Märchenstunde oder Wie wir das iPhone 6 lieben lernten

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Konzept-Design des iPhone 6
Konzept-Design des iPhone 6(© 2014 Youtube/SCAVidsHD)

Es war einmal ein iPhone 6, das lebte in einer Zeit, gar nicht so weit entfernt von unserer Gegenwart. Und um das iPhone 6 rankten sich vielen Mythen. Denn zu Gesicht hatte das Volk das Smartphone noch nicht bekommen.

"Spinnen die jetzt bei CURVED", werdet Ihr jetzt vielleicht denken. "Wollen die uns jetzt vielleicht Märchen erzählen?" Nein, natürlich wollen wir Euch keine Märchen erzählen, sondern Euch neben Analysen und Hintergrundstücken auch mit den aktuellsten News versorgen.

Dabei ist Euch auch bestimmt schon aufgefallen: Beinahe täglich gibt es News zum iPhone 6 - zu einem Produkt, das es noch gar nicht gibt. Das weder bestätigt ist, noch funktionstüchtig außerhalb der Apple-Labore in Cupertino gesichtet wurde. Kurzum: Zum iPhone 6 werden sich in der Techwelt gerade eine Menge Märchen erzählt.

Der perfekte Stoff für Mythenbildung

Tatsächlich verhält es sich beim iPhone ein wenig wie bei "Nessie", dem Monster aus Loch Ness. Wie bei “Nessie” berichten Fachmedien immer wieder von (unbestätigten) Sichtungen. Und - ob unbestätigt oder nicht - die Bilder gehen rasant um die Welt. Wir kriegen einfach nicht genug vom iPhone 6. Die Apple-Gemeinde, die Tech-Gemeinde, alle "glauben" an die Existenz eines Gerätes, von dem man nur eines weiß: Es kommt. Wann, wie und in welcher Form, dazu äußerte sich Apple vorab nie. Und liefert damit den perfekten Stoff für moderne Mythenbildung.

Wie doll diese ihre Blüten treiben kann, das hat nun eindrücklich der vermeintliche "Leak" zu kommenden iPhone-Kopfhörern mit integrierten Biosensoren gezeigt. Denn die Story war komplett erfunden. Von einem Internetnutzer auf der US-Plattform Secret. Der hatte nach einer durchzechten Partynacht einfach ein wenig herumfantasiert und sich die Story von Earpods mit geobasierten Sensoren beim iPhone 6 zusammenfantasiert. Wenig später war die Geschichte dank hunderter Blogeinträge und tausender Tweets weltweit im Umlauf.

Der anonyme Nutzer hatte nach eigenen Angaben noch nicht einmal geplant, die Internetgemeinde und Medien zu foppen, sondern hatte die Nachricht nur mit befreundeten Kontakten auf Secret geteilt - einer Plattform, die für ihre Anonymität bekannt ist.

Geniales Marketing oder ungewollte Verschwörungstheorien?

Und so wird schon lange vor der offiziellen Produktvorstellung über das Für und Wider von Features kommender iPhones spekuliert - ohne dass gesichert ist, dass diese Funktionen überhaupt wirklich zum Einsatz kommen würden.  Nutzer strafen Apple für Komponenten und vermeintliche Produktneuheiten ab, die nichts mit der Realität zu tun haben. Doch daran trägt der Konzern aus Cupertino eine Mitschuld - wohl auch gewollt.

Denn ein hoher Bedarf an Informationen gepaart mit keinerlei verfügbaren Informationen von offizieller Stelle: Das war schon immer der perfekte Nährboden für Verschwörungstheorien und Falschinformationen. Apple scheint das in Kauf zu nehmen. Verständlich, denn so ist das iPhone 6 schon lange im Gespräch, bevor wir es überhaupt kaufen können. Das ist unbezahltes Empfehlungsmarketing, für das der Konzern keinen Cent bezahlen muss. Der Effekt lässt sich an den Google-Ergebnissen ganz gut ablesen: 2,3 Milliarden Einträge zum iPhone 6, 199 Millionen zum Galaxy S5!

Sollte man also künftig nicht mehr über das iPhone 6 berichten, solange es keine bestätigten Informationen gibt? Wir finden: Nein. Schließlich haben die vergangenen Leaks zum iPhone 5s gezeigt, dass Apple auch längst Opfer seines eigenen Erfolges geworden ist. Denn weil die Geräte so beliebt sind, muss der Konzern mit großem Vorlauf und in großer Stückzahl in Fernost produzieren. Weil die Arbeitsbedingungen und Gehälter bei den chinesischen Zuliefern nicht gerade rosig sind, haben Blogger gute Chancen, Prototypen, Testmuster und Bauteile schon lange vor dem offiziellen Produktlaunch gegen Bares in die Hände zu bekommen.

Detailliertere Leaks werden folgen

Und wie richtig man damit liegen kann, das hat in den vergangenen Monaten immer wieder der australische Blogger Sonny Dickson unter Beweis gestellt. Im Alleingang konnte Dickson schon Wochen vor der iPhone-5s-Keynote Gehäuse des Apple-Smartphones präsentieren, die sich später als echt herausstellten.

Doch warum brodelt die Gerüchteküche schon so früh so hoch? Ganz einfach: Weil es Ihr es so wollt. Apple hat es geschafft, aus dem iPhone mehr als ein Stück Gebrauchstechnik zu machen. Ihr verbringt mit dem Smartphone einen Großteil Eures Lebens. Da interessiert es natürlich umso mehr, wie denn der Nachfolger aussehen könnte. Und weil die Resonanz auf die vielen vermeintlichen Leaks und Konzeptdesigns so groß ist, gibt es auch immer mehr davon.

Bleibt Apple seinem Rhythmus treu, dann kommt das nächste iPhone im Herbst. Je näher der Termin rückt, desto genauer werden auch die Berichte zum nächsten Apple-Smartphone sein. Derzeit bekommen wir vor allem Mock-ups auf Basis von Hüllen zu sehen, die viele Zubehörsteller vorab produzieren lassen. Zum Sommer hin dürften die ersten ernstzunehmenden Gehäuse-Leaks in den Blogs auftauchen. Spätestens dann heißt es nicht mehr "Es war einmal", sondern "Es ist!".


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