Sony Xperia Touch im Test: Wenn aus Tischen Touchscreens werden [mit Video]

Sonys Xperia Touch ist kein normaler Beamer. Das Gadget verwandelt praktisch jede Oberfläche in ein Android-Tablet. Aber: Braucht man das? Der Test.

So einige Hersteller haben bereits nach dem Königsweg gesucht, über den sich ein Android-Gerät sinnvoll um einen Beamer erweitern lässt. Jüngstes Beispiel ist das heimliche "Highlight" der IFA 2017, das Thomson Fusion. Dem voraus gingen unter anderem das Beamer-Mod für die modulare Moto-Z-Serie und das Lenovo Yoga Tab 3 Pro mit integriertem Beamer. Das Problem: In den kompakten Gehäusen reicht der Platz für einen gescheiten Projektor nicht aus. Das Ergebnis: Mäusekino! Mit dem Xperia Touch dreht Sony dreht den Spieß einfach um.

Jede Oberfläche wird zum Android-Tablet

Denn statt ein Android-Gerät um einen Beamer zu erweitern, statten die Japaner einfach einen Beamer mit Android aus. Doch damit nicht genug: Während die anderen Lösungen immer den Bildschirm des Smartphone oder Tablet voraussetzen, um das Betriebssystem zu bedienen, verwandelt der Xperia Touch jede Oberfläche, auf die er das Bild projiziert, in einen Touchscreen. Möglich macht das ein Infrarotsensor, der Eure Eingaben erkennt.

Weil es sich beim Xperia Touch um einen Kurzdistanzprojektor handelt, stellt Ihr ihn einfach auf den Tisch oder den Fußboden und schaltet ihn ein. Schon wird das Bild auf die Oberfläche projiziert. Auf Tischen erreicht er dabei eine Diagonale von 23 Zoll. Ihr könnt die Inhalte auch an die Wand werfen, indem Ihr den Beamer davor stellt und um 90 Grad nach oben dreht. Je nach Entfernung soll eine Projektionsfläche von bis zu 80 Zoll möglich sein. Um diese zu erreichen, strahlt der Beamer aber nicht hell genug. Und selbst wenn, sehen Inhalte bei einer Auflösung von 1336 x 768 nicht gerade kinoreif aus. Für den Filmeabend taugt der Xperia Touch daher nur bedingt. Macht aber nichts. Schließlich ist das Highlight ja die Touch-Bedienung.

Spaß beim Spielen

Da lädt besonders der Aufbau auf der Tischoberfläche zum Zocken ein, wahlweise alleine oder mit Freunden. Auf unserem Testgerät vorinstalliert ist zum Beispiel ein Airhockey-Spiel, dass sich wie in der Bowlinghalle auch zu zweit spielen lässt. Aber auch Klassiker wie "Fruit Ninja” oder "Angry Birds" machen, direkt auf den Tisch projiziert, zumindest für einige Minuten wieder Spaß. Dann verpufft der Wow-Effekt wieder. Schließlich sind die Games für einen Touchscreen aus Glas gemacht und fühlen sich auf Holz merkwürdig an.

Anders sieht es bei Apps aus, die nicht auf wilde Aktionen ausgelegt sind. Ungemein praktisch stelle ich mir den Beamer beim Kochen mit "Kitchen Stories" vor. Die App bietet unter anderem Videokochanleitungen, die man, auf dem Tisch geworfen, einfach pausieren kann, ohne Gefahr zu laufen, das Smartphone dabei vollzukleckern. Auch Google Maps oder Google Earth machen in der Größe viel Spaß. Den passenden glatten und vor allem weißen Untergrund solltet Ihr dafür aber parat haben. Auf dunkleren Materialien war das Bild kaum noch zu erkennen. Immerhin geht die Darstellung im Großen und Ganzen in Ordnung, auch wenn die Farben teilweise durchaus kräftiger hätten sein dürfen.

Daumen runter fürs Hochbeamen

Weniger Spaß bereitete der Beamer im Wandmodus. In diesem soll sich der Xperia Touch dank eingebauter 13-Megapixel-Kamera eigentlich für Videotelefonie eignen. Oft trat im Test aber ein nerviger Trapezeffekt auf, durch den sich das Gerät dann nicht mehr einwandfrei bedienen ließ. Die Neu-Kalibrierung stellte uns in diesem Fall vor einige Herausforderungen, weil Finger nicht mehr oder an der falschen Stelle erkannt wurden. Auch im Tisch-Modus erkannte der Beamer Eingaben nicht immer perfekt, hier hielten sich die Ungenauigkeiten aber in Grenzen.

Ebenfalls nicht so gut gelungen ist die Android-Umsetzung: Auf dem Xperia Touch läuft Android 7.0 Nougat in einer Version, die für die Benutzung auf Tablets ausgerichtet ist. Das heißt: Es gibt einen App-Drawer, ein Mail-Programm, einen Kalender, das Adressbuch und noch ein paar andere Anwendungen, die in meinen Augen auf einem Beamer nichts verloren haben. Ich hätte mir gewünscht, dass Sony das System für dieses besondere Gerät besser anpasst, zum Beispiel die Anwendungsbereiche in Themengebiete wie Gaming, Entertainment und ähnliches zusammenfasst und die Einstellungen übersichtlicher gestaltet.

Fazit: eine gute Idee nicht gut umgesetzt

Denn eigentlich finde ich die Android-Beamer-Idee richtig spannend. So ein Gadget sieht man schließlich nicht alle Tage. Und ein paar praktische Anwendungsgebiete gibt es ja auch. Allein die gute Idee macht den Xperia Touch aber nicht zum richtigen Gadget für mich. Bevor ich ernsthaft in Erwägung ziehe, die von Sony aufgerufenen 1.500 Euro zu investieren, müssen die Entwickler an einigen Stellen ordentlich nachbessern.


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