Amazon Kindle im Test: Umblättern wird unbequemer

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Amazon spendiert dem Kindle einen Touchscreen.
Amazon spendiert dem Kindle einen Touchscreen.(© 2014 CURVED)

Amazon hat den neuen Kindle günstiger gemacht und ihm endlich einen Touchscreen verpasst. Reicht das? Unser Test verrät's.

Sonnenfestes Display und mattes Gehäuse

Das sechs Zoll große Display des Kindle verfügt über 16 Graustufen und weist eine Pixeldichte von 167 ppi auf. Amazon hat sich für die Pearl ePaper-Technologie entschieden, die immer noch weit verbreitet ist, aber etwas weniger kontrastreich als die neuere E-Ink Carta-Technologie, die in der zweiten Generation des Kindle Paperwhite zum Einsatz kommt. Trotzdem lassen sich Buchseiten auf dem E-Ink-Display sehr gut lesen. Spiegelungen treten nicht auf, die Blickwinkel sind groß und stabil und selbst direkte Sonneneinstrahlung trübt das Lesevergnügen - anders als auch einem bunten Tablet-Display - nicht.

Das Gehäuse des 2014er Kindle misst 169 x 119 x 10,2 Millimeter und ist damit jeweils einige Millimeter größer als beim Vorgänger. Dieser wirkt allerdings durch die stärker abgerundete Rückseite deutlich eleganter und dünner und bringt zudem 21 Gramm weniger auf die Waage - beim neuen Modell sind es 191 Gramm, beim alten 170 Gramm. Optisch ist das Design an Amazons ebenfalls neuen Tablets Fire HD 6 und Fire HD 7 angepasst. Das schwarze, matte Gehäuse ist griffig und lässt sich gut halten, fühlt sich allerdings billig an. Der Kindle 4 ist dagegen eine echter Handschmeichler.

Die einzige Taste am neuen Kindle ist der Einschaltknopf. Er befindet sich an der Unterkante neben dem Micro-USB-Anschluss und weist eine klaren Druckpunkt auf. Zum Einschalten ist er dort nur praktisch positioniert, wenn Ihr den Reader in der Hand haltet, liegt er auf dem Tisch ist die Position dagegen sehr unpraktisch. Zum Entsperren müsst Ihr zudem immer noch noch einmal über die eingeblendete Werbung wischen. Drückt Ihr den Power-Button lange, könnt Ihr den Kindle auch komplett ausschalten. Angesichts des geringen Stromverbrauchs des E-Ink-Displays ist dies aber aus Energiespargründen nicht wirklich notwendig, da lohnt es sich schon eher den Kindle bei längeren nicht Benutzung ganz ausschalten, um den Akku zu schonen, denn die konstante WLAN-Verbindung im Hintergrund verbraucht mit am meisten Energie. Alternativ könnt Ihr den Flugmodus in den Einstellungen anschalten und diesen nur deaktivieren, wenn Ihr ein neues Buch herunterladen oder Lesezeichen und andere Daten synchronisieren wollt.

Während Ihr beim Kindle 4 durch die Tasten am linken und rechten Rand bequem vor- und zurückblättern konntet - egal in welcher Hand ihr der E-Book-Reader gehalten habt - ist dies beim Kindle mit Touchscreen deutlich unbequemer geworden. Mit dem Daumen der rechten Hand lässt sich nur bequem nach vorne und mit dem linken Daumen nur nach hinten Blättern. Den jeweils anderen Blätterbereich auf der gegenüberliegenden Seite des Touchscreen erreicht man in der Einhand-Nutzung nur, wenn Ihr Euch verrenkt.

Schnellere Hardware und offen für andere Formate

Bei einem E-Book-Reader spielt die verbaute Hardware eine Nebenrolle, deswegen sei nur kurz erwähnt, dass der neue 1-Gigahertz-Prozessor dafür sorgt, dass neue Seiten nach dem Umblättern wirklich schneller laden als beim Vorgänger-Kindle und sich auch Menüs zügiger aufbauen. Amazon hat zudem den internen Speicher auf vier Gigabyte verdoppelt, aber bereits die zwei Gigabyte des Kindle 4 waren mit mehreren Hundert Büchern noch nicht voll. Da sich die bei Amazon gekauften E-Books sowieso immer wieder aus dem Cloud-Speicher des Unternehmens herunterladen lassen, ist der größere Speicher nur für Nutzer interessant, die viele eigenen Daten auf den Kindle kopieren.

Neben den zwei hauseigenen Dateiformaten AZW und AZW3 zeigt Euch der E-Book-Reader auch Bilder (JPEG, GIF, PNG und BMP), HTML-Dateien und Dokumente (DOC, DOCX, PDF und TXT) an. Darüber hinaus kommt der Kindle auch mit ungeschützten MOBI-Dateien und dem nativen PRC-Format für E-Books zurecht. Um Dateien jenseits der E-Book-Downloads von Amazon auf der Reader zu bekommen, könnt Ihr sie per E-Mail an den Kindle schicken oder mit der App "Send to Kindle" übertragen.

Tippen zum Umblättern und hilfreiche Zusatzfunktionen

Die Bedienung des Kindle mit Touchscreen gestaltet sich denkbar einfach. Wenn Ihr links und rechts in den Randbereich tippt, blättert der E-Book-Reader eine Seite vor oder zurück. Berührt Ihr den oberen Randbereich erscheint ein Menü mit Suchfenster, "Gehe zu"-Schaltfläche und einer X-Ray-Suche, die versucht Informationen zu den ihrer Meinung nach wichtigsten Stichworten auf der aktuellen Seite zu liefern. Hier findet Ihr auch die Notiz-Funktion sowie Informationen über Autor und eine Buchbeschreibung. Zusätzlich könnt Ihr hier die Ansicht ins Querformat umschalten.

Amazon sichert nicht nur Eure gekauften Bücher in seiner Cloud, sondern gewährt dort auch Euren Notizen, Lesezeichen und Lesefortschritten Unterschlupf und synchronisiert sie auf Wunsch mit anderen Kindle-Geräten oder den Kindle-Apps für iOS, Android, Windows oder OS X. Mit dem integrierten Browser surft Ihr per WLAN auch im Internet und mit Kindle Unlimited bietet Amazon seine E-Book-Flatrate seit Kurzem auch in Deutschland an.

Amazon ergänzt die Software des Kindle um hilfreiche Funktionen wie Kindle FreeTime oder einen Vokabeltrainer. Dieser merkt sich Wörter, die Ihr während des Lesens im Wörterbuch nachschlagt und nimmt sie in Karteikarten auf, mit denen Ihr später lernen könnt. Mit FreeTime richtet Ihr Profile mit eingeschränkten Funktionsumfang für Kinder ein und legt genau fest, welche Bücher sie lesen dürfen und setzt Leseziele und kontrolliert zwischendurch die erzielten Forschritte.

Der Preis macht ihn interessant, aber den Vorgänger würde ich nicht eintauschen

Amazon verkauft den neuen Kindle mit Touchscreen bereits für 59 Euro, allerdings mit Spezialangeboten. Das bedeutet, dass auf dem Sperrbildschirm Werbung für Bücher erscheint. Wollt Ihr diese nicht angezeigt bekommen, müsst Ihr für den Kindle 79 Euro ausgeben. Damit ist der 2014er-Kindle recht günstig, wirkt allerdings im Vergleich zum Vorgängermodell klobiger. Ich empfinde das Umblättern über die Tasten bequemer. Selbst der größere Speicher und das schnellere Display beim Laden einer neuen Seite verlocken mich nicht dazu, das alte Modell einzutauschen.

Wenn man einen günstigen E-Book-Reader braucht, kann man ruhig zum Kindle greifen. Es lohnt sich aber durchaus, etwas mehr Geld zu investieren. Der Kindle Paperwhite wirkt nicht nur eleganter, sondern hat vor allem auch eine Hintergrundbeleuchtung, die eine zusätzliche Lichtquelle überflüssig macht. Der neue Kindle Voyage lockt mit einer fast doppelt so hohen Pixeldichte, kostet aber mit 189 Euro auch mehr als das Dreifache und Konkurrenten wie Pocketbook, Kobo oder Tolino schicken inzwischen wasserdichte E-Book-Reader ins Rennen.


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