Sony Xperia X im ausführlichen Test

Das Xperia X ist das neue Top-Modell aus dem Hause Sony. Ob es die Konkurrenz von Samsung, HTC und LG hinter sich lassen kann, erfahrt Ihr im Test.

Am Anfang war der Eiertanz. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigte Sony die neue X-Serie. Nicht in einer angemieteten Location, wie Samsung, LG oder Huawei, sondern direkt am Messestand. Erst im Laufe der nächsten Tage wurde klar: Das Xperia X ist soll nicht neben der Z-Reihe laufen, sondern sie ersetzen. Und gleichzeitig auch die Modelle der M- und C-Serie. Ist weniger also mehr?

Zumindest haptisch und optisch müsst Ihr nicht auf den typischen Xperia-Style verzichten. Das Xperia X sieht aus wie ein kleines Z5. Es kommt im schicken Alu-Gehäuse in den Farben Lime-Gold, Graphit-Schwarz, Weiß und natürlich Roségold. Es ist nicht so dünn und leicht wie die Konkurrenz von Apple oder Samsung, liegt aber gut in der Hand und wirkt mit seinen 152 Gramm sehr wertig. Ein besonderer Design-Clou: Lautsprecher sind nicht zu sehen. Die Tasten, also Einschalter, Lautstärke und Kamerataste, liegen auf der rechten Seite und bieten einen guten Druckpunkt.

Schick, aber nicht wasserdicht

Oben gibt es den Kopfhörereingang, unten einen micro-USB-Port. Auch Sony verzichtet also auf Typ-C. In den Power-Schalter verbauen die Japaner wie gewohnt den Fingerabdrucksensor, der zuverlässig und schnell funktioniert. Die Stelle ergibt nach wie vor Sinn, denn Smartphone-Nutzer suchen den Button schließlich als erstes, wenn sie das Gerät aus der Tasche ziehen. Hingucker auf der Rückseite ist das eingravierte Xperia-Logo. Schick! Ein Blick aufs Datenblatt bringt aber auch etwas Ernüchterung: Während das Z5 noch gegen kurzweiliges Untertauchen gewappnet war, ist das Xperia X nicht mehr wasserdicht - allen Gerüchten zum Trotz, das die X-Reihe auch ohne offizielle Zertifizierung ein Wasserbad aushalten könnte. Ganz klar: Wer sein X unter Wasser hält, macht es damit kaputt.

Ein Highlight ist dafür die Kamera. Besonders auf den sogenannten "prädiktiven Autofokus" ist man bei Sony stolz. Was sich hinter dem Fremdwort versteckt, ist schnell erklärt: Habt Ihr ein Objekt im Fokus, folgt die Kamera diesem automatisch und stellt permanent scharf. Das funktioniert unter normalen Bedingungen draußen sehr gut, führt aber gelegentlich zu Unschärfen und Bildrauschen rund um das Objekt im Fokus.

Starke Kamera ohne 4K-Unterstützung

Ansonsten gleicht die Kamera der im Z5. Das bedeutet: 23 Megapixel, 1/2,3-Zoll-Sensor, fünfacher Zoom und 24-Millimeter-Weitwinkel-Objektiv. Viel Wert hat Sony auf die Software gelegt. Bei der "überlegenen Automatik" erkennt das Xperia die Umgebung selbständig und findet automatisch die besten Einstellungen. Foto-Enthusiasten können im manuellen Modus sämtliche Parameter selbst bestimmen. Obendrauf gibt es noch die Möglichkeit, die Kamera-App mit Anwendungen zu erweitern. Der AR-Modus verwandelt Euren Schreibtisch zum Beispiel in eine Dinosaurier-Landschaft. Das ist eine nette Spielerei, bietet aber keinen echten Mehrwert. Instagram-Freunde dürfen sich über die 13-Megapixel-Frontkamera freuen. Die eignet sich absolut für Selfies.

Unterschiede gibt es bei Bewegtbildern: Während das Xperia Z5 im Video-Modus noch gewarnt hat, dass das Telefon bei 4K-Aufnahmen heiß werden und sich abschalten könnte, braucht Ihr Euch Beim X keine Sorgen zu machen. Denn die Kamera schafft gar kein 4K. Full HD bei 60 Bildern pro Sekunde sind das Maximum. Und dann müsst Ihr schon auf die Steady Shot Intelligence Active, eine Funktion, die kleine Verwackler korrigiert, verzichten.

Der Grund: Leistungstechnisch ist das Xperia X nicht auf der Höhe der Konkurrenz. Während LG und HTC bei ihren Top-Geräten auf den Snapdragon 820 setzen und Samsung mit dem Exynos 8890 in den S7-Geräten einen konkurrenzfähigen Chip im Angebot hat, verbaut Sony nur den Mittelklasse-Chip Snapdragon 650. Dazu gibt es wie im Xperia Z5 noch drei Gigabyte RAM und 32 Gigabyte Flash-Speicher. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, habe ich auf Xperia jeweils fünfmal hintereinander GeekBench 3 und den AnTuTu-Benchmark laufen lassen und die Mittelwerte mit den Ergebnissen aus Jans Vergleich der aktuellen Top-Smartphones verglichen. Während ein Galaxy S7 auf einen AnTuTu-Wert von 129.607 Punkte kommt, erreicht das Sony-Gerät im Schnitt nur 72.121 Punkte.

Im Alltag ein schnelles Smartphone

Im Alltag gilt aber: Nichts ruckelt, alles läuft flüssig. Auch der Redaktions-Evergreen "Asphalt 8: Airborne" lässt sich ohne Probleme spielen. Sonderlich heiß wird das Gerät unter Volllast auch nicht. 39 Grad zeigte das Thermometer an der heißesten Stelle. Im Vergleich zu Snapdragon-820-Smartphones lässt sich also erstmal kein Unterschied feststellen. Ob das auch in Zukunft so bleibt? Der Trend zeigt: Auch auf dem Smartphone geht es immer mehr in Richtung VR. Dafür braucht es leistungsfähige Prozessoren und Grafikeinheiten und nebenbei auch hochauflösende Displays.

Trotz Mittelklasse-Chip laufen Spiele flüssig auf dem Smartphone.(© 2016 CURVED)

Auch da kann Sony gegen die Konkurrenz nicht anstinken. Ich persönlich finde zwar, dass Full-HD für ein Fünf-Zoll-Smartphone ausreicht – immerhin kommt das Xperia auf gute 441 Pixel pro Zoll und stellt damit Inhalte knackig scharf dar. Fast alle Hersteller verpassen ihren Top-Geräten aber QHD-Displays (2560 x 1440 Pixel) und sind damit besser fürs VR-Zeitalter gerüstet.

Für den Akku verspricht Sony eine Laufzeit von mindestens zwei Tagen. Den Wert kann ich nicht ganz bestätigen. Zwar kommt man locker über den Tag, wer viel spielt oder mit der hochauflösenden Kamera fotografiert, sollte abends nachladen. Bei normaler Nutzung sind gut eineinhalb Tage drin. Wollt Ihr auf die vollen zwei Tage kommen, müsst Ihr nach meiner Erfahrung die Helligkeit herunter regeln und Push-Benachrichtigungen abschalten. Dafür hat Sony den sogenannten "Stamina-Modus" einbaut. Dieser macht genau das, wenn der Akku eine kritische Grenze unterschritten hat. Welche das ist, könnt Ihr in den Einstellungen selbst wählen. Hardcore-Stromsparer können mit dem “Ultra Staminia”-Modus noch ein paar Stunden mehr herauskitzeln, haben dann aber nicht mehr als die Basic-Handyfunktionen.

Immerhin bei der Software steht Sony den anderen in nichts nach. Als Betriebssystem kommt das aktuelle Android 6.0.1 Marshmallow zum Einsatz. Fürs Xperia Z3 gibt es bereits die Preview von Android N. Da liegt es nahe, dass Sony das System auch fix auf andere Geräte bringt. Ein kleiner Fakt noch am Rande: Wie das Z5 unterstützt auch das X Hi-Res Audio, also die Wiedergabe hochaufgelöster Musikstücke. Diese sollen sich besonders nah an der Originalaufnahme bewegen. In Ermangelung an geeignetem Material, die Musik muss man in gesonderten Online-Shops kaufen, haben wir darauf in diesem Test verzichtet. Nur so viel: Ein separates Abspielgerät gibt es bei Amazon ab rund 200 Euro.

Fazit

Im Prinzip unterscheidet sich das Xperia X nur wenig vom Vorgänger Xperia Z5. Das Display ist geschrumpft, die Auflösung gleich geblieben. Beim Prozessor setzt man auf Mittelklasse. Die Highlights sind der prädiktive Autofokus und die hochauflösende Frontkamera. Das sind zu wenige Neuerungen, um wirklich in der Top-Liga mitzuspielen. Wer in Zukunft keine Einbußen in Kauf nehmen möchte, bekommt für die von Sony aufgerufene UVP von 599 Euro mittlerweile schon das Samsung Galaxy S7. Ansonsten bekommt Ihr mit dem Xperia X ein grundsolides, aber eben kein Top-Smartphone.


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