Amazon Fire TV Stick vs. Chromecast: Das TV-Stick-Duell

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Amazon Fire TV Stick vs. Google Chromecast: Wer macht den Fernseher smarter?
Amazon Fire TV Stick vs. Google Chromecast: Wer macht den Fernseher smarter?(© 2015 Amazon, CURVED Montage)

Amazon hat den Verkauf seines Fire TV Stick in Deutschland gestartet - eine Konkurrenz zum bisherigen Top-Seller im Streaming-Segment: Googles Chromecast. Welcher TV-Stick kann mehr? CURVED erklärt die Unterschiede. 

Das Grundprinzip vom Amazon Fire TV Stick und Google Chromecast ist identisch: Die Sticks kommen in den HDMI-Anschluss eines Fernsehers oder Monitors, werden über ein USB-Kabel mit Strom versorgt und per WLAN mit dem Internet verbunden. Von dort rufen sie Inhalte unterschiedlicher Art als Stream ab und zeigen sie auf dem Fernseher oder Bildschirm an. Einen internen Speicher für Videos, Musik oder Fotos haben sie nicht, dafür verwandeln sie fast jeden Monitor in einen Smart TV und eignen sich so zum Beispiel auch fürs Reisegepäck.

Verdoppelte Ausstattung

Der Fire TV Stick ist neu. Da ist es nur eine logische Entwicklung, dass der Dongle in Sachen Hardware und Leistung mehr zu bieten hat als der Chromecast. Der Streaming-Stick von Amazon verfügt über einen Dual-Core-Prozessor, einen Gigabyte Arbeitsspeicher und einen acht Gigabyte großen internen Speicher für Apps und Spiele. Google stattet seinen TV-Stick dagegen nur mit einem Single-Core-Chip und 512 Megabyte Arbeitsspeicher aus. Sein zwei Gigabyte großer Speicher ist nur als Zwischenspeicher und nicht als dauerhafte Ablage für Daten vorgesehen - von der Firmware einmal abgesehen. Wer mit dem WLAN-Empfang Probleme hat, dürfte sich darüber freuen, dass Amazon im Fire TV Stick zwei Antennen verbaut, die die Signale des drahtlosen Netzwerkes empfangen. Beim Chromecast muss eine Antenne dafür ausreichen.

Bei der Hardware-Ausstattung hat der Fire TV Stick eindeutig die Nase vorn. Allerdings gibt es bei den Streaming-Sticks noch mehr Merkmale, die für die Wahl eines Modells wesentlich relevanter sein sollten als Arbeitsspeicher und Prozessor. Und deswegen werfen wir einmal einen Blick auf das Angebot an Inhalten und das Ökosystem.

Filme, Serien, Musik, Apps, Spiele und vieles mehr

Mit dem Fire TV Stick habt Ihr unter anderem Zugriff auf die Inhalte von Amazon Instant Video und Amazon Music sowie derzeit rund 130 Spiele. Zudem könnt Ihr Fotos und Videos von Eurem Smartphone und Tablet auf den großen Bildschirm übertragen und Apps installieren, die Euch weitere Inhalte auf den Fernseher bringen. Zur Auswahl stehen unter anderem die Online-Angebote wie Netflix, Youtube, Vevo, Mubi, Spotify, Zattoo, TuneIn, Laola1.tv, TED oder Plex sowie Inhalte von Fernsehsendern wie ARD, ZDF, Arte, Sport 1, Servus TV und Red Bull TV, Bild und Spiegel Online.

Der Chromecast tauscht das Musik- und Video-Angebot von Amazon gegen Play Video und Play Music von Google aus, zeigt auch Videos und Fotos von Euren Smartphones und Tablets an und spiegelt zudem noch Tabs aus dem Chromecast-Browser von Eurem Computer. Darüber hinaus ist die Auswahl an Apps, die Inhalte über den Chromecast abspielen können, deutlich größer. Amazon reguliert das Ökosystem des Fire TV Stick deutlich strenger als Google, und so lassen sich im Play Store zahlreiche Android-Apps finden, die den Streaming-Stick um Funktionen erweitern und zusätzliche Inhalte für ihn bereitstellen. Mit dem Stick von Google könnt Ihr zum Beispiel nicht nur Inhalte von Netflix, sondern auch von Watchever, Maxdome oder Twitch abspielen - um nur die großen Namen zu nennen. Mehr noch: Über die Medien-App "Infuse" lassen sich in einer Beta beliebige Medieninhalte via GoogleCast-Standard vom iPad auf den Chromecast übertragen. Insgesamt stehen bereits mehrere hundert Programme zur Auswahl. Amazon hat nur wenige Anwendungen exklusiv im Angebot.

Besonderheiten und Systemerweiterungen

Im Lieferumfang des Fire TV Stick befindet sich eine eigene Fernbedienung für das Streaming-Device. Das klingt im ersten Moment zwar nett, aber eigentlich will ich nicht noch eine weitere Fernbedienung im Wohnzimmer liegen haben. Zum Glück muss ich sie nicht verwenden, da ich sie in Form einer App auf Android- und iOS-Geräten installieren kann.

Der Chromecast versteht zwar inzwischen einige wenigen Fragen, die Ihr ihm über Google Now stellt, doch verfügt der Fire TV Stick über eine umfangreiche Sprachsuche. Mit ihrer Hilfe braucht Ihr nicht händisch im Angebot von Amazon nach Filmen oder Serien zu suchen, sondern nennt bei aktivierter Sprachsuche in der Fire TV Fernbedienungs-App den gewünschten Namen. Wollt Ihr die Sprachsuche mit der Fernbedienung durchführen, so müsst Ihr noch einmal 29,99 Euro in die Sprachfernbedienung von Amazon investieren.

Wer mit dem Fire TV Stick viele Spiele zockt, könnte sich zudem die Steuerung mit dem Fire-Gamecontroller erleichtern. Zumindest bei den rund 130 Titeln, die das 39,99 Euro teure Gamepad als Eingabegerät erkennen.

Sonderkonditionen für Prime-Mitglieder

Beim regulären Preis liegen der Fire TV Stick und der Chromecast nahe beinander. Amazon verlangt 39 Euro, Google will 35 Euro für seinen TV-Stick haben. Wer Amazon schon 49 Euro im Jahr für die Prime-Mitgliedschaft zahlt, bekommt den Stick in den ersten Tagen für 19 Euro. Zudem hat sich der Online-Händler für die ersten zwei Verkaufstage eine Sonderaktion ausgedacht. Wer eine neue kostenpflichtige Jahresmitgliedschaft bei Prime abschließt, bekommt vom Verkaufspreis zwölf Euro zurückerstattet und zahlt nur sieben Euro für den Fire TV Stick. Dieses Angebot gilt allerdings nur am 24. und 25. März 2015.

Fazit: Keine Gefahr für den Platzhirsch

Obwohl ich Amazon jährlich 49 Euro für das Prime-Angebot zahle, würde ich meinen Chromecast nicht durch einen Fire TV Stick ersetzen wollen. Dazu bietet mir der Stick von Amazon trotz besserer Hardware und der Sprachsuche zu wenig Mehrwert. Zudem spielt der Fire TV Stick seine Stärken nur in der Amazon-Welt aus, in der ich mich eingeengt fühle. So lässt sich zum Beispiel nur das Display von einem Fire Phone oder den Fire Tablets auf den Fernseher duplizieren. Beim Chromecast geht das mit nahezu allen Android-Geräten.

Fühlt Ihr Euch hingegen in der Fire-Welt von Amazon zuhause, führt kein Weg am Fire TV Stick vorbei - außer Ihr habt bereits ein Fire TV unterm Fernseher stehen.

Wer noch keinen Streaming-Stick für seinen Fernseher hat, dem würde ich ebenfalls den Chromecast empfehlen. Er mag zwar etwas schwacher auf der Brust sein, spielt aber Inhalte aus deutlich mehr Quellen ab. Nur bei den Spielen hat der Fire TV Stick die Nase vorn, aber Google holt mit großen Schritten auf und nutzt einfach das Smartphone als Controller.


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