Samsung Gear S2 im ausführlichen Test: Eine fast runde Sache

Auf der IFA war die Samsung Gear S2 der Star unter den Wearables. Zurecht? Wir haben die Tizen-Smartwatch ausführlich getestet.

Umständliche Bedienung, kompliziertes System, schlechte Akkulaufzeit, wenig Mehrwert, zu teuer. Die aktuelle Smartwatch-Generation hat mit allerlei Problemen und Vorurteilen zu kämpfen. Immerhin haben die Hersteller den Punkt Design mittlerweile halbwegs in den Griff bekommen. Uhren, wie etwa die Huawei Watch, sehen durch kreisrunde Displays ganz schön schick aus. Nerd-Spielzeug war einmal. Mit der Samsung Gear S2 wollen auch die Südkoeraner ihren Smartwatches einen klassischeren Look verpassen - und gleichzeitig ein wirklich smarte Uhr liefern.

Die Verarbeitung stimmt schon mal. Die Uhr aus Edelstahl fühlt wertig an. Auf der Unterseite findet Ihr den für Smartwatches schon fast obligatorischen Herzschlagsensor. Schade: Kratzfest ist das Gehäuse leider nicht. Ich bin einmal an einem Türgriff hängengeblieben, dabei hat sich die Uhr direkt einen unschönen Kratzer eingefangen.

Ein smartes Rad zur Steuerung

Viel Wert hat Samsung auf die Bedienelemente gelegt. Die Gear S2 lässt sich auf drei Arten bedienen: per Touch, über zwei Buttons an der rechten Seite - der obere bringt Euch in Menüs einen Schritt zurück, der untere zum Homescreen - und über ein Novum. Die Lünette ist mehr als nur ein Designelement: Ihr steuert über Drehungen nach rechts durch diverse Widgets, etwa das Wetter oder den Kalender. Dreht Ihr sie nach links, kommt Ihr zu den Benachrichtigungen von Gmail oder installierter News-Apps. Uhren mit Android Wear bieten an dieser Stelle maximal einen Knopf, der als Home-Button dient.

Kurz ein paar Worte zur Ausstattung: Das Super-AMOLED-Display der Gear S2 ist mit 1,2 Zoll ist für heutige Verhältnisse ein wenig klein geraten. Das hat aber den Vorteil, dass die Uhr nicht protzig, sondern wie eine normale Armbanduhr aussieht. Die Auflösung ist mit 360 x 360 Pixeln ziemlich hoch, die Darstellung gestochen scharf. Lob gibt es für den Ambilight-Sensor. Der sorgt dafür, dass sich die Helligkeit des Bildschirms automatisch an die Umgebung anpasst. Anders als beim nervigen Plattfuß der Motorola Moto 360 ist der Sensor bei der Gear S2 unsichtbar. Super gelöst!

Der 1,2 Zoll große Super-AMOLED-Bildschirm liefert ein scharfes Bild.(© 2015 CURVED)

Das Gleiche gilt für die Lünette. Das neue Bauteil macht richtig viel Spaß, die Bedienung darüber funktioniert genau und einwandfrei. Mit jedem Schritt rastet die Lünette ein wenig ein und gibt so bei jedem erreichten Menüpunkt ein haptisches Feedback. Gut gemacht, Samsung! Allerdings ist diese Mischung aus Touch, Lünette und Buttons zum Start recht gewöhnungsbedürftig. Doch schon nach wenigen Minuten weiß man zu schätzen, dass man weniger häufig auf dem kleinen Display herumtippen muss und dabei die Menüs verdeckt.

Drei Tage hält der Akku nicht

Der interne Akku, der übrigens kabellos geladen wird, verfügt über eine Kapazität von 250 mAh. Klingt nicht nach viel, ist es auch nicht. Samsung verspricht zwar eine Laufzeit von bis zu drei Tagen. Bei mir war aber immer schon am Ende des zweiten Tages Schluss. Dabei spielte es auch keine Rolle, ob ich in den Einstellungen die Funktion "Uhr immer an" aktiviert habe oder nicht. Trotz eines kleineren Akkus liegt liegt die Gear S2 dabei auf Höhe aktueller Android-Wear-Smartwatches.

Apropos Android Wear: Das Google-Betriebssystem kommt bei der Gear S2 nicht zum Einsatz. Stattdessen setzt Samsung auf die Eigenkreation Tizen. Die Software ist genau wie die Uhr an sich sehr gut designet und im Vergleich zu Android Wear schön übersichtlich und sehr einfach zu bedienen. Die Benutzeroberfläche reagiert zügig und ohne Ruckler auf Eingaben. Wie bei anderen Smartwatches bekommt Ihr auch bei der Gear S2 alle Nachrichten vom Smartphone ans Handgelenk gepushed.

Tizen: smarte Funktionen, wenige Apps

Praktisch: Anders als bei der Apple Watch könnt Ihr auch auf WhatsApp-, Facebook-Messenger- und andere Nachrichten direkt vom Handgelenk antworten. Ihr habt sogar die Wahl, ob Ihr eine vorgefertigte Antwort oder einen passenden Smiley auswählen, eine Nachricht einsprechen oder eintippen wollt. Für Letzteres stellt Euch Samsung eine aus dem Handy-Zeitalter bekannte T9-Tastatur zur Verfügung. Die Idee ist nett. Längere Texte darauf zu schreiben dagegen nicht. Dafür ist der Bildschirm schlicht zu klein. Für eine schnelle Antwort, die inhaltlich von den vorgegebenen Varianten abweichen soll, reicht sie aber vollkommen aus. Wer gern Geheimagent spielt, kann über die Uhr auch telefonieren.

Bei Facebook-Benachrichtigungen singt dann aber auch die Gear S2 das alte Lied. "Felix Disselhoff hat deinen Beitrag kommentiert", heißt es etwa. Was Felix geschrieben hat, verrät die Uhr aber nicht. Das liegt sicherlich an der Zusammenarbeit der Facebook-App mit Tizen. Trotzdem: Schade! Dafür punkten die Bordmittel des Betriebssystems. Wenn ich die Uhr mit zum Joggen trage, registriert S-Health selbstständig, dass ein Workout im Gange ist, checkt meinen Herzschlag, startet eine Stoppuhr und beendet diese hinterher auch von selbst. Genau das erwarte ich von einer Smartwatch.

Tizen macht Spaß, bietet aber nur wenige Apps.(© 2015 CURVED)

Problematisch wird es, wenn Ihr Apps auf der Uhr installieren wollt. Bislang gibt es neben vielen Watchfaces nur wenige echte Anwendungen für die Gear S2 im App-Store. Dieser Umstand könnte zum Problem werden. Nutzer kaufen die Smartwatch nur dann, wenn es auch die richtigen Apps für die Uhr gibt. Andersherum interessieren sich Entwickler erst dann für Tizen, wenn genügend Leute eine Uhr kaufen.

Anders als bei früheren Uhren von Samsung - mit Ausnahme der Gear Live - müsst Ihr kein Galaxy-Gerät mehr besitzen, damit die Smartwatch funktioniert. Stattdessen reichen ein Smartphone mit Android 4.4 KitKat oder neuer und mindestens 1,5 Gigabyte Arbeitsspeicher. Mit dem iPhone könnt Ihr die Gear S2 noch nicht verbinden. Es besteht aber die Möglichkeit, dass Samsung hier noch einmal nachbessert. Wie gut das nachher funktioniert, bleibt abzuwarten. Android Wear arbeitet bislang nur sehr eingeschränkt mit Apple-Hardware zusammen.

Fazit: nicht richtig smart, aber smarter

Die Bedienung der Gear S2 geht einfach von der Hand. Das Tizen-Betriebssystem ist deutlich übersichtlicher als Android Wear und watchOS. Bei der Akkulaufzeit reißt die Gear S2 zwar keine Bäume aus, muss sich vor der Konkurrenz aber auch nicht verstecken. Kurz: Die Samsung Gear S2 machte mir im Test mehr Spaß als andere Smartwatches.

Besonders gut eignet sich die Gear S2 als Uhr für Hobby-Läufer, die Ihre Leistung immer im Auge behalten wollen. Dazu passt das sportliche Armband der normalen Version. Wer es edler mag, greift zur Classic-Variante. Die kommt mit einem Lederarmband, das sich gegen beliebige 18-Millimeter-Bänder austauschen lässt. Technisch unterscheiden sich die Uhren nicht.

Nur der Umfang an verfügbaren Anwendungen im Appstore trübt den guten Gesamteindruck. Wenn da nicht bald mehr als nur Watchfaces verfügbar sind, stellt sich die Frage nach der Perspektive für die Uhr mit einem Preis von 349 Euro. Wer es günstiger will, greift zur kleinen Version der Moto 360 (ab 299 Euro) oder zur Asus ZenWatch 2 (149 Euro). Für die Uhren gibt es zwar mehr Apps. Dafür müsst Ihr aber mit dem deutlich chaotischeren Android Wear zurechtkommen.


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