Von 2 KBit bis LTE: Wieviel Geschwindigkeit braucht es für was?

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Volle Kraft voraus? Eigentlich braucht es gar nicht so viel, um bequem zu surfen.
Volle Kraft voraus? Eigentlich braucht es gar nicht so viel, um bequem zu surfen.(© 2017 CC: Flickr/Kevan)

Seit dem Mobile World Congress 2017 ist der Datenturbo 5G in aller Munde. Aber wie viel Speed braucht man überhaupt, um WhatsApp, Netflix und Co. auf dem Smartphone unterwegs nutzen zu können? 

Die Technikwelt steht nie still. Es geht immer größer, toller, besser und, im Fall von Internet-Geschwindigkeiten, auch schneller: Auf dem Mobile World Congress 2017 (MWC) war zum Beispiel 5G ein großes Thema. Der Datenturbo soll bis 2020 eingeführt werden und in der Theorie Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 10.000 MBit ermöglichen. Da stellt man sich die Frage: Braucht man das eigentlich? Kurze Antwort für Smartphone-Besitzer: nein! Denn viele Anwendungsgebiete decken auch die heutigen Standards locker ab. Für das Allermeiste braucht man nicht mal LTE.

Aber der Reihe nach. Wenn es für Euch ganz schlecht läuft, etwa nach dem Volumenverbrauch im Ausland, habt Ihr Zugriff auf eine mobile Bandbreite von 2 KBit, oder anders ausgedrückt: nichts! In der Theorie besteht noch eine Internetverbindung, in der Praxis brauchen wir in dieser Größenordnung gar nicht von Geschwindigkeit zu reden.

64 KBit: Wenn die Drossel singt

Etwas mehr klappt mit 32 oder 64 KBit. Das ist die magische Zahl, auf die Mobilfunkanbieter in der Regel abdrosseln, wenn Ihr Euer Datenvolumen aufgebraucht habt. Zwar laden Webseiten in der Geschwindigkeit quälend langsam, aber sie laden. Das gilt auch für Social Networks, wie Facebook oder Twitter. Auch WhatsApp lässt sich in dem Tempo noch benutzen, solange es beim Versand und Empfang von Textnachrichten bleibt. Bilder, Videos und Sprachaufzeichnungen solltet Ihr lieber nicht verschicken. Ebenfalls gar nicht abspielbar sind Clips von YouTube, Netflix oder Amazon Video.

WhatsApp funktioniert zwar auch mit wenig Speed. Video-Anrufe klappen dann allerdings nicht.(© 2016 CURVED)

Besser wird es in der Stufe darüber. Mit rund 290 KBit, oder EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution), könnt Ihr zum Beispiel mit Google Maps navigieren oder Musik über Spotify und Co. streamen. Auch hier ist aber noch Geduld gefragt, bis der Stream zum Lieblingsalbum oder die Route zum nächsten Italiener in einer fremden Stadt stehen. Wer ganz viel Geduld hat, kann es auch einmal mit einem YouTube-Video probieren, muss aber längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

3G bietet fast alles

Schneller als EDGE ist 3G. Hier sind bereits Downloadraten von bis zu 7,2 MBit möglich. Das reicht nicht nur für alle WhatsApp-Funktionen, sondern auch, um Bilder in annehmbarer Geschwindigkeit auf Facebook oder Instagram anzusehen oder selbst zu teilen. Musik-Streams laufen ohne Probleme, und sogar Netflix- oder Amazon-Videos und der Abruf von Inhalten aus Mediatheken sind drin. Für die meisten Aufgaben braucht es allerdings nicht einmal die volle Bandbreite. Für Messenger und Social Networks sind 1 MBit völlig ausreichend. Auch Videostreams sind möglich, dann aber nur in geringerer Auflösung.

Um Netflix unterwegs zu schauen, reicht 3G aus.(© 2015 CURVED Montage)

Für Speed-Freaks gibt es LTE. Dateien, zum Beispiel einen Podcast, unterwegs in Windeseile aus dem Netz aufs Smartphone zu laden, ist damit ebenso wenig ein Problem wie der Konsum von HD-Videos. Außerdem könnt Ihr damit Videotelefonie über Skype, FaceTime und Co. starten, ohne dass es zu nervigen Bildstörungen kommt – eine entsprechend schnelle Verbindung beim Gegenüber vorausgesetzt.

WhatsApp und Co. auf Eure Bandbreite trimmen

Mit den richtigen Einstellungen könnt Ihr die beliebtesten Apps übrigens ganz einfach an die Euch zur Verfügung stehende Surf-Geschwindigkeit anpassen oder dafür sorgen, dass Ihr Euer Volumen nicht zu schnell aufbraucht.

  • WhatsApp: Für Anrufe könnt Ihr in den Einstellungen die Option "Reduzierter Datenverbrauch" aktivieren, müsst dann aber Qualitätseinbußen in Kauf nehmen.
  • Netflix: Netflix unterwegs schauen, das ist schon lange kein Problem mehr. In den Einstellungen in der App legt Ihr fest, in welcher Qualität Ihr streamen wollt. In der niedrigsten Stufe verbraucht Ihr nach Netflix-Aussage ein Gigabyte pro vier Stunden.
  • Amazon Prime Video: Bei Amazon gilt das gleiche wie bei Netflix: Ihr habt die Möglichkeit, Inhalte herunterzuladen. Einstellungen fürs Streaming bietet der Versandhändler in seiner App aber nicht.
  • Spotify: Der Musik-Streamingdienst unterschiedet beim Streaming in drei Stufen: normale, hohe und extreme Qualität. In der App selbst findet sich schon der Hinweis: "Hohe Qualität verwendet mehr Daten." Unterwegs solltet Ihr also "Normal" auswählen.
  • Facebook: Die App des Social Networks bietet zwar keine Möglichkeit, den Datendurchsatz zu verringern. Dafür gibt es aber eine zweite Anwendung: Facebook Lite bricht das Netzwerk auf die Basics herunter. Die App ist zwar eigentlich für Länder mit schwachem Netzausbau gedacht, funktioniert aber auch in Deutschland.
  • Instagram: Auch beim Bildernetzwerk lässt sich "Geringer Datenverbrauch" aktivieren in den Einstellungen aktivieren. So passt der Anbieter sein Angebot auch für niedrigere Bandbreiten an.

Fazit: LTE ist schnell, aber 3G langt

Videos ansehen, Bilder teilen, chatten: Für den Betrieb der meisten gängigen Apps reicht 3G aus. Nur, wenn Ihr unterwegs unbedingt hochaufgelöste Videos sehen wollt, sollte es LTE sein. Allerdings bieten die gängigen Videoportale, mit Ausnahme von YouTube, mittlerweile eine Download-Option, sodass Ihr nicht zwingend auf schnelles Internet angewiesen seid.


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