ZTE Axon 9 Pro im Test: Günstiges Top Smartphone mit kleinen Schwächen

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ZTE Axon 9 Pro mit großem, HDR-fähigen Display und einem extra Prozessor für den Bildschirm.
ZTE Axon 9 Pro mit großem, HDR-fähigen Display und einem extra Prozessor für den Bildschirm.(© 2018 CURVED)

Totgesagte leben länger! ZTE hatte nach Handelsverbot in den USA das Geschäft quasi schon eingestellt, kehrt nach dessen Zurücknahme mit dem ZTE Axon 9 Pro eindrucksvoll zurück. Ausgestattet mit aktueller Top-Hardware und vielen Features eines Top-Smartphones schickt ZTE sein neues Flaggschiff ins Rennen. Ob das Konzept üppige Ausstattung für wenig Geld funktioniert, zeigt unser Test.

Was gleich zu Beginn auffällt: Der Bildschirm des ZTE Axon 9 Pro ist mit 6,21 Zoll verdammt groß - größer als Schlachtschiffe wie das P20 Pro von Huawei oder das Samsung Galaxy S9 Plus. Allerdings ist das Display nicht bis ganz bis zum Rand aufgezogen, so wie bei namhaften Flaggschiff-Smartphones. Tatsächlich haben hier sogar einige Kandidaten in der Mittelklasse mehr zu bieten, beispielsweise das Honor 8x, bei dem das Display 91 Prozent des Bildschirms ausfüllt.

In der Notch genannten Auskerbung bringt ZTE Frontkamera, Lautsprecher und Sensoren unter. Auf der Oberseite sind zudem zwei Löcher zu sehen, hinter denen Mikrofone sitzen, um gemeinsam mit dem Mikro am anderen Ende Surround- und Stereoaufnahmen zu realisieren. Das Seitenverhältnis von 18,7:9 ist etwas ungewöhnlich und führt zu einer Auflösung von 2248 x 1080 Pixeln. Das sorgt für ein richtig scharfes Bild. Der Clou des Bildschirms ist allerdings "Axon Vision"

Ein eigener Prozessor für den Bildschirm

Als Axon Vision vermarktet der chinesische Hersteller eine Grafikoptimierungs-Technologie. Dahinter steckt ein extra Display-Prozessor. Dieser soll nicht nur die Farben des OLED-Displays verbessern, sondern berechnet außerdem Bewegungen in Echtzeit und kann sie so flüssiger darstellen. Das merkt man besonders bei der Wiedergabe von schnellen Bewegungen, beispielsweise in Sport-Clips. Zusätzlich unterstützt der Bildschirm HDR10, eine Technik, die für ein dynamisches Farbspektrum sorgt. Auch beim AMOLED-Panel gibt es nicht zu meckern: die Schwarzwerte sind bestechend und die Farben brillant. Der RGB-Sensor im Axon 9 Pro soll außerdem die Farbwiedergabe des Displays an die Lichtverhältnisse der Umgebung anpassen.

Das Gehäuse des ZTE Axon 9 Pro besteht aus Metall und Glas, was zu einer spiegelnden Rückseite führt, die Fingerabdrücke anzieht. Die könnte man aber zur Not sogar abwaschen, da das Smartphone nach IP68 wasserdicht ist. Die restliche Ausstattung ist Standard: Der Power-Button sitzt rechts unter der Lautstärke-Wippe, links der Hybrid-Schlitten für SIM-Karten und MicroSD. Der Fingerabdrucksensor ist mittig auf der Rückseite integriert, geladen wird über den USB-C-Anschluss am unteren Ende, daneben sitzt ein zweiter Lautsprecher.

Stereo-Lautsprecher und High-End-Prozessor

Die Stereo-Lautsprecher im 9 Pro klingen anständig, nicht mehr und nicht weniger. Die gemeinsame Nutzung des Lautsprechers am unteren Rand und des Ohrhörers sorgt zwar für Stereo-Sound, Bässe und Volumen darf man hier allerdings nicht erwarten. Auf einen Klinkenanschluss muss man beim ZTE Axon 9 Pro verzichten, ein USB-C-Kopfhörer und ein USB-C-Klinkenadapter werden aber mitgeliefert.

Im Inneren befindet sich mit dem Snapdragon 845 der aktuell schnellste Chipsatz von Qualcomm, der sich bereits in anderen Top-Smartphones bewährt hat. Ihm stehen sechs Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite und der interne Speicher ist mit 128 Gigabyte ordentlich groß. So zeigt sich das Axon 9 Pro ín Sachen Leistung tatsächlich auf High-End-Niveau. Die gängigen Apps für den täglichen Gebrauch stellen somit keine Herausforderung dar. Auch bei aktuellen Spielen wie PUBG und Fortnite kommt das Axon 9 Pro nicht ins Stottern.

Die Software hingegen wirkt etwas unfertig: Einige Übersetzungsfehler und die etwas unvorteilhafte Platzierung der Anzeige um die Notch herum wirken befremdlich.

Dualkamera hinten, üppige 20 Megapixel-Kamera vorne

Auf der Rückseite des Axon 9 Pro ist eine Dualkamera untergebracht, mit Auflösungen von zwölf und 20 Megapixeln. Als Nutzer kann man zwischen der Standard-Kamera und einer Weitwinkel-Linse mit 130-Grad-Blickwinkel wählen. Die 12-Megapixel-Kamera steuert die optische Bildstabilisierung für Videos und Langzeitbelichtung bei, aus den Informationen der Bilder beider Kameras errechnet die Kamerasoftware schließlich ein verbessertes Bild. Außerdem punktet die rückseitige Kamera mit künstlicher Intelligenz, soll heißen: Sie erkennt Szenen und fotografiert mit optimierten, vorkonfigurierten Einstellungen: Bei Sportszenen verfolgt sie Bewegungen, bei Porträts wird die eine optimierte Ausleuchtung im Stile von Studiobelichtungen simuliert.

Auch bei der 20-Megapixel-Frontkamera kommen Beauty-Filter für den perfekten Teint zum Einsatz. Zudem beherrscht sie auch den beliebten Bokeh-Effekt, um Bilder in scharfen Vorder- und unscharfen Hintergrund aufzusplitten und für Nachtaufnahmen gibt es einen Super Night-Modus, der die Lichter im Dunkeln manchmal ein bißchen zu sehr leuchten lässt. In sehr dunklen Umgebungen kommt auch das Axon ins Rauschen, macht ansonsten aber eine gute Figur. Auch Videos kann das ZTE Axon 9 Pro in Full-HD und in 4K-Auflösung aufnehmen, auch in Zeitlupe und im Zeitraffer.

Der Akku des ZTE Axon 9 Pro hat eine Kapazität von 4000 mAh und soll für einen ganzen Tag ausreichen. Geladen wird drahtlos per Qi-Ladegerät oder über den USB-C-Anschluss, den ZTE auch als Kopfhöreranschluss nutzt und so Dolby-Atmos-Effekte in eure Ohren bringt. Ohne Kopfhörer hinterließen die Stereo-Lautsprecher an dem lauten Messestand einen guten Eindruck. Als Betriebssystem ist Android 8.1 Oreo installiert. Zu einem möglichen Update auf Android 9 Pie äußerte sich ZTE noch nicht.

Fazit: Gut aber nicht perfekt

Das ZTE Axon 9 Pro bietet Top-Hardware zu einem günstigen Preis. Allerdings gibt es Geräte wie das Galaxy S9 Plus, die seit Erscheinen bereits im Preis gesunken sind und mit den 649 Euro des Axon mithalten können. Die Kamera ist überdurchschnittlich gut, aber nicht herausragend, das Display punktet mit brillanter Darstellung – auch bei Videos, dank HDR10. Dank des Premium-Prozessors sind auch grafisch anspruchsvolle Spiele kein Problem. Und auch der Sound ist besser als bei manch anderem Top-Smartphone. Alles in allem ein Paket für diejenigen, die nicht bereit sind 800 oder 900 Euro für ein Smartphone hinzulegen aber Wert legen auf ein Telefon, das über dem Durchschnitt angesiedelt ist. Zum ganz großen Wurf allerdings fehlen dem Axon 9 Pro noch noch ein paar entscheidende Millimeter.

Preis und Verfügbarkeit

Das ZTE Axon 9 Pro ist bereits in Deutschland erhältlich. Der Preis von 649 Euro liegt zwar noch über dem des OnePlus 6T, unterbietet bei der unverbindlichen Preisempfehlung aber alle anderen Top-Smartphones mit ähnlicher Ausstattung.

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