Das Samsung Galaxy S9 im Test: Auf die inneren Werte kommt es an

Sowas sagt man, wenn das Äußere nicht zu überzeugen weiß. In diesem Fall meint es: Die optischen Unterschiede zum Vorgänger sind kaum auszumachen. Unter der gläsernen Haube hat sich indes einiges getan. Warum Samsungs Galaxy S9 weiterhin der Android-Goldstandard ist.

Sieht das aus wie früher?

Eine Frage, die sich wohl viele Samsung-Fans angesichts der vielen Leaks vorab gestellt haben dürften. Und tatsächlich: Auf den ersten Blick erkennt man kaum Unterschiede zum Vorgänger – zumindest beim "kleinen" S9. Es fasst sich genauso an. Fast. Denn mittlerweile ist der Rahmen der S-Reihe in der Gehäusefarbe gehalten und glänzt auch nicht mehr metallisch. Das matte Finish sieht für mich stimmiger aus, allerdings auch weniger luxuriös. Auch hier gilt also: reine Geschmacksfrage. Allerdings setzt sich der Rahmen etwas stärker vom Glas ab. Dadurch schmiegt sich das Smartphone etwas weniger in die Hand. Weil die Vorder- und Rückseite aber weiterhin mit Glas eingefasst sind, fühlt sich das Smartphone dennoch griffig an. Auch wegen der abgerundeten Displayränder. Denn wie schon der Vorgänger bringt das S9 das an den Seiten praktisch randlose 5,8 Zoll große "Infinity Display" in QHD+-Auflösung mit. Das überzeugt mit sattem Schwarz, starken Kontrasten und extremer Schärfe.

Auf den zweiten Blick fallen die Unterschiede zum Vorgänger dann doch ins Auge. So wirkt das Display, als sei es nach unten verrutscht. Tatsächlich ist der Rand unter dem Bildschirm ein wenig schmaler geworden bzw. der obere Rand einen Millimeter breiter. Dort haben Samsungs Ingenieure unter anderem die 8-MP-Frontkamera, den Hörer mit dem zweitem Lautsprecher, die Benachrichtigungs-LED und einen Iris-Scanner zum Entsperren des Smartphones untergebracht.

Die Rückseite erstrahlt neben der schwarzen und grauen Ausführung nun auch in Lila, das in meinen Augen ins Bläuliche changiert. Meine Meinung zur neuen Farbe: Man muss es mögen. Aber ich bin auch nicht die Referenz für Farben, sondern Rot-Grün-farbenblind. Mir gefällt nach wie vor die Orchid-Grey-Variante am besten. Nach meiner Kenntnis hat Samsung mit der neuen Farbe vor allem die weibliche Zielgruppe im Visier. Den Frauen im Team gefiel das neue Äußere dann doch recht gut.

Ist das Problem mit dem Fingerabdrucksensor besser gelöst?

Der Fingerabdrucksensor unter der Kamera(© 2018 CURVED)

Reichlich Aufregung gab es beim S8 wegen des neu platzierten Fingerabdrucksensors. Er wanderte von der Vorderseite auf die Rückseite. Allerdings neben die Kamera, die ungefähr denselben Platz beansprucht. Dadurch war er nicht wirklich intuitiv zu erfühlen. So tatschte man ungewollt auf die Kameralinse. Unschön. Samsung hörte auf die Kritiker und platziert den Sensor nun unter der Kamera und versenkt ihn minimal im Geäuse. Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings verschwindet auch die Kamera ein wenig im Gehäuse. So lässt sich der Sensor immer noch nicht wirklich einwandfrei erfühlen. Aber ich behaupte mal nach etlichen Versuchen: Wenn man sich mit dem Finger von unten nähert, ist das kein Problem mehr. Allerdings lohnt sich dann der Einsatz eines Putztuches.

Ist die Kamera wirklich so gut?

Während die Koreaner beim Gehäuse wirklich nur kosmetische Änderungen vorgenommen haben, legt das Unternehmen den "Fokus" bei den neuen Smartphones auf die Kameras. Sie verfügt rückseitig beim S9 über zwei manuelle Blenden. Sie liegen bei f/1.5 und f/2.4. Was das heißt: Zum ersten Mal verbaut Samsung in einem Smartphone tatsächlich eine mechanische Blende, wie man sie großen Fotokameras kennt. Dass sie mechanisch ist, lässt sich sogar mit bloßem Auge erkennen, wenn man im manuellen Foto-Modus die Blendenöffnung wechselt. Doch eigentlich erledigt das Smartphone diese Arbeit selbst. Bei Lichtverhältnissen unter 100 Lux, etwa in einem Korridor und Flur ohne Lichteinfall, schaltet die Kamera auf die große Blende, die mehr Licht auf den Sensor fallen lässt. Darüber switcht sie auf auf die kleine, die den Lichteinfall auf den Sensor minimiert.

Die Sache mit der mechanischen Blende

Samsung verspricht, dass dadurch bessere Fotos in Umgebungen mit sehr viel sowie sehr wenig Licht gelingen. Anders formuliert: Bei der Fixierung auf eine große Blendenöffnung, die super für Low-Light-Aufnahmen ist, könnte man das Problem haben, dass Szenen mit sehr viel Licht am Tag leichter "ausbrennen". Dann haben etwa Gesichter aber auch andere Oberfläche weniger "Zeichnung". So viel erstmal vorweg: Dass auch Smartphone ohne eine solche mechanische Blende sehr gute Fotos hinbekommen, das belegt etwa Apple mit dem iPhone X, aber auch Google mit den Pixels.

Um die Bildqualität zusätzlich zu verbessern, nimmt das S9 bei jedem Schnappschuss 12 Fotos gleichzeitig auf, die im Anschluss kombiniert werden. Möglich macht das unter anderem der zusätzlich verbaute DRAM-Speicher direkt auf der Kamera, der in der Lage ist, die Flut an Bilddaten zwischenzuspeichern. Von dem Vorgang bekommt man als Nutzer auch nichts mit. Denn die Fotos sind genauso schnell im Kasten wie es beim Vorgänger der Fall war. Was das S9 aber dadurch beherrschen soll, ist ein erheblich minimiertes Bildrauschen. Man kennt das: Während das menschliche Auge auch bei Kerzenlicht oder kurz vor Sonnenuntergang noch gut sieht, ist der Schnappschuss meist verrauscht. Durch unterschiedliche Belichtungsreihen während einer Aufnahme, legt das Samsung-Smartphone die Einzelbilder übereinander, vergleicht sie und erkennt so, welche Bildbereiche "rauschen", aber nicht rauschen sollen. Wie schaut das aus?

Wohlgemerkt, auch wenn es nicht so aussieht: Die Bilder sind im nahezu düsteren Fotostudio entstanden, in das nur durch einen kleinen Spalt zwischen den Vorhängen ein Sonnenstrahl drang. Die Aufnahme hat das Smartphone demnach aufgehellt, allerdings ohne sichtbares Bildrauschen. Allerdings macht im direkten Vergleich auch das S7 einen guten Job. Nur die Farben wirken weniger natürlich.

Wer sich zudem fragt, ob sich bei unterschiedlichen Blenden in der S9-Kamera mit dem Schärfebereich spielen lässt, um Objekte, Personen oder einfach nur Bildbereiche weiter vorne schärfer und andere wiederum unschärfer erscheinen zu lassen: Ja, das funktioniert. Allerdings muss man schon nah heranzoomen, um die Unterschiede zu erkennen.

Falls ihr euch fragt, wo die restlichen Bilder bleiben: Das Hamburger Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deswegen haben wir auf die übliche Foto-Tour durch die Straßen von Ottensen verzichtet, entschädigen euch dafür aber in den nächsten Tagen mit schönen Aufnahmen aus Malta, wo ich das S9 gerade mit Blick auf seine Fotoqualitäten noch an seine Grenzen bringen will. Vergleichsbilder mit dem iPhone X liefere ich dann entsprechend nach.

Alles ist besser in Slow-Motion

Das Internet liebt nicht nur Katzen, sondern auch Slow-Motion-Videos. Am besten in Kombination mit einem Fail; etwa, wenn sich ein Skater in Superzeitlupe ums Geländer wickelt. So spendiert Samsung dem S9 wieder eine solche Superzeitlupe, die 960 Bilder pro Sekunde aufzeichnet. Das schafft sie wiederum nur für die 0,2 Sekunden, die dann wiederum auf 6 Sekunden gestreckt werden.

Wer sich jetzt denkt: Wie soll ich das denn vernünftig timen? Keine Panik: Die Aufnahme von Superzeitlupen-Videos funktioniert besser als bei den Sony-Smartphones. Während man bei den Xperia-Geräten von Sony sehr genau timen muss, wann man die Superzeitlupe aufnehmen will, nimmt das S9 dem Nutzer die Arbeit ab. So startet man zunächst die Aufnahme, das Gerät erkennt dann selbst, wann die Action stattfindet. Folglich werden 0,2 Sekunden auf sechs Sekunden verlängert. Das Ganze nun auch in 720p, also etwas höher aufgelöst.

Wie schnell ist die Hardware?

Dass die Galaxys immer zu den schnellsten Android-Smartphones gehören, versteht sich von selbst. Für den deutschen Markt verbaut Samsung den Exynos 9810. Für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen:

Die Leistungswerte sind spitze: 240.441 im Antutu-Benchmark, 3657 (Single) bzw. 8519 (Multi) bei Geekbench. Der Leistungssprung zum Vorgänger, der 173.398 Punkte bei Antutu erreichte, ist schon enorm. Im Alltag ist das Smartphone aber nicht doppelt so schnell wie ein S8. Vielmehr hat man die Fähigkeiten des Smartphones der neuen Maximalleistung angepasst. Von dem Plus an Performance profitiert ihr etwa bei der Kamera, die so in der Lage ist, mehr Bildinformationen in kürzerer Zeit zu verarbeiten: bei Slow-Motion-Videos, der Serienbildaufnahme sowie der Aufnahme und Wiedergabe von 4K-Videos.

Und wie lange hält der Akku?

Ganz ehrlich? Einen Tag. Mein Eindruck ist, dass im direkten Vergleich das Mate 10 Pro von Huawei noch ein bisschen länger durchhielt. Allerdings hängt die Laufzeit so stark von der individuellen Nutzung ab. Und Dauerläufer waren die Galaxys noch nie. Dafür ist das Smartphone-Paket zu sehr auf Highend getrimmt. Per Schnellladefunktion tankt man in kürzester Zeit wieder genug Energie für den Arbeitstag. In knapp 90 Minuten war der 3000 mAh große Akku von nahezu null auf wieder hundert Prozent aufgefüllt.

Muss ich sonst noch was wissen?

Ebenfalls ordentlich überarbeitet hat Samsung seine Lautsprecher in Zusammenarbeit mit AKG. Die Koreaner versprechen Dolby-Surround-Sound. Der ist natürlich weder raumfüllend, noch wirklich Surround. Allerdings tönt das Galaxy S9 viel größer als es aussieht. Und das unabhängig davon, ob das Video oder der Song in Dolby-Sound aufgenommen wurde. So machen Netflix oder YouTube "in der Hand" noch ein bisschen mehr Spaß. Gut gemacht!

Bixby, Samsungs Künstliche Intelligenz, kann außerdem mit Hilfe der Kamera Texte in fremden Sprachen in Echtzeit übersetzen – und erkennt Lebensmittel automatisch. Mehr noch: Der Assistent berechnet sogar die enthaltenen Kalorien. Das hat im Test meist funktioniert, wenn es sich etwa um einzelne Gerichte, wie eine Pizza, ein Croissant oder Pasta. Auch die Live-Übersetzung funktioniert, obgleich das schon seit jeher mit Google Translate funktioniert.

Der Vollständigkeit halber nochmal für alle, die sich wirklich davon überzeugen wollen, dass das S9 auf der Höhe der Zeit ist, hier die weiteren Specs:

  • 5,8 Zoll großes QHD+-Display mit 2960 x 1440 Pixeln
  • Exynos 9810 (vier Chips mit 1,7 und vier Chips mit 2,7 Ghz)
  • 4 GB RAM
  • 64 GB Festspeicher (erweiterbar um 400 GB per microSD) / 256 GB optional
  • Dual-SIM optional
  • Akku mit 3000 mAh, QuickCharge und Wireless Charging
  • wasserdicht nach IP 68
  • Rückkamera (12 MP) mit variabler Blende (mechanisch): f/1.5 und f/2.4
  • Frontkamera mit 8 MP (Blende von f/1.7)
  • Kopfhöreranschluss weiterhin vorhanden
  • Android 8.0 Oreo mit Samsungs Benutzeroberfläche Samsung Experience 9.0
  • 163 Gramm Gewicht
  • Farben: Schwarz, Grau, Lila

Unklar war länger, was Samsung Apples Animojis entgegenzusetzen hat. Die Antwort heißt "AR Emojis". Dabei leiht man nicht süßen Tierchen seine Mimik, sondern erstellt ein Emoji-Set von sich selbst. Über die Frontkamera nimmt der Nutzer ein Selfie auf, der "digitalisiert" wird. Als Partygag taugt das allemal, denn man kann sich schon wiedererkennen – und sein digitales Selbst sogar noch mit allerlei Accessoires ausstatten. Teenager finden daran bestimmt gefallen.

Animoji Galaxy S9 Felix
Ein Animoji-Felix(© 2018 CURVED)

Auf mich wirkt auf mich immer noch ein bisschen wie eine Mischung aus den Sims und Bitmoji. Wiederum cool gelöst: Das Emoji-Set lässt sich anschließend in Messengern nutzen. Und das sogar universell, da es sich um Gifs handelt.

Preise und Verfügbarkeit

849 Euro ruft Samsung für das S9 mit 64 GB Speicher auf. 799 Euro waren es noch beim Vorgänger, dem S8. 949 Euro verlangen die Koreaner für das Modell mit 256 GB. Vorbestellen lässt sich das Smartphone ab dem 25. Februar, in den Läden steht es dann ab dem 16. März.

Fazit

Jan formulierte es im direkten Vergleich von S8 und S9 so: "Das Design und der neue Prozessor sind nur dezente Unterschiede zwischen dem Galaxy S9 und Galaxy S8. Vor allem die Dualkamera des S9 Plus macht den Unterschied. Die aktuelle 9er-Generation verfügt darüber hinaus über den besser platzierten Fingerabdrucksensor und steht in Zukunft bei Android-Updates besser da." Wohlgemerkt: Das S8 gibt es derzeit bereits für unter 600 Euro. Zumal der Preisanstieg einigen Fans bitter aufstoßen dürfte. Doch in Zeiten des iPhone X sind rund 1000 Euro für ein Smartphone offenbar das "New Normal".

Wer nicht vom direkten Vorgänger wechseln möchte, bekommt mit dem Galaxy S9 den aktuellen Goldstandard im Androidsegment: Top-Ausstattung, Top-Kamera, Top-Display und ein schickes Design.

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