Apple: Dank iPhone 6 so erfolgreich wie nie zuvor?

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Glamouröser Apple Store in Aix-en-Provence:  Der iKonzern steht vor den  wichtigsten Wochen der Tim Cook-Ära
Glamouröser Apple Store in Aix-en-Provence: Der iKonzern steht vor den wichtigsten Wochen der Tim Cook-Ära(© 2014 CURVED/Nils Jacobsen)

Zahlen lügen bekanntlich nie. Bis auf wenige Dollar hat sich Apple an die Höchstkurse von 2012 wieder vorgearbeitet: Der Kultkonzern ist fast so wertvoll wie nie – und hat in den kommenden Monaten mit iPhone 6 und iWatch starke Trümpfe in der Hinterhand. Steht Apple vor einem neuen goldenen Zeitalter?

99,44 Dollar: 56 Cent, ganze 56 Cent fehlten vergangene Woche in der Spitze bis zum Erreichen einer magischen Schwelle, die vor einem Jahr sowohl unter Analysten als auch Apple-Fans ziemlich undenkbar schien – die 100 Dollar-Marke, die vor dem Aktiensplit im Verhältnis 1:7 noch 700 Dollar entsprochen hatte.

Bis auf 385 Dollar bzw. splitbereinigt 55 Dollar war die Apple-Aktie Ende Juni vergangenen Jahres  abgetaucht  – 13 Monate später notierte sie in der Spitze 80 Prozent höher, ehe leichte Gewinnmitnahmen einsetzten und das Papier auf 95 Dollar drückten.

Zumindest für die Wall Street ist Apple damit fast wieder in der Hochform der Glanzzeit vor dem iPhone 5-Launch, als der Kultkonzern aus Cupertino, beflügelt vom Hyperwachstum der späten Steve Jobs-Ära, auch in den ersten Quartalen unter dem neuen CEO Tim Cook in einer ganz anderen Liga spielte. Immer neue Allzeithochs, wertvollster Konzern aller Zeiten, wegweisender Prozess-Gewinn gegen Samsung – das waren die Schlagzeilen im August vor zwei Jahren.

Apple performt 2014 wieder besser als 2013

Beim Blick auf Apples bisheriges Geschäfts- und Produktjahr überrascht die Börsenbegeisterung durchaus etwas. Neue Produkte in den ersten sieben Monaten 2014: Fehlanzeige. Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr: Ein erfreuliches erstes Quartal im Zeitraum Januar bis März (das zweite von Apples Geschäftsjahr) und ein solides zweites (drittes) von April bis Juni, in dem der Umsatz um 6 Prozent und die Gewinne um 12 Prozent zulegten, während der Gewinn je Aktie, forciert durch die Aktienrückkäufe, um 20 Prozent anzog.

Eine durch und durch respektable Performance – aber auch genug, um die fast höchsten Notierungen aller Zeiten an der Börse zu rechtfertigen? Auch im laufenden Quartal sind keine großen Ausreißer nach oben zu erwarten, die auch im Entferntesten an das explosive Wachstum der Steve Jobs-Ära erinnern würden  – das legt schon der konzerneigene Ausblick nahe, der Umsätze in Höhe von 37 bis 40 Milliarden Dollar prognostiziert, nachdem zwischen Juli und September im vergangenen Jahr 37,5 Milliarden erlöst und 7,5 Milliarden Dollar bzw. 1,18 Dollar je Aktie eingefahren worden waren.

Was ist 2014 anders als 2012?

Die Analystenzunft rechnet im September entsprechend mit einem Gewinn je Aktie von 1,29 Dollar, was einem moderaten Gewinnanstieg von 10 Prozent entspräche  und Apple damit einen Jahresgewinn von 6,30 Dollar je Anteilsschein bescheren – und das damit fast auf den Cent genau den Rekordgewinn von 2012 einstellen würde.  Insofern scheint der Marsch in Richtung alter, neuer Höchstkurse, die historisch bei exakt 100,75 Dollar liegen, auf den ersten Blick durchaus gerechtfertigt.

Doch es gibt Unterschiede, die Apple-Skeptiker gerne für sich beanspruchen: Die Gewinnmarge dürfte mit 38 Prozent geringer ausfallen als in den ersten drei Geschäftsjahren des Jahrzehnts, als Apple Bruttogewinne in Höhe 39,4 %, 40,5 % und sogar 43,9 % vom Umsatz (2012) eingefahren hatte.

In anderen Worten: Apple muss mehr umsetzen – auf Jahressicht sind es allein 24 Milliarden Dollar mehr als 2012! –, um unter dem Strich dasselbe zu verdienen, was dennoch nur auf Basis des Gewinns pro Aktie dank der forcierten Aktienrückkäufe gelingt. Netto jedoch dürfte Apple mit einem erwarteten Jahresgewinn von knapp 39 Milliarden Dollar in etwa drei Milliarden Dollar hinter den Fabelwerten von 2012 zurückbleiben, als exakt 41,73 Milliarden Dollar in den Geldspeichern von Cupertino hängen blieben.

Wall Street beginnt iPhone 6-Launch einzupreisen

Von der Spitzenperformance der Glanzzeit, die mit dem iPhone 5-Launch zu Ende ging, ist Apple trotz des erkennbaren Turnarounds also doch etwas entfernt. Woher kommt da der Optimismus der Wall Street, der die Apple-Aktie in der Spitze seit Jahresbeginn um immerhin 20 Prozent nach oben beförderte und den Börsenwert des iKonzerns damit um happige 115 Milliarden Dollar verteuerte?

Die Börse denkt – wie immer – offenbar schon weiter: nämlich an die Mutter aller Upgrade-Zyklen – den iPhone 6-Launch.  „Ich glaube, dass der Launch schon im Aktienkurs reflektiert wird“, erklärt Business Insider-Gründer und  -Chefredakteur Henry Blodget, der die Aktie auf den Tiefs im vergangenen Frühjahr um 56 Dollar (vormals: 391 Dollar) einsammelte. Blodget gibt zu, „gierig zu sein, ich glaube allerdings, dass der Upgrade-Zyklus monströs und die Euphorie noch größer wird, je näher der Launch-Tag rückt“.

iPhone 6-Release: Die größte Wette der Wirtschaftsgeschichte

Entsprechend bleibt Blodget investiert. Mit gutem Grund: Die Absatzentwicklung der nur rudimentären Updates iPhone 5s und 5c in den vergangenen zwölf Monaten war eher solide denn spektakulär.

51 Millionen Stück setzte Apple im abgelaufenen Weihnachtsquartal ab, gefolgt von knapp 44 Millionen im Dreimonatszeitraum zum Jahresstart und nun 35 Millionen Einheiten im Juni-Quartal – ein Wert, der je nach Launchzeitpunkt des iPhone 6 in der letzten Septemberwoche ebenfalls im laufenden Quartal erreicht werden könnte. Macht 165 Millionen verkaufte iPhones im Geschäftsjahr 2014 nach 150 Millionen abgesetzten Apple-Smartphones im Jahr 2013 und 125 Millionen Einheiten im Jahr zuvor.

Deutlich wird: Das iPhone 5 konnte die hochfliegenden Wachstumshoffnungen kaum erfüllen, mit iPhone 5s und iPhone 5c konnte Apple aber den befürchteten Absatzrückgang mit einem Wachstum von mutmaßlich von 10 Prozent verhindern. Mit dem iPhone 6 sollte Apple nun den Schalter umlegen und für das größte Wachstum seit 2012 sorgen, um auch die Kursniveaus an der Wall Street zu rechtfertigen.

200 Millionen verkaufte iPhones im nächsten Jahr nicht unrealistisch

Was muss Apple nun leisten, um die hohen Erwartungen vor dem iPhone 6-Launch zu erfüllen? Steigert sich das iPhone-Wachstum um 10 Prozent, setzt Cupertino im nächsten Geschäftsjahr, das schon im Oktober beginnt, 180 bis 185 Millionen Einheiten ab – sind es 15 Prozent mehr, würde mehr als 190 Millionen Geräten über die Ladentische gehen. Um die magische Verkaufsmarke von 200 Millionen verkauften iPhones zu knacken, müsste Apple seinen Absatz um immerhin rund 20 Prozent steigern, was nach Schätzungen von Katy Huberty durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Wie würde sich ein solcher Kaufrausch nun auf die Apple-Bilanz auswirken? Das iPhone trug in der jüngsten Quartalsbilanz mehr als 50 Prozent zum Umsatz und mutmaßlich 60 bis 70 Prozent zu den Gewinnen bei, obwohl der Durchschnittsverkaufspreis von 592 auf 552 Dollar auf den tiefsten Wert seit Einführung des Kultsmartphones fiel. Dank des hochpreisigen iPhone 6, das in der Phablet-Variante noch mal teurer werden könnte, dürfte der Durchschnittsverkaufspreis indes wieder in Regionen oberhalb von 600 Dollar anziehen.

iPhone 6- und iWatch-Launchs könnten Zweifel am Ende des Wachstums ausräumen

Bei 200 Millionen verkauften Geräten entspreche das alleine einem Umsatz-Potenzial von 120 Milliarden Dollar. Entwickeln sich Apples andere Geschäfte – das iPad, der Mac, die iTunes Division – nur auf dem Niveau des Vorjahres und kommt noch ein erfolgreicher iWatch-Launch hinzu, erscheint ein Sprung über die 200 Milliarden Dollar-Umsatz-Marke selbst bei einer Absatzsteigerung des iPhone von 12 bis 15 Prozent denkbar.

Rekordgewinne oberhalb des 2012er-Niveaus wären dann auch netto die Folge. Dieses Szenario beginnt die Wall Street mit Gewinnschätzungen für 2015, die 10 Prozent über 2014 liegen, nun einzupreisen. Je größer die ersten Verkaufssteigerungen nach dem Launch im späten September und vor allem dem Weihnachtsquartal gegenüber iPhone 5s und 5c, desto größer die Fantasie, die die Börse der Apple-Aktie zubilligen könnte.

Oder auf die Ausgangsfrage reduziert: Gelingt Apple ein erfolgreicher iPhone 6- und dann auch noch iWatch-Launch, steht Cupertino noch besser da als in den Monaten nach dem Tod von Steve Jobs – die Sorgen vor dem Ende der Honig-und-Nektar-Periode wären zumindest in diesem Upgrade-Zyklus gänzlich verflogen, Apple 2014/15 wäre das stärkste Imperium der Wirtschaftsgeschichte. Die Erwartungen vor der Mutter aller Launches könnten größer nicht sein...


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