Samsung Galaxy S5 Neo im Test: die S6-Alternative für Preisbewusste

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Samsung Galaxy S5 Neo
Samsung Galaxy S5 Neo(© 2015 CURVED)

Neuer Prozessor, neue Kamera und überarbeitetes Gehäuse: Mit dem Samsung Galaxy S5 Neo legen die Koreaner ihr Top-Smartphone aus 2014 neu auf. Was das taugt und für wen sich das S5 Neo eignet, erfahrt Ihr im Test.

Als das Galaxy S5 auf den Markt kam, wurde es durchaus kontrovers diskutiert. Technisch gab es wenig auszusetzen: Es war pfeilschnell und brachte allen technischen Schnickschnack mit - vom Fingerabdrucksensor bis zum wasserdichten Gehäuse. Kritik gab es vor allem für die umstrittene Optik. Das Kunstleder auf der Rückseite war nicht jedermanns Sache. Bei den Nachfolgern Galaxy S6 und S6 Edge legte Samsung seinen Fokus wohl auch deshalb auf das Design. Eine Entscheidung, die nicht nur für Begeisterung sorgte. Schließlich kostete sie beliebte Features, wie den wechselbaren Akku und den Slot für micro-SD-Karten. Nun reagiert Samsung: Statt eines Galaxy S6 Mini bescheren uns die Koreaner ein neues Galaxy S5, das S5 Neo. Aber ist es wirklich eine Alternative?

Alt und doch neu: Schluss mit dem Pflasterlook

Optisch ist das Neo ganz klar ein S5. Größe und Gewicht bleiben mit 142 x 72.5 x 8.1 Millimetern und 145 Gramm exakt gleich. Während das S6 mit edlem Metallrand und Glasrückseite zu punkten versucht, bleibt das Neo bei einfachem Plastik. Allerdings hat sich Samsung diesmal beim Kunstlederlook zurückgehalten. Das Galaxy S5 Neo hat zwar immer noch dasselbe Punktemuster wie sein Vorgänger. Die Einkerbungen sind aber weniger tief und fallen nur bei genauerem Hinsehen auf. Der Pflasterlook ist also Geschichte. So behält das Neo die griffige Oberfläche des S5, sieht aber deutlich schlichter aus.

Ebenfalls weggefallen sind die Klappen zur Abdichtung gegen Wasser und Staub. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Das S5 Neo ist wie das S5 - und anders als das S6 - immer noch nach IPX67 gegen Wasser und Staub geschützt. Samsung hat allerdings die Anschlüsse von innen versiegelt, die Klappen fallen weg. Eine willkommene und gelungene Überarbeitung.

Exynos statt Snaddragon

Auch unter der Haube haben die Koreaner ihr einstiges Topgerät noch einmal kräftig überarbeitet. Das 5,1 Zoll große AMOLED-Display löst weiter mit Full-HD auf und ist, wie von Samsung gewohnt, hübsch anzusehen. Statt des etwas angegrauten Vierkerners Snapdragon 801 ist nun mit dem selbstentwickelten Exynos 7580 ein Achtkerner an Bord. Der ist mit 1,6 GHz allerdings etwas niedriger getaktet als der Snapdragon, der immerhin auf 2,5 Ghz kam. Der Arbeitsspeicher fällt mit 2 GB RAM gleich groß aus. In Singlecore-Benchmarks fällt das Neo dadurch hinter das S5 zurück. Das kommt im Geekbench auf knapp 950 Punkte, das Neo nur auf 730. Dafür hängt es den Vorgänger bei der Multicore-Performance deutlich ab, die Performance steigt von 2800 auf gute 3500 Punkte. An die über 5000 Punkte des Galaxy S6 kommt es aber nicht einmal ansatzweise heran. Das wäre aber auch eine echte Überraschung gewesen.

Dennoch: Im Alltag ist das Galaxy S5 Neo trotzdem immer flink genug. Apps starten schnell, der Browser lädt Internetseiten flott, und auch der App-Switcher kommt selten ins Stottern.

Kein Gamer-Smartphone

Bei der Grafikperformance ist der Unterschied leider deutlicher ausgeprägt. Während das S5 im Manhattan-Benchmark von GFXBench noch knappe 700 Punkte schafft, kratzt das S5 Neo nur von unten an den 300. Das neue iPhone 6s steht unterdessen an der Spitze - mit beinahe 3500 Punkten! Sogar ein Xperia Z3 Compact kommt auf 1600. Für Gamer ist das S5 Neo damit leider ungeeignet.

Der Speicher fällt mit 16 Gigabyte etwas mager aus, 10,1 GB bleiben dem Nutzer. Den Rest beanspruchen Android und die vorinstallierten Apps. Ein Modell mit mehr Speicher gibt es nicht. Dafür können Fans von Speicherkarten aufatmen: Wohl auch, weil man sich beim S6 viel Ärger über den weggefallenen Speicherslot anhören musste, hat Samsung im neuen S5 wieder einen verbaut. microSD-Karten bis zu 128 GB passen ins S5 Neo.

Kamera: tagsüber okay, abends überraschend gut

Die Kameras sind zumindest auf dem Papier denen des S5 überlegen. Wie beim S6 besitzen sie eine f1,9-Blende und sind damit besser für den Einsatz bei schlechtem Licht geeignet als die des Vorgängers. Die Auflösung der Hauptkamera bleibt bei 16 Megapixel, die der Selfiekamera steigt von zwei auf fünf - und macht damit sichtbar bessere Selbstporträts.

Bei der Hauptkamera gibt es trotz der guten Specs zunächst wenig Grund zum Jubeln. Die Bilder gehen bei gutem Licht in Ordnung, beeindruckend sind sie nicht. Dafür ist unter anderem das Bildrauschen zu stark. Bei schlechtem Licht ändert sich das aber dramatisch. Dann läuft das S5 Neo auf einmal zur Höchstform auf. Klar, die Bilder sind wie bei anderen Smartphones auch leicht verrauscht. Doch die Kontraste, Kanten und auch Übergänge zwischen hellen und dunklen Bildteilen fängt das S5 Neo überraschend gut ein. Dabei bleiben die Farben natürlicher als beim S6, das ja zu einem gewissen “Aufpoppen” neigt. Wer vor allem bei schlechtem Licht knipst, etwa auf Partys, dürfte mit der Kamera des S5 Neo viel Spaß haben.

Der Akku fällt mit 2800 mAh zwar nicht übermäßig groß aus, geht aber völlig in Ordnung. Vor allem, weil man ihn auch selbst tauschen darf. Einige vom S6 enttäuschte Fans werden sich darüber sicher freuen. Einen ganzen Tag hält eine Ladung im Test locker durch, ein zweiter war noch nicht ganz drin.

Leider fehlt mit dem Fingerabdrucksensor eines der nützlichsten Alltagsfeatures des S5. Dessen Scanner war zwar nicht in Ansätzen so zuverlässig oder schnell wie der des S6, aber trotzdem praktisch. Vielleicht zum Ausgleich hat Samsung deswegen ein UKW-Radio verbaut.

Fazit: eine gelungene Neuauflage

Das Galaxy S5 Neo ist eine gelungene Neuauflage des ohnehin schon guten Galaxy S5. Es ist mit seinem Preis um 350 Euro eine tolle Alternative für alle, die nichts mit den Designer-Galaxys wie dem Galaxy S6 Edge Plus anfangen können und die gestrichenen Features des Galaxy S5 vermissten - und einfach weniger Geld ausgeben wollen. Die Hardware ist schnell genug für den normalen Alltag, auch wenn sie sich nicht für mobile Gamer eignet. Die Kamera geht für die Preisklasse wirklich in Ordnung, bei schlechtem Licht trumpft sie sogar richtig auf. Alternativen sind natürlich das “echte” S5, auch wenn es bis auf die höhere Singlecore-Performance keinen echten Vorteil bietet. Auch das LG G3 oder das OnePlus One spielen in derselben Preisklasse.


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