Olloclip für iPhone 6 (Plus) im Test: Die 4-in-1-Linse

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Der Olloclip erweitert das iPhone 6 um vier Aufstecklinsen
Der Olloclip erweitert das iPhone 6 um vier Aufstecklinsen (© 2014 CURVED)

Auch das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus haben nur eine Linse in der Kamera. Die ist zwar nicht schlecht, aber auf Dauer wird der immer gleiche Blickwinkel beim Fotografieren doch ein bisschen langweilig, oder? Abhilfe verspricht die Aufstecklinse Olloclip, die als 4-in-1-Modell für die neueste Smartphone-Generation von Apple erscheint und erstmals Rück- und Frontkamera mit neuen Perspektiven versorgt.

Was neu ist: Mit dem Olloclip für das iPhone 6 könnt Ihr auch Selfies mit einer Fisheye-Linse aufnehmen. Erstmals sitzt die Aufstecklinse nicht mehr nur über der rückseitigen Foto-Kamera, sondern gleichzeitig auch über der Frontkamera. So stehen die vier zusätzlichen Linsen für beide Kameras zur Auswahl und ermöglichen bei Selfies und Videochats ganz neue Perspektiven. Schon nach kurzer Zeit stellt sich bei mir Begeisterung für das kleine Foto-Spielzeug ein und es entwickelt sich ein Neid auf iPhone-Besitzer, den iOS oder die Hardware bisher nicht auslösen konnten bei mir.

Fisheye-, Weitwinkel- und zwei Makro-Linsen in einem Aufsatz

Für alle, die Olloclip noch nicht kennen, hier noch eine kurz Erklärung: Hinter dem Namen verbirgt sich ein Adapter zum Aufstecken auf Smartphones und Tablets, der unter anderem für alle iPhone-Modelle seit dem iPhone 4 erschienen ist. Je nach Ausführung erweitert er das Smartphone um drei oder vier Linsen. Beim neuen Olloclip für das iPhone 6 sind es vier Stück: Fisheye, Weitwinkel, 10x Makro und 15x Makro.

Die Halterung lässt sich problemlos auf das iPhone 6 schieben und sucht sich mit Hilfe einer kleinen Führungsschiene fast von alleine die korrekte Position über beiden Kameras. Bei Bedarf ist die Aufstecklinse schnell abgenommen und anders herum wieder angebracht oder in die Tasche gesteckt, um das iPhone wieder "dünn" zu machen. Die Vorsatzlinsen für Fisheye- und Weitwinkelaufnahmen sitzen sicher und fest, lassen sich aber trotzdem bequem und einfach ab- und wieder anschrauben.

Sind die Vorsatzlinsen abgeschraubt fotografiert man mit den Makro-Linsen des Olloclips. Ihr Rahmen ist sehr niedrig gehalten, wodurch immer noch vergleichsweise viel Licht von der Seite einfallen kann, wenn man ein Motiv aus der Nähe ins Visier nimmt. Als Nebeneffekt entstehen so auch fast keine störenden Schatten. Allerdings fällt der Schärfebereich bei den Makroaufnahmen sehr klein aus. Die Fisheye-Aufnahmen umfassen nahezu einen 180-Grad-Winkel. Wenn man nicht aufpasst, taucht die Hand, die das iPhone umklammert am Rande des Bildes mit auf. In meinen Augen ein kleiner Nachteil des Fisheye-Effekts ist, dass die fertigen Bilder nicht kreisrund, sondern am oberen und unteren Ende glatt abgeschnitten sind und die schwarze Vignettierung nur an den Seiten zu sehen ist. Ein kreisrundes Bild fände ich schöner.

Der Olloclip kommt nicht allein daher. In der Packung stecken noch zwei Schutzkappen für die Linsen sowie je ein schwarzes, grünes und blaues Gegenstück, in die Ihr die Aufsteckkonstruktion einrasten und so an einem Schlüsselband befestigen könnt. Das wäre nicht meine bevorzugte Transportart, aber durch die Gegenstücke erhält die gesamte Konstruktion in der Tasche eine höhere Stabilität und wird nicht durch andere Gegenstände zusammengedrückt.

Schiebereien beim iPhone 6 Plus

Falls ich Euch wundert, dass ich seit dem ersten Satz das iPhone 6 Plus nicht mehr erwähnt habe: Wir haben den Olloclip natürlich auch auf Apples großem Smartphone ausprobiert. Hierfür musste ich die Einlage im Aufsatz wechseln, damit die Neigungswinkel weiterhin passend sind. Leider musste ich feststellen, dass die Aufstecklinse immer nur über einer der zwei Kameras gut saß. Bei der anderen verdeckte sie das halbe Motiv, sodass ich sie immer hin- und herschieben musste, wenn ich zwischen der Front- und Rückkamera wechseln wollte. Fisheye- und Makroaufnahmen waren zwar - wie vom Hersteller versprochen - möglich, die gesamte Konstruktion hielt auch problemlos am iPhone, aber der Spaß am Fotografieren ging zumindest bei mir zurück.

Somit ist der Olloclip entgegen der Ankündigung des Herstellers doch nur etwas für das iPhone 6, aber das erweitert er nicht nur vier neue Perspektiven für die Kamera, sondern sorgt auch für mehr Freude beim Fotografieren und lässt sich zugleich unkompliziert anbringen und wieder entfernen. Ich bin wirklich begeistert. Nur leider ist der Preis von rund 80 Dollar nicht gerade günstig. Wer viel mit seinem iPhone fotografiert, wird die Investition aber nicht bereuen. Der Verkauf in Deutschland soll nach Angaben des Herstellers demnächst starten. Preislich dürfen wir mit Kosten von rund 80 Euro rechnen.

Nur iPhone-Fotografen dürfen mit Weitwinkel- und Makro-Linsen knipsen

Olloclip selbst bietet seine Aufstecklinse nur für zwei Android-Geräte an: das Galaxy S4 und das Galaxy S5. Wer, wie ich, ein anderes Smartphone besitzt, muss sich nach Alternativen umsehen. Im Fundus der Redaktion bin ich auf eine Makro- und Weitwinkellinse von Xiaomi gestossen, die eigentlich für das Mi2 gedacht ist und in Deutschland für rund 15 Euro zu haben ist. Ihr Schraubgewinde konnte ich auch auf der Rückseite von meinem Nexus 4 ankleben und so Fotos mit einem 0,67-fachen Weitwinkel und zehnfacher Makrovergrößerung aufnehmen.

Allerdings ist es viel komplizierter, die Linse immer wieder an- und abzuschrauben, als den Olloclip einfach kurz auf das iPhone zu stecken. Außerdem hält der Kleber nicht ewig, und mein Smartphone liegt nicht mehr plan auf. Für Fotos besonders schlecht ist die Tatsache, dass sich über der Linse innerhalb der Halterung jede Menge Staub ansammelt und sich nicht mehr einfach abwischen lässt. Bei Makroaufnahmen sorgt das hohe Gewinde dafür, dass weniger Licht in die Linse fällt und dass auf den Aufnahmen öfter als beim Olloclip ein Schatten erscheint. Insgesamt ist die Linse von Xiaomi kein Zubehör, mit dem ich lange Freude am Fotografieren habe. Ehrlich gesagt nervt sie mich schon nach einem Tag. Da fotografiere ich lieber weiter mit der festen Linse meines Smartphones.

Als Android-Nutzer schaue ich neidisch auf die iPhone-Besitzer und wünsche mir einen Olloclip für mein Smartphone, aber perspektivisch muss sowieso ein Ersatz für das Nexus 4 her und da könnte ich ja die zur Verfügung stehenden Aufstecklinsen mit in die Entscheidung einfließen lassen.


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