Sony Xperia XZ1 im Test: Bezel-Bub mit einzigartigen Fähigkeiten

Sony hat entschieden: Nur wo "Premium" draufsteht, ist auch "Premium" drin. Deshalb bleibt das Sony Xperia XZ Premium auch weiterhin der Primus im Portfolio. Dabei ist das Xperia XZ1 nicht nur günstiger, sondern auch Sonys erstes Smartphone mit Android 8.0 Oreo und dem "3D Creator". Der Test.

Schon im Hands-on auf der IFA hatte das Sony Xperia XZ1 einen guten ersten Eindruck hinterlassen. In unserem Test wollten wir nun herausfinden, ob sich dieser bestätigt oder als falsch herausgestellt hat.

Optisch: Gewöhnungssache

Mit jedem Sony-Smartphone, das ich in die Hand nehme, schwindet meine Abneigung gegenüber diesem Design. Beim Sony Xperia XZ1 ist sogar das Gegenteil eingetreten: Mir gefällt es erstaunlich gut. Der mattschwarze Aluminiumkörper schmiegt sich gut in die Hand, sieht edel aus und ist beileibe nicht so anfällig für Fingerabdrücke wie die Glasoberfläche des XZ Premium. Das ließ sich ja eigentlich nur mit Samthandschuhen anfassen. Im schwarzen Finish wirkt die lange Form in meiner Wahrnehmung zudem nicht mehr so unnötig gestreckt wie bei anderen Sony-Telefonen. Dennoch versprühen die breiten Ränder ("Bezel" im Englischen) oben und unten vor allem im Vergleich mit ähnlich modernen Geräten, wie dem kommenden iPhone, dem LG V30 oder dem Essential Phone, einen nicht mehr zeitgemäßen Hauch von "überholt". Sony hat auch erneut die Chance verpasst, die drei Android-typischen Sensortasten im Rahmen zu platzieren und damit mehr freie Fläche auf dem Display freizulegen.

Apropos Display: Hier macht sich der Unterschied zum XZ Premium am stärksten bemerkbar. Das 5,2 Zoll große IPS-Panel löst gegenüber den 5,5 Zoll des XZ Premium und QHD-Auflösung "nur" in Full-HD auf. Die 0,8 Zentimeter kürzere Diagonale ergibt dadurch 424 ppi in der Pixeldichte, während das Premium satte 807 dpi schafft. Fernab der niedrigeren Auflösung, die bei einem Smartphone dieser Größe aber völlig ausreichend ist – es sei denn, man möchte es für VR-Anwendungen nutzen –,  ist das Bild bereits im "Standardmodus" scharf und leuchtstark. Wer Wert auf eine möglichst natürlich Farbwiedergabe legt, wechselt in den "Professionellen Modus" samt sRGB-Farbskala. Noch farbsatter und kontrastreicher wird die Darstellung im "superlebendigen Modus". Übrigens zählen das XZ1 und das XZ Premium derzeit zu den nur vier Smartphones, die HDR-Unterstützung bei Netflix bieten. Chapeau!

Gut gefällt mir, dass Sony weiterhin am Konzept festhält, den Fingerabdrucksensor im Powerbutton zu integrieren. Mittig in der rechten Rahmenleiste leicht vertieft eingelassen komme ich jederzeit gut mit dem rechten Daumen oder dem linken Mittelfinger heran, ohne lange danach tasten zu müssen. So lässt sich das Telefon auch auf dem Tisch ruhend entsperren, egal, wie herum es liegt. Kleiner Kritikpunkt allerdings: Der Knopf muss zunächst kurz gedrückt werden, bevor der Sensor den Finger scannt und das Handy entsperrt. Eine direkte Lösung ohne vorheriges Drücken wäre mir lieber gewesen. Dafür reagiert der Scanner aber schnell und zuverlässig.

Technisch: Premium

Die technischen Unterschiede zwischen dem XZ1 und dem XZ Premium muss man auf dem Datenblatt schon sehr genau suchen. In beiden Sonys kommt der Snapdragon 835 nebst vier GB RAM zum Einsatz. Marginale Unterschiede offenbaren sich lediglich in der GHz-Taktung der acht Kerne, die beim Premium mit viermal 2,45 GHz und viermal 1,9 GHz geringfügig höher ausfällt (XZ1: 4 mal 2,35 GHz und 4 mal 1,9 GHz). Dass das XZ1 bei derartig leistungsstarken Komponenten auch ohne Namenszusatz "Premium" ist, belegt der Test. In den Benchmarks bei Geekbench und Antutu erreicht das Telefon Spitzenwerte (siehe Bilder). Spiele wie "Real Racing 3", "Asphalt 8" oder "N.O.V.A. Legacy" laufen geschmeidig in der höchsten Detailstufe. Multitasking über mehrere Apps hinweg ist ebenfalls kein Problem: Anwendungen im Hintergrund wurden flott wieder an der Stelle aufgerufen, wo wir sie geschlossen hatten.

Für die flüssige Darstellung und saubere Performance ist zu einem Teil auch das Betriebssystem verantwortlich. Als erstes Sony-Smartphone überhaupt und generell eines der wenigen Android-Telefon ist das XZ1 mit Android 8 Oreo ausgestattet. Allerdings fehlen bislang noch Neuheiten, wie etwa die Bild-in-Bild-Funktion, die mit Oreo eingeführt worden sind. Für das XZ Premium hat Sony das Update bereits in Aussicht gestellt, allerdings noch ohne fixen Termin. Ebenfalls erst nachgeliefert und somit bislang einmalig ist der 3D Creator des XZ1. Darüber hinaus hält sich Sony bei der Menge an hauseigenen Anwendungen zurück. Lediglich Altbekannte, wie die Xperia-Lounge, die PlayStation-App oder der Assistent, sind wieder vorinstalliert.

Das coolste Feature: der 3D Creator

Sonys ganzer Stolz, die Kamera, hat auf dem Xperia XZ1 eine neue Funktion bekommen. Der 3D Creator findet sich als eigene Anwendung auf dem Homescreen. Dahinter verbirgt sich eine Software, die mithilfe der Kamera 3D-Modelle von Personen und Gegenständen erstellen kann. Beeindruckend: Damit die Funktion keine bloße Spielerei bleibt, lassen sich die erstellen 3D-Objekte anschließend über einen 3D-Drucker ausdrucken oder in die Augmented-Reality-App einbauen.

Die Kamera selbst hat sich gegenüber dem XZ Premium nicht verändert. Die Features sind identisch zu denen des Flaggschiffs. So nimmt auch das XZ1 die Superzeitenlupen mit beinahe 1000 Bildern pro Sekunde auf. Wie überzeugend diese Videos letztendlich sind und wie sich die Kamera generell im Alltagstest schlägt, lest Ihr im Test von Felix zum Sony Xperia XZ Premium.

Etwas überrascht hat mich, dass das Objektiv der Hauptkamera (nein, auch das XZ1 besitzt keine Dualkamera!) minimal aus der Rückseite hervorsteht. Einen erkennbaren Grund dafür gibt es nicht. Außer, dass das Telefon in seinen Dimensionen kleiner und kompakter ausfällt als das XZ Premium.

Fazit: mein Sony-Liebling

Müsste ich mich für eine Sony-Smartphone entscheiden, das XZ1 wäre meine erste Wahl. Es sieht nicht nur optisch ansprechend aus, es bietet in meinen Augen auch das beste Gesamtpaket. Das fängt an bei der grundsoliden und robusten Verarbeitung und erstreckt sich über das konsequente Festhalten am seitlich verbauten Powerbutton samt Fingerabdrucksensor, die eigene Taste für den Kamera-Schnellstart, den echten Stereosound, die IP68-Zertifizierung gegen Wasser und Staub bis hin zum neuen 3D Creator – dessen langfristigen Nutzen man durchaus anzweifeln darf.

Aber auch die Details lassen mein Herz höher schlagen: Unterstützung für Bluetooth 5.0 ist eines davon und immer noch viel zu selten in modernen Smartphones. Auch die HDR-Unterstützung ist noch lange kein Standard, auch nicht im High-End-Bereich. Schon gar nicht bei Full-HD-Displays. Auch hier großes Lob an Sony.

Kritikpunkte sind, wenn überhaupt, nur geringer Natur: Dass das XZ1 zum Beispiel Quick Charge unterstützt, das beiliegende Netzteil aber nicht. Warum spart der Hersteller hier? Oder eine fehlende Tap-to-Wake-Funktion, die durch Berühren des Displays diesen aktiviert. Da eine Dualkamera nicht automatisch zu besseren Fotos führt, kann ich angesichts der Vielzahl anderer Features darauf verzichten. Schmerzlicher finde ich, dass weder Android noch Sony einen Dark Mode eingebaut haben oder doch wenigstens einen augenschonenden Blaulichtfilter.

Ach, und hatte ich schon erwähnt, dass das Sony Xperia XZ1 auch noch 50 Euro günstiger ist als das XZ Premium? Das XZ1 kostet zum Start 699 Euro (UVP) und kann bereits vorbestellt werden. Zur Auswahl stehen die Farben Schwarz, Silber und Blau. Vorbesteller erhalten die "h.ear on 2 Mini Wireless"-Kopfhörer im Wert von 219 Euro (UVP) kostenlos dazu.


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