Sony Xperia XZ1 Compact im Test: kleines Smartphones ganz groß

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Das Sony Xperia XZ1 Compact
Das Sony Xperia XZ1 Compact(© 2017 CURVED)

4,6 Zoll – 2017 mutet das geradezu klein an im Vergleich zu all den Ü-5-Zollern. Und dennoch: Das Sony Xperia XZ1 Compact braucht sich trotz seiner Kompaktheit nicht hinter den "Großen" zu verstecken. Der Test.

Android-Smartphones mit einer Bildschirmdiagonale von unter 5 Zoll haben mittlerweile Seltenheitswert. "Plus" oder "XL" sind oft bemühte Suffixe, die Marketingabteilungen gerne an Produktnamen kleben, um deren Größe, auch im übertragene Sinne, zu veranschaulichen. Sony aber setzt dem"größer gleich besser"-Trend das Xperia XZ1 Compact entgegen. Mit seinen 4,6 Zoll ist es alles andere als groß, spielt technisch aber trotzdem in der Premium-Liga. Fast so, als hätte Sony Harry Potters Reducio darauf angewendet. Wenn nur der Preis nicht wäre.

Optisch Mittelklasse ...

100 Euro weniger kostet die geschrumpfte Version des XZ1. Doch neben der 0,6-Zoll-Differenz in der Bildschirmdiagonale gibt es noch ein paar weniger auffällige Unterschiede. Sonys "Shorty" hat auch ein minimal anderes Design als das XZ1. Optisch erinnert es tatsächlich eher an die Mittelklasse-Geräte von Sony wie das L1 oder das XA1 bzw. XA1 Ultra. Das Gehäuse des XZ1 Compact fällt nämlich insgesamt kantiger und eckiger aus. Der abgerundete Rahmen, den wir im Test zum formschönen XZ1 lobend hervorgehoben haben, findet sich beim Compact nicht wieder. Komische Designentscheidung, da das XZ1 Compact eigentlich eher in den Bereich Premium gehört, sich dem Design nach aber mehr an die Mittelklasse anlehnt.

Ansonsten gibt es bei Design und Verarbeitung des XZ1 Compact ebenfalls nicht zu meckern. Sony versteht sein Handwerk. Der riegelförmige Formfaktor bleibt weiterhin Geschmacksache. Immerhin ist es Sony bei der kleinen Version des XZ1 gelungen, die Kamera plan ins Gehäuse einzulassen. Beim XZ1 schaut sie noch minimal raus. Dafür ist das Compact aber auch knapp zwei Millimeter dicker bei ansonsten geringeren Abmessungen in Breite und Höhe.

... technisch Premium

Die Hardware des XZ1 Compact ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits setzt Sony auch hier auf den aktuellen Qualcomm-Prozessor, den Snapdragon 835, der sowohl im XZ1 als auch im Xperia XZ Premium seinen Dienst verrichtet. Andererseits begnügt sich der Hersteller aber damit, nur ein HD-Display zu verbauen. Bei einer Größe von weit unter 5 Zoll ist das an sich kein Problem, 2017 aber längst kein Standard mehr. Mit 319 ppi liegt das XZ1 Compact in der Pixeldichte minimal hinter dem iPhone 7 und 8 mit 326 ppi.

Mit 1,5 Zentimeter mehr Bildfläche und Full-HD-Auflösung erreicht das größere Xperia XZ1 über 100 ppi mehr im direkten Vergleich. Doch: Das sind Details. Auch auf dem Screen des Compact ist das Bild gestochen scharf, einzelne Bildpunkte lassen sich nur unter dem Brennglas ausmachen. Die Helligkeit ist wie beim Großen ausreichend, um problemlos bei jeder Tageszeit zu egal welchen Lichtverhältnissen alles zu erkennen. Tatsächlich gefällt mir die Farbsättigung des IPS-Display beim Kleinen sogar besser, weil Weißtöne kräftiger leuchten und mehr nach natürlichem Weiß aussehen. Davon profitiert auch der Kontrast.

Der Achtkern-Prozessor von Qualcomm bekommt vier Gigabyte RAM als Arbeitsspeicher zur Seite gestellt, exakt so wie beim XZ1 und dem XZ Premium. Allerdings hat Sony den integrierten Datenspeicher um die Hälfte reduziert. Gerade mal 32 Gigabyte ROM stehen dem Compact nominell zur Verfügung, wovon Android bereits knapp zehn für sich beansprucht. Dass der Hersteller den Begriff "kompakt" allzu wörtlich genommen hat, ist in diesem Fall leider kein Pluspunkt. Zum Glück lässt sich der Speicher aber per microSD-Karte um bis zu 256 GB erweitern. Puh.

Im Test-Sprint legt das XZ1 Compact in den Benchmarks entsprechend gute Ergebnisse hin: 155.291 Punkte bei Antutu und 1837 (Single-Core) bzw. 6561 (Multi-Core) bei Geekbench (jeweils im Durchschnitt nach fünf Tests). Damit liegt es nahezu gleich auf mit dem Xperia XZ1 und nur knapp hinter dem XZ Premium.

"Akku-na Matata": Mach Dir keine Sorgen

Wahre Größe demonstriert das Compact bei der Laufzeit. Dank der niedrigeren Auflösung und des kleineren Bildschirms erweist sich das Telefon als echter Dauerläufer. Die 2700 mAh des Akkus decken sich mit der Kapazität des XZ1, müssen aber für weitaus weniger Bildschirmleistung aufkommen. Wer aus Angst, dass Telefon könnte abends den Geist aufgegeben, ständig das Netzteil mit sich herumträgt, kann aufatmen. Selbst bei intensiver Nutzung stößt der Akku erst zu fortgeschrittener Stunde an seine Grenzen. Wer nicht dauerhaft Videos schaut oder spielt, bekommt mit dem XZ1 Compact einen Wegbegleiter an die Seite gestellt, auf den man sich verlassen kann. Ein Minus kassiert das Compact allerdings für den USB-Port: Dieser basiert zwar auf USB-C, überträgt allerdings nur mit der Leistung eines USB-2-Anschlusses. Heißt, es lädt langsamer, als es den Anschein hat. Zum Glück bietet das Gerät wie das XZ1 zum Ausgleich eine Schnellladefunktion, das beiliegende Netzteil allerdings nicht. Wer das Feature nutzen will, muss nochmals in die Tasche greifen. Unnötig, dass Sony ausgerechnet an dieser Stelle gespart hat.

O-O-Oreo

Mit dem Xperia XZ1 Compact erweitert Sony sein Portfolio um ein zusätzliches Gerät, das ab Werk mit Android 8 Oreo in den Handel kommt. Dafür darf sich Sony durchaus auf die Schulter klopfen, denn gegenwärtig gibt es keinen anderen Hersteller, der auf mehreren Smartphones mit dem neusten Android punkten kann. Allerdings profitieren das XZ1 und das XZ1 Compact vor allem bei der Performance und der Akkulaufzeit von Oreo. Die neuen Funktionen des Betriebssystems, wie etwa Bild-in-Bild, waren zum Testzeit noch nicht verfügbar. Da die Grundlage mit dem OS dafür aber bereits gelegt ist, dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis die Features via Update nachgeliefert werden. Beim XZ Premium müssen Nutzer hingegen weiterhin Vorlieb mit Android 7 Nougat nehmen.

Superweitwinkel-Selfies

Wie bereits das XZ1 hat Sony auch für das Compact die Superzeitenlupenfunktion des XZ Premium übernommen. Diese erlaubt SloMo-Aufnahmen mit bis zu 960 Bildern pro Sekunden aufzunehmen. An sich ein cooles Feature, das allerdings mit zu vielen Problemen zu kämpfen hat, wie Felix bereits in seinem Test der Funktion beim XZ Premium feststellte. Die Fotoqualität der 19-Megapixel-Kamera lässt dagegen kaum Platz für Kritik. Die Ergebnisse sind vor allem bei Tageslicht leuchtstark und farbsatt. Kontrast und Dynamik sind ebenfalls top. Die f/2.0-Blende reicht, um auch bei Dämmerung und Dunkeln noch brauchbare Fotos zu schießen, allerdings schleicht sich bei derartigen Lichtverhältnisse durchaus Bildrauschen ein.

Ein schönes Update hat die Frontkamera erfahren. Diese schießt Selfies zwar nur mit acht Megapixeln (statt 13 MP wie beim XZ1), dafür lässt sich der Winkel des Objektiv nun manuell einstellen. Heißt: Sony lässt Euch Gruppenfotos mit 120-Grad-Superweitwinkel knipsen. Da passt locker eine ganze Schulklasse ins Bild.

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf der 3D-Creator. Eine neue App, die Sony erstmals mit dem XZ1 vorstellte und demnächst auch für das XZ Premium verfügbar sein soll. Die spezielle Kamera-App erlaubt 3D-Aufnahmen von Personen und Gegenständen, die sich anschließend, Hardware vorausgesetzt, als 3D-Modell ausdrucken lassen.

Fazit: der Hosentaschenschmeichler

"Klein, aber oho" wäre eine prima Überschrift geworden, würde ich Werbetexte tippen. Zum Glück kann ich mir solche Floskeln aber sparen. Tatsache ist aber: Das XZ1 Compact ist ein wirklich gutes Smartphone, das bis auf wenige Schnitzer überzeugt. Klar, HD ist beileibe keine hohe Display-Auflösung, gemessen am Standard dann aber irgendwie doch. Fernab davon überwiegen die positiven Eindrücke: Die hosentaschenfreundliche Größe ist einer davon. Oder dass es sich problemlos mit einer Hand steuern lässt – welches Smartphone kann das heute noch von sich behaupten?! Der Fingerabdrucksensor im Powerbutton und die sauber klingenden Stereolautsprecher finden sich auch beim großen Modell und haben dort bereits für Haben auf dem Punktekonto gesorgt. Dass Sony letztlich nahezu alle Features des XZ1 auch in dem Compact untergebracht hat (ja, wasserdicht ist es auch), kann ich nur goutieren. So viel Power komprimiert in diesem kleinen Gehäuse? Das klingt ja fast nach einem Flaschengeist.

Wenn nur der Preis nicht wäre. 599 Euro beträgt die unverbindliche Preisempfehlung von Sony. Das sind zwar 100 Euro weniger als beim XZ1, aber immer noch viel Geld. Wer aber auf Full-HD und HDR verzichten kann und gezielt nach einem kompakten Telefon sucht, ist mit dem XZ1 Compact bestens beraten.

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