Somfy One+ im Test: So geht smarte Sicherheit

Somfy One+
Somfy One+(© 2017 CURVED)

Dieser Moment, wenn Du mit Deiner Smart-Home-Cam vom Büro aus Dein Echo Dot per Sprachbefehl ansteuerst und Deine Philips-Hue-Lampe anschaltest: Die Somfy One+ macht es möglich. Und überzeugt im Test mit einer ausgeklügelten App.

Smart Home war für mich lange Zeit nur eine teure Spielerei, deren Nutzen für mich geringer ausfiel als die Anschaffungskosten rechtfertigen würden. Zwei Aspekte des smarten Heims haben meine Einstellung dazu zumindest aufgeweicht: Amazons Alexa bzw. der Lautsprecher Echo sowie die diversen Sicherheitskameras, mit denen sich das Heim überwachen lässt.

Blende auf, Blende zu, Blende auf...

Weil meine Logi Circle (1. Generation) den Umzug nicht überlebt hat, kam mir die neue Somfy One+ gerade recht, um ein Auge auf die neue Wohnung zu werfen, wenn ich auf Reisen oder bei der Arbeit bin. Für die neue Smart-Home-Cam hat der Hersteller von Antriebssystemen für Rollos und Garagentoren mit Myfox zusammengearbeitet. Erst im Oktober 2016 wurde der Spezialist für vernetzte Heimüberwachung aufgekauft. Nun folgt mit der neuen Kamera das erste gemeinsame Produkt.

Und das lädt, wenn es denn nach der kurzen und gut erklärten Installation eingerichtet ist, zum Spielen ein. Denn die Somfy One+ verfügt über eine Blende, die sich schließen lässt. Die Idee: Ist man zu Hause, ist eine Überwachung überflüssig. Um sichtbar das Aufnehmen von Ton- und Bildmaterial zu beenden, fährt eine mechanische Blende über die Linse und das eingebaute Mikrofon an der Gehäusefront. Dieser "Privatmodus" lässt sich entweder über die App oder per Alexa-Sprachbefehl ("Sage Somfy: Blende schließen") aktivieren – und genauso einfach wieder deaktivieren.

Mich hat diese einfache Feature enorm beruhigt. Zwar bieten auch andere Smart-Home-Kameras einen solchen Privatmodus. Doch die Tatsache, dass eine mechanische Blende die Aufnahme sichtbar verhindert, vermittelt mehr Privatsphäre.

Die Kamera denkt mit

Mit geschlossener Blende sieht Somfy One wie ein unscheinbarer Zylinder aus, der sich aufgrund des unscheinbaren Designs gut in die eigenen vier Wände integrieren lässt. Ich bevorzuge die weiße Ausführung. Doch Somfy bietet die Kamera auch mit schwarzem Gehäuse an. Ist die Blende geöffnet sieht man unter der 130-Grad-Weitwinkellinse noch eine Infrarotkamera für die Nachtsicht. Auf die schaltet die Kamera bei Dunkelheit automatisch um. Für die Überwachung von mehr als einem Raum reicht dieser Modus allerdings nicht aus, da die Reichweite dann nur rund sechs Meter beträgt.

Automatisierung scheint bei der Somfy One eh groß geschrieben: Die Kamera zeichnet bei Bewegungen im kostenlosen Basic-Paket automatisch zehn Sekunden auf und benachrichtigt autorisierte Benutzer der App per Push-Benachrichtigung. Für 4,99 Euro pro Monat speichert Somfy einen kompletten Tag ab. Auf einer Zeitlinie, die unter dem Live-Feed eingeblendet ist, werden Ereignisse markiert und lassen sich nach einem Klick auf die Mediathek abspielen. Ebenso lässt sich die Aktivierung des Privatmodus bzw. die Aktivierung des regulären Überwachungsmodus geobasiert automatisieren. Dazu greift die App entweder auf die Standortdaten des Smartphones zu – oder man nutzt einen Schlüsselanhänger von Somfy, der direkt mit der Kamera verbunden ist. Während die Smartphoneerkennung im Test gut funktionierte, blieb der Sicherheitsdongle ohne Funktion. Somfy bietet außerdem auch Rauchmelder sowie Öffnungsmelder für Türen an, die sich mit der Kamera verbinden lassen.

Der Überwachungsmodus selbst konnte im Test auf ganzer Linie überzeugen. Bei einer Internetleitung mit einem Upload von 6MBit/s startete der Livestream nach wenigen Sekunden. Die Verzögerung lag ebenfalls nur bei wenigen Sekunden, in denen das Videosignal vom heimischen Netzwerk verschlüsselt über die Somfy-Server auf das autorisierte Smartphone geschickt wird. Wählt man statt HD die Full-HD-Einstellung mit 30 Bildern pro Sekunde, lässt sich sogar noch verlustfreier digital in das Bild hineinzoomen. Das kann relativ praktisch sein, wenn man mit einer Kamera große Teile der Wohnung abdeckt und in der Aufnahme Ausschau nach einer Katze halten will.

Apropos Katze: Über einen integrierten Lautsprecher konnte ich sogar nach ihr rufen und mich so zumindest aus der Ferne vergewissern, dass es Ihr gut geht. Lustigerweise war es mir sogar möglich, über die App mein Smart Home zu steuern. Ganz recht: Anstatt zu Hause über Alexa die Somfy-Kamera zu kontrollieren, konnte ich über mittels Lautsprecher meinen Echo Dot dazu bringen, das Licht der Philips-Hue-Lampen an- und auszuschalten. Per IFTTT lassen sich zudem weitere Verbindungen zu anderen Smart-Home-Geräten aufbauen.

Mit Sirene und eingebautem Akku gegen Einbrecher

Dass der Lautsprecher laut genug für einen Alarm ist, daran besteht kein Zweifel. Schließlich taugt er auch als 90 Dezibel laute Sirene. Im Falle eines Einbruchs wird sie ausgelöst und soll so Einbrecher in die Flucht schlagen. Wer nun denkt, dass die dann einfach den Stecker ziehen können: Verbaut in der Somfy One+ ist ein Akku, mit dem das Gerät sechs Stunden ohne Steckdose weiterläuft. Mit einem Klick auf dem Smartphone kann die Sirene auch manuell ausgelöst werden. Ich kann bestätigen nach einem einmaligen Testlauf: Die Sirene ist verdammt laut. Die hören auch die Nachbarn, wenn sie zu Hause sind.

Denen könnt Ihr übrigens auch Zugriff auf Eure Heimüberwachung geben, wenn Ihr einmal auf Reisen seid. Dazu braucht es nur einen Somfy-Account und die App. Dann können diese etwa auch den Wachdienst rufen. Der lässt sich in der App monatsweise für 9,99 Euro in Zusammenarbeit mit der AXA Alliance buchen. Ebenfalls praktisch: Die Somfy-Cam macht jeden Rauchmelder smart. Denn die Software erkennt, wenn in eigenen vier Wänden ein Rauchmelder Alarm schlägt und benachrichtigt den Nutzer.

Fazit

Somfy hat mit der Somfy One+ sehr viel richtig gemacht. Nicht nur ist das Gerät schick designt und passt sich so gut in die Wohnung ein, durch die gelungene Kombination aus umfangreicher, aber nicht überladener App und guter Videoübertragung macht die Kamera genau das, was sie soll: das smarte Heim überwachen. 249 Euro verlangt der Hersteller für die Somfy One, 399 Euro sind es für die Somfy One+. Das teurere Modell verfügt über den eingebauten Akku, internen Speicher für die Aufzeichnung bei Internetausfall und hat den Schlüsselanhänger sowie einen Öffnungsmelder im Lieferumfang.

Mich hat die Kamera auf ganzer Linie überzeugt. Dass ich über sie sogar noch mein Smart Home aus der Ferne steuern kann, ist eine nette Dreingabe. Ganz anders die mechanische Blende: Sie ist für mich neben der guten Software das Killerfeature. So habe ich Überwachung, wenn ich sie brauche, und sichtbare Privatsphäre, wenn ich zu Hause bin.


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