnt Ihr sie "anpinnen", indem Ihr über das Icon von oben nach unten wischt. Sie werden dann beim Scannen auf Nutzungshäufigkeit ignoriert. Mir gefällt besonders, dass das alles automatisch läuft und ich mich um nichts kümmern muss. Allerdings kann ich im Umkehrschluss leider keine Apps, Fotos oder Daten manuell in die Cloud schicken.

Diesem Konzept setzen die großen Hersteller microSD-Karten mit bis zu 128 Gigabyte entgegen. Hier haben die Nutzer all Ihre Daten immer auf dem Smartphone und müssen nicht extra wieder Dateien herunterladen. Eine microSD-Karte in dieser Größenordnung kostet allerdings um die 50 Euro – der 100 GB verschlüsselte Cloud-Speicher bei Nextbit ist kostenlos.

Möchtet Ihr das Robin nicht mehr nutzen und Eure Daten auf ein anderes Gerät übertragen oder wissen, was von Euch so in der Cloud liegt, könnt Ihr das über die geplante Web-App erledigen. Darüber könnt Ihr jederzeit sehen, welche Daten in der Cloud gespeichert sind und diese manuell per USB-Kabel auf andere Geräte überspielen. Diese Web-App wurde aber jetzt erst angekündigt und befindet sich noch in den letzten Zügen der Entwicklung.

Bisher leere Versprechungen

Momentan lassen sich mit dem Robin noch keine Videos in die Cloud auslagern. Doch gerade diese Art Daten sind die größten Speicherverbraucher. Nextbit sagte uns beim Hands-On auf dem MWC in Barcelona im Februar, dass das Feature in spätestens zwei Monaten kommen soll. Jetzt ist Juli und es ist immer noch nicht da. Ob das Feature bald dazu kommt, ist nicht absehbar.

Eigentlich hätte es auch eine Möglichkeit geben sollen, dass Ihr statt der Nextbit-Cloud Eure eigenen Server wie zum Beispiel Euren Computer zu Hause verwenden könnt, um nicht genutzte Daten auszulagern. Für Datenschutz-Liebhaber wäre das optimal gewesen, um nicht einer einzigen Cloud zu vertrauen, von der wir nicht sicher wissen, wo die Daten liegen, ob sie dort sicher sind und was mit ihnen passiert, falls das Start-up scheitern sollte. Auch hier ist nicht absehbar, wann oder ob das Feature noch kommen wird.

Wenigstens kommt das Smartphone mit einem unlocked Bootloader. Das heißt: Ihr könnt das Betriebssystem Eurer Wahl aufspielen, ohne dass Ihr die Garantie auf das Gerät verliert.

Preis und Verfügbarkeit

Das Robin von Nextbit könnt Ihr über die Webseite des Herstellers erwerben. Das Smartphone kostet 299 Dollar (vor Steuern und Versand). Die bunten Schutzhüllen sind einzeln für 25 Dollar das Stück zu haben.

Fazit: Irgendwie unfertig

Eigentlich ist die Idee vom Auslagern nicht genutzter Daten, auf die wir trotzdem jederzeit zugreifen können, richtig gut. Doch Nextbit hatte mehr versprochen, als es letztendlich gibt. Dass keine Videos hochgeladen werden und wir keinen eigenen Server für die Cloud nutzen können, ist ärgerlich.

Wer eh nicht so viele Videos macht und den Nextbit-Servern vertraut, der bekommt Smartphone, das durch sein eigenwilliges Design auf jeden Fall auffällt und sich im Hintergrund darum kümmert, dass Ihr mehr Speicherplatz habt. Auch leistungstechnisch ist das Smartphones für den Alltag ausreichend ausgestattet.


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