Xiaomi Mi4c im Test: Plastik, günstig, gut

Das Xiaomi Mi4c ist ein Plastik-Bomber, aber ein attraktiver. Das Smartphone bleibt handlich, verfügt über flotte Hardware und schießt gute Fotos. Der ausführliche Test.

Endlich mal wieder fünf Zoll! Das war mein erster Gedanke, als ich das Xiaomi Mi4c in den Händen hielt. Die meisten Smartphones, die ich für CURVED teste, sind größer. Kaum ein Hersteller gibt sich noch mit fünf Zoll zufrieden, dabei sind die Geräte mit 5,5 Zoll großen Displays oft zu groß und unhandlich - also zumindest mir.

Der zweitschnellste Prozessor ist schnell genug

Anders beim Mi4c von Xiaomi. Das stört in der Hosentasche nicht und schmiegt sich geradezu in die Hand, auch das Kunststoffgehäuse fühlt sich angenehm an. Die Verarbeitung ist gut. Farblich könnt Ihr neben unserem weißen Testgerät auch zu Schwarz-Grau oder Pink greifen. In China gibt es das Smartphone auch noch in Gelb und Blau.

Eine wirkliche Neuerung bei der Bedienung des Mi4c ist Edge Tap. Dahinter verbergen sich Seitenränder die auf Bewegungen reagieren. Tippt Ihr zum Beispiel in der Kamera-App einmal an die Seite des Gehäuses, nimmt das Smartphone ein Foto auf. Doppeltes Tippen führt in jeder anderen App dazu, dass Ihr einen Schritt zurück geht. Das ist anfangs zwar ungewohnt und man muss sich an die genaue Dosierung des Drucks gewöhnen, aber mit der Zeit wird es zu einem immer alltäglichen Bedienelement.

Im Inneren des Xiaomi Mi4c befindet sich der Snapdragon 808. Qualcomms momentan zweitbester Prozessor hat ausreichend Power. Zusammen mit dem Grafikchip Adreno 418 und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher reicht es im Antutu-Benchmark für bis zu 46.000 Punkte - was etwa dem Snapdragon 801 von 2014 entspricht - und bei Geekbench 3 übertrumpft der aktuelle Chip das Vorjahrestopmodell mit 1264 Punkten im Single-Core-Test und 3242 Punkten im Multi-Core-Test.

Falls Ihr noch etwas mehr Leistung haben wollt, dann dürfte Euch die Version des Mi4c mit drei Gigabyte Arbeitsspeicher zufriedenstellen. Sie bringt aber - und das ist in meinen Augen noch wichtiger als der eine Gigabyte Arbeitsspeicher mehr - gleich 32 Gigabyte internen Speicher mit. Unser Testgerät hat nur 16 Gigabyte, davon stehen rund zehn Gigabyte für Eure Daten zur Verfügung. Die Entscheidung über die Speichergröße wird beim Mi4c umso wichtiger, da Xiaomi auf einen microSD-Kartenschacht verzichtet.

Eine lichtabhängige Kamera

Xiaomi stattet das Mi4c mit einer 13-Megapixel-Kamera aus, die entweder von Sony oder Samsung stammt. Ich konnte, ohne das Smartphone auseinander zu bauen, leider nicht herausfinden, von welchem Hersteller der Sensor im Testgerät stammt. Das verschweigt Xiaomi auch in den Metadaten sehr gut. Qualitativ sehen die Bilder tagsüber gut aus. Nicht nur die Farben wirken kräftig und natürlich, auch die Detailgenauigkeit ist ausreichend hoch. Einzig bei Bildern mit starken Kontrasten fällt auf, dass die eigentlich gut aufgehellten dunklen Bereiche pixeliger sind.

Nachts und bei Zimmerbeleuchtung nutzt die Linse zwar das vorhandene Licht gut aus, um ein erkennbares Bild aufzunehmen, aber der Preis dafür ist ein sehr starkes Bildrauschen. Auch die Selfies der Frontkamera mit einer Auflösung von fünf Megapixeln sehen nur auf dem kleinen Smartphone-Display gut aus. Auf größeren Bildschirmen fällt die fehlende Detailgenauigkeit sofort auf.

Die Bildqualität mag zwar nur bei der optimaler Beleuchtung gut sein, die Kamera-App von Xiaomi gefällt mir dafür dauerhaft. Den HDR-Modus und das Blitzlicht stellt Ihr über Schnelleinstellungen direkt von der Startseite ein. Mit einem Wisch nach links ruft Ihr elf verschiedene Filter auf - und ein Wisch nach rechts bringt Euch in das Menü der App. Hier gelangt Ihr nicht nur in die Einstellungen, sondern könnt auch verschiedene Aufnahmemodi, wie Tilt-Shift, Fish-Eye, Panorama und Selbstauslöser auswählen. Einen Nachtmodus sowie einen manuellen Modus, in dem Ihr Weißabgleich, Fokus, Belichtungszeit und ISO-Wert bestimmt, ist ebenfalls vorhanden.

Noch nicht ganz für Deutschland ausgelegt

Das Xiaomi Mi4c kommt ab Werk mit Android 5.1.1 und der MIUI-Nutzeroberfläche, von der Ihr per Update die Version 7 installieren könnt. Funktional unterscheidet sie sich kaum vom Stock-Android, sieht aber ganz anders aus und bringt mehrere vom Hersteller vorinstallierte Apps mit, die nicht alle hierzulande nutzbar sind. Hier liegt auch eines der Probleme des Mi4c. Xiaomi hat Deutschland noch nicht zum offiziellen Verkaufsziel gemacht. So können wir bei unserem Testgerät zwar den Play Store aus dem Mi App Store installieren und so die Google-Dienste und alle anderen Android-Apps nachladen, aber ein wenig China bleibt trotzdem erhalten. So enthält die Standard-Tastatur immer noch chinesische Schriftzeichen, die sich aber problemlos durch andere ersetzen lassen.

Bei unserem Testgerät kann ich nur zwischen Englisch, was mir persönlich völlig reicht, und zwei chinesischen Sprachen, die mir überhaupt nicht weiterhelfen, wählen. TradingShenzen, der Import-Händler, der uns das Xiaomi Mi4c zur Verfügung gestellt hat, versieht das Smartphone auf Wunsch mit einer anderen Oberfläche, in der Ihr Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und weitere auswählen könnt.

Darüberhinaus noch erwähnenswert finde ich, dass das Mi4c über einen USB-C-Anschluss verfügt und Platz für zwei SIM-Karten hat. Mit dem Infrarotsender in der Oberkante - neben den Kopfhöreranschluss - und der richtigen App wird das Smartphone darüber hinaus zu einer Universalfernbedienung.

Fazit: Gutes 5-Zoll-Smartphone zu einem vernünftigem Preis

Mit der Ausstattung unseres Testgeräts - 2GB RAM und 16 GB ROM - verkauft Xiaomi das Mi4c in China für umgerechnet rund 190 Euro. Die Variante mit 3 GB RAM und 32 GB ROM kostet in Asien umgerechnet etwa 220 Euro. Beim Importshop TradingShenzen, der uns das Testgerät freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, kostet die besser ausgestattete Version des Mi4c 267 Euro.

Klar, das Xiaomi Mi4c ist nicht das einzige "kompakte" Smartphone mit einem fünf Zoll großen Display, aber nach langer Zeit mal wieder eines, bei dem alles stimmig wirkt: Design, Material, Leistung und der Preis. Das Sony Xperia Z5 compact hat dagegen ein schlechtes Display und ist teuer, beim HTC One A9 muss man sich ständig Sprüche über das iPhone-ähnliche Design anhören und zahlt für das eigentlich nicht schlechte Android-Gerät einen viel zu hohen Preis.


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