Motorola Moto 360, Huawei Watch und Samsung Gear S2 im Vergleich

Wir haben die Motorola Moto 360 und die Huawei Watch getestet und die Samsung Gear S2 bei uns in der Redaktion. Zeit für einen Uhrenvergleich.

Spätestens mit der Pebble und Googles Android Wear sind Smartwatches schwer in Mode. Die ersten Uhren wie die Samsung Galaxy Gear oder die LG G Watch sahen aber noch aus wie echte Computer-Uhren für richtige Nerds. So richtig schön anzusehen war keines der Geräte. Mittlerweile hat sich das aber geändert. Sowohl die Motorola Moto 360 und die Huawei Watch als auch die Samsung Gear S2 sind nicht nur Smartwatches sondern auch echte Schmuckstücke.

Dreimal rund und schick, bitte

Alle drei gefallen auf den ersten Blick mit ihren runden Displays. Bei den Uhren von Huawei und Motorola sieht es sogar so aus, als hätten sich die Hersteller abgesprochen: Der Einschaltknopf liegt jeweils auf der Zwei-Uhr-Stellung. Samsung bietet als einzige der drei Uhren zwei Knöpfe - einer dient als Zurück- und der andere als Home-Button. Außerdem punktet das südkoreanische Zeiteisen mit der funktionalen drehbaren Lünette, mit der Ihr durch die Menüs navigieren könnt.

Auf der Unterseite sitzt bei allen drei Uhren ein Herzschlagsensor. Unterschiede gibt es bei der Displaygröße: Die Huawei Watch gibt es nur mit einem 1,4-Zoll-Bildschirm zu kaufen. Bei der Moto 360 habt Ihr, die Sportversion mal außen vor gelassen, die Wahl zwischen einem Display mit 1,37 oder 1,56 Zoll. Die kleinere Variante gibt es auch als "Women's Edition". Die Größere bewarb Motorola im persönlichen Gespräch explizit als Männeruhr. Die Gear S2 gibt es in der Classic- und der normalen Variante. Bei beiden ist der Bildschirm mit 1,2 Zoll aber gleich groß beziehungsweise klein. Sowohl die Huawei Watch als auch Samsungs Uhr haben den Vorteil, dass das komplette Display zu sehen ist. Bei der Moto 360 stört wie beim Vorgänger ein Ambilight-Sensor am unteren Rand die Optik.

Die taugen auch zum Sport: Alle drei Uhren haben einen Herzschlagsensor.(© 2015 CURVED)

Alle drei Uhren-Gehäuse bestehen aus Edelstahl. Bei der Farbwahl habt Ihr bei Huawei und Motorola die Wahl zwischen Schwarz, Silber und Gold. Bei beiden Uhren lassen sich zudem die Armbänder austauschen - bei der großen Moto 360 gegen jedes beliebige 22-Millimeter-, bei der kleinen Moto gegen 20-Millimeter-Bänder. An die Huawei Watch passen 18 Millimeter breite Bänder. Bei der Individualisierung geht Motorola aber noch einen Schritt weiter: Im Moto Maker könnt Ihr nicht nur die Gehäusefarbe auswählen, sondern auch, ob der Metallring ums Display herum eine andere Farbe haben soll. Wenn Ihr mögt, dürft Ihr Euch sogar schon ein Watchface aussuchen, mit dem die Uhr bei Euch ankommen soll. Die Samsung Gear S2 gibt es in Weiß oder als schicke schwarze Classic-Variante. Bei einer Gehäusedicke nehmen sich Huawei (11,3 Millimeter), Samsung (11,4 Millimeter) und Motorola (11,4 Millimeter) nicht viel.

Die Bildschirme: eine runde Sache?

Aber so edel die Uhren von außen auch aussehen, bei einer Smartwach kommt es auch auf die inneren Werte an. Bei der Auflösung liegt Samsung vorne. Der Super-AMOLDED-Bildschirm der Gear S2 löst mit 360 x 360 Pixeln auf. Das ergibt eine Pixeldichte von 302 ppi. Die Huawei Watch zeigt mit 400 x 400 Bildpunkten zwar mehr Pixel auf dem Super-AMOLDED-Bildschirm an, aber aufgrund des größeren Displays kommt sie "nur" auf 286 ppi. Bei den Motorola-Uhren sind es beim kleineren Modell 360 x 325 Bildpunkte (263 ppi). Die größere Version bietet 360 x 330 Pixel und damit nur 233 ppi. Bei beiden Modellen kommt ein Backlit-LC-Display zum Einsatz. Geschützt werden die Moto-360-Modelle und die Samsung Gear S2 durch Gorilla Glass 3. Huawei setzt bei der Watch auf Spahirglas.

Die Bildschirme der Smartwatches bieten ein gutes Bild. Nur bei der Moto franst es zum Rand hin aus.(© 2015 CURVED)

Alle drei Bildschirme haben aber auch etwas gemeinsam: Sie zeigen Nachrichten, Mails etc. nicht optimal an. Durch die Rundung bleibt viel Platz an den Seiten weiß beziehungsweise schwarz. Uhren mit quadratischem Display wie die Asus ZenWatch oder die Apple Watch lösen das besser. Was im Test besonders bei der Moto auffiel: Durch den abgeschliffenen Rand franst das Bild nach außen aus. Schade!

Was drin ist - und was nicht

In Motorolas Uhren taktet je ein Snapdragon-400-Prozessor mit vier 1,2 Gigahertz schnellen Kernen von Qualcomm. Dazu gibt es 512 Megabyte Arbeitsspeicher und vier Gigabyte Flash-Speicher. Das steckt alles auch in der Huawei Watch. In der Gear S2 sorgen ein 1 Gigahertz schneller Dual-Core-Prozessor und ebenfalls 512 Megabyte Arbeitsspeicher für flotten Betrieb. Auch hier stehen vier Gigabyte für Daten zur Verfügung. Sowohl die kleine Moto als auch die Huawei Watch kommen mit einem Akku mit 300 Milliamperestunden. Beide Hersteller geben eine Laufzeit von eineinhalb Tagen an. Die erreicht die Huawei Watch nur bei ausgeschaltetem Display.

Bei Motorola zählt: Größer ist besser! Die 1,56-Zoll-Variante kommt mit größerem 400-mHa-Akku. Der soll bis zu zwei Tage durchhalten. In der Realität überschreitet sie den Wert Der Akku der Gear S2 ist mit einer Kapazität von 250 mAh der kleinste. Trotzdem verspricht Samsung eine Laufzeit zwischen zwei und drei Tagen. Nach den ersten Testtagen kam ich hier mit Mühe und Not auf zwei Tage, wobei die Uhr gegen 18 Uhr abends in den Stromsparmodus wechseln musste.

Bei allen Uhren könnt ihr das Armband wechseln.(© 2015 CURVED)

Per Bluetooth 4.1 LE nehmen die Huawei Watch und die Gear S2 Kontakt zum Smartphone auf. Bei der Moto 360 ist es Bluetooth 4.0. Alle drei Uhren funken auch übers WLAN, können also auch ohne direkte Verbindung zum Smartphone online sein. Die Daten werden dann über die Cloud abgeglichen. Außerdem bei allen an Bord sind ein Beschleunigungs- und ein Lagesensor sowie ein Vibrationsmotor. Die Huawei Watch und die Gear S2 verfügen zudem noch über ein Barometer, die Moto 360 über den schon angesprochenen Ambilight-Sensor. Bei den Geräten müsst Ihr die Helligkeit also nicht händisch relgen. Was allen Uhren fehlt, ist GPS. Für Sportler bietet Motorola die Moto 360 Sports mit besagtem Chip an. Alle drei Uhren sind außerdem bedingt wasserdicht.

Android Wear vs. Tizen

In Sachen Software gibt es bei Huawei und Motorola kaum Unterschiede. Sowohl die Huawei Watch als auch die Motorola Moto 360 laufen mit Android Wear und funktionieren mit Android-Geräten ab der Version 4.3 Jelly Bean und dem iPhone ab iOS 8.2. Anders als beim Smartphone-System erlaubt Google bei der Ausgabe für Wearables aber kaum Design-Anpassungen. Die Hersteller versuchen deshalb, über Watchfaces und eigene Apps zu punkten. Bei Motorola ist es etwa das Plan-Ziffernblatt, auf dem Ihr drei Apps für den Schnellzugriff ablegen könnt. Das ist eine praktische Sache, aber für mich noch kein Kaufgrund.

Bei der Gear S2 kommt das Samsung-System Tizen zum Einsatz. Das arbeitet zum ersten Mal auch mit anderen Android-Smartphones außerhalb der eigenen Galaxy-S-Produktfamilie zusammen - aber (noch) nicht mit dem iPhone. Aktuell stehen noch nicht für alle gängigen Smartphone-Anwendungen Apps zur Verfügung. Samsung stellt Entwicklern aber ein SDK zur Verfügung, so dass diese schnell nachliefern können. Das Betriebssystem an sich gefällt dank der einfachen Steuerung über den Touchscreen, die Buttons und die Lünette. Soweit ich das schon beurteilen kann (ausführlicher Test folgt!), sind die Apps, die es für die Uhr gibt, besser umgesetzt als die Pendants bei Android Wear. Einziger Kritikpunkt: Um Apps zu installieren, müsst Ihr Euch bei Samsung anmelden.

Welche soll ich denn jetzt kaufen?

Technisch nehmen sich die Smartwatches von Motorola und Huawei nicht viel. Auch beim Design liegen sie auf einem Niveau. Mit einem Startpreis von 299 Euro ist die Moto 360 in der kleinen Version 100 Euro günstiger als die Huawei Watch. Dafür erhaltet Ihr das kleinere Modell in Silber oder Schwarz mit schwarzem oder Cognac-farbendem Lederarmband und einem vorinstallierten Watchface Eurer Wahl. Alles andere kostet auch mehr. Für die größere Variante müsst Ihr 50 Euro mehr abdrücken. Die große Uhr mit goldenem Gehäuse, Edelstahlarmband und Applikationen kostet 429 Euro, ist damit aber nur unwesentlich teurer als die Einsteigerversion aus China. Denn die Huawei Watch gibt's ab 399 Euro - mit kleinerem Display. Die Gear S2 liegt mit 349 Euro dazwischen und eignet sich für experimentierfreudige Nutzer, die darauf hoffen, dass möglichst viele Entwickler Apps für die Uhr auf den Weg bringen. Sparfüchse mit Stil schlagen also bei Motorola zu. Wer richtig viel Geld ausgeben will, greift zur Elite-Edition der Huawei Watch. Die kostet 699 Euro.


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