Polar M400 vs. V800 im Test: Gute Sportuhren und Möchtegern-Smartwatches

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Polar M400 und V800
Polar M400 und V800(© 2015 CURVED)

Die Sportuhren V800 und M400 von Polar unterstützen nicht nur Profi- und Amateur-Sportler beim Training, sondern stehen als Fitnesstracker für den gesamten Tag bereit und versuchen, mit einem Software-Update auch mit aktuellen Smartwatches mitzuhalten. Ob das funktioniert, verrät unser Test.

Die Polar M400 kam im Juni und Juli 2015 zu einer gewissen Berühmtheit, da die Fußballnationalmannschaft die Sportuhr für das Training zur WM der Frauen in Kanada benutzte und die Spielerinnen sie nicht nur auf dem Trainingsplatz trugen. Die V800 ist mehr als doppelt so teuer, bietet aber natürlich auch mehr Funktionen. Diese lohnen sich aber nur für einige Sportler - und nicht jeder sollte vorschnell den Aufpreis zahlen.

GPS-Sportuhren für Training an jedem Ort

Die V800 und die M400 haben viele Gemeinsamkeiten: Angefangen von der Polar Flow-App über die Pulsmessung mit einem Brustgurt bis hin zu fünf Tasten für die Bedienung. Die Steuerung über die fünf Tasten - eigentlich vier, denn eine dient nur dazu, die Displaybeleuchtung einzuschalten - hat man schnell verinnerlicht. Die rote Taste in der Mitte wählt den aktiven Menüpunkt aus oder ruft von der Uhrzeitanzeige aus die Übersicht der zur Wahl stehenden Sportarten auf. Die Hoch- und Runter-Tasten führen Euch im Menü oder den Infoscreens beim Sport in die jeweilige Richtung. Mit der Zurück-Taste an der linken Seite beendet Ihr eine Aktivität oder geht im Menü einen Schritt zurück.

Beide Sportuhren sind mit ihren bis zu 30 Metern Tiefe wasserdichten Gehäuse für Schwimmen und Laufen, Walking, Radfahren, Krafttraining, Gruppentraining sowie sonstige Indoor- und Outdoorsportarten vorbereitet. Die V800 greift zusätzlich noch explizit Triathleten unter die Arme und kommt auch mit Multisport zurecht. Je nach Sportart entscheidet die Uhr, ob sie ihre GPS-Ortung aktiviert oder nicht. Abhängig vom Standort können mehrere Minuten vergehen, bis die Peilung zu 100 Prozent steht. Ich musste in der Großstadt zwischen vier- bis fünfstöckigen Wohnhäusern zwischen einer bis zwei Minuten warten - manchmal ging es auch schneller. Unterwegs stand die Verbindung sicher, war aber nicht auf den Meter genau, wenn ich mir meine Routen nachträglich auf den Karten anschaue - was mir so aber bisher bei allen nicht-militärischen GPS-Geräten aufgefallen ist.

Eure täglichen Aktivitäten und die Trainingsdaten könnt Ihr zwar auch direkt auf den Uhren überprüfen, aber übersichtlicher und sogar in Farbe geht das mit der Polar Flow App auf Eurem Smartphone. Die Synchronisation erfolgt per Bluetooth, das die die Uhren auch nutzen, um die Pulsmessdaten vom Brustgurt abzurufen. Die Anwendung schickt die Daten an das Web-Portal von Polar weiter, zu dem Ihr die Daten mit den USB-Kabeln der Uhren und dem Programm Flow Sync auch direkt über Euren Computer schicken könnt. Die Daten der V800 und der M400 sind jeweils gut geeignet, um den eigenen Fortschritt im Auge zu behalten, und bieten sich auch als Grundlage für Überarbeitungen von Trainingsplänen an.

Fitnesstracker für den ganzen Tag und nicht nur Trainingspartner

Die Polar V800 und die M400 sind aber nicht nur Sportuhren, die Ihr beim Training tragen sollt, sondern auch Fitnesstracker, die 24 Stunden am Tag an Eurem Handgelenk bleiben sollen. Hierfür eignet sich die M400 in meinen Augen deutlich besser. Sie ist leichter, weniger klobig und fühlt sich für mich beim Tragen angenehmer an. Zudem lässt sich Ihr Armband schneller justieren. Versteht mich jetzt nicht falsch: Die V800 ist am Handgelenk leichter als man vermutet, wenn man sie in der Hand hält,  aber ihr Verschluss ist so schwer zu öffnen, dass man ihn nicht mal schnell verstellen kann, wenn das Handgelenk etwas dicker geworden ist. Und das kann im Laufe des Tages mehrmals der Fall sein, wie ich beim Fitbit Charge gemerkt habe.

Ich wundere mich, warum Polar immer noch auf die Brustgurte zur Pulsmessung setzt. Klar, ihrer Aussage nach sind die Daten verlässlicher, als wenn die Herzfrequenz, wie bei der Apple Watch, oder dem Fitbit Charge HR am Handgelenk gemessen wird. Das mag stimmen, aber ich würde den Brustgurt nicht den ganzen Tag über tragen, sondern nur gezielt zum Training anlegen - was ja durchaus völlig ausreichend sein kann. Aber die Trainingsprotokollierung der Sportuhren aktiviert man auch mal schnell, wenn man sich für eine kurze Strecke auf das Rad schwingt und keinen Pulsgurt trägt. Ich habe beim Joggen beide Werte - vom Polar-Brustgurt und dem Charge HR - unregelmäßig kontrolliert. Sie unterschieden sich maximal um zwei Schläge pro Minute - nur direkt nach dem Anlegen des Brustgurts waren es zehn Schläge. Nach diesem kleinen Test, dem jedes wissenschaftliche Fundament fehlt und der eine Einzelfallbeobachtung darstellt, ist die Notwendigkeit, zum Brustgurt zu greifen, in meinen Augen noch kleiner geworden.

Viele Benachrichtigungen machen noch keine Smartwatch

Mit den Smart Notifications will Polar seine Sportuhren zu Smartwatches machen. In der Praxis handelt es sich bisher aber nur um Benachrichtigungen über eingehende Nachrichten verschiedener Apps, die auf dem Display der V800 oder M400 erscheinen. Das ist hilfreich und informativ, aber noch weit vom Funktionsumfang der Apple Watch oder den Android Wear-Smartwatches entfernt. Ihr wählt aus, ob nur ein Hinweis oder auch eine Vorschau der Nachricht auf der Uhr erscheint und könnt Zeiten festlegen, in der keine Benachrichtigungen auf der Uhr eingehen sollen. Bisher funktionieren die Smart Notifications nur auf dem iPhone mit der iOS-Version der Flow App. Die Android-Version will Polar im Laufe des Jahres um diese Funktion erweitern.

Neben den vielen Gemeinsamkeiten gibt es auch zahlreiche Unterschiede zwischen der V800 und der M400, wobei vor allem die teurere V800 mehr Funktionen bietet, die man bei einem mehr als doppelt so hohem Preis auch erwarten kann. Diese helfen aber nicht allen Sportlern weiter. Und die Investition von 399,95 Euro lohnt sich nicht immer, da die 159,95 Euro für die M400 oft völlig ausreichend sind. Für den Brustgurt zur Herzfrequenzmessung zahlt Ihr unterschiedlich hohe Aufschläge von 40 und 50 Euro, sodass die Preise auf 449,95 und 199,95 Euro steigen.

Warum sich der Aufpreis für die Polar V800 lohnen kann

Das proprietäre Ladekabel der Polar V800 ist in meinen Augen kein Pluspunkt gegenüber dem Micro-USB-Kabel der Polar M400, aber die teurere Sportuhr punktet mit der Unterstützung mehrerer Sportarten und bietet darüber hinaus noch einige zusätzliche Funktionen. Hierzu gehören die Anzeige der Trainingsbelastung und des Erholungsstatus, die dabei helfen sollen, Eure Grenzen besser einzuschätzen, die Bereitschaft für weiteres Training zu erkennen und die Trainingsintensität und -dauer auf Eure Trainingsziele abzustimmen. Darüber hinaus könnt Ihr mit der Sportuhr den orthostatischen Test durchführen und erhaltet Leistungswerte beim Bahnschwimmen. Für die Bedienung stehen zusätzlich die HeartTouch-Funktion, akustische und Vibrationsalarme als Hinweisgeber beim Training zur Verfügung. Und um die Info-Anzeige beim Laufen durchzublättern, braucht Ihr nur auf das Display zu tippen.

Darüber hinaus ist die V800 mit den Fahrradsensoren von Polar kompatibel und bietet mit 60 Stunden eine doppelt so hohe Speicherdauer für GPS- und Herzfrequenzdaten. Anders als beim M400 ist nicht das GPS für die Höhenmessung zuständig, sondern ein barometischer Luftdrucksensor, der präzisere Daten liefert.

Akkuleistung ist top

Trotz aktiven GPS können die Polar V800 und die M400 mit langen Akkulaufzeiten überzeugen. Erst nach acht Stunden im Standby, 30 Minuten GPS und Pulsmessung sowie 15 Minuten GPS zeigte der Akku der V800 knapp unter 100 Prozent Ladestand an. Der Hersteller spricht bei ihr von bis zu 13 Stunden Trainingszeit und 30 Tagen in der Uhrzeitanzeige inklusive Aktivitätsmessung. Bei der M400 reduzieren sich diese Angaben auf acht Stunden Trainingszeit und 24 Tage Zeitanzeige und Fitnesstracking. Andere Fitnesstracker mit Akku kommen auf maximal sieben Tage, nur Geräte mit Knopfbatterien zum Wechseln schaffen mit bis zu sechs Monaten längere Zeiträume - und acht Stunden Training sollten selbst Profi-Fußballer nicht an einem Arbeitstag zusammenbekommen.

Sportlich? Ja - Smart? Nein

Die Polar V800 und die Polar M400 sind mehr als nur Fitnesstracker. Sie sind hilfreiche Trainingsinstrumente für alle Sportler, die nicht sich nicht nur gelegentlich bewegen wollen und ihr Training auf Basis von Messwerten verbessern wollen. Die Smart Notifications sind eine nette Zusatzfunktion, machen die beiden Sportuhren aber noch lange nicht zur Smartwatches oder ernsthaften Konkurrenten für die Apple Watch und Android Wear-Modelle.

Wer sich auf einen Triathlon vorbereitet und nach aktuellen Modellen Ausschau hält, kommt meiner Meinung nach an der Polar V800 nicht vorbei. Alle anderen Sportler sollten genau hinschauen, ob die zusätzlichen Funktionen den mehr als doppelt so hohen Preis wert sind. Mir persönlich wären sie es nicht. Dennoch finde ich die Polar M400 am Handgelenk deutlich bequemer und kann sie mir viel besser als 24-Stunden-Fitnesstracker vorstellen.


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