Mehr als nur Musik: Warum Apple 400 Mio. Dollar für Shazam bezahlt hat

Apple hat den Musikerkennungsdienst Shazam übernommen und habe "aufregende Pläne" für die Zusammenarbeit. Dass sie mit Apple Music zu tun haben, gilt als sicher. Doch was könnte der Musikstreamingdienst in Zukunft anders oder sogar besser als Spotify machen?

400 Millionen Dollar soll die Übernahme von Shazam gekostet haben - für Apple nur Peanuts, aber trotzdem für den Konzern eine große Übernahmesumme. Geht es um Musik, scheint Apple aber gerne die Spendierhosen anzuhaben. Für den Kopfhörerhersteller Beats zahlte Apple 2014 rund drei Milliarden Dollar. Dessen Streamingdienst Beats Music dürfte die Grundlage für Apple Music gewesen sein. In anderen Bereichen übernimmt Apple meistens wesentlich kleinere Unternehmen für deutlich geringere Beiträge. Deren Technologien und Personal gehen dann eher still und heimlich in die Produkte und Teams des Konzerns auf.

Was will Apple mit dem Musikerkennungsdienst?

Die Shazam-App wurde nach Firmenangaben über eine Milliarde Mal heruntergeladen. Ist sie auf dem Smartphone aktiv, erkennt sie laufende Songs und zeigt neben dem Titel auch Informationen zum Künstler an. Zudem leitet sie Nutzer weiter. Allein zu Spotify und Apple Music soll sie pro Monat etwa eine Million Menschen schicken. Mit diesem Geschäftsmodell hat Shazam erst kürzlich die Gewinnzone erreicht. Einfach nur Geld verdienen, kann also nicht der Grund für den Kauf gewesen sein.

Stattdessen will Apple mit Shazam – pauschal gesagt – seinen eigenen Musikdienst Apple Music stärken. Der hat nur etwa halb so viele Nutzer wie der Branchenprimus Spotify, bei dem etwa 60 Millionen Nutzer für das Angebot auch zahlen – . Doch die Shazam-App einzustellen und die Musikerkennung in Apple Music zu integrieren, dürfte alleine kaum neue Nutzer zu Apple Music bringen. Aber Shazam erkennt nicht nur Songs, sondern verfügt auch über ein große Datenbank an Infos zu Künstlern und Musikthemen. Damit könnte Apple nicht nur den Informationsgehalt von Apple Music erhöhen, sondern im Idealfall passendere Musikempfehlungen liefern – und bessere Playlists erstellen.

Mit der Übernahme von Shazam könnte Apple zudem Spotify einer Quelle für neue Nutzer berauben. Immerhin verhandelte Shazam einem Bericht von TechCrunch zufolge auch mit Snapchat und Spotify über eine mögliche Übernahme. Früher oder später dürfte Shazam also keine Nutzer mehr zu Spotify schicken.

Auf die Apple Watch hat es Shazam schon geschafft.(© 2015 Shazam, CURVED Montage)

Musikerkennung für iOS und ein fertiger HomePod

Mit Shazam kann Apple aber nicht nur Apple Music attraktiver machen. Den Zukauf könnte der Konzern nutzen, um eine Funktion des Pixel 2 zu kopieren. Das neue Smartphone von Google kann mit dem Google Assistant dauerhaft zuhören und blendet auf seinem Always-on-Display nebenbei erkannte Songtitel ein. Siri kann dagegen bisher nur auf Anfrage, und mit Hilfe der Shazam-App, Musik erkennen. Vielleicht geht das in iOS 12 mit Bordmitteln.

Der HomePod lässt indes noch auf sich warten. Angeblich gibt es Probleme bei der Software. Shazam könnte für Apples smarten Lautsprecher nicht nur neue Funktionen beisteuern, sondern auch dabei helfen, endlich die Software des Musik-Gadgets fertigzustellen. Andere Berichte bringen darüber hinaus auch noch Augmented-Reality-Werbung ins Gespräch. Spätestens mit ARKit und den vielen AR-Apps für iOS 11 setzt Apple voll auf die "erweiterte Realität". Shazam könnte dabei helfen, passend zur Musik in der Umgebung Werbung in Apps anzuzeigen. Klingt nach Zukunftsmusik, aber das britische Start-Up "Blippar" verbindet bereits erkannte Objekte in AR-Apps mit Werbung.

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