Was Apple die IBM-Kooperation bringt

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Das alte und das neue Apple: „Steve Jobs war ein CEO für Kriegszeiten. Tim Cook ist ein CEO für Friedenszeiten.“
Das alte und das neue Apple: „Steve Jobs war ein CEO für Kriegszeiten. Tim Cook ist ein CEO für Friedenszeiten.“ (© 2014 Google+/Andy Hertzfeld, Twitter/darth, CURVED Montage)

Es ist eine faustdicke Überraschung und klingt doch nach einem Nonevent: Apple partnert mit IBM im Business-Kunden-Bereich. Na und? Was Endkunden mit Achselzucken quittieren, hilft mittel- bis langfristig ungemein, Apples brachliegendes Potenzial monetär weiter zu veredeln. Tim Cooks Ära bekommt weitere Konturen. 

Das Wall Street Journal hatte wieder einmal als Erster die passende Metapher gefunden. „Steve Jobs war ein CEO für Kriegszeiten. Tim Cook ist ein CEO für Friedenszeiten“, schrieb das Murdoch-Blatt vor einer Woche im großen Tim Cook-Porträt. Treffender kann man die Prä-, aber auch Post-Steve-Jobs-Ära nicht auf den Punkt bringen.

Knapp drei Jahre nach der Übernahme der Amtsgeschäfte durch Tim Cook ist Apple immer sichtbarer ein anderes Apple geworden. Im ersten Jahr als CEO führte Cook sehr unaufgeregt weiter, was Steve Jobs hinterlassen hatte. Mit dem iPhone 4s und iPad 3 mit Retina Display wurden graduelle Pflichtupdates veröffentlicht.

Tim Cook krempelt Apple um - Partnerschaften abgeschlossen, die die Vorherrschaft absichern

Das iPhone 5 wurde zum ersten größeren Produktupdate - und es ging, gemessen  an dem, was unterm Strich hängen blieb, ziemlich schief.  Angesichts des aufkommenden Phablet-Hypes war es zu klein und zu teuer in der Produktion: Tim Cook erlebte sein Höllenjahr, in dem das ein oder andere Mal öffentlich sein Kopf gefordert wurde.

Doch Cook meisterte den Sturm. In seinem dritten Jahr krempelt der 54-Jährige nun erkennbarer um: Die überbordenden Barmittel werden ausgeschüttet und sinnvoll in Aktienrückkäufen verwendet, die Aktie im Verhältnis 1:7 gesplittet und damit ein Schlussstrich unter die Vergleiche zur Steve Jobs-Ära gezogen – und Partnerschaften geschlossen, die Apples Vorherrschaft weiter absichern.

Gene Munster: Sehen keinen nennenswerten Einfluss auf Apples Geschäftsentwicklung 

Dazu zählt der in der Bedeutung erstaunlich ungewürdigte Vertragsabschluss mit China Mobile Ende vergangenen Jahres, aber auch die gestern verkündete Kooperation mit IBM, die heute weitgehend achselzuckend von der Wall Street zur Kenntnis genommen wurde - die Apple-Aktie legt  gerade mal ein halbes Prozent zu.

Gene Munster, auch schon mal größerer Befürworter des Kultkonzerns aus Cupertino, erklärt in einer Kurzeinschätzung  gegenüber Kunden von Piper Jaffray: „Wir sehen nicht, wie die Partnerschaft irgendeinen nennenswerten Einfluss (für Apples Geschäftsentwicklung) haben sollte, zumal Apple bereits 98 Prozent aller Fortune 500 und 92 Prozent aller globalen Fortune 500-Unternehmen mit iOS erreicht.“

Gesundheitssektor und Öl-Industrie: iPhone in einigen Branchen nicht mal zur Hälfte verbreitet

Brian White von ISI schlägt in dieselbe Kerbe: „Auch wenn die Partnerschaft eine Win-Win-Situation für beide Unternehmen darstellt, erwarten wir keine sichtbare Veränderung in der Bilanz“. Anderer Meinung ist Amit Daryanani: „Apple verschafft das Zugang zm großen Geschäftskunden-Markt, der zu einem sichtbaren Absatzplus bei iPhones führen könnte“, mutmaßt der RBC-Analyst.

Wie der Cloud Computing-Anbieter Citrix herausarbeitet und der Business Insider verbreitet, ist das iPhone tatsächlich in einigen Branchen nicht mal zur Hälfte verbreitet – wie etwa im Gesundheitssektor, der Ölbranche und bei NGOs.

Blackberry-Aktie bricht in Reaktion auf IBM-Apple-Allianz um 10 Prozent ein

Zudem erscheint die Verbreitung in der Masse innerhalb eines Unternehmens nicht hinreichend berücksichtigt. Mit der IBM-Partnerschaft könnte Apple nun die breitere Masse an Angestellten erreichen, die – wie es in großen Konzern üblich ist – sklavisch an veraltete Firmenhandys gebunden sind – der Blackberry lässt grüßen.

Entsprechend ist die Allianz der beiden Tech-Giganten vor allem ein Schritt, der dem kanadischen Smartphone-Pionier weh tut. Wenig überraschend bricht die leckgeschlagene Blackberry-Aktie heute dann um 10 Prozent in Reaktion auf die IBM-Apple-Allianz ein.

Vor allem iPad-Vertrieb dürfte einen Push bekommen

Vor allem aber bei der Verbreitung des iPad, das sich bereits nach vier Jahren in einer seltsamen Schwächephase befindet, dürfte Apple mit der IBM-Partnerschaft versuchen, eine neue Verkaufswelle loszutreten. Mehr noch als das trendigere iPhone erscheint das iPad für den Unternehmenseinsatz prädestiniert, wie Apple in vergangenen Video-Spots immer wieder herauszustellen versuchte.

Tim Cook selbst bezeichnete die Allianz der beiden Tech-Giganten in einem internen Memo an die Belegschaft, das Mac9to5-Blogger Tom Gurman vorliegt, als „bahnbrechend“. Das Wort fiel beim viel diskutierten Beats-Deal nicht. Es sind eben nicht immer die schlagzeilenträchtigen Kooperationen, die am Ende des Tages das Kerngeschäft bestimmen…


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