Vier Monate Apple Watch: 10 Punkte, bei denen Apple nachbessern muss

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Die Apple Watch
Die Apple Watch(© 2015 CURVED)

Die Apple Watch hat mich wieder zum regelmäßigen Uhrenträger gemacht. Allerdings ist der Reiz des Neuen ein wenig verflogen. In diesen zehn Punkten muss Apple bei  seiner Smartwatch nachbessern.

Sieben Monate nach der Ankündigung war es endlich soweit: Die Apple Watch kam am 24. April 2015 in den Handel. Meine Erwartungen waren groß. So groß, dass ich keinen Tag länger warten wollte, meine Vorbestellung ignorierte und mich für ein Apple-Produkt in eine Schlange stellte. Heute ist meine Euphorie etwas gebremst. Auch wenn ich die Uhr täglich – und auch nachts – trage, bin ich sicher: Apple muss nachbessern. Und das schnell.

Zunächst aber die positiven Eigenschaften: Die Apple Watch ist ein tolles Stück Technik und – für meinen Designgeschmack – eine gelungene Uhr. Sie hat mich wieder dazu gebracht, regelmäßig eine Armbanduhr zu tragen. Wie praktisch es doch ist, Uhrzeit und Datum mit einer schnellen Handbewegung ablesen zu können, ohne das Smartphone aus der Hosentasche fummeln zu müssen. Tatsächlich sind es zu rund 50 Prozent die „klassischen“ und weiterentwickelten Digitaluhr-Funktionen, die die Apple Watch für mich so besonders machen. Ein Beispiel ist der Weckruf durch Vibration statt Piepton.

30 Prozent machen die Benachrichtigungen aus. War es bisher so, dass mich fast jede Vibration (oder Phantom-Vibration) veranlasste, mein iPhone aus der Hosentasche zu kramen, genügt inzwischen ein kurzer Blick auf die Apple Watch. Da sich die Mitteilungen für jede App anpassen lassen, erhalte ich nur die wichtigsten Benachrichtigungen am Handgelenk. Wenn die Apple Watch nicht vibriert, kann es nicht so dringend sein. Keep calm and carry on! Ihre Rolle als Filter erfüllt Apples Armbanduhr hervorragend.

Zu etwa zehn Prozent lohnt sich die Apple Watch aufgrund ihrer Fitness-Funktionen. Allerdings: Bis auf den Herzschlag liefern diese auch schon Apps wie Nike+ oder Runtastic. Einen wirklicher Mehrwert, wie ein auf die Herzfrequenz optimiertes Training? Fehlanzeige. Nutzlos scheint für mich derzeit noch die Aktivitäts-Anzeige: Die Apple Watch ermahnt mich zum Aufstehen, wenn ich ohnehin in der Küche stehe oder gratuliert mir zu 60 Minuten sportlicher Aktivität, obwohl die größte Anstrengung des Tages das Zähneputzen war.

Die übrigen zehn Prozent meiner Begeisterung verteilen sich auf ein paar Apps, die die Uhr als sinnvolle Verlängerung des iPhones erkannt haben.

Grundsätzlich ist es Apple etwas gelungen, das die herkömmliche Uhrenindustrie bei mir nicht mehr geschafft. Damit die Watch aber auch weiterhin für mich tragbar bleibt, muss Apple nachlegen. Am 9. September will Apple Neuheiten vorstellen, hier ist meine Wunschliste für die Apple Watch:

1. Geschwindigkeit

Die Apple Watch ist bei der Bedienung von Apps derzeit noch viel zu langsam. Das liegt weniger an der Rechenleistung (entspricht einem iPhone 4S) als an der Auslagerung sämtlicher App-Funktionen auf das iPhone. Apps laufen aktuell nicht nativ auf der Apple Watch, die Uhr ist lediglich Second Screen für das Smartphone, das die Berechnungen und das Laden der Apps übernimmt.

Prognose: Apple löst den Flaschenhals mit watchOS 2.0 und nativen Anwendungen.

2. Bedienung

Klar, eine Menüstruktur zu schaffen, die auf einem nur knapp vier Zentimeter in der Diagonale messenden Display funktioniert, ist eine Herausforderung. Zu oft reagieren Apps und Menüpunkte aber nicht oder eine falsche App öffnet sich. Selbst so innovative Funktionen wie die digitale Krone kompensieren dieses Manko nur geringfügig.

Prognose: Dieses Problem lässt sich erst mit besserer Hardware – also einem neuen Modell – und einem verbesserten Bedienkonzept lösen. Wir müssen uns wohl bis watchOS 3.0 gedulden.

3. Siri

Die Spracherkennung Siri ist auf der Apple Watch noch nicht angekommen. Ob die Apple Watch auf „Hey Siri“ reagiert, ist Glückssache. Da Siri zusätzlich darauf besteht, direkt nach dem Aktivierungsruf auch den auszuführenden Befehl zu empfangen, diktiert man entweder ins Leere oder die Apple Watch fordert das Drücken der Mikrofon-Taste. So viel zum Thema „Hands free“. Erkennt Siri das gesprochene Wort nicht, geht’s wieder zurück auf Los – Korrekturen per Tastendruck sind nicht möglich. Klappt die Anfrage, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Siri auf das iPhone verweist, beispielsweise bei der Frage, welches Lied derzeit aus den Lautsprechern dudelt.

Prognose: Siri ist noch nicht perfekt und sorgt auch auf dem iPhone für Probleme. Das muss sich entwickeln. Die Aktivierung über Befehle wie „Hey Siri“ kann Apple sicherlich kurzfristig verbessern. Es ist fraglich, ob das schon mit watchOS 2.0 der Fall sein wird.

4. Schlaftracking

Das Aufzeichnen der Schlafqualität, wie dies Konkurrenzprodukte ermöglichen, ist derzeit noch nicht möglich. Selbst wenn der Akku die Nacht übersteht, erlaubt Apple keinen Zugriff auf die von den Apps benötigten Sensoren – wohl auch aus deshalb, weil dadurch die Akkulaufzeit zusätzlich leiden würde.

Prognose: Mit watchOS 2.0 erhalten Apps Zugriff auf Features wie Taptic Engine, Digital Crown, Sensoren für Beschleunigung und Herzfrequenz, Lautsprecher und Mikrofon. Technisch haben Entwickler dann die Möglichkeit, Schlaftracker zu entwickeln. Fraglich ist, wie sich deren Einsatz auf die Akkulaufzeit auswirkt. iPhone-Apps wie Sleep Cycle bestehen aus genau diesem Grund auf ein angeschlossenes Ladekabel.

5. Akkulaufzeit

Apropos Akkulaufzeit: Offiziell ein Tag, inoffiziell knapp zwei Tage. Das ist zwar Durchschnitt, E-Paper-basierte Konkurrenzprodukte wie die Pebble laufen der Apple Watch mit bis zu zehn Tagen aber locker den Rang ab.

Prognose: Durch Software-Updates kann Apple nur wenig optimieren. Große Sprünge ermöglicht erst ein neues Modell mit alternativen zusätzlichen Ladetechniken, wie Solarzellen oder einem piezoelektrischen Energiesammler, eine Art Dynamo im Miniformat.

6. Wasserdichtigkeit

Apple verkauft die Apple Watch zwar auch als Sport Edition, Wassersportarten gehören aber nicht zu den von Cupertino unterstützten Sportarten. Der Grund: Die Apple Watch ist lediglich „wassergeschützt“ gegen Schweiß und Spritzwasser. Eine erste App für Schwimmer wurde zwar ebenso wie Tauchgänge in der Praxis getestet. Offiziell führt diese Verwendung aber zu einem Garantieverlust.

Prognose: Beim nächsten Modell kann Apple es sich nicht mehr leisten, Anwendungsfälle wie Schwimmen auszuklammern. Eine wasserdichte Apple Watch ist nur noch eine Frage der Zeit.

7. Eigene Zifferblätter

Mit den vorhandenen neun Zifferblättern, ihren Farben und den Komplikationen lässt sich die Uhr schon jetzt individuell anpassen. Dennoch gibt Apple die Optik vor. Innovative Alternativen von Dritten? Fehlanzeige.

Prognose: watchOS 2.0 erhält zwar neue Zifferblätter mit Videohintergründen von verschiedenen Metropolen sowie Foto-Hintergründe. Als Berliner oder Hamburger findet man sich aber nicht unbedingt in Hongkong, London, New York, Shanghai oder irgendeinem See in den USA wieder. Vielleicht liefert Cupertino mit watchOS 3.0 im kommenden Jahr nach. Eine Schnittstelle für Komplikationen ermöglicht zumindest ein informativeres Zifferblatt.

8. Bessere Nachrichten

Digital Touch ist leider nicht mehr als der erste Versuch, direkt über die Apple Watch mit anderen zu kommunizieren. Aber über den Versand von Zeichnungen geht die Funktion nicht wirklich hinaus. Für sinnvolle Nachrichten-Features, wie den Versand eines Fotos oder des Aufenthaltsortes, muss ich – mal wieder – das iPhone zücken.

Prognose: Vermutlich wird Apple Detail-Verbesserungen – zum Beispiel Scribbles in Farbe – als besondere Innovation verkaufen wollen, aber wirklich große Neuerungen sind in Kürze noch nicht zu erwarten. Auch hier können wir nur auf watchOS 3.0 hoffen.

9. Armbänder

Grün, Pink, Blau, Weiß und Schwarz – das ist die begrenzte Auswahl an Sportarmbändern. Zu den Zifferblatt-Farben passende Armbänder in Rot, Orange, Gelb und Lila fehlen komplett. Andere Armbänder, wie das Gliederarmband aus Edelstahl in Space Black, gibt es nur in Verbindung mit einer anderen Edition, aber nicht separat.

Prognose: Ungewiss. Ein rotes Produkt(Red)-Armband ist vorstellbar, vielleicht schon zum Event im September. Ansonsten können wir nur auf das noch überschaubare Angebot von Drittherstellern verweisen, die im Rahmen von Apples „Made for Apple Watch“-Programm Alternativen liefern.

10. Apps löschen

Seit es das iPhone gibt, wünschen sich die Anwender von Apple die Möglichkeit, hauseigene Apps löschen zu können. Auch bei der Watch macht Apple keine Ausnahme, obwohl es sich doch nach eigenen Aussagen um die „persönlichste Technologie“ aus Cupertino handelt – persönlicher als das iPhone. Aktien-App, Wetter, Weltzeituhr, Remote-App und Musik: Ohne diese für mich unnützen Anwendungen bliebe mehr Platz für meine wichtigen Apps.

Prognose: Löschen lassen werden sich die Apps nie. Auch auf eine Funktion die zumindest die Anzeige der Apps unterdrückt, werden wir lange warten können.


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