Xiaomi Mi5 im Test: Highend-Smartphone zum Spottpreis

Im Februar hat uns Xiaomi  auf dem MWC mit dem Mi5 überrascht: sehr gute Technik in schöner Hülle zum Bruchteil des Preises der Top-Modelle der Konkurrenz. Wir haben die "kleine" Version mit dem etwas schwächeren Snapdragon 820 getestet und verraten Euch, ob das Gerät die Vorschusslorbeeren verdient hat.

Das Xiaomi Mi5 kommt in drei Varianten. Die Modelle mit 32 und 64 Gigabyte internen Speicher verfügen über eine Glasrückseite und sind in den Farben schwarz, weiß und gold erhältlich. Es gibt zusätzlich noch eine Pro-Version mit 128 Gigabyte und einer schicken schwarzen Keramik-Rückseite.

Design: schick und leicht, aber verbesserungswürdig

Unsere Test-Version des Mi5 ist mit 129 Gramm leichter als ein iPhone 6s. Die Pro-Version bringt mit 139 Gramm etwas mehr auf die Waage. Es liegt super in der Hand. Die Glasrückseite unseres Testgeräts fühlt sich weich und sehr glatt an, weckt aber nicht den Eindruck, dass das Gerät aus der Hand fallen könnte. Hochwertig fühlt es sich nicht an, vielleicht auch deshalb, weil wir uns schon so an die schicken Metallbodys anderer Geräte gewöhnt haben.

Das Design gefällt aber: Die Rückseite ist an den Rändern gewölbt. Leider sieht man jedoch, dass es nicht ganz so nahtlos in den Metallrahmen übergeht. Zu erkennen sind teilweise Lücken. Es wirkt, als ob die Rückseite nicht 100 Prozent passt. Was mich außerdem nervt: Das Gerät scheint Staub und Fusseln regelrecht anzuziehen. Ständig greife ich zum Tuch und wische es ab, damit es wieder hübsch aussieht. Immerhin wird es wohl nicht so schnell Kratzer bekommen, denn Vorder- und Rückseite sind durch Gorilla Glass 4 geschützt.

Der Home-Button ist gleichzeitig ein Fingerabdrucksensor. Links und rechts daneben befinden sich zwei kapazitive Tasten, die mit einer einzelnen weißen LED leuchten, wenn ihr darauf tippt. An der Oberseite des Smartphones liegt der Kopfhörer-Anschluss und ein Infrarot-Sensor. Der SIM-Karten-Slot befindet sich am linken Rand des Smartphones. Möchtet Ihr die Dual-SIM-Funktion nutzen, legt Ihr hier zwei Nano-SIM-Karten ein. Eine Micro-SD-Karte, um den Speicher zu erweitern, könnt Ihr beim Mi5 allerdings nicht einstecken. Powerknopf und Lautstärke-Wippe liegen rechts am Rand, sind allerdings ziemlich wackelig verbaut. Die Rückseite lässt sich nicht abnehmen und somit auch der Akku nicht austauschen.

Technisch top

Von der verbauten Hardware sind wir beeindruckt, wenn man den Preis im Hinterkopf behält. Xiaomi spendiert dem Mi5 ein großes 5,15-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) und einer hohen Pixeldichte von 428 ppi. Das ist gestochen scharf, hell und stellt auch die Farben sehr gut dar. Die Blickwinkel sind sehr groß und die Inhalte auf dem Bildschirm lassen sich auch von der Seite noch klar und deutlich erkennen. Außerdem verfügt das Display über die sogenannte "Sunlight Display"-Funktion, bei der im hellen Licht nicht wie bei anderen Smartphones automatisch die Helligkeit des gesamten Bildschirms reguliert, sondern jeder Pixeln einzeln angepasst wird, damit man ihn wieder besser erkennt. Das funktioniert einwandfrei.

Auch im Inneren steckt jede Menge tolles Zeug! Da haben wir zum Beispiel den momentan stärksten Handy-Prozessor am Markt, den Snapdragon 820. Der Vierkerner taktet mit 2,15 GHz. Ihm zur Seite stehen in der 32- und 64-GB-Version drei Gigabyte Arbeitsspeicher. Die 128-GB-Variante bekommt vier Gigabyte RAM. Als Grafikchip kommt die Adreno 530 GPU zum Einsatz, die - das wird die Gamer unter Euch freuen - auch die neue Grafikschnittstelle Vulkan unterstützen wird. Kleiner Wermutstropfen: Bei der 32 Gigabyte-Variante, die wir testen konnten, verbaut Xiaomi eine auf 1,8 GHz runter getaktete Version der CPU.

Bei AnTuTu erreicht das Mi5 mit dem langsamer getakteten Snapdragon 820 einen Wert von 114.029 Punkten. Im Vergleich liegt es damit hinter dem Galaxy S7 Edge (131.00 Punkte), aber vor dem Huawei Mate 8 (91.157 Punkte). Bei Geekbench 3 holt das Xiaomi-Smartphone 1935 Punkte im Single-Core- und 4673 Punkte im Multi-Core-Betrieb. Zum Vergleich: Das iPhone 6s kommt im Single-Core auf 2560 Punkte, im Multicore auf 4473. Und das Galaxy S7 Edge erreicht 2081 Punkte im Single-Core und ganze 6440 Punkte im Multicore. Das Mate 8 schafft mit seinem Kirin 950 im Geekbench 1.749 Punkte bei der Single-Core-Messung und 6.078 Punkte bei der Multi-Core-Messung. Allen Benchmarkwerten zum Trotz: Auch beim intensiven Zocken haben wir keine Probleme. Das Xiaomi Mi5 wird nach einer Weile zwar recht warm, doch nicht unangenehm heiß. Auch ließ sich bei der etwas langsameren Version des Snapdragon 820 nicht das massive Drosseln des Vorgängers beobachten.

Als Benutzeroberfläche kommt das aktuelle MiUi V7, welches auf dem aktuellen Android 6.0 Marshmallow basiert, zum Einsatz. Schade ist nur, dass es keine deutsche Sprachunterstützung gibt. Ihr müsst aber kein Chinesisch lernen, englische Sprachkenntnisse reichen aus. Die gesamte Nutzeroberfläche ist auch ins Englische übersetzt.

Fotos: sehr gute Qualität mit intensiven Farben

Auf der Rückseite sitzt im Mi5 eine 16-Megapixel-Kamera (4608 x 3456 Pixel) mit optischem Bildstabilisator und einem Dual-LED-Blitz. Pluspunkt: Sie steht nicht hervor. Dadurch kann das Smartphone auf dem Tisch liegen, ohne zu wackeln. Die Bildqualität gefällt: Die Farben sind intensiv, der HDR-Modus lässt die Aufnahmen besser aussehen, der Bildstabilisator hilft, wenn die Hand nicht ruhig ist. Die Kamera arbeitet mit dem Exmor RS CMOS Sensor und verfügt über eine Blendenöffnung von f2.0. Nachts, bzw. im Dunkel kann sich das Ergebnis der Kamera ebenfalls sehen lassen, nur das Aktivieren des Blitzlichts lohnt sich in den seltensten Fällen. Blättert Euch durch unsere Fotogalerie, um einen Eindruck zu gewinnen. Videos kann die Kamera in 4K-Qualität aufzeichnen.

Für Selfies und Videotelefonie steht auf der Vorderseite eine 4-Megapixel-Kamera zur Verfügung. Selfies werden damit scharf und sehen sehr gut aus. Aufnahmen haben kaum Rauschen und keine Artefakte. Kurzum: Wir sind mit der Leistung beider Kameras sehr zufrieden.

Akku: eines der wenigen Smartphones mit Quick Charge 3.0

Der verbaute Akku kommt auf eine Leistung von 3000 mAh, was locker für einen Tag intensiver Nutzung reicht. Aufgeladen wird das Smartphone über einen USB-Typ-C-Stecker. Das Xiaomi Mi5 ist eines der bisher nur vier Geräte, die die neuste Schnellladetechnik Quick Charge 3.0 unterstützen. Neben dem China-Smartphone profitieren bisher nur Besitzer des HTC One A9, des bald erhältlichen LG G5 und des für den Spätsommer angekündigten HP Elite X3 und von der Funktion. Und die hat es in sich: Nach nur 30 Minuten an der Buchse ist der Akku schon mehr als 80 Prozent geladen. Quick Charge 3.0 ist eine Erfindung von Qualcomm und kann nur bei Geräten mit deren Snapdragon-Prozessoren verwendet werden.

Preise und Verfügbarkeit

Umgerechnet kostet das Mi5 mit 32 Gigabyte (3 GB RAM) nur knapp 280 Euro. Die 64-Gigabyte-Version (3 GB RAM) liegt bei 316 Euro und die Pro-Variante mit 128 GB (4 GB RAM) kostet 371 Euro. Allerdings ist das Smartphone in Deutschland nicht direkt vom Hersteller zu beziehen. Noch nicht. Beim Importhändler Tradingshenzen, der uns das Smartphone dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat, kostet das getestete Modell 377 Euro und das große Pro-Modell 453 Euro.

Fazit: Was will man mehr?

Leider konnten wir das Pro-Modell nicht testen, das den aktuellen Flaggschiffen auch leistungstechnisch richtig gefährlich wird. Aber auch das "kleine" Mi5 hat uns überzeugt: sehr gute Technik zu diesem Preis? Da kann man nicht meckern. Die Verarbeitung ist an manchen Stellen zwar noch verbesserungswürdig, aber dennoch kein Manko. Da der Prozessor in der 32-Gigabyte-Variante heruntergetaktet ist, würden wir beim Kauf eher zu einer der größeren Varianten raten.


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