Das Samsung Gear Fit 2 im Test

Egal ob Fitbit, Jawbone oder Withings: Ich habe sie alle schon am Handgelenk gehabt. Vollständig begeistern konnte mich aber kein Fitnessarmband – bis jetzt. Denn das Samsung Gear Fit 2 hat durchaus seine Vorzüge. Ob's zum Lieblings-Wearable reicht? Der Test.

Den richtigen Fitnesstracker zu finden, ist gar nicht so einfach. Der eine ist nicht komplett wasserdicht, der andere bietet kein oder nur ein kleines Display. Die Allermeisten haben keinen GPS-Chip. Wie billiger Modeschmuck sehen fast alle aus. Mit dem Gear Fit 2 will Samsung das ändern. Auf der Homegage bewirbt das Unternehmen das Armband als "schön und unaufdringlich". Während die Schönheit im Auge des Betrachters liegt, kann ich beim zweiten nur zustimmen.

Und zwar gleich auf zweierlei Weise: Denn nicht nur sieht das Armband aus der Ferne schlicht aus, es stört auch nicht beim Tragen. Anders als andere Hersteller versucht Samsung auch nicht, den Verschlussmechanismus neu zu erfinden. Stattdessen legt Ihr das Gear Fit 2 ganz normal wie eine Armbanduhr an. Bequem ist es obendrein auch noch. Gut so! Das auffälligste Merkmal ist aber das gewölbte AMOLED-Display. Das misst 1,5 Zoll und löst mit 216 x 432 Pixeln auf. Bildschirminhalte stellt es knackig scharf dar. Nur bei direkter Sonneneinstrahlung kann man nur schwer etwas darauf erkennen. Das nervt manchmal beim Sport.

Kein Smartphone notwendig

Kurz zur Technik: Im Innern bietet das Gear Fit 2 neben den üblichen Beschleunigungs-, Lage- und Herzschlagsensoren auch ein Barometer. Es erkennt also, wann Ihr Treppen hinauflauft. Die Verbindung zum Smartphone erfolgt über Bluetooth 4.2. Ein Akku mit 200 mAh versorgt das Gear Fit 2 für gute vier Tage mit Strom. Wichtig. Das Wearable funktioniert mit allen Android-Smartphones ab 4.4 Kitkat mit 1,5 GB RAM oder mehr - nicht nur mit Galaxy-Smartphones.

Das Beste ist aber der GPS-Chip. Wenn Ihr zum Beispiel joggen geht, braucht Ihr Euer Smartphone nicht mit Euch herumtragen, um die Strecke zu tracken. Das erledigt das Band für Euch. Probleme bei der Erfassung gab es bei mehreren wetterunabhängigen Laufeinheiten im Test nicht. So manche Profi-Laufuhr hat bei bewölktem Himmel deutlich mehr Probleme, ein GPS-Signal zu finden.

Auch sonst erfolgt die Bedienung losgelöst vom Smartphone. Ihr könnt nicht nur Workouts wie "Laufen" oder "Radfahren" direkt über das Wearable starten, sondern auch die Intensität anpassen und direkt nach der Einheit die Ergebnisse einsehen. Besonders praktisch ist das Workout-Widget. Wenn Ihr zum Beispiel mehrmals in der Woche eine bestimmte Strecke lauft, könnt Ihr diese auf dem Armband einstellen. Wollt Ihr dann loslegen, tippt Ihr direkt auf "Laufen starten". Einfacher ist es nur noch, wenn Ihr einfach losjoggt. Dann erkennt das Gear Fit 2 die Aktivität automatisch. Während des Workouts habt Ihr Dank des großen Display sämtliche Leistungsdaten immer im Blick. Prima!

Auf Musik müsst Ihr beim Joggen nicht verzichten, wenn Ihr das Smartphone nicht mitnehmt. Vom vier Gigabyte großen Speicher sind noch zwei Gigabyte frei. Das reicht für den ein oder anderen motivierenden Song. Alles, was Ihr braucht, sind Bluetooth-Sportkopfhörer.

Was wollen wir trinken? Über das Samsung Gear Fit 2 könnt Ihr Euren Kaffekonsum im Auge behalten.(© 2016 CURVED)

Einfache Handhabung dank Tizen

Die restliche Handhabung ist einfach. Aktiviert Ihr das Gear Fit 2 über einen der beiden Hardware-Buttons auf der rechten Seite, landet Ihr im Watchface. Nach links wischt Ihr Euch durch die Widgets, etwa die Anzeige Eures Kalorienverbrauchs oder Eures Herzschlags. Tippt Ihr auf einen Eintrag, bekommt Ihr detaillierte Informationen. Ein Tipp auf den oberen Button bringt Euch immer eine Ebene zurück, der untere dient als Homebutton. Wischt Ihr auf dem Watchface nach rechts, seht Ihr Eure Notifications vom Smartphone. Im Prinzip kann Euch das Gear Fit 2 sämtliche einkommenden Nachrichten vom Smartphone weiterleiten. E-Mails und Co. werden allerdings nur angerissen.

Dass sich die Bedienung mit der der Samsung Gear S2 weitgehend deckt, kommt übrigens nicht von ungefähr. Auf beiden Uhren läuft Tizen als Betriebssystem. Das heißt zwar auch, dass es weniger Apps zur Installation gibt als etwa unter Android Wear. Bei einem Fitnessarmband finde ich das aber weit weniger schlimm als bei einer Smartwatch. Twitter oder Facebook beim Sport? Brauche ich nicht. Man könnte sich höchstens darüber beschweren, dass es fast gar keine Fitness-Apps für das Band gibt.

Auf der anderen Seite mangelt es nicht an Anwendungen. Denn um das Gear Fit 2 mit dem Telefon zu benutzen, braucht Ihr sogar gleich zwei Apps. Plug'n'play ist also nicht drin. Die erste ist die Companion-App "Samsung Gear Fit2". Über die baut Ihr die Verbindung zwischen Smartphone und Wearable auf, installiert zusätzliche Watchfaces und trefft die für Euch passenden Einstellungen für die Notifications.

Über die Companion-App der Samsung Gear Fit 2 könnt Ihr nur ein paar Einstellungen vornehmen.(© 2016 CURVED)

In der "S Health"-App findet die detaillierte Auswertung Eurer Leistungsdaten statt. Ihr könnt genau sehen, welche Strecke Ihr gelaufen seid, wie viel Zeit Ihr für einen Kilometer gebraucht habt, was die stärkste Neigung auf der Strecke war. Ihr könnt auch "Partner-Apps" wie "Nike+ Running" installieren. Dabei handelt es sich um die entsprechenden Smartphone-Anwendungen aus dem Play Store. Die können nur Daten in "S Health" schreiben, also nur die Ergebnisse posten, die Ihr mit der App beim Sport erreicht habt. Weil es keine Anwendung für das Gear Fit 2 gibt, müsstet Ihr dafür allerdings wieder das Smartphone mitnehmen zum Joggen.

Fazit: Samsung macht viel richtig

Was muss ein gutes Sportarmband können? Es muss bequem sein, mir alle meine Daten auf einen Blick präsentieren können und im Idealfall über einen GPS-Chip verfügen. Alle das bringt das Gear Fit 2 mit. Dass es keine Apps für Facebook, Twitter und Co. gibt: Geschenkt! Schließlich ist das Gear Fit in erster Linie ein Fitness-Wearable und keine Smartwatch. Und diesen Job erledigt das Gerät sehr gut. Einziger Haken ist der Preis: Zwar ist das Gear Fit 2 mit einer UVP von 199 Euro günstiger als etwa die Fitbit Blaze (249 Euro) – für den Gelegenheitsläufer ist das aber trotzdem ziemlich teuer. Einsteiger sollten daher einen Blick aufs günstige Xiaomi Mi Band 2 werfen.


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