Das Sony Xperia X Performance im Test

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Das Sony Xperia X Performance bietet weniger als andere Flaggschiffe.
Das Sony Xperia X Performance bietet weniger als andere Flaggschiffe.(© 2016 CURVED)

Nicht weniger als ein "Meisterstück" soll das Sony Xperia X Performance nach Herstellerangabe sein. Ob Sony damit zu hoch stapelt, klärt der Test.

Nun ist es also doch passiert: Sony bringt sein Flaggschiff nach Deutschland. Auf dem Mobile World Congress verkündete der Hersteller aus Japan noch, dass das Xperia X Performance hierzulande nicht erscheinen soll. Ein paar Monate später könnt Ihr das eigentliche Top-Gerät nun für 699 Euro vorbestellen. Käufer des Xperia X dürften sich darüber ärgern.

Zwar unterscheiden sich beide Smartphones optisch nicht großartig voneinander. Das X Performance ist 13 Gramm schwerer als das Xperia X und 0,9 Millimeter dicker. Das liegt allerdings daran, dass das Gehäuse des Flaggschiffes aber nach IP68 staub- und wasserdicht ist. Diese Robustheit war in der Vergangenheit ein großer Pluspunkt vieler Sony-Geräte. Mit dem Wechsel auf die X- und den Verzicht auf die C-, M-, und Z-Serie haben die Japaner dieses Feature aber bei fast allen Geräten gestrichen – nur nicht beim Xperia X Performance.

Ansonsten ist das Smartphone genauso solide verarbeitet wie der kleine Bruder. Das heißt: Alu-Gehäuse, Fingerabdrucksensor, Kamera- und Lautstärketasten rechts, SIM- und Speicherkarteneinschub links. Oben liegt der Kopfhörerausgang, unten der micro-USB-Anschluss. Die einzige wirklich ersichtliche Änderung: Die Kamera stand bei Xperia X minimal nach außen ab. Das ist beim X Performance nicht der Fall. Wer diese Unterschiede nicht kennt, wird beide Smartphones kaum auseinanderhalten können.

Höheres Tempo, weniger Laufzeit

Bei der Ausstattung ändert Sony eigentlich nur ein Detail, dafür aber ein entscheidendes: Statt des Snapdragon 650 kommt das aktuelle Top-Modell Snapdragon 820 zum Einsatz. Der Chip steckt in fast allen aktuellen Highend-Smartphones und macht dem Namen "Perfomance" alle Ehre. Denn mit Hilfe des Quad-Core-Prozessors erreicht das Sony im AnTuTu-Benchmark im Schnitt circa 120.000 Punkte. Beim Xperia X waren es "nur" rund 70.000 Punkte.

Besonders Zocker profitieren vom High-End-Chip, der auch in großen Spielen, wie dem Weltraum-Shooter "Galaxy on Fire 2" oder dem Rennspiel "Cosmic Challenge", für ein flüssiges Spielerlebnis sorgt. Dabei wird das Smartphone zwar etwas warm, aber keineswegs heiß. Im Alltag merkt man den Geschwindigkeitsunterschied im Vergleich zum Xperia X kaum. Auf beiden Smartphones geht die Bedienung flott von der Hand, Apps öffnen sich schnell.

Sony-Xperia-X-Serie im Vergleich
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Weitere Unterschiede sucht man fast vergebens. Das fünf Zoll große Display löst auch im X Performance mit 1920 x 1080 Bildpunkten auf, ist nur minimal heller als der Bildschirm vom Xperia X. Für Virtual-Reality reicht es damit wieder nicht. Arbeitsspeicher und Speicher bleiben mit 3 beziehungsweise 32 Gigabyte gleich groß. Ein minimales Upgrade gibt es für den Akku: Die Kapazität steigt im Vergleich zum Xperia X von 2.620 auf 2.700 mAh.

Power-Nutzer haben hier trotzdem einen Nachteil: Der größere Akku hält nicht so lange durch wie die Batterie im normalen X. Wer viel zockt, muss zusehen, dass er abends an die Steckdose kommt – oder dauerhaft in den Energiesparmodus schalten. Dann könnt Ihr das Smartphone aber nicht mehr im vollen Umfang nutzen. Für solch ein Gerät ist das ein No-go. Denn wer so viel in ein Smartphone mit dem Namen "Performance" investiert, will diese auch erleben – und keinen teuren MP3-Player benutzen.

Das Sony Xperia X Performance macht seinem Namen alle Ehre.(© 2016 CURVED)

Kamera und Software bleiben gleich

Bei der Kamera handelt es sich um das gleiche 23-Megapixel-Modell, das im Sony Xperia X zum Einsatz kommt. Mit einem ruhigen Händchen – denn einen optischen Bildstabilisator gibt es nicht – und der “überlegenen Automatik” können auch Laien schicke Fotos schießen. Der Modus erkennt Szenen selbstständig und wählt automatisch die richtigen Einstellungen. Wollt Ihr Euch nicht darauf verlassen, wechselt Ihr einfach in den manuellen Modus. In dem legt Ihr sämtliche Parameter händisch fest.

Wert legt man natürlich auch beim Top-Gerät auf den prädiktiven Autofokus: Habt Ihr ein Objekt im Fokus, folgt die Kamera diesem automatisch und stellt permanent scharf. Selfies knipst Ihr, wie beim Xperia X, mit 13 Megapixeln. Trotz der High-End-Ausstattung kann das Xperia X Perfomance keine 4K-Videos aufnehmen. Bei 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde ist Schluss. Da bieten die Kameras sämtlicher Konkurrenten mehr.

Auch bei der Software gibt es keine Unterschiede: Android 6.0 Marshmallow bietet die gleichen Funktionen – und die gleiche Bloatware – wie beim Xperia X. Immerhin dürft Ihr damit rechnen, dass Sony Android N schnell auf die neuen Xperias bringt. Neben den Nexus-Geräten von Google ist das Sony Xperia Z3 nämlich das einzige Gerät, für das die Preview zum kommenden Betriebssystem ebenfalls zur Verfügung steht. Da muss schon einiges verkehrt laufen, wenn die Entwickler des Unternehmens hier nicht kurz nach dem Release schon ein Update zur Verfügung stellen.

Fazit: Meisterstück mit Tücken

Das Sony Xperia Performance ist mit Sicherheit kein schlechtes Smartphone. Es sieht gut aus, ist gut verarbeitet, wasserdicht und schnell. Für den Angriff auf die Spitze reicht es trotzdem nicht. Denn die Konkurrenz kann mittlerweile einfach mehr. Sowohl die Samsung-Galaxy-S7-Modelle, als auch das LG G5 und das HTC 10 haben höher aufgelöste Bildschirme, eignen sich also mehr für VR-Inhalte. Außerdem können alle anderen Flaggschiffe 4K-Videos aufnehmen. Das Xperia X Performance muss da passen.

Für ein echtes Meisterstück fehlt dem Xperia X Performance darüber hinaus das eine Killer-Feature, wegen dem ich dieses Smartphone unbedingt haben will. Beim LG G5 ist das etwa die Möglichkeit, den Funktionsumfang per Modul zu erweitern, beim S7 Edge der funktionale und schicke Edge-Screen. So bleibt das Xperia X Performance ein Smartphone, das nur beim Preis von 699 Euro ganz oben mitspielt.


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