Das OnePlus 3 im ausführlichen Test

Technisch gesehen bringt es alles mit, was wir von einem High-End-Smartphone erwarten: Das OnePlus 3 hat einen schnellen Prozessor, viel Arbeitsspeicher und eine hochauflösende Kamera. Doch im Gegensatz zu den Flaggschiffen der Konkurrenz kostet es nur knapp die Hälfte. Geht das gut? Das OnePlus 3 hat mich rund eine Woche begleitet. Meine Erfahrungen lest Ihr im ausführlichen Test.

OnePlus hat sich sonst selbst immer als "Flaggschiffkiller" bezeichnet und lag damit die vergangenen Jahre auch gar nicht mal so falsch. In diesem Jahr wollen die Chinesen nochmal ordentlich eins drauf setzen. Und so hat der chinesische Hersteller am 14. Juni mit einer VR-Präsentation sein neues Top-Smartphone vorgestellt: das OnePlus 3.

Optik: leider asiatischer Einheitsbrei

Fangen wir bei der Optik an. Privat nutze ich die OnePlus-Smartphones schon seit Jahren. Persönlich bin damals beim OnePlus One wegen zwei Dingen auf den Hersteller aufmerksam geworden: das Betriebssystem CyanogenMod, das zur Auslieferung aufgespielt war - und die Sandstone-Rückseite, die für mich das Griffigste ist, was Smartphones zu bieten haben. Tja, CyanogenMod wurde recht schnell durch Oxygen OS ersetzt. Und jetzt gibt es auch keine Sandstone-Rückseite mehr.

Statt der rauen Rückseite setzt OnePlus in diesem Jahr auf ein Unibody-Gehäuse, das komplett aus Metall gefertigt ist. Dadurch ist das OnePlus 3 leider alles andere als griffig. Nach kurzer Zeit habe ich also die Sandstone-Hülle angelegt, damit es mir nicht aus den Fingern gleitet. Die optionalen Hüllen kosten zwischen 20 und 25 Euro und sind, wie beim OnePlus 2, auch in Holzoptik zu haben. Ohne Case ist das Smartphone auch schon dünn: 7,3 Millimeter, um genau zu sein. Zum Vergleich: Das iPhone 6s ist nur 0,2 Millimeter flacher. Trotz Metall statt Plastik wiegt es zudem weniger als das OnePlus 2 (ca. 178g), hat aber noch eine angenehme "Schwere" (ca. 160g). Anders formuliert: Man hat etwas in der Hand, das sich wertig anfühlt. Farblich könnt Ihr zwischen Grau und Gold wählen.

Das neue Design wirkt im Vergleich vielleicht um einiges hochwertiger als beim Vorgänger, doch das Unverwechselbare geht dadurch komplett verloren. Nun sieht das OnePlus 3 eben aus wie so viele andere chinesische Smartphones. Einheitsbrei statt Unikat? Sehr schade!

Kameras ohne wirkliche Verbesserung

Das OnePlus 3 verfügt über ein 5,5-Zoll AMOLED-Display, stellt die Farben absolut klar und intensiv dar und überzeugt mit echtem Schwarz. Die Auflösung des Displays liegt "nur" bei Full-HD, was bei 5,5 Zoll im Alltag vollkommen ausreichend ist. Allerdings ist die Auflösung zu gering, wenn Ihr das Smartphone für Virtual Reality nutzen wollt. Geschützt wird der Bildschirm durch Gorilla Glass 4. Das Display ist mit seinen brillanten Farben und Kontrasten die größte und sinnvollste Verbesserung am OnePlus-Smartphone.

Die Hauptkamera auf der Rückseite löst mit 16 Megapixeln auf (Blende f/2.0), die Frontkamera mit acht Megapixeln. Schaut man sich nur die Fotos des OnePlus 3 an, scheinen sie Farben sehr natürlich abzubilden. Im direkten Vergleich mit der Kamera des OnePlus 2 sind es aber nicht so viele Verbesserungen. Auf einigen Bilder wirkt es fast, als hätte das OnePlus 3 einen gelblichen Stich. Insgesamt sind die Fotos des OnePlus 3 kontrastreicher, doch das Schwarz sieht beim Vorgänger natürlicher aus. Positiv aufgefallen ist uns aber die sehr schnelle Auslösegeschwindigkeit des 3er. Da hat das OnePlus 2 ganz klar das Nachsehen.

Einige Tester haben sich im Netz darüber beschwert, dass der HDR-Modus ineffizient wäre und damit Schatten eher betont als aufgehellt würden. Wir konnten das nicht bestätigen. Unsere Bilder hatten im HDR-Modus mehr Details als ohne.

Testfotos Vergleich OnePlus 2 und OnePlus 3 und HDR(© 2016 CURVED)

Selfies haben bei Tageslicht eine hohe Qualität, Farben und Helligkeit sind stimmig. Doch schon bei Dämmerlicht könnt Ihr die Frontkamera...nun ja...vergessen. Auch wenn die Nacht-Selfies zwar heller sind als noch beim OnePlus 2, rauschen sie einfach zu sehr. Witzig ist auch die Funktion, dass die Frontkamera auslöst, wenn sie Euer Lächeln erkennt. Leider hat das bei uns im Test nur funktioniert, wenn wir so ein extrem gruseliges Grinsen im Gesicht hatten wie der Joker in den Batman-Comics.

Und Videos? Im normalen Modus wählt Ihr zwischen den Auflösungen 720p, 1080p und 4K. In der höchsten Auflösung könnt Ihr allerdings nur zehn Minuten am Stück filmen. Die Clips sind sehr scharf und bei gutem Licht auch farbecht. Lediglich die Sondereinstellungen Zeitraffer (720p oder 1080p) und Zeitlupe (720p) sind nicht so hübsch anzusehen. Auch fehlen hier Einstellungs- oder Bearbeitungsmöglichkeiten, um wie beispielsweise beim iPhone bestimmte Teile des Videos langsamer oder schneller abzuspielen.

Schneller als das Galaxy S7, aber nur mit "halbem" Arbeitsspeicher

Die Power im OnePlus 3 kommt von Qualcomms Snapdragon 820, dessen vier Kerne mit bis zu 2,2 GHz takten. In Kombination mit "sechs" Gigabyte Arbeitsspeicher läuft hier auf den ersten Blick alles rund. Anführungszeichen deswegen, weil zwar sechs Gigabyte RAM verbaut sind, OnePlus aber betriebssystemseitig die Auslastung limitiert, um den Akku zu schonen. Hersteller von alternativen Betriebssystemen sollen hier aber Möglichkeiten an die Hand bekommen, um den gesamten Arbeitsspeicher anzusprechen.

Trotz dieser Drosselung schafft das Smartphone im AnTuTu-Benchmark im Schnitt mehr als 141.000 Punkte und übertrifft damit das Galaxy S7 Edge (131.000 Punkte) und das iPhone 6s (132.000 Punkte). Bei unseren Stresstests hat sich das Handy ganz gehörig aufgehitzt. Teilweise fühlte es sich ohne Hülle dadurch sehr unangenehm an. Gemessen haben wir unterhalb der Kamera und auf dem oberen Teil des Displays 45 Grad Celsius.

Leider sind intern nur 64 Gigabyte Speicher verbaut. Dieser basiert aber auf der UFS 2.0 Technologie und ist damit etwa dreimal so schnell wie der im OnePlus 2 verbaute eMMC5.0-Speicher. Doch eine Micro-SD-Karte, um den Speicher zu erweitern, suchten wir vergeblich.

Als Betriebssystem kommt wie bei den Vorgängern Oxygen OS zum Einsatz. Deshalb gibt es zum Beispiel auf dem Homescreen ein "Shelf", in dem Ihr Notizen ablegen, häufige Apps und Kontakte sehen oder andere Widgets hinzufügen könnt. Die aktuelle Version Oxygen OS 3.1.2 basiert auf Android Marshmallow 6.0.1 und sieht ansonsten aus wie ein normales Stock-Android. Auch sind zum Beispiel ein einstellbarer Nachtmodus und die Akku-Schonfunktion Doze mit dabei.

Der Akku hat eine Kapazität von 3000 mAh und hält rund einen Tag durch. Hier hat OnePlus gespart. Hätten sie lieber das Gehäuse ein bisschen dicker gemacht oder weniger RAM verbaut, dafür aber den Akku vergrößert! Als Ausgleich setzt OnePlus auf eine eigentlich gelungene Schnellladetechnik: Mittels "Dash Charge" ladet Ihr den Akku innerhalb von 30 Minuten auf etwas mehr als 60 Prozent auf. Auch wenn Ihr akkufressende Spiele zockt, wird die Ladepower nicht gebremst. Doch leider funktioniert das nur, wenn Ihr den proprietären Netzadapter verwendet. Damit ist das Handy auch nach ca. 48 Minuten vollständig geladen. Mit einem normalen Adapter braucht es etwa eineinhalb Stunden, bis es voll geladen ist. Nach 30 Minuten kamen wir hier auf etwas mehr als 30 Prozent. Das heißt: Wieder einen Stecker mehr einpacken. Auch lässt sich das Smartphone leider nicht per Induktion, also kabellos, aufladen.

Typ-C, aber nur USB 2.0

Ansonsten bietet das OnePlus 3, wie auch schon die Vorgänger, Platz für zwei Nano-SIM-Karten, sodass Ihr es im Dual-SIM-Betrieb nutzen könnt. Auch der Slider an der Seite, der das Profil für Benachrichtigungen einstellt - also ob Ihr per Ton alle, nur wichtige oder keine bekommen möchtet - ist verbaut. Der Fingerabdrucksensor auf der Vorderseite ist aus Keramik gefertigt und funktionierte problemlos - außer wenn die Finger etwas feucht waren. Gefühlt entsperrt Ihr das Smartphone damit aber ein bisschen langsamer als das iPhone, laut Datenblatt entsperrt das OnePlus 3 in 0,2 Sekunden. Auch die NFC-Technologie, um zum Beispiel mit dem Smartphone zu bezahlen, ist wieder an Bord.

Kritik bekommt das OnePlus 3 von mir aber für den USB-Anschluss. Hier setzt das Unternehmen zwar auf Typ-C, doch dahinter steckt nur die Technik eines 2.0-Anschlusses. So bekommen Nutzer nur den Hardware-Vorteil, also dass der Stecker in beide Richtungen funktioniert, nicht aber die hohen Geschwindigkeiten - wie es bei einem USB 3.0-Anschluss der Fall wäre, den zum Beispiel das LG G5 schon hat.

Fazit: Bei diesem Preis kann nicht alles High-End sein

Das OnePlus 3 hat seine Qualitäten: gute Performance und einen Akku, der damit umgehen kann. Die Schnellladetechnik ist interessant, aber proprietär, sodass Ihr immer den mitgelieferten Stecker braucht. Bei einem Preis von 399 Euro kann eben nicht alles High-End sein, deshalb hat OnePlus Abstriche machen müssen: die Display-Auflösung ist für Virtual Reality noch zu niedrig, der USB-Anschluss könnte schneller sein, der Akku ist nicht austauschbar und der Speicher nicht erweiterbar. OnePlus hat mit dem OnePlus 3 dennoch ein Smartphone auf den Markt gebracht, das ein Top-Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.


Weitere Artikel zum Thema
Galaxy S7 und S7 Edge: Nougat-Update direkt auf Android 7.1.1
Supergeil !5Nach der Beta könnten das Galaxy S7 und S7 Edge direkt das Update auf Android 7.1.1 Nougat erhalten
Das Galaxy S7 und S7 Edge könnten direkt Android 7.1.1 Nougat erhalten: Dies geht zumindest aus dem Screenshot eines Beta-Testers hervor.
Videos herun­ter­la­den in Chrome für Android: So funk­tio­niert's
Marco Engelien
Zum Herunterladen tippt Ihr in Chrome einfach auf den Pfeil.
Der Chrome-Browser für Android hat eine neue Funktion erhalten. Ab sofort könnt Ihr Webseiten und Videos offline speichern. So geht's.
Onli­ne­zwang für "Super Mario Run": Darum soll es keinen Offli­ne­mo­dus geben
Marco Engelien6
Weg damit !19"Super Mario Run" setzt eine aktive Internetverbindung voraus.
"Super Mario Run" unterwegs in der Bahn oder im Flugzeug zocken? Das wird wohl nichts. Das Spiel setzt brauchen eine aktive Internetverbindung voraus.