Teufel Real Blue NC im Test: Geräuschunterdrückung, die auch gut klingt

Die Teufel Real Blue NC sind nur nicht dank ihrer Flexibilität für unterwegs geeignet.
Die Teufel Real Blue NC sind nur nicht dank ihrer Flexibilität für unterwegs geeignet.(© 2017 CURVED)

Teufel nutzte die geballte Aufmerksamkeit der IFA, um drei neue Kopfhörer vorzustellen. Die technisch ausgefeiltesten, die Teufel Real Blue NC, unterstützen Bluetooth, eine aktive Geräuschunterdrückung und eine Touchoberfläche für Gestenerkennung. Das Ganze hat natürlich seinen Preis. Im Test klären wir, ob er gerechtfertigt ist.

Als Nachfolger des Mute BT (hier im Test) will Teufel den Real Blue NC positionieren. Dabei weichen die beiden Modelle nicht nur vom Design voneinander ab, sondern auch in der Preisstruktur. Denn die neuen Premium-Kopfhörer werden zum Verkaufsstart im Dezember 230 Euro kosten. Die Mute BT hingegen sind inzwischen für 150 Euro zu haben (ursprünglicher Preis: 200 Euro). Die Preisdifferenz will Teufel vor allem technisch begründet wissen. Wir haben uns die Real Blue NC deshalb mal auf den Kopf gesetzt und die Ohren geflutet.

Aktive Geräuschunterdrückung

Die Real Blue NC richten sich in erster Linie an Pendler und Vielfahrer, die unterwegs die Zeit produktiv nutzen wollen und deshalb Ruhe brauchen. Mit Hybrid Noise Cancellation, einer Weiterentwicklung von Active Noise Cancellation, wollen die Kopfhörer genau dafür sorgen. Statt nur ein Mikrofon in die Ohrmuschel zu integrieren, um die Außengeräusche zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern, kommen hier jeweils zwei Mikros pro Ohrmuschel zum Einsatz. Durch die unterschiedliche Platzierung – eines außerhalb der Muschel, eines innerhalb – entstehen Synergie-Effekte, die für bessere Geräuschunterdrückung sorgen sollen. Im Praxistest hat uns die durch Antischall erzeugte Abschirmung gut gefallen. Allerdings stößt auch diese in gewissen Situationen an ihre Grenzen. Noise Cancellation glänzt vor allem bei niedrigen Frequenzen, kurze laute oder schrille Geräusche isolieren die Gegenschallwellen hingegen nur bedingt. Unregelmäßiges Tastaturklappern stellen auch die Teufel vor Probleme, ebenso Stimmen und Gespräche. Selbige sind zwar nicht mehr im Wortlaut zu verstehen, aber akustisch immer noch wahrnehmbar. Gänzlich isolieren die Real Blue NC erst im Zusammenspiel mit entsprechend hoher Lautstärke.

Typisches NC-Problem

Weil die Over-Ear-Kopfhörer mit ihren geschlossenen und angenehm weichen Ohrpolstern ohnehin schon passiv gut abschirmen, bietet sich die aktive Geräuschunterdrückung hauptsächlich in Szenarien an, wo Töne von außen den puren Musikgenuss empfindlich stören könnten, etwa bei Straßenlärm, im Flugzeug oder dem Zug. Und auch nur da sollte NC gezielt eingeschaltet werden. Denn wie bei der aktiven Geräuschunterdrückung üblich kämpft auch Teufel mit einem typischem Problem: Der Antischall verursacht ein latentes, aber konstantes Brummen in den Kopfhörern. Bei normaler Lautstärke stellt das überhaupt kein Problem dar, weil das Geräusch komplett in den Hintergrund verschwindet. In einigermaßen ruhigen Umgebungen allerdings macht sich das Störgeräusch auch hinter der Musik bemerkt. Eindeutig hörbar wird es bei leisen Passagen und in den kurzen Pausen zwischen den Songs.

Klanglich erstklassig

Auf akustischer Ebene liefert der Real Blue NC genau das, was für einen Kopfhörer in der Preisklasse zu erwarten ist. Hinter der Membran der 40-mm-Treiber öffnet sich dem Hörer eine Bühne, auf der ein Orchester problemlos aufspielen kann. Die Soundästhetik setzt sich auch ohne ANC gut gegen die Außenwelt durch und selbst bei hoher Lautstärke ohne Detailverlust oder Verzerrung. Die tieffrequenten Töne weben einen wohl akzentuierten basslastigen Unterbau, auf dem die Mitten und Höhen nuanciert und sauber voneinander getrennt tanzen wie beim Wiener Opernball. Lediglich bei geringer Lautstärke verschmelzen NC-Brummen und Bass zu einem diffusen, dumpf klingenden Tiefton, der dem eigentlich Bass die Wucht nimmt. Überhaupt sollte NC deshalb erst bei einer Lautstärke jenseits der 30 Prozent kommen.

Gestensteuerung – zum Glück optional

Die Außenseite der rechten Ohrmuschel ist berührungsempfindlich. Mittels Wischgesten lassen sich Befehle ans Smartphone senden, um etwa die Lautstärke zu regulieren oder die Musik zu pausieren. Allerdings ist die Touch-Oberfläche derart überempfindlich, dass man meinen könnte, sie wäre kitzelig. Jede noch so kleine Berührung wird mit einem Befehl quittiert, den man vielleicht gar nicht ausführen wollte. Und falls doch, wird allzu oft die falsche Geste erkannt. Wische ich zum Beispiel von oben nach unten, um die Lautstärke zu senken, kommt es viel zu häufig vor, dass die Kopfhörer den nächsten Song starten. Wenigstens lässt sich die in der Theorie gut überlegte, in der Praxis aber wenig überzeugende Wildwischerei abschalten.

Fazit

Die Soundqualität überzeugt auf ganzer Linie, vor allem der spürbar dichte Bass bereitet Freude beim Hören. Die aktive Geräuschunterdrückung hat lediglich mit den technisch bedingten Problemen zu kämpfen. Zum Glück aber fällt das Brummen nur bei nahezu absoluter Stille oder sehr leiser Musikwiedergabe negativ auf. Darüber hinaus isolieren die Kopfhörer auch ohne NC bereits ziemlich effizient, sodass die aktive Geräuschunterdrückung wirklich nur bei konstantem Lärmpegel eingeschaltet werden muss. Das verlängert dann auch gleich noch die Laufzeit des fest verbauten Akkus. Denn nicht nur NC geht zulasten der Batterie, sondern auch die Verbindung per Bluetooth. Alternativ lassen sich die Real Blue NC auch ganz klassisch per beiliegendem Klinkenkabel benutzen.


Weitere Artikel zum Thema
Teufel Mute BT im Test: der Blue­tooth-Kopf­hö­rer mit Wech­sel-Akku
Jan Johannsen3
Her damit !39Teufel Mute BT: Active Noise Cancellation und austauschbarer Akku.
8.4
Die Bluetooth-Kopfhörer Teufel Mute BT sperren Umgebungsgeräusche nicht einfach aus, sondern filtern sie heraus. Der Test.
Die besten Blue­tooth-Spea­ker 2016 [mit Video]
Felix Disselhoff4
Naja !5Eine Auswahl der Bluetooth-Lautsprecher, die wir in 2016 getestet haben
Ob zu Weihnachten, für Euch selbst oder andere: Die besten Bluetooth-Lautsprecher, von unter 100 Euro bis 1000 Euro, für Euch im großen Vergleich.
Teufel Rocks­ter im Test: das Festi­val im Vorgar­ten
Felix Disselhoff5
Her damit !27Der Teufel Rockster in freier Wildbahn
Dieser Bluetooth-Lautsprecher ist sogar lauter als eine Harley-Davidson: Im Test überzeugt der Teufel Rockster aber vor allem mit ausgewogenem Klang.