IFA 2014: Ein Messe voller Highlights und Flops

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IFA 2014
IFA 2014(© 2014 CURVED)

Das war's, die IFA ist für dieses Jahr vorbei. Ein guter Zeitpunkt, einmal auf die vergangene Messe-Woche zurückzublicken. Wie war die IFA? Gab es Höhepunkte? Was waren die Flops? 

Die Frage überraschte mich. "Was für eine Messe findet denn gerade statt?", wollte der Taxifahrer wissen. Als ich ihm "IFA" sagte und noch erklären musste, was es dort zu sehen gibt, antwortete er lapidar: "Hm, interessiert mich nicht, ich habe schon ein Smartphone." Natürlich werden auf der IFA nicht nur Smartphones gezeigt, seit ein paar Jahren finden dort neben elektronischen Gadgets auch Staubsauger, Küchenmaschinen und Hygieneartikel ihren Platz. Doch wenn man sich die Plakate anschaut, die in Berlin auf die IFA hinweisen, könnte man denken, dass es sich um eine Smartphone-Veranstaltung handelt. Sofern man diese Plakate nicht einfach nur für eine Handy-Werbung hält.

Tatsächlich ist die "Grüne Woche", die jedes Jahr im Januar stattfindet, für viele Berliner viel wichtiger, als die traditionsreiche Internationale Funkausstellung. Klar, die Zeiten, dass Günther Jauch und Thomas Gottschalk live auf der Messe "Die 2 im Zweiten" moderierten oder der damalige Bundeskanzler Willy Brandt 1967 das Farbfernsehen einschaltete, sind längst vorbei. Dennoch wäre es falsch, den Wert der Messe zu unterschätzen. Sie ist immerhin die wichtigste Messe für Consumer-Elektronik in Europa, viele Konzerne kommen mit Weltpremieren nach Berlin und präsentieren diese in einer der 28 Hallen. Auch in diesem Jahr gab es viel zu bestaunen – und damit sind nicht nur die Open-Air-Konzerte von Milow und Max Herre gemeint.

Fernsehen mit dem gewissen Extra

Wie schon in den vergangenen Jahren waren Fernseher ein großes Thema. Doch TV-Herstellern fällt es immer schwerer, neue Geräte an den Mann zu bringen. In den meisten Haushalten steht mindestens ein Flachbildschirm, die meisten zeigen das Bild bereits in High Definition an. Schon vor ein paar Jahren versuchten die Hersteller mit dem Trendbegriff "3D" Kasse zu machen, doch die dritte Dimension entpuppte sich als Rohrkrepierer. Kein Wunder, denn wer will schon die ganze Zeit mit einer Brille auf der Nase vor dem Bildschirm sitzen.

Neuere Geräte werben schon gar nicht mehr mit 3D, sondern mit einem anderen Kürzel: "4K" ist die neue Zauberformel. Einige nennen dieses extrem hochauflösende Format auch Ultra-HD. Aber wie schon 3D kauft man mit dem System einen Fernseher ohne Inhalte, denn es gibt noch kaum TV-Sender oder Datenträger, die überhaupt Filme und Sendungen in diesem Format anbieten. Es ist eine Wette auf die Zukunft – und das, obwohl die Lebenszeit eines durchschnittlichen Flachbildschirms gerade einmal bei rund sieben Jahren liegt.

Wir freuen uns natürlich über ein zweites Zauberwort im TV-Segment: "Curved" liegt bei den Herstellern ebenso im Trend. Es gehört offenbar für alle großen Anbieter zum guten Ton, mindestens einen Fernseher mit leicht gebogenen Bildschirm anzubieten. Das soll ein räumliches Sehvergnügen ermöglichen, ganz ohne Brille.

Der Sound der IFA

Spätestens nach dem Rundgang durch die Hallen mit TV-Geräten war allerdings klar, warum sich immer mehr Unternehmen entweder von diesem Segment verabschiedeten (Sony) oder die Markenrechte an chinesische Konzerne verkauften (Philips). Es gibt kaum noch Luft für echte Innovationen, die man den Käufern begreiflich machen kann. Dann schon lieber auf Sound setzen. Denn offenbar erlebte Musik eine Renaissance auf der IFA. Fast überall hingen Kopfhörer und standen mobile Boxen auf den Ausstellertischen oder wurden Multiroom-Soundsyteme angebracht.

Wer dachte, MP3 und Streaming wären der Schwanengesang auf Hifi-Technik, wurde in den Messehallen eines besseren belehrt – auch wenn nicht jede Lösung sofort überzeugte. So stellte Philips beispielsweise einen Lautsprecher vor, der nur mit Spotify funktioniert: Wird ein Smartphone per Funk mit dem Gerät für rund 100 Euro verbunden, spielt es die gewünschte Musik des Streamingdienstes ab. Aber eigene MP3-Dateien? Pustekuchen.

Smart Home war auf der IFA auch (noch) keine Lösung. Zwar soll künftig das private Reich komplett per Smartphone oder Tablet gesteuert werden – aber noch wirkte vieles, was die Hersteller zeigten, wie Machbarkeitsstudien ohne Alltagstauglichkeit. Das Unternehmen Digitalstrom zeigte wie schon auf der IFA-Preview in Hamburg Bausteine, mit dem sich die vorhandenen Geräte mit einem Server verbinden lassen und man sich so viele Neuanschaffungen sparen kann. Nur: Sparen wird man mit der Lösung dennoch nicht: Durch den Betrieb von smarter Technik erkennt man zwar die größten Stromverbraucher, aber allein die Nutzung treibt den Stromzähler nach oben. Wer sparen will muss noch ausschalten – und das ist nicht wirklich smart.

Kompliziert statt smart

In vielen Fällen ist die Nutzung von smarter Technologie noch viel zu kompliziert: Man muss Software installieren, die gewünschten Szenarien programmieren und natürlich auch überwachen. Wenn man sich vor Augen führt, dass die Deutschen App- und Update-Muffel sind, kann man sich vorstellen, wie gut eine Einrichtung eines smarten Zuhauses wirklich funktioniert. Und es ist irgendwie verrückt, dass man auf der IFA zwar Haushaltstechnik präsentierte, diese aber in den meisten Fällen im Souterrain der Messehallen versteckte. Nur die großen Allesanbieter wie Samsung, Sony oder Philips profitierten davon, dass sie komplette Wohnräume inszenieren konnten, um so Möglichkeiten der Verbindung von Alltagstechnologie und Smartphones hervorzuheben.

Dabei liegt genau darin das größte Potenzial unserer Zukunft: Wie lässt sich sparsam und effektiv mit Ressourcen wie Strom und Wasser umgehen? Wie überwachen wir unseren Verbrauch? Hier verschenkte die IFA ihre größte Chance, eine echte Vorreiter-Messe zu sein. Aber vielleicht wird sich das schon im nächsten Jahr ändern, wenn die Apple Watch an den Handgelenken der Entscheider sitzt. Diese smarte Uhr soll schließlich wie iPod und iPhone zuvor eine Revolution sein und als Bindeglied zwischen Smartphone, Gesundheitstechnik und Haushaltsgeräten dienen. Davon würden dann auch die Hersteller anderer Wearables profitieren. Denn auch wenn fast in jeder IFA-Halle intelligente Armbänder, Uhren und Anstecker ausgestellt wurden, scheint kaum mehr als eine reine Spielerei zu sein. Es sei denn, sie dienen als Sport-Equipment, um beim Laufen den Puls zu messen und die Schritte zu zählen.

Doch meistens sehen die smarten Gadgets so aus, als ob Techniker versuchen Modeschmuck zu kreieren. Sie sind oft so groß, als würde man sich ein Smartphone ums Handgelenk binden. Und wenn gar keine Ideen vorhanden sind, dann hilft natürlich immer wieder Swarovski aus, um aus normalen Armbänder Bling-Bling-Objekte zu machen.

Die Zukunft liegt in der Hand – oder hängt am Handgelenk

Zum Glück gibt es die Smartphone-Hersteller. Ein wahres Feuerwerk an neuen Geräten haben die großen Konzerne mitgebracht: Während Samsung einem Display eine Ecke spendierte, betrieb Sony reine Produktpflege. Ein Highlight ist sicher das Moto X von Motorola, dessen Rückteil auf Wunsch aus Bambus-Holz oder Leder besteht. Dumm nur, dass die Smartphones nicht auf der Messe ausgestellt, sondern lediglich der Presse in einem Hotel in der City präsentiert wurden.

Und auch Nokia, sorry, Microsoft war nicht auf der Messe, sondern stellte seine neuen Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones ein paar Kilometer vom IFA-Gelände vor. So gehörte die Messe-Bühne vor allem vielen Smartphone-Herstellern, deren Namen vielen kaum geläufig sind. ZTE, Huawai und Hisense sind da noch die geläufigsten. Aber Wiko? Das französische Unternehmen verkauft erst seit rund einem Jahr in Deutschland Smartphones – und ist bei günstigen Smartphones nach eigenen Angaben bereits auf Platz vier. Schaut man sich die Geräte genauer an, wundert das nicht: Sie sehen super aus und haben eine tolle Ausstattung – und erinnern optisch und in der Farbwahl sehr den Smartphones etablierter Hersteller. Sprechen wir einfach mal davon, dass sich Wiko inspirieren ließ.

So wie viele andere Unternehmen auch, die auf der IFA präsentierten – vor allem Konzerne aus dem asiatischen Raum. Immer mehr Hersteller ohne großen Namen zeigen großartige Technik, allerdings zu einem deutlich günstigeren Preis, als die namhafte Konkurrenz. Alleine dafür lohnte es sich, durch die Messehallen zu schlendern. Nirgendwo sonst hat man die Chance, so viele Unbekannte mit spannenden Produkten zu entdecken. Allerdings wird nicht jedes vorgestellte Gadget den Weg nach Deutschland finden – es sei denn, man bestellt es sich via Internet.

Und Apple? Der iPhone-Hersteller veranstaltet lieber eigene Veranstaltungen und war daher wieder einmal nicht auf der IFA – und doch überall präsent. Sogar ein ganzer Bereich, die iZone, wurde Produkten für Apple-Gadgets gewidmet. Hier gab es Hüllen, Kabel und Zubehör en Masse, um iPhone und iPads noch hübscher und besser zu machen.

Ein lohender Besuch

Insgesamt lohnte es sich, die IFA zu besuchen. Nicht nur wegen der vielen Smartphones und auch nicht, wegen der Chance, ein paar der vorgestellten Gadgets zu gewinnen oder ein paar andere Gimmicks mitzunehmen. Nirgendwo sonst kann man so einen guten Blick auf die nahe digitale Zukunft werfen. Auf Ideen und Konzepte, die unsere nächsten Jahre bestimmen werden. Nur sind es nicht mehr unbedingt die Traditionsunternehmen, die unsere Augen öffnen, sondern viel häufiger kleinere Firmen. Wer hat beispielsweise bis zur milliardenschweren Übernahme durch Google schon einmal von Nest gehört? In diesem Jahr hielt der Gründer des Smart-Home-Konzerns eine der IFA-Keynotes.

Auf der IFA machten sich viele vermeintlich kleine Unternehmen hübsch, auch für eine mögliche Übernahme. Aber vor allem für die vielen Händler, die dort die Bestellungen für die kommenden Monate aufgaben. Denn auch wenn die Messe ihre Tore für ganz normale Konsumenten öffnete: Die wichtigsten Gäste sind die Einkäufer der Warenhäuser, Online-Versender und Fachmärkte. Für sie ist die IFA jedes Mal auch eine Art Gradmesser dafür, was die Kunden zum Weihnachtsgeschäft kaufen wollen und sollen.

Es wäre allerdings schön, wenn im nächsten Jahr die Grenze zwischen Haushaltstechnik und Consumer-Electronic noch fließender werden würde – so wie wir es aus unserem Alltag kennen und so wie wir Technik wirklich einsetzen. Die künstliche Trennung macht keinen Sinn und für Besucher ist es noch schwerer, dass komplizierte Smart-Home-Konzept zu verstehen.

Unsere Highlights – unsere Flops

Wir waren für Euch vor Ort um haben für Euch ein umfangreiches Themenpaket geschnürt, damit Ihr die eine andere Technik besser verstehen könnt – und jeder von uns hat sein eigenes Highlight – oder seinen eigenen Flop entdeckt.

Felix

Highlight: Asus EeeBook X205 Flop: Amazon Fire TV

Das EeeBook wirkt wie die günstige kleine Schwester des Macbook Air!

Shu

Highlight: Carplay von Pioneer Flop: Samsung Note Edge

"Die Integration von Carplay ist bisher keinem Hersteller besser gelungen."

Amir

Highlight: Samsung Note Edge und Huawai Ascend Mate 7 Flop: Das Thema Smartwatch

"Samsung traut sich was!"

Gerd

Highlight: Playstation Remote und Motorola Moto X Flop: Smart Home

"PS4-Spiele direkt auf dem Smartphone – ohne Verzögerung. Wow!"

Jan

Highlight: Lenovo Tab S8 Flop: Amazon Fire TV

"Lenovo will jetzt auch den Tablet-Markt erobern. Mit dem Tab S8 könnte das gelingen."

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