CAT S60 im Test: robustes Smartphone mit Wärmebildkamera

Sturzsicher und wasserdicht – das Baustellen-Smartphone S60 von CAT ist ziemlich klobig, doch auch das erste Handy mit integrierter Wärmebildkamera von FLIR. Wir haben den Klopper getestet.

Endlich ein Smartphone, das richtig nass werden kann und bei dem nicht kleinste Regentropfen Apps starten. Das ist ein Feature, das zumindest ich gern auch in einem normalen Smartphone hätte. Zumal das Bedienen mit nassen Händen im Test erstaunlich gut funktioniert hat.

Dick, aber schick

Das Design ist vor allem eins: robust. Denn das S60 ist ein ganz schön dicker Brummer. Mit 12,9 Millimetern und 223 Gramm ist es zwar wuchtig, wirkt dabei aber auch sehr stabil. Außerdem passt es trotzdem noch in eine Hosentasche. Gut gefallen mir die drei griffigen Tasten am unteren Bildschirmrand. Das Polycarbonat auf der Rückseite sieht aus wie Carbon, hat eine griffige Struktur und glänzt trotzdem ein bisschen. Am oberen Rand hat das Smartphone eine Ausbuchtung. Diese ist für die Wärmebildkamera von FLIR notwendig, hat aber auch irgendwie Stil.

CAT S60(© 2016 CURVED)

An der rechten Seite befinden sich die Knöpfe, um lauter oder leiser zu stellen. Auf der linken gibt es die Ein/Aus-Taste sowie einen gelben Knopf, der mit einer App verknüpft ist. Das kann auf der Baustelle zum Beispiel eine Push-To-Talk-Funktion sein, die von den Kunden der CAT-Smartphones gewünscht wurde und man deshalb den Lautsprecher auch auf bis zu 105 Dezibel aufdrehen kann, oder Ihr nutzt den Knopf, um den "Unterwasser-Modus" einzuschalten. Dann werden jegliche Touch-Funktionen deaktiviert. Den gelben Knopf könnt Ihr ansonsten mit jeder installierten App verknüpfen. Beim kurzen Drücken öffnet sich so zum Beispiel "Pokémon GO" und beim Gedrückthalten die Kamera.

Außerdem befinden sich auf der linken Seite des Smartphone noch ein SOS-Knopf, der Mikro-USB-Anschluss und der Kopfhörerausgang. Sie sind unter Abdeckungen versteckt. Den SOS-Knopf könnt Ihr zum Beispiel mit einer Nachricht an Eure Notfallkontakte verknüpfen. Leider ist er recht schlecht zu erreichen. Das ist zwar gut, damit Ihr ihn nicht aus Versehen drückt, doch in brenzligen Situationen sollte man nicht so ewig an der filigranen Klappe herumfummeln müssen.

Technisch Mittelklasse, preislich Oberklasse

Das CAT S60 verfügt über ein 4,7-Zoll-Display mit einer HD-Auflösung von 1280 x 720 Pixel. Beim Test empfanden wir den Bildschirm als recht dunkel. Bei starker Sonneneinstrahlung war er nicht gut lesbar. Als wir den Prototypen des Smartphones im Februar zum ersten Mal in der Hand hatten, war er heller.

Das Display wird durch Gorilla Glass 4 vor Kratzern geschützt. Ihr könnt es sogar mit nassen Händen bedienen. Nur selten hat es eine nasse Wischgeste nicht erkannt. Auch mit dicken Handschuhen, die eigentlich nicht für Smartphones geeignet sind, ist das Tippen und Wischen kein Problem. Aus unerklärlichen Gründen begann das Display allerdings manchmal leicht zu blinken. Auch hat sich das Gerät einfach so neu gestartet.

Unter der Haube steckt der Mittelklasse-Prozessor Snapdragon 617 von Qualcomm. Dazu kommen drei Gigabyte Arbeitsspeicher. Bei mehr Leistung würden vielleicht die Apps für die Wärmebildkamera schneller starten und nicht so stark ruckeln. Leider ist die Bedienung des Smartphones auch im Alltag nicht immer flüssig. Auch in den Benchmarks schlägt sich das nieder. Im AnTuTu erreicht das CAT S60 im Schnitt etwas mehr als 45.000 Punkte. Damit liegt es auf Augenhöhe mit dem Moto G4 Plus, welches aber nur die Hälfte kostet und eine sehr gute Kamera sowie ein Full-HD-Display bietet.

An Speicher habt Ihr 32 Gigabyte zur Verfügung, die Ihr per microSD-Karte um bis zu 128 GB erweitern könnt. Fotos schießt Ihr mit der Hauptkamera mit 13 Megapixeln, die Frontkamera bietet fünf Megapixel. Beide liefern nur mäßige Qualität, bilden die Farben nicht realistisch ab. Der automatische Weißabgleich im Fokus lässt die Bilder in einem Moment warm und im anderen farblos aussehen. Bei schwachen Lichtverhältnissen sind die Bilder zusätzlich sehr verrauscht.

Bis zu einer Fallhöhe von 1,80 Meter soll das Smartphone Stürze überleben. In unserem Test hat es zwar mächtige Schrammen abbekommen, doch das beeinträchtigt die Funktionalität nicht. Wenn Ihr die beiden goldenen Hebel vorne umlegt, verschließen sich Mikrofon und Lautsprecher. Der Ton wird dumpfer, aber das Smartphone ist dann für eine Stunde bis zu fünf Metern wasserdicht.

Das CAT S60 ist wasserdicht bis fünf Meter(© 2016 CURVED)

Unterwasser funktioniert die Wärmebildkamera übrigens auch. Das Umschalten von zwei auf fünf Meter gestaltet sich leider als ziemliche Fummelei. Ähnlich anstrengend verhält es sich mit dem Öffnen der Klappe des SOS-Schalters. Klar will man diesen nicht aus Versehen betätigen, doch im Notfall möchte keiner mit Fingerspitzen versuchen, die Klappe zu öffnen.

Auf dem S60 läuft Android 6.0.1 Marshmallow in einer recht reinen Form. Ein paar wenige Apps hat CAT allerdings vorinstalliert. Dazu zählt unter anderem die FLIR-App für die Wärmebildkamera, die "App Toolbox", ein App-Store sortiert nach Outdoor-, Tool-Apps und ähnlichem, "Hike" für die Aufzeichnung von Daten zum Beispiel während einer Wanderung, "Zello" für die Walkie-Talkie-Funktionen oder "Speaker Dry", eine App, die durch nervige Töne über zwei bis zehn Minuten die Lautsprecher des Smartphones trocknen soll. Der eigene Browser "Internet" hat bei uns allerdings nicht funktioniert. Wir konnten keine URL eintippen und mussten den ebenfalls installieren Google Chrome verwenden.

Wärmebildkamera für Erstdiagnose

Solltet Ihr beruflich eine Wärmebildkamera benötigen, reicht die integrierte von FLIR vielleicht für eine Erstdiagnose. Sie hat nämlich nur eine Auflösung von 80 x 60 Pixeln. Die Ansteckkameras FLIR One für andere Smartphones liegen hier schon bei 160 x 120 Pixel. Die kosten allerdings auch mehr als 300 Euro.

Bei der Benutzung verzögert sich das Bild beim Schwenken wie es für Wärmebildkameras typisch ist. Es hängt quasi hinterher und öfter gibt es Pausen, in denen sich die Kamera neu kalibriert. Laut Hersteller hat die Cam eine Reichweite von 30 Metern. In unserem Test war auf die Entfernung nicht mehr viel erkennbar. Gut differenziert hat die Kamera zwischen fünf und zehn Metern. Im Nahbereich bis zwei Meter konnten wir sehr gute Messergebnisse erzielen. Lecks in Leitungen lassen sich damit sicherlich gut aufspüren.

Fazit: solides Outdoor-Phone

Das CAT S60 ist für seine Zielgruppe ein tolles Smartphone. Wasserdicht, die Unterwasserkamera, die Wärmebildkamera und seine Sturzsicherheit bis 1,80 Meter passen in verschiedene Branchen oder zu Abenteurern, die ein robustes Telefon brauchen. Allen anderen wird es zu groß, zu klobig und technisch nicht schnell genug oder die Fotoqualität nicht hochauflösend genug sein. Wenn Euch das CAT S60 gefällt, könnt Ihr das Smartphone für 650 Euro vorbestellen.


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