Fitnesstracker mit Pulsmesser ungenau? Das müsst ihr berücksichtigen

Alle Fitbit-Wearables ermitteln den Puls mithilfe von grünem Licht
Alle Fitbit-Wearables ermitteln den Puls mithilfe von grünem Licht(© 2019 Fitbit)

Nahezu alle aktuellen Fitnesstracker und Smartwatches bringt einen Pulsmesser beziehungsweise einen Herzfrequenzsensor mit. Der Einsatz ist denkbar einfach. Denn die meisten Wearables tracken euren Herzschlag automatisch. Doch könnt ihr dem Ergebnis auch vertrauen?

  • Herzfrequenzsensoren ermitteln euren Puls mithilfe von LEDs
  • In der Regel strahlen die LEDs grünes Licht aus
  • Grünes Licht kann zu ungenauen Messungen führen

Fitnesstracker mit Pulsmesser erfassen eure Herzfrequenz in der Regel ohne euer Zutun. Sie zeichnen standardmäßig rund um die Uhr auf, ohne dass dafür Einstellungen notwendig wären. Dies geschieht unabhängig davon, ob ihr gerade im Fitness-Studio seid, Sport im Freien treibt oder den Tracker auf der Couch tragt. Aber wie zuverlässig sind die erhobenen Daten überhaupt? Teilweise nicht so sehr, wie die meisten von euch vielleicht denken.

Darauf kommt es an

Sowohl Wissenschaftler als auch Nutzer von Fitnesstrackern mit Herzfrequenzsensor haben ihre Zweifel an der Verlässlichkeit der Messung. Und die sind offenbar berechtigt: Untersuchungen haben ergeben, dass es besonders bei Nutzern mit dunklerer Haut zu falschen Ergebnissen kommen kann. Warum ist das so?

Nahezu alle kommerziell erhältlichen Wearables messen die Herzfrequenz über optische Sensoren. Diese tracken vereinfacht gesagt, wie viel Blut durch euer Handgelenk an ihnen vorbeiströmt. Dafür strahlen integrierte LEDs Licht aus. Je weniger Blut fließt, desto mehr Licht wird zurück in die Sensoren reflektiert. Die Art des verwendeten Lichts ist ausschlaggebend für die Genauigkeit der Messung.

Dunkle Haut erschwert Pulsmessung

In allen Fitbit-Geräten, manchen Samsung-Smartwatches und zahlreichen Wearables anderer Hersteller komme laut STAT grünes Licht zum Einsatz. Die Integration sei günstig und einfach, doch grünes Licht habe einen entscheidenden Nachteil: Seine vergleichsweise geringe Wellenlänge führe zu einer stärkeren Absorption durch Melanin. Letzteres kommt in dunklerer Haut vermehrt vor. Je dunkler eure Haut also ist, desto höher sei die Gefahr einer ungenauen Messung. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass sich bislang kaum Studien ausführlich mit diesem Problem beschäftigen. Dass Melanin grünes Licht absorbiert sei aber hinreichend belegt.

Welche Modelle messen genau?

Immerhin eine Studie aus dem Jahr 2017 hat die Genauigkeit der Herzfrequenzsensoren in Wearables untersucht. Ihr zufolge haben beispielsweise Fitbit Surge und Samsung Gear S2 Probleme, den Puls bei dunkelhäutigen Personen präzise zu bestimmen. Die Apple Watch hingegen sei dazu in der Lage gewesen. Die Smartwatch arbeite zwar ebenfalls mit grünem Licht, zusätzlich komme etwa alle 5 Minuten aber Infrarot-Licht zum Einsatz. Leider ist die Apple Watch bekanntlich nicht mit Android-Smartphones kompatibel.

Eine der besten Optionen für Besitzer von Android-Handys ist eigentlich die Samsung Galaxy Watch. Doch diese soll ausschließlich auf grünes Licht setzen. Branchen-Insidern zufolge soll das für die meisten populären Tracker gelten. Denn in neun von zehn Herzfrequenzsensoren komme grünes Licht zum Einsatz – und in der Regel keine weitere Lichtart.

Welche Sport- und Fitness-Wearables euren Puls ähnlich gut messen wie die Apple Watch, lässt sich schwer beantworten. Denn die Hersteller geben nur selten an, welches Licht bei ihren Wearables zum Einsatz kommt. Für Kunden ist vor dem Kauf daher oft nicht nachvollziehbar, wie genau eine Smartwatch oder ein Fitness-Armband beziehungsweise -Tracker den Puls ermittelt.

Was bedeutet das für euch?

Allein auf euren Fitnesstracker verlassen, solltet ihr euch bei der Messung eurer Herzfrequenz ohnehin nicht. Für Nutzer mit dunkler Haut scheint das umso mehr zu gelten. Bei ihnen stellen manche Wearables unter Umständen einen unregelmäßigen Herzschlag fest, obwohl alles in Ordnung ist. Auch Body-Mass-Index und Handgelenksumfang stehen im Verdacht, sich auf Pulsmessungen auszuwirken.

Im Zweifel messt ihr euren Puls zusätzlich auf traditionelle Weise. Dazu legt ihr zunächst Zeige- und Mittelfinger auf Handgelenk oder Hals. Dann zählt ihr die Herzschläge 30 Sekunden lang mit und verdoppelt deren Anzahl, um euren Puls zu erhalten. Das Ergebnis könnt ihr anschließend mit dem Messwert eures Wearables vergleichen.

Zusammenfassung:

  • Wearables messen euren Puls über Herzfrequenzsensoren
  • LEDs um den Sensor herum strahlen Licht aus
  • Der Sensor ermittelt, wie viel davon reflektiert wird
  • Dabei kommt aus Kostengründen oft nur grünes Licht zum Einsatz
  • Dunkle Haut absorbiert grünes Licht
  • Das kann zu ungenauen Ergebnissen führen
  • Die Apple Watch misst einer Studie zufolge relativ zuverlässig

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