Beats by Dre Wireless: Apples neue Bass-Bomber im Test

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Beats by Dr. Dre: Wie gut sind die Wireless-Kopfhörer, die bald von Cupertino aus vertrieben werden?
Beats by Dr. Dre: Wie gut sind die Wireless-Kopfhörer, die bald von Cupertino aus vertrieben werden?(© 2014 CURVED)

Die coolen Kopfhörer von Dr. Dre sind allerspätestens  seit der mutmaßlichen Übernahme durch Apple in aller Munde. Doch kann der Klang der Beats überzeugen – oder sind die Kopfhörer vielleicht doch nur ein stylisches Accessoire, das dem hohen Kaufpreis nicht gerecht wird?

Seit Apple 2001 den ersten iPod vorstellte, steht der Konzern mehr für Musik als für Computer. Und ein untrügliches Zeichen dafür sind die weißen Kopfhörer der iGadgets: Egal, wohin man schaute, überall sah man weiße Kabel aus Ohren baumeln. Zudem etablierte Apple mit iTunes legale Musik-Downloads.

Musik war plötzlich überall und jederzeit per iPhone verfügbar – und Apple strich kurzerhand den Begriff Computer aus dem Firmennamen. Und daher ist es auch kein Wunder, dass die erste große Firmenübernahme des Konzerns seit vielen Jahren ein Hersteller von Musikequipment ist. Für umgerechnet 2,2 Milliarden Euro verleibt sich Apple die Kultmarke Beats by Dre ein.

Die vom Gangsta Rapper gegründete Firma stellt Lifestyle-Kopfhörer mit einem hohen Wiedererkennungswert her. Wie aus dem Nichts kauften plötzlich weltweit vor allem junge Musikfans die klobigen Headsets mit dem roten Kabel – es war wieder en Vogue, große Kopfhörer auf dem Kopf oder um den Hals zu tragen. Doch kann der Klang der Beats überzeugen – oder sind die Kopfhörer vielleicht doch nur ein stylisches Accessoire?

Aber fangen wir erst einmal mit der Optik des Beats Wireless an, denn offensichtlich ist das Aussehen der Kopfhörer für viele ein wichtigeres Kaufargument als der Klang. Die Beats sind ein Traum aus glänzendem Kunststoff. Nur: Durch die schwarze Lackoptik sieht man schnell jeden Fingerabdruck.

Es ist also eine gute Idee, wenn Ihr jederzeit ein Reinigungstuch dabei habt und immer schön nachpoliert. Die Verarbeitung ist ganz ordentlich und dank des höheren Gewichts fühlt sich der Kopfhörer wertig an. Allerdings wackelt alles und die Klappscharniere wirken ein wenig instabil. Zumindest in der Hand.

Auf dem Kopf sitzt alles prima. Die weichen Polster sorgen für einen hohen Tragekomfort. Und ist Euer Kopf ein wenig größer, könnt ihr die Hörer ein Stück aus dem Bügel herausziehen, damit die Beats gut passen. Obwohl es sich beim Testgerät um einen Bluetooth-Headset handelt, liegen auch hier die typischen roten, gummierten Kabel dabei: ein USB-Kabel zum aufladen und ein Klinkenkabel mit eingebauter Fernbedienung für die alternative Verbindung zum Smartphone.

Bass, Bass, wir brauchen Bass

Der Sound ist, nun ja, kräftig. Die Beats bieten keinen Platz für Feinheiten. Das gilt eben nicht nur für die auffällige Optik, sondern auch bei der Klangqualität. Die wummernden Bässe pusten die Gehörgänge frei. Wer viele Jahre in Konzerten und Diskotheken direkt neben den Lautsprechern verbracht hat, wird sich über das fette Soundvolumen freuen. Erstaunlich ist, dass bei voller Lautstärke kaum ein Ton nach draußen klingt, die Tonabschirmung funktioniert perfekt – so fühlt sich in Bus und Bahn kein Sitznachbar gestört.

Doch nicht nur treibende Bässe klingen mit den Beats hervorragend, auch mit ruhigeren Tönen kann der Kopfhörer vom Hip-Hopper Dr. Dre  gut umgehen. Sowohl mit Kabelverbindung als auch per Bluethooth gibt es keine störenden Nebengeräusche, der Sound ist klar. Allerdings ohne Differenzierung in der Feinabstimmung. Höhen und Mitten sind nicht ausdifferenziert. Es ist eine zweidimensionale Geräuschtapete – und eher Raufaser als filigranes Design.

Eine Akkuladung reicht für rund zehn Stunden Musikgenuss, lang genug für einen durchschnittlichen Flug. Doch wenn der Akku leer ist, ist es auch vorbei mit dem Sound, eine Stromquelle muss her. Ärgerlich: Der Micros-USB-Anschluss sitzt direkt an der Hörmuschel. Ist das Kabel zum Aufladen eingesteckt, kann die Hörmuschel nicht mehr bewegt werden. Außerdem dient das USB-Kabel tatsächlich nur zum Aufladen, es ist nicht möglich, darüber eine Tonverbindung mit dem Computer herzustellen – das gelingt nur mit dem Klinkenkabel.

Laut hören mit Style

Mit den Beats wird vor allem eine jüngere Zielgruppe angesprochen, die viel Wert auf Style legt. Und das passt natürlich auch zu Apple. Mit der Marke kann das Unternehmen zudem auch anderen Produkte wie externe Lautsprecher auf den Markt bringen – oder gar die Beats-Technologie in iPhones, iPads und Macbooks integrieren, was bei den kleinen Lautsprechern wahrscheinlich für deutlich voluminöseren Sound sorgen kann.

Und so könnte sich der Kauf des Unternehmens, den Apple quasi aus der Portokasse bezahlt hat, tatsächlich lohnen – zumal Apple damit auch den Streamingdienst von Beats gleich mit gekauft hat. Die Kopfhörer von Beats sind nicht schlecht und vor allem beim Gaming oder für den schnellen Soundsnack unterwegs eine gute Wahl. Dennoch sind sie mehr Lifestyle- als Qualitätsprodukt.

Wenn Ihr in der Öffentlichkeit als Klangpuristen erkannt werden wollt, solltet Ihr lieber auf das rote Kabel verzichten. Und falls Ihr doch gefallen daran findet, werdet Ihr dank der exzellenten Geräuschdämmung wenigstens keine komischen Kommentare hören.


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